Warum sind so viele so naiv was den Klimaschutz angeht?

Also, das hier wird eine längere Diskussion.

Ich bin ein 26-Jähriger Mediendesign-Student und fühle mich momentan machtlos, was die Situation mit dem Klimaschutz angeht, es scheint sich mMn ein naiver Zwangsoptimimismus in Deutschland breit gemacht zu haben.

Ein Disclaimer vorab: ich bin kein Grün-Gegner, bei weitem kein politischer Fanatiker, bin ein Sozialist.

Nun zu meiner These: mMn haben wir in Deutschland NICHTS von einem internationalen Alleingang in der Klimafrage.

Ich würde meine These gerne Anhand von zwei möglichen Ausgängen veranschaulichen. Mir ist es bewusst dass es zwei Extreme sind, und dass es wie meistens im Leben, wahrscheinlich ein Mittelding wird.

Ausgang 1: ERFOLG

Deutschland ist bis 2045, 2050 Klimaneutral. Schön. Darf ich Fragen, was der Bürger in Deutschland davon hat?

Korrigiert mich wenn ich falsch liege, nach meinem Verständnis sollte es für das Klima keinen riesen Unterschied machen wenn NUR ein relativ kleines Land wie Deutschland, dass für lediglich 2% des globalen Co2-Austoßes ww in 2018 war (https://www.co2online.de/klima-schuetzen/klimawandel/co2-ausstoss-der-laender/) klimaneutral ist. Dass die Luft reiner wäre, wäre ein schwacher Trost ggü. den möglichen negativen Folgen hier.

Jetzt kommen die Verteidiger des jetztigen Klimaschutz-Plans der BR mit dem Argument:

"Deutschland muss mit gutem Beispiel voran gehen. Wir müssen (wie so oft) den Musterschüler spielen, und dann werden die anderen Industrieländer nachziehen."

Es ist doch logisch: welche Garantie haben wir dafür, dass die anderen Länder nachziehen? Ich glaube kaum dass Amerikaner eine Regierung wählen, die für den Klimaschutz z.B. höhere Steuern fordert. In China haben wir eine Diktaktur, die nur an Geld und Macht interesse hat.

Was die negativen Folgen hier wären: worst-case die größte Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte, die Verarmung der Gesellschaft, worunter natürlich nicht die Großverdiener am meisten leiden würden, sondern wie immer die Allerärmsten.

Ausgang 2: VERSAGEN

Wir sind nicht klimaneutral, weil wir z.B. nicht genug erneuerbare Energie erzeugen. Haben umsonst die E-Mobilität und Ausstieg aus der Kohle vorangetrieben, und dabei Milliarden ausgegeben.

Die Folgen für die Gesellschaft wären ähnlich wie oben.

Mein bevorzugter Plan:

Wäre es nicht schlauer, in den nächsten Jahren, zuerst zusammen mit wenigstens den USA und Japan einen Plan zu entwickeln, wie alle drei Länder bis z.B. 2060 Klimaneutral sind?

Selbst wenn Hamburg, meine Lieblingsstadt btw, bis dahin untergegangen ist, pragmatisch betrachtet, ist das nicht weniger schlimm als eine Verarmung der Bevölkerung in ganz Deutschland?

Durch Fakten lasse ich mich gerne umstimmen falls ich falsch liege, kommt mir aber bitte nicht mit Moralismus, Populismus und Grün-Fanatismus, damit kann man mich zu Null Prozent überzeugen, dafür ist die momentane Politik ein Paradebeispiel.

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Sind junge Menschen Doppelmoralisch im Umweltschutz?

Wenn man die ältere Generation vergleicht mir der jungen Generation sieht man den Unterschied deutlich; wir, also auch ich, setzen uns mehr für Umweltschutz ein.

Generation Boomer/X hat produziert und massenhaft verschwendet ohne drüber nachzudenken, was mit dem Müll danach passiert. Generation Z und Alpha (neugeborenen/ungeborenen) dürfen es hinterher teuer bezahlen und zusehen wie irreperable Dinge zugrunde gehen. — Soweit einverstanden. Kursiert auch in den Nachrichten.

Trotzdem kann ich nicht ganz nachvollziehen inwiefern meine Generation Umweltschutz umsetzen will, wenn gleichzeitig überall der Konsum steigt. Z.B. im Supermarkt: Meine Eltern meinen, dass es vor gut etwa 20 Jahren unmormal war bestimmtes Obst oder Früchte im Supermarkt ganzjährig einzukaufen. Das bedeutet, meine Generation kann das ganze Jahr über eine Wassermelonen und Ananas' essen, die teuer und dreckig importiert werden. – Also generell: Meine Generation lebt extrem viel verschwenderischer.

Gleichzeitig möchte niemand von den Jungen Erwachsenen auf seinen Wohlstand verzichten. Ein neues Haus, neues Auto, TV, alle 2 Jahre ein Handy, und jedes Jahr die neue Mode kaufen ... ... auf das ganze Luxusprogramm möchte niemand gern freiwillig verzichten. Obwohl gerade solche Dinge eine mieserable Ökobilanz haben.

Und plötzlich sind Leasing Verträge bei Autos beliebt. Heißt, alle paar Jahre ein neues Auto und das alte wandert nach Afrika oder was?

Sind wir, meine Generation, Doppelmoralisch oder gibt es gute Gründe die es widerlegen?

Klar muss irgendwer einen Anfang setzen, um dieses katastrophale Verhalten der vorherigen Generation und wir selbst zu ändern. Aber momentan sehe ich, gerade in meiner Generation (nicht alle aber die meisten) eine starke Doppelmoral.

Umweltschutz, Umwelt, Politik, klimaschutz, Psychologie, Generation, doppelmoral
Warum sind Atomkraftgegner strikt gegen Atomkraftwerke und geben neuen Formen der Kernenergie keine Chance?

Medien berichten:

Der Generaldirektor der globalen Kernenergie-Behörde bedauert den deutschen Atomausstieg. Global gesehen sei die einzige Frage, welche Art von Reaktoren künftig gebaut werden. [...] Deutschland erzeugt viel Strom aus erneuerbaren Energien. Das ist ein Experiment und wir werden genau beobachten, ob es funktioniert. [...] Wir glauben, dass zuverlässige und grundlastfähige Ressourcen erforderlich sind, um sie mit erneuerbaren Energien zu kombinieren. [...] Deshalb planen viele Länder, auf Kernenergie zu setzen [...] Die Kernkraftwerke, die wir heutzutage weltweit haben, sind sehr sicher.

Deutschland nimmt international eine Sonderrolle ein, da es als einzige große Industrienation auf Kernenergie verzichten will. Mittlerweile gibt es im Bereich der Kernenergie neue Technologien:

Ich halte diese kleinen modularen Reaktoren für mögliche Gamechanger, weil sie Charakteristika aufweisen, die die großen kommerziellen Reaktoren nicht haben. Das macht sie noch sicherer. [...] Auch Pläne für Gasgekühlte- und Flüssigsalzreaktoren werden vorangetrieben.

Auch das große Problem radioaktiver Abfälle wird angegangen:

Ein Grund, warum zum Beispiel der von Ihnen erwähnte Dual-Fluid-Reaktor in der Tech-Community so beliebt ist, besteht darin, dass er theoretisch die meisten radioaktiven Elemente im abgebrannten Brennstoff verwerten kann

Abschließend heißt es:

Wenn ich eine Sache an der deutschen Ausstiegs-Entscheidung bedauere, dann dass wir dadurch einige der besten Wissenschaftler und Techniker der Welt auf diesem Gebiet verlieren. Wenn man die hervorragenden Technologien sieht, die in Deutschland entwickelt wurden, ist es wirklich eine Schande, dass diese Fähigkeiten der Welt verloren gehen. [...] Deutschland manövriert sich gerade in eine unglückliche Situation, weil es seine Forschung, seine Lehre und sein Wissen verliert. Und sollten die Deutschen in 20 Jahren feststellen, dass angesichts des steigenden Strombedarfs und der höheren Anforderungen an die Dekarbonisierung an der Atomkraft kein Weg vorbeiführt, dann müssen sie die Technologie zu hohen Kosten aus dem Ausland kaufen und haben vielleicht nur wenige Optionen, welche Technologien sie kaufen und von wem sie diese erwerben können.

Kann es sein, dass der Atomausstieg irrational entschieden wurde und vielen Atomkraftgegnern die langfristigen Konsequenzen nicht bewusst sind?

Atomkraft hat gar keine Zukunft beim Klimaschutz 45%
Atomkraft hat eine wichtige Zukunft beim Klimaschutz 39%
Atomkraft hat eine kleine Zukunft beim Klimaschutz 15%
Umweltschutz, Schule, Umwelt, Strom, Politik, Klimawandel, klimaschutz, Kernenergie, Physik, Philosophie und Gesellschaft, Wirtschaft und Finanzen, Abstimmung, Umfrage
Ist es sinnvoll weiter auf erneuerbare Energien zu setzen, wenn in ein paar Jahrzehnten Kernfusion die Zukunft ist?

Bei den ganzen Klimaaktivisten habe ich manchmal das Gefühl, dass die lieber Rückschritt als Fortschritt wollen. Da gibt es zum Beispiel die Verzichtsforderungen (wie Fahrrad statt Auto fahren). Verzicht ist kein Fortschritt. Dann wären da noch die Befürworter von Wind- und Sonnenenergie. Die denken, wenn man genug davon hat, wäre das Energieproblem gelöst, verstehen aber nicht, dass Speicher fehlen. Jetzt berichten Medien folgendes:

Das Wettrennen um den ersten kommerziellen Fusionsreaktor läuft. Nach General Fusion hat nun ein Konkurrent einen Meilenstein erreicht. TAE Technologies rechnet damit, dass seine Art der Energiegewinnung durch Kernfusion bis zum Ende dieses Jahrzehnts kommerziell eingesetzt werden kann. [...] Die Montage des internationalen Kernfusionsreaktors ITER ist seit Sommer 2020 bei Cadarache in Südfrankreich im Gang. 2025 sollen das erste Plasma eingesetzt werden und Physiker mit Experimenten beginnen. 2035 könnte der Deuterium-Tritium-Betrieb beginnen.

Kernfusionsreaktoren sind die Zukunft. Die können viel Strom produzieren im Gegensatz zu Windrädern.

Ist es überhaupt sinnvoll die erneuerbaren Energien so stark auszubauen? Wäre es nicht klüger, die nächsten Jahrzehnte verstärkt auf Kernkraftwerke zu setzen und eines Tages auf Kernfusion?

Ja, wir sollten primär Kernspaltung und Kernfusion nutzen 39%
Nein, ausschließlich erneuerbare Energien nicht Kernfusion nutzen 30%
Nein, wir sollten mehrheitlich auf erneuerbare Energien setzen 26%
Ja, wir sollten neben erneuerbaren Energien Kernfusion nutzen 4%
Schule, Energie, Politik, Klimawandel, klimaschutz, Kernfusion, Physik, Ethik und Moral, Wirtschaft und Finanzen, Abstimmung, Umfrage
Handelt es sich bei der Atomkraft auch um «grünen Strom»?

Medien berichten:

Nun beschreibt auch ein internes Gutachten der Kommission die Kernenergie als «grüne Investition». [...] Seit Jahren schlagen die Mitgliedstaaten in der Energieversorgung gegensätzliche Wege ein. [...] Frankreich und mehrere ostmitteleuropäische Staaten halten [..] an der Kernenergie fest oder wollen deren Anteil an der Stromgewinnung sogar noch ausbauen. [...] Für Frankreich, Polen, Ungarn, Rumänien, Slowenien, Tschechien und die Slowakei kommt die grüne Aufwertung der Kernenergie [..] zum richtigen Zeitpunkt. In einem gemeinsamen Brief an Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen warben die sieben Staaten erst kürzlich dafür, dass die Atomkraft einen «unabdingbaren» Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leiste. Die Atomkraft müsse nicht nur anerkannt, sondern von der EU aktiv gefördert werden. [...] Ein grünes Label ist [...] für Frankreich, das noch immer über 70 Prozent seines Energiebedarfs durch Atomkraft deckt, erstrebenswert.

Wir wollen den Klimawandel in den Griff kriegen. Unsere Nachbar*innen im Westen und im Osten setzen dabei voll auf Kernenergie und sagen, der Strom sei Grün. Mittlerweile gibt es auch bei Fridays for Future Demos Aktivist*innen, die sich für Kernenergie aussprechen. Selbst Greta Thunberg hat mal gesagt, man sollte Kernenergie nicht ganz ausschließen.

Ist die Atomkraft grün und somit ein wichtiger Beitrag zum Schutz vor dem Klimawandel? Oder spinnen die Französ*innen, Pol*innen, Ungar*innen, Rumän*innen, Slowenier*innen, Tschech*innen und Slowak*innen? Weiß Deutschland es besser?

Nein, Kernenergie ist nicht grün 72%
Ja, die Kernenergie ist grün 28%
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