Bin ich eigentlich der einzige ehemlige Antifant, der nicht wiedererkennt, was daraus geworden ist?

Wird eventuell etwas länger, mal schauen.

Ich bin Linker gewesen solange ich zurück denken kann. Ich bin Mitte 30. Ich war, glaube ich, 14 als wir Karl Marx im Geschichtsunterricht hatten - von dem Moment an war ich politisch aktiv, wie das halt Mitte der 90er in einer Kleinstadt möglich war. Teufel, mmit 15 war ich bei meinem ersten Antifa- Workcamp in Buchenwald. Unserer Ideale waren, abgesehen vom politisch "linken" Grundgedanken, dass Maßnahmen (wie zum Beispiel Gehälterminimum und - maximum) politisch demokratisch durchgesetzt werden müssten, damit unsere Gesellschaft sich zum Positiven verändert, dass ein freier Marktplatz für Gedanken und Meinungen für eine freie Gesellschaft unerlässlich wären, die kritische Auseinandersetzung mit unserer Geschichte, Leben und Leben lassen, wenn es nicht die Freiheiten eines Anderen einschränkte. In den 90ern war es ziemlich sch...wierig. Grade im Osten. Viele Neonazi- Organisationen, die (abhängig von Kleinstadt zu Kleinstadt) mal mehr mal weniger agressiv vorgingen. Anfeindung war aber die Regel. Mindestens. Ich kann mich noch daran erinnern, dass unser AJZ von einem Rudel Neo's gestürmt wurde und die Polizei damals lächerlich lange brauchte um auch nur aufzutauchen...Unsere Moral ungebrochen - die Ideale, an die wir glaubten verliehen uns Durchhaltevermögen.

Irgendwas hat sich allerdings grundlegend verändert und mittlerweile erkenne ich kaum mehr etwas wieder. Ich weiß nicht, ob das von Europa in die USA oder umgekehrt geschwappt ist. Vielleicht wechselseitig. Die Linke steht nicht mehr für den freien Meinungsaustausch, für friedliche Demonstration, für offenen Austausch. Ich erinnere mich an die Erzählungen meiner Mutter zu DDR Zeiten, als streng darauf zu achten war, was man in der Öffentlichkeit sagte wenn man nicht Repressalien in unterschiedlicher Form erfahren wollte. Ich sehe dieselben Strukturen heute. Wenn man meinungstechnisch nicht haargenau auf Linie läuft wird mn angefeindet. Selbst theoretische Diskussionen ala advocaus diaboli sind nicht möglich.

Was ist falsch gelaufen? Wo sind wir falsch abgebogen? Wie können wir das Ruder wieder rum reißen? Oder ist es dafür schon zu spät?

Religion, Geschichte, Politik, Psychologie, antifa, Philosophie und Gesellschaft
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12-jähriger zeigt Hitlergruß und ruft Sieg heil?

Hallo GF-User...

Heute in der Schule war so ein Siebtklässler (12 Jahre), der hat sich auf dem Pausenhof auf eine Tischtennisplatte gestellt und den Hitlergruß gezeigt. Dabei hat er laut „Sieg heil“ gerufen.

Anwesend war ein Lehrer, den er nicht gesehen hatte, da er hinter ihm stand. Zum Glück hat der Lehrer alles mitgekriegt.

Er wurde zum Rektor gebracht und seine Eltern mussten ihn abholen. Ich glaube, er hat auch einen schriftlichen Tadel bekommen.

Ich bin Abiturient, aber mein kleiner Bruder geht mit ihm in eine Klasse und er sagt, dass dieser Schüler schon in der Vergangenheit sehr negativ aufgefallen ist. So hat er mal vor dutzenden Schülern gesagt, dass „nur die arische Rasse ein Recht auf Schulbildung hat“ oder man „Türken mit Kötern vergleichen könnte“. Auch hat er mal im Unterricht gesagt, dass „Juden keine Rechte haben“.

Für den Juden-Spruch wurde er für zwei Wochen von der Schule suspendiert und für die diskriminierende Aussage über Türken gab es eine Konferenz. Er kam mit einer 2-wöchigen Suspension und einer Aufräumstrafe davon.

Was passiert diesem Schüler jetzt überhaupt rechtlich gesehen? Kann er angezeigt oder juristisch bestraft werden? Wird das Jugendamt eingeschaltet? Wie lange wollen die Lehrer so einen Schüler noch dulden? Wie hättet ihr als Rektor argiert?

Grüße...

Schule, Politik, Recht, Jugendamt, Jura, Nationalsozialismus, Rassismus, Schulrecht
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