Warum ist Journalist*in keine geschützte Berufsbezeichnung?

In Deutschland kann sich jeder Mensch „Journalist“ o. „Journalistin“ nennen, weil das in Deutschland keine geschützten Berufsbezeichnungen sind. Warum ist das so?

Denn leider gibt es immer mehr Extremisten, die sich selbst als „Journalist“ o. „Journalistin“ bezeichnen und im Internet den größten Schwachsinn bzw. die schlimmste Hetze verbreiten (z. B. dass an Corona „die Juden“ schuld wären). Wenn sich jemand als „Journalist“ o. „Journalistin“ bezeichnet, dann schenken mehr Menschen ihnen Glauben, als wenn sie sich nur als „Blogger“ etc. bezeichnen.

Die allermeisten Menschen denken, dass ein Journalist o. eine Journalistin automatisch bei einem renommierten Medium angestellt ist, z. B. bei einer Tageszeitung, einem Magazin, einem Fernseh- o. Radiosender. Das muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein. Es gibt viele, die freiberuflich für ein Medium arbeiten.

Und leider gibt es auch einige, die den Begriff „Journalist“ o. „Journalistin“ missbrauchen, um Halbwahrheiten, komplett falsche Dinge, Verschwörungstheorien, sehr tendenziöse bzw. ehrverletzende Berichte und/oder Hetze zu verbreiten.

Manchmal werden solche Sachen enttarnt und wenn dann z. B. berichtet wird, dass ein „Journalist“ mehrere Geschichten, Interviews etc. (die auch veröffentlicht wurden) frei erfunden hat, wirft das auch ein negatives Licht auf die echten, seriösen Journalisten*innen.

Also, warum ist die Berufsbezeichnung Journalist*in nicht geschützt?

Es darf sich ja auch nicht jeder einfach so z. B. als Jurist*in o. als Anwalt/Anwältin, als Psychotherapeut*in oder als Meister o. Geselle eines bestimmten Handwerks bezeichnen.

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7 Antworten
Warum verstehen viele Leute nicht, dass Journalisten schon von berufswegen eine kritische Distanz zum Gesprächspartner wahren müssen?

Zum Beispiel Markus Lanz. Als eine Klimaaktivistin bei ihm zu Gast war, hat Markus Lanz deren Forderungen kritisch hinterfragt. Viele Leute in den Kommentaren waren enttäuscht. "Hätte nicht gedacht, dass der Lanz so rechts ist."

Oder als Hans-Georg Maaßen bei Markus Lanz zu Gast war, hat Lanz die Aussagen Maaßens kritisch hinterfragt. Auch hier waren die Leute enttäuscht. "Hätte nicht gedacht, dass der Lanz so links ist."

Vielleicht habe ich ja ein falsches Verständnis von Journalisten. Aber in meinen Augen ist es doch die Aufgabe eines Journalisten, kritische Fragen zu stellen. Er ist nicht da, um seinen Gesprächspartner zu bejahen, sondern um ihn zu hinterfragen. Und da finde ich eigentlich, dass Markus Lanz seine Sache so schlecht nicht macht. Ich hatte jedenfalls bisher nie das Gefühl, dass er seinen Gästen nach dem Mund redet.

(Etwas anderes ist es, wenn da eine Diskussionsrunde ist und der Moderator sich eindeutig auf eine Seite schlägt. Das finde ich nicht gut. Und noch etwas anderes ist es, wenn es sich nur um ein Gespräch handelt. Also zum Beispiel ein Gespräch zwischen Markus Lanz und Udo Jürgens. Da geht es ja nicht um Sichtweisen, sondern um die Lebensgeschichte eines Menschen.)

Aber warum fühlen sich viele Leute - egal ob rechts oder links - oft persönlich angegriffen oder zumindest enttäuscht, wenn der Journalist seinen Gast in einem Interview kritisch hinterfragt?

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