War der Holocaust selbst nach den Gesetzen des Dritten Reiches illegal?

Hallo,

mein Geschichtsprofessor meinte in einem Seminar einmal:

"Der Holocaust war selbst nach den Gesetzen des Dritten Reiches illegal".

Ich stelle seine Aussage nicht in Zweifel, hätte aber gerne eine wissenschaftliche Quelle oder eine Bestätigung für diese These.

Was ich weiß: Spätestens ab Ende 1933 konnte Hitler durch das Ermächtigungsgesetz seine Befehle als Gesetze durchsetzen. Auch die Verfolgung und Entrechtung von Kommunisten, Juden oder sonstigen für die Nazis unliebsamen Menschen wurde in Gesetzestexte gegossen. Die spätere Ausrottung allerdings ist ein wesentlich schwereres Kaliber. Auch weiß ich sehr wohl, dass der Wissenschaft bis heute ein schriftlicher Führerbefehl fehlt, in dem Hitler den Holocaust befiehl. Die Tötung von Deutschen (Juden, Gewerkschaftlern...) durch Arbeit in KZs oder gar die systematische Ausrottung in Todeslagern abseits einer kriegsrechtlichen Erklärung gehört meiner Ansicht nach auch nicht zu jenen Führerbefehlen, die in Gesetzesblättern abgedruckt wurden und die vermutlich nicht unabsichtlich außerhalb deutschen Bodens durchgesetzt wurde.

Und selbst wenn wir von einem (mündlichen) Führerbefehl zur Endlösung ausgehen: Wäre dieser rein juristisch auch legal gewesen - selbst nach den Gesetzen des Dritten Reichs? Immerhin wäre dieser Befehl damit verbunden gewesen, Millionen von Menschen grundlos umzubringen.

Mir stellt sich die Frage, wie man die Aussage meines Profs rein juristisch bewerten kann bzw. ob es eine klare wissenschaftlich-juristisch-geschichtliche Einordnung hierzu gibt?

(Leider kann ich meinen Prof nicht mehr fragen, aber ich gehe davon aus, dass dieser eine Quelle gehabt hätte).

Eine mögliche Antwort wäre tatsächlich, dass das gleichgeschaltete Gesetzgebungssystem des Dritten Reiches lediglich auf Führerbefehlen basierte und selbst ein mündlicher Befehl zur Endlösung den Holocaust legalisierte. Dagegen spricht aber die absichtlich schwammige Formulierung "Evakuierung" der Juden; als ob die Teilnehmer der Wannseekonferenz wussten, dass die korrekte Formulierung "Tötung" rechtlich illegal gewesen wäre. Eventuell mussten Gesetze auch in Gesetzesblättern abgedruckt werden, um rechtliche Legalität zu entfalten? Oder gibt es Gesetze des Dritten Reiches, mit denen der Holocaust als legal angesehen werden kann? Ich weiß um den Umstand, dass die Nürnberger Prozesse später Verbrechen gegen die Menschlichkeit definierten, die es aber im Dritten Reich noch nicht als formuliertes Recht gab.

Es geht mir nicht darum, die moralische Illegitimität des Holocausts zu erklären! Diese sollte jedem eindeutig erkennbar sein.

DANKE

Geschichte, Drittes Reich, Gesetzeslage, Holocaust, NS-Zeit, kriegsverbrechen, Nazideutschland
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Michel Friedmann in den Nachrichten. Wir sollen den Holocaust nicht vergessen. Was macht ihr privat als aktive Erinnerungskultur und wie gedenkt ihr der Opfer?

Begriffe wie "Vogelschiss und Denkmal der Schande" mussten natürlich fallen, als kleiner Seitenhieb an die AfD. Ihr kennt das Spiel im Fernsehen ja. Jetzt wurde im Bundestag gesagt, die Gedenkkultur sei nicht nur Aufgabe der Zivilgesellschaft, sondern auch der staatlichen Organe. Wie genau läuft das Gedenken bei euch in der Familie ab? Zündet ihr Kerzen an oder geht ihr zu einem Denkmal? Oder denkt ihr einfach nur darüber nach? Friedmann betont auch, wie sehr sich seine Familie durch die mangelnde Erinnerungskultur in Deutschland persönlich betroffen fühlt. Er spricht über die Menschenwürde in unserer Verfassung und kritisiert die Deutschen ohne aber gleichzeitig etwas Kritik an der eigenen Regierung in Isreal laut werden zu lassen, die parallel zu unserer "angeblich mangelhaften" Erinnerungskultur Menschenjagden in Palästina veranstaltet. Wenn er wirklich aus der Geschichte gelernt hat, wäre das nur fair und konsequent, die Situation der Menschenrechte in Isreal und des dortigen Militärregimes zu kritisieren und mit dem moralischen Zeigefinger auch mal auf andere Länder zu zeigen, in denen es viel schlimmer zugeht als hier in Deutschland!

Ich gehe heute ein Holocaustdenkmal besuchen und werde ernsthaft gedenken!

Geschichte, Deutschland, Politik, Gesellschaft, Holocaust
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Kam man als Jude aus dem KZ raus (bitte die ganze Frage lesen)?

Hallo,habe mal eine Frage an die Geschichtsexperten bezüglich Konzentrationslager.

Die "Vorgeschichte",in meiner Familie deuten viele Sachen darauf hin das meine Uroma (1920 geboren) Jüdin war,sie hat kein Schwein gegessen,war nie in der kirche,wollte von meiner Mum das sie NUR das alte testament liest.Ihre Schwester würde in einem Gemietetet Raum "beigesetzt" der zwar zur Evangelischen Kirche gehörte,allerdings war kein Pfarrer dabei.Sie hatten damals einen Milchhandel,hat zu Gott gebetet usw.Es deuten nochmehr Sachen darauf hin.Mein Gedanke ist das die Schwester ihrer Mutter einen Juden geheiratet hat,und die Mutter zum Judentum konvertiert ist (durch den bezug ihrer schwester),da die gesamte Familie(n) bis 1660 Katholisch war.Ausserdem sagte meine Uroma das sie ihren Mann (Deutscher Soldat) niemals hätte heiraten dürfen und sie sagen musste das ihr Ariernachweis verbrannt wurde (ihre Vorfahren waren wie ich rausfand bis 1845 Tschechen)

Nun ist es so:Der Bruder meiner Uroma und ihr Vater (vlt auch der andere Bruder.Sie hatten denn selben Namen),waren im November 1938 bis Februar 1939 im KZ Dachau,wurden auch wieder entlassen.Mein Gedanke war eben das sie in der SPD waren oder eben Kommunisten waren,oder etwas gegen den Anschluss des Sudetenlandes hatten (sie kamen aus Weipert).Da aber auch als Häftling der zweite Bruder,statt der Vater,in betracht kommt wollte ich fragen:

Ob man den als Angehöriger einer Partei,Partisane (das NUR wenn die beiden Brüder in Dachau waren) oder als Jude wieder herraus kam.Oder eben ob man als Mann einer Jüdin wieder dort rauskam ? Eig hätten doch dann,wenn es 1938-1939 nicht sooo schlimm mit der Judenverfolgung war,die Nazi`s meine Uroma+mutter+Geschwister denoch eingefangen und ins KZ gesperrt oder ?

Ihr Mann hat sie auch im Krieg verlassen,und ist nach dem Krieg nach Bayern soweit ich weiß.Eine Person aus meiner Familie meinte das 1939 dann meine Uroma+Mutter+Geschwister nach Theresienstadt kam,und im Ausgleich der Bruder und Vater aus Dachau rauskommt (Theresienstadt ging aber erst 1940/1941 los mit den Juden.

Wäre toll wenn mir da jmd helfen könnte,ob man unter solchen bedingungen aus Dachau rauskam.

Religion, Familie, Kirche, Geschichte, 2.Weltkrieg, Holocaust, Juden, Judentum, Judenverfolgung, Kinder und Erziehung, Nazi, KZ, Nazideutschland, Adolf Hitler
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Ist die Literatur für die 7. Klassen Gym (Nds) angemessen?

Hallo liebe Community.

Ich habe eine Frage an die (Deutsch-)Lehrer unter uns. Mein Sohn (12, 7. Klasse Gymnasium in Niedersachsen) wird als Literatur im Deutschunterricht "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne lesen. Ich kenne sowohl Buch als auch die Verfilmung dazu. Ich hätte gerne gewusst, ob der Lehrplan das tatsächlich schon für die 7. Klasse hergibt - auch wenn die Lehrkräfte sicherlich ein gewisses Maß an Spielraum haben, welche Literatur sie im Unterricht durchnehmen.

Ich finde die Thematik aber doch schon sehr schwer, auch wenn die Hauptfiguren Kinder in etwa in dem Alter sind. Aber die Themen Nationalsozialismus und Holocaust und alles, was damit zusammenhängt, sollte meiner Meinung nach erst einmal objektiv aus historischer Sicht im Geschichtsunterricht behandelt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Schüler der 7. Klasse das Sinnbild dieses Buches überhaupt nicht verstehen, weil sie sich einfach nicht vorstellen können, was zu der Zeit geschehen ist und was es bedeutet auf den verschiedenen Seiten des Zauns, um das Bild aus dem Buch aufzunehmen, zu stehen.

Das Buch ist wirklich empfehlenswert und ich begrüße es, es im Schulunterricht zu behandeln. Das habe ich auch meinem Ältesten vorgeschlagen, als er sagte, sie sollen sich Gedanken zu Literatur mit Themenvorgabe machen - aber er ist fast 16 und besucht die 10. Klasse. Das wäre m. E. die richtige Zielgruppe.

Da dies hier kein Forum ist und ich auch keine Diskussion lostreten möchte, bitte ich lediglich um Meinungen und Ansichten, vornehmlich derjenigen, die selbst vor dieser Aufgabe als Lehrkraft stehen.

Vielen Dank!

Das Buch ist für die 7. Klasse zu schwer. 100%
Das ist Buch ist für die 7. Klasse sinnvoll. 0%
Schule, Holocaust, Lehrer, Nationalsozialismus, Deutschlehrer
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