Ist ein Mensch mit wenig oder gar keiner Empathie ein schlechterer Mensch bzw. hat er einen schlechteren Charakter?

.....z.B. ein Mensch, der zwar wahrnimmt, dass jemand trauert, aber der pragmatisch darauf reagiert

...jemand der Zuneigungsbekundungen sucht, aber selten und dann ungeschickt gibt

...jemand, der sagt, ich verstehe, dass dich mein Verhalten verletzt und versuche, auf dich einzugehen, aber ich schaffe es nicht immer

...jemand, der überrascht ist, wie gern ihn jemand hat und das dann überspielt

...jemand, der nur in bestimmten Phasen Nähe zulässt, diese Nähe aber immer in greifbarer Nähe wissen will

...jemand, der anderen Komplimente zu sachlichen Themen macht, sich aber schwer tut, das auf emotionaler Ebene zu machen

...jemand, der andere gerne warten lässt und deren Unmut darüber herunter spielt, aber empfindlich reagiert, wenn man ebenso mit ihm verfährt

...jemand, der andere selten nach ihren Gefühlen fragt und auch selten eigene Gefühle äussert.

Hat solch eine Person Charakterdefizite, oder ist sie einfach nur anders, aber nicht zwangsläufig schlechter? Würdet Ihr solch eine Person als kalt bezeichnen oder einfach denken, es wurde ihm/ihr nicht beigebracht?

Und wie geht man als gute/r Freund/in damit um?

Freundschaft, Beziehung, Persönlichkeit, miteinander, Psychologie, Charakter, Ego, Egoist, Emotionen, Empathie, Interaktion, Liebe und Beziehung, Soziologie, Sympathie, Umgangsformen
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Ratlosigkeit: Wie geht ihr mir den Sorgen von Familie und engen Freunden um?

Aktuell habe ich das Gefühl, dass alle Personen um mich herum schreckliche Probleme haben. Gesundheitlich oder einfach Schicksalsschläge.

-- Jemand Depression, jemand neuerdings Rheuma, jemand Hautkrebs, jemand Demenz, jemand in jungen Jahren kurz vor der Erblindung (Augenprobleme), jemand (junge Mutter zweiter Kinder) eine Psychose und jetzt völlig aus dem Leben und dem der Kinder gerissen, jemand direkt nach der Geburt alleinerziehend, ... --

(Bei der Aufzählung handelt es sich jeweils um unterschiedliche Personen, Familienangehörige und enge Freunde.)

Ich bin kein sonderlich empathischer Mensch, eigentlich eher im Gegenteil. Normalerweise habe ich so viel einfühlungsvermögen wie ein Stein, oder naja, es gibt empathischere Menschen als mich, wirklich. Aber es nimmt jetzt ein Ausmaß an, dass ich es nicht mehr aushalte, und gerne alles jemandem erzählen würde, mir alles vom Herzen reden will, wie mein Umfeld leidet und es belastet mich schleichend mit. Aber die wenigen Personen, die sorgenfrei übrig bleiben, sind mir nicht so nah, dass ich das alles jetzt vom Fleck weg erzählen könnte (Vertrauen meinerseits, und vermutlich Interesse dererseits fehlt).

Der erste beste Rat ist wohl, sich emotional zu distanzieren. Das ist aber ein schlechter Rat, es geht praktisch um mein engstes vertrautes soziales Umfeld. Falls der Rat trotzdem kommt - konkreter, WIE distanziert man sich? Mit wem kann ich sonst reden? Wie werde ich wieder zum "Stein"? Ich kann auch nicht den Leuten jeweils voneinander erzählen, denn sie haben ja alle ihre besagten Probleme und ich möchte niemanden weiter runterziehen.

Zur Info, ich bin erwachsen, bitte um ernstgemeinte Antworten, freue mich über jeglichen Austausch zum Thema oder eigene Erfahrungswerte.

Familie, Freundschaft, Freunde, Psychologie, Empathie, Kummer, Liebe und Beziehung, Mitgefühl, Sorgen, Distanz
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Wie findet ihr die Reaktion meiner Freundin?

Hey,

also mir war heute den Tag über nicht gut. Kopfschmerzen, eine Entzündung an der Brust und ich hatte Schiss vor einer Krebserkrankung.

Dieses Wochenende bin ich nicht bei meiner Freundin. Sie war gestern Abend bis halb drei unterwegs auf einem Geburtstag und dann hat sie nicht mal geschrieben, wie es auf dem Geburtstag war (ich war nicht eingeladen deswegen bin ich auch nicht mit).

Dann habe ich ihr erst Nachmittags geschrieben, weil ich den Großteil des Tages im Bett lag. Eigentlich will ich nicht verpimpelt klingen und schrieb ihr nur, dass es mir heute nicht so gut geht. Dann schrieb sie mir aber auch zwei Std. später: "Was hast du denn?" Dann erzählte ich doch, was ich hab und dann kam nur: "Ohh das hört sich nicht gut an. Lass es mal lieber entspannt angehen. ich mach mir schon etwas sorgen" Schrieb ihr dann, dass ich das ja mache und ich denke das es einfach durch das blöde Wetter kommt und das mich der Entzündung aufregt. Und dann kam auch erst später: "Hmm, und was willst du jetzt machen?" Wie hört sich das für euch an? Wir sind über ein Jahr zusammen, aber schon seit Dezember/Januar kommen auch fast gar keine lieben Nachrichten mehr, die einen aufbauen.

Klar wenn wir uns sehen, dann fühl ich mich geborgen und sie sagt auch, dass sie keinen anderen will und ich weiß, dass sie die Frau ist. Aber ich verstehe nicht, warum sie sich öfters so bedeckt hält. Am Donnerstag hatten wir einen Zoff, weil ich nicht gleich zur Stelle war (an meiner Masterarbeit gearbeitet) und sie 40 Minuten mit mir in der Bib warten musste.

Liebe, Freundschaft, Frauen, Beziehung, Krankheit, Empathie, Freundin, Liebe und Beziehung
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Bin ich zu empathisch... kann jeden verstehen?

Ich will gar nicht lange labern, sondern direkt das Problem angehen: Ich kann allgemein jeden Menschen und jede Meinung nachvollziehen und verstehe, warum man diese vertritt.

Aus diesem Grunde fällt es mir extrem schwer, Stellung zu beziehen oder eine Meinung zu bilden, da ich, je mehr ich nachdenke, eigentlich immer zu dem Schluss komme, dass ich keine Meinung habe, da es immer viele verschiedene Sichtweisen gibt, die meiner Meinung nach auch alle eine Daseinsberechtigung haben.

Man muss ja auch bedenken, dass die Meinungen von anderen Menschen vor allem von der Erziehung und Sozialisation abhängen - dementsprechend gibt es also auch keine falschen oder richtigen Meinungen, da eine Meinung letztlich nur das Resultat des Sozialisationsprozesses ist.

Das Problem, das ich einfach sehr oft habe, ist, dass Menschen mir eine Frage stellen, und ich diese so nicht direkt beantworten kann, weil ich erst lange abwägen muss, und letztlich antworte "Was ist dir denn lieber?". Eine eigene Meinung habe ich fast nie, da ich Anderen auch nicht damit vor den Kopf stoßen möchte und im Prinzip auch keine wirkliche Meinung "fühle".

Es gibt Situationen, wo das sehr nervig ist, vor allem bei Kleinigkeiten. Das fängt schon bei der Entscheidung zwischen Salami oder Schinken auf dem Brot an: Ich denk mir dann so "Hmm, die Salami hat nur noch 4 Scheiben. Unter Umständen isst sie jemand Anderes und dann ist keine mehr da. Andererseits hatte ich gestern schon Salami.". Dann stehe ich da mehrere Sekunden und entscheide mich währenddessen tausend mal um.

Andererseits kann meine gewisse Nüchternheit auch sehr hilfreich sein: In der Schule bin ich sehr gut darin, genaue Analysen und vor allem neutrale Kommentare (dritte Aufgabe in Klausuren) zu schreiben. Da bekomme ich in der Regel immer nahezu volle Punktzahl, da ich sehr gründlich nachdenke und immer den Schluss ziehe, dass beide Positionen in ihrer Weise schlüssig sind und eine Daseinsberechtigung haben.

Meine Frage: Bin ich evtl zu empathisch, und erschwert mir das, Entscheidungen zu treffen? Also, ist mein Problem, dass ich mich eigentlich versuche, in jede Person und jede Möglichkeit hineinzuversetzen und dementsprechend immer den Schluss ziehe, dass ich niemanden benachteiligen möchte?

Schule, Sprache, Menschen, denken, Psychologie, Empathie, Liebe und Beziehung, Philosophie und Gesellschaft
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Gibt es einen Begriff zwischen Empathie und Apathie?

Empathie, sprich Einfühlungsvermögen, ist etwas, was in unserer Moderne heute großgeschrieben wird. Ich erlebe jedoch immer mehr Missverständnisse und Fehlinterpretationen im Bezug auf wahrnehmungsorienrierter Empathie, die sogar soweit gehen, dass sich die entsprechenden Gegenseiten sogar Apathie, Böswilligkeit oder sonst was unterstellen.

Es lässt sich in obigen Fällen ja weder als Einfühlungsvermögen noch grundsätzlich als Teilnahmenslosigkeit beschreiben, da es mehr aus einem Unverständnis bzw. gegensätzlichen Idealen und Moralvorstellungen herausfolgt.

Beispiele aus dem Alltag (überspringbar)

Sehr häufig beobachtet wäre hier z.B. die Stellvertretermoral, in der eine Person für eine andere Person aus Empathie heraus Partei ergreift, weil sie aus ihrer Wahrnehmung heraus eine Ungerechtigkeit bzw. ein Leid erfährt, welches der Betroffene womöglich gar nicht so empfindet und in manchen Fällen sogar durch dieses Auftreten erst Schaden erleidet. Dafür müsste der Betroffene erstmal befragt oder überhaupt mit eingebunden werden.

Ein weiteres Thema wäre das gegenseitige Schuldzuweisen ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Zwei Personen zeigen beide Empathie für eine Sache, oder meinen zumindest es zu tun, aber stehen sich in ihrem Interessenskonflikt aufgrund eines ethischen Dilemmas gegenseitig im Weg für das jedoch beide keine Augen haben, da für jeweils beide aufgrund ihrer unterschiedlichen Werte-Hierarchien klar eine Sache im Vordergrund zu stehen hat.

Wie an den Beispielen zu erkennen hat die Fähigkeit des Einfühlens oft ihre Grenzen, z.B. an persönlichen Interessen oder Schwächen und sei es nur aus dem eigenen Unwissen, der Ignoranz, dem anerzogenen Weltbild oder eigenem Ego heraus. Daher wäre die Frage, ob es für solche Mittel- bzw. Patt-Situationen einen Zwischenbegriff zwischen Empathie und Apathie gibt?

Vielleicht sowas wie "Dysempathie" als synonym für aneinander vorbeiziehende, fehlgeleitete bzw. wahrnehmungsverzerrte oder diametrale Empathie. :) Oder auch das "Empathie-Dilemma" in der Gesamtbetrachtung von außen xD

Religion, Politik, Psychologie, Empathie, apathie, Philosophie und Gesellschaft
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Einordnung von Mitleid, Mitgefühl, Empathie sowie Soziale Intelligenz?

In vielen Artikeln widersprechen oder verschwimmen die Begriffe einander, weshalb ich mal versucht habe nach meinem Verständnis eine Einordnung vorzunehmen.

Ich versuche es mal darzulegen und ihr könnt dann zustimmen, verneinen, korrigieren oder erweitern.

Mitleid: Leid nachempfinden. Eine Person spiegelt bzw. projiziert das Leid einer anderen Person auf sich selbst.

Mitgefühl: Die gleiche Definition wie oben nur "Leid" durch "Gefühl" ersetzt.

Verhältnis zwischen Mitgefühl und Mitleid

Vielmals wird zwischen Mitgefühl und Mitleid getrennt. Mitgefühl ist doch aber eigentlich ein Oberbegriff von Mitleid. Leid wird empfunden, weshalb Mitleid zum Mitgefühl zählt ebenso wie bspw. das Mitfreuen.

Empathie: Einfühlungsvermögen. Es beschreibt die Fähigkeit sich einfühlen zu können. Es lässt die Wahl des rationalen Abstands, indem das Leid bzw. Gefühl als Zustand nachvollzogen und verstanden, jedoch nicht angenommen und herein gelassen wird.

Soziale Intelligenz: Bezeichnet die Erkenntnis zu menschlichen Sozialverhalten und Bedürfnissen. Es erlaubt mit der notwendigen Kompetenz sein eigenes Verhalten und das des Umfelds entsprechend zu beeinflussen oder sogar zu kontrollieren.

Emotionale Intelligenz: Bezeichnet die Erkenntnis zur menschlichen Gefühls- und Seelenwelt. Es erlaubt mit der notwendigen Kompetenz seine eigenen Reize und Regungen und die des Umfelds entsprechend zu regeln oder sogar zu lenken.

Verhältnis zwischen sozialer und emotionaler Intelligenz

Wie bereits oben bei Mitleid und Mitgefühl verhält es sich auch hier. Die soziale Intelligenz ist ein Oberbegriff, welche die emotionale Intelligenz mit einschließt.

Einordnung im Fazit:

Daraus ergeben sich für mich drei Stufen der Nähe und des Umgangs:

---> Mitgefühl (hineinversetzen und annehmen)

---> Empathie (nachvollziehen und rationaler Abstand)

---> Sozialintelligenz (erkennen und kalkulieren)

Was sagt ihr?

Sehe ich das genauso! 66%
Ich hätte da meine Einwände (eventuell begründen) 33%
Schule, Psychologie, Empathie, Mitgefühl, Philosophie und Gesellschaft
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Warum fiel dem Regisseur in dieser Szene nichts besseres ein?

Hallo.

Es geht um einen Film.

Konkret geht es um eine Filmszene, dass meiner Meinung nach die Dramatik versaut hat.

In einer Situation im Film ist der Mann, nennen wir ihn John, am sterben. Seine treue und langjährige Frau kommt zu ihm und sagt, während er am sterben ist folgendes:

,,John, sieh mich an.

Wir werden zurecht kommen, jetzt findest du Ruhe."

Danach ist John halt gestorben. Seine Frau weint dann aber.

So, wo genau ist jetzt mein Problem?

Es gibt ja viele ähnliche Szenen in anderen Filmen, wo irgendjemand stirbt und dessen langjähriger Freund oder Frau bei ihm ist. Aber in anderen Filmen sagt die Person zur sterbenden Person eher sowas wie:

,,Bitte bleib bei uns, ich kann ohne dich nicht leben."

,,Bitte verlass mich nicht, ohne dich schaffe ich es nicht"

Versteht ihr? Da wird schön Drama aufgebaut, manch ein Zuschauer weint sogar.

Aber wie ich es oben beschrieben habe, also dass mit John.

Da wird NULL Drama aufgebaut. Als ich die Szene gesehen habe dachte ich mir: ,,Euer Ernst?"

Weil diese Textstelle (mit John halt) impliziert doch schon fast, dass die Frau ohne ihren Mann zurecht kommen kann, bzw. ihren Mann eh nicht mehr braucht.

Sowas wie ,,Ja komm geh sterben, wir kommen auch ohne dich zurecht. Kannst ja dort deinen Frieden finden."

Auch wenn die Frau zwar in der Szene geweint halt, weil der Man kurze Augenblicke später gestorben ist, ändert es nichts an der Tatsache, dass diese Textstelle einfach total unpassend gewählt wurde und beim Zuschauer nicht mal einen Hauch an Empathie erzeugt. Der Zuschauer muss mitfühlen.

Aber NEEEE der Regisseur hat die beste und wichtige Szene im ganzen Film zerstört.

Wie seht ihr dass?

Mfg

Film, Kunst, Trauer, Belletristik, Drama, Empathie, Filme und Serien, Literatur, Medien, Regisseur
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