Warum sind viele Priester Gegner des Individualismus?

Durch mein Freiwilliges Jahr in einer katholischen Pfarrgemeinde und nun in Vorbereitung auf mein Theologiestudium habe ich mitbekommen, dass für viele Priester das größte Feindbild der Individualismus ist. Der Glaubensverfall der Gesellschaft, der wachsende Populismus; alles wird dem Individualismus zugeschrieben.

Ich kann dem so nicht folgen. Ein radikaler Individualismus ist natürlich abzulehnen. Die eigene Person, die eigene Individualität immer und bedingungslos über die Gemeinschaft zu stellen, kann nicht funktionieren.

Aber was ist denn das Gegenstück zum Individualismus? Der Kollektivismus! Also das stete unterordnen der eigenen Person zum Wohle des Kollektivs; also der Gemeinschaft.

Kollektivismus kann sicherlich z.B. im klösterlichen Leben einen romantischen Anstrich haben, aber in Wahrheit hat der Kollektivismus doch stets zu Schmerz und Unterdrückung geführt. Und zwar dann, wenn die Unterordnung der eigenen Person erzwungen wird. Wenn die Kinder zum Kirchgang geprügelt werden, weil es die Gemeinschaft so will. Wenn das eigene Glück und die eigene Entfaltung durch Unterdrückung verhindert wird, um der Gemeinschaft nicht zu schaden.

Und der Kollektivismus, gerade wenn er in Institutionen ausgeübt wird, artet in den meisten Fällen in Unterdrückung aus. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob ich freiwillig auf mein Glück verzichte, damit es anderen besser geht oder ob ich gezwungen werde, auf mein Glück zu verzichten.

Was wir momentan in der Politik erleben ist ja in gewisser Weise eine Art von erzwungenem Kollektivismus. Den einzelnen Individuen ist es verboten, die eigenen Bedürfnisse auszuleben, um die Gemeinschaft zu schützen. Das ist momentan gewiss das kleinere Übel und nur vorübergehend, man sieht aber schon klar und deutlich, dass die Menschen so nicht glücklich werden.

Für viele Konservative, also auch für Priester, ist der Kollektivismus eine wünschenswerte Ideologie, die auf Pragmatismus und Autorität beruht. Die Lebensqualität der Menschen wird hierbei jedoch außer Acht gelassen.

Ich finde, am besten wäre ein Individualismus mit Kompromissbereitschaft. Dass also jeder sich frei entfalten darf und sein Leben nach seinen Bedürfnissen gestalten kann, aber auch bereit ist, auf gewisse Sachen zu verzichten, um andere zu schützen.

Individualismus und Kollektivismus in Reinform können nicht funktionieren. Beides ist abzulehnen. Deshalb frage ich mich, warum viele Priester den Individualismus als einziges, großes Feindbild haben.

Religion, Christentum, Psychologie, Gesellschaft, individualismus, Philosophie, Priester, Staat
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Warum sind Priester von Land zu Land so unterschiedlich?

Oftmals wird pauschalisierend von DEN PRIESTERN gesprochen. Nach einem Jahr in einer katholischen Pfarrgemeinde kann ich sagen, dass das so nicht geht. Man könnte fast so weit gehen und behaupten, dass es innerhalb der katholischen Kirche verschiedene Landeskirchen gibt.

In Deutschland zum Beispiel sind die meisten Priester relativ liberal. Die Bibel wird nicht als wörtlich verstanden, sondern historisch-kritisch gelesen. Ich persönlich kenne keinen einzigen deutschen Priester, der einen Homosexuellen von der Kommunion ausschließen würde - zum Beispiel. Aber gerade in Polen sind die Priester ja erzkonservativ. In Polen wird sogar das Zweite Vatikanische Konzil vielerorts abgelehnt.

Wir haben in unserer Kirche zum Beispiel eine polnische Gemeinde, die dort hin und wieder Gottesdienste hält. Und deren Priester ist wirklich extrem fundamentalistisch. Mit Soutane und langem Bart, wie man Priester von sehr alten Bildern her kennt. Und dieser Priester wollte zum Beispiel ein Mädchen von der Firmung ausschließen, weil diese zugegeben hat, dass sie keine Jungfrau mehr ist. Daraufhin ist zwischen dem polnischen Priester und unserem Pfarrer eine heftige Diskussion entbrannt.

Die Fundamentalisten haben es natürlich viel bequemer. Die müssen sich keine Gedanken machen, müssen sich der Zukunft nicht stellen, sondern können einfach auf irgendwelche Dogmen aus dem Jahre so und so verweisen. Und alles andere wird als modernistisch bezeichnet.

Unter polnischen Priestern wird der "gottlose Liberalismus" in einem Wort mit Kommunismus und Bolschewismus genannt.

Aber wieso unterscheiden sich diese Ansichten in verschiedenen Ländern so stark? Warum ist man in Deutschland liberaler als zum Beispiel in Polen?

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Merken Kinder wie in diesem Fall das es Missbrauch ist oder glaubt man die Täter?

Also in diesem Artikel ging der Missbrauch von zehnten bis 16ten Lebensjahr, stimmt es das Priester und Pater auf so eine weiße Missbrauchen? Das habe ich nie gehört, und glauben die Opfer wirklich was der Täter ihn sagte, hier der Abschnitt, merkt ein Kind nicht das da was nicht stimmt?

Wenn wir im Haus oder auf dem Gelände einem der Patres begegneten, hatten wir mit leichter Verneigung zu grüßen: „Grüß Gott, Hochwürden.“ Mich hatte vor allem Pater S. spielend unter seine Kontrolle gebracht. Sechs Jahre lang war er mein Präfekt, mein Erzieher. Er war der erste Erwachsene, der seine Versprechen hielt, zum Beispiel von meinen Eltern zu verlangen, regelmäßig Briefe zu schreiben. Ich schaute zu ihm auf, ich liebte und verehrte ihn. Er war aber auch der Erste, der mich demütigte, der Erste, der mir meine Würde nahm.

Griff unter die Decke

Eines Nachts kam Pater S. an mein Bett im Gruppenschlafsaal, griff unter meine Decke und machte mir den ersten Samenerguss. Ich lag stocksteif da, atmete kaum und ließ mich vom rauschenden Gefühl des ersten Orgasmus überwältigen. Er flüsterte mir zu, dass ich jetzt ruhigen Gewissens schlafen könne, am nächsten Morgen solle ich noch mal zu ihm kommen. Er sagte mir dann, wenn er das mache, sei das keine Sünde. Und knöpfte mir gleich noch einmal die Hose auf. Danach tat er es immer und immer wieder. Jeden zweiten Tag musste ich zu ihm. Die anderen Jungs auch, manche weniger oft, andere mehr.

Er rief uns einzeln zu sich. Gespräche, Verhöre. Auch Sexualaufklärung, so nannte er das. Wir mussten vor ihm masturbieren, bis kurz vor dem Orgasmus, dann sollten wir aufhören. Wir sollten trainieren, der Versuchung zu widerstehen. Ein Orgasmus war nur „erlaubt“, wenn er ihn uns verschaffte. Untereinander sprachen wir nie darüber, was der Pater mit uns anstellte.

Sexualität, Psychologie, katholische Kirche, Liebe und Beziehung, Orgasmus, Priester, sexueller Missbrauch, Verbrechen
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Meiner Mutter erklären, dass ich Atheist bin?

Hey an alle,

ich befinde mich in der Situation, dass meine Mutter sehr religiös ist(Christlich) und ich nicht mehr an Gott glaube. Ich ministriere und die Freunde meiner Mutter sind großteils betende Christen.

Ich weiß jetzt nicht ob ich meiner Mutter mitteilen kann, dass ich atheistisch bin, ich habe schon länger darüber nachgedacht aber ich weiß es würde ihr viel Kummer bereiten.

Da ich offiziell noch christlich bin muss ich: Jeden Sonntag ministrieren, Nachmittags manchmal um 3 einen Barmherzigkeitsrosenkranz beten, Freitag Abends immer um die 2,5 Stunden in einer Gebetsgruppe beten, jeden Monat einen Sonntag eine Wallfahrt machen und zur Zeit(nach Quarantäne wieder) treffen wir uns jeden Samstag mit einem Priester mit dem die Bibel durcharbeiten, wobei es mit der Fahrt dort hin ein Tagesausflug wird(endet aber in 2 Monaten). Zudem begründet sie manchmal etwas mit dem Glauben, z.B. warum dies und das passiert, wo ich offiziell nur zustimmen kann, was mich persönlich auch etwas stört.

Ich möchte gerne wissen, wie ihr in dieser Situation handeln würdet. (Ich würde mich auch über eine Altersangabe freuen, freue mich aber auch ohne eine über eine Antwort)

Es ist wirklich eine schwierige Situation für mich, deswegen bedanke ich mich ernsthaft mit Herzen bei jedem der sich Zeit nimmt mir zu helfen!

Meine Vorschläge (müsst ihr nicht lesen wenn ihr euch eurer Vorgehensweise im klaren seid)

Ich dachte anfangs an nichts sagen und sich einfach noch 1,5 Jahre durchhalten und danach auf der Uni einfach atheistisch leben. Aber dies scheint mir immer mehr eine schlechte Idee, besonders weil man nach 1,5 Jahren weiter lügen muss, nur weniger.

Zu sagen, dass man zur Zeit nicht an Gott glaubt und eine Auszeit braucht, wobei man dort in eine Diskussion kommen könnte wo meine Mutter mich längere Zeit versucht von Gott zu überzeugen und sie würde sich große Hoffnungen machen, dass ich bald wieder gläubig bin.

Ihr zu erklären, dass ich wirklich nicht an Gott glaube. Wobei das meine Mutter wahrscheinlich am meisten verletzt.

Religion, Mutter, Familie, Jugendliche, Christentum, Atheist, Glaube, Gott, Liebe und Beziehung, Priester
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Gotische Kirchen-Heilsbedeutung Christi?

Hallo,

in einer womöglich morgen stattfindenden Stegreifaufgabe in römisch katholischer Religionslehre könnte mir folgende Frage bevorstehen:

Inwiefern ist der Gegensatz von lichtdurchstrahltem Gotteshaus (gotischer Dom) und der Darstellung Christi darin als Leidensmann zu verstehen?

Meine Gedanken in Kurzform:

Rahmenbedingungen des alltäglichen Lebens: Hunger, Krankheiten und damalige Migrationsbewegung bedrohten die Menschen

Flucht in Gotteshäuser im gotischen Baustil: Lichtdurchflutete Räume, Hinterglasbemalte Fenster, -> erwecken Eindruck des himmlischen Jerusalems, sozusagen als "Hoffnungsort".

Da Jesus als unsagbar leidend dargestellt wird, sollen sich die Menschen mit Jesus identifizieren können, daher die oftmals extrem schmerzhafte Jesusdarstellung.

Aber das Wissen von der Auferstehung Christi trotz all der Erniedrigungen, die der Heiland kurz vor seinem Kreuzestod erleiden musste, fuhr er in das Himmelsreich Gottes auf.

Summa summarum: Genau diesen Hoffnungsschimmer sollen die Menschen wahrnehmen können. Sie leiden, aber werden durch die Auferstehung von aller Schmach befreit. Der Hoffnungs-"Schimmer" könnte hierbei als Metahper für das durch die gotischen Fenster einfallende, schimmernde Licht dienen.

Sind meine Gedanken theologisch begründet richtig/nachvollziehbar oder sogar verbesserungswürdig?

Ich würde mich über Anregungen sehr freuen!

Gruß

Religion, Kirche, Christentum, katholisch, Katholizismus, Pfarrer, Priester, Theologie
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Mit katholischem Pfarrer über Probleme sprechen ohne das Eltern den Termin mitbekommen. Was soll ich tun?

Ich (14 Jahre und Katholikin) hatte jetzt schon mehrmals einen Seelsorgegespräch mit dem Pfarrer und Priester unserer Geminde, da ich ein paar seelische Probleme habe und ich viele Fragen zu meiner Religion habe. Ich bin sehr oft traurig und diese Gesprächstermine helfen mir. In unserer Familie ist das Thema Krebs gerade ein sehr großes Thema. Es sind insgesamt 5 Krebsfälle bekannt und 3 davon tödlich. Meine Tante hat gerade einige OPs und ich brauche gerade jemandem mit dem ich über das und meine Religion (weil das damit zusammenhängt) reden kann und dann das alles was passiert und passiert ist verarbeiten kann. Das Problem ist, dass ich das nicht meinen Eltern erzählen kann, dass ich ab und zu mit dem Pfarrer spreche. Sie würden meine Probleme damit nicht verstehen, da sie das was passiert nicht so schlimm finden wie ich und sich einfach um ihr eigenes Leben kümmern und weiter leben. Teilweise würde ich das auch tun wollen, aber ich glaube ich habe ein Problem damit loszulassen und habe von früher ein paar schlimme Erfahrungen mit Krebs in der Familie gemacht. Außerdem würden mir meine Eltern diese Seelsorgegespräche vielleicht verbieten oder es zumindest nicht so gut finden, da sie mittlerweile eine schlechte Einstellung zu der katholischen Kirche haben. Sie vertrauen zwar auch unserem Pfarrer und glauben auch, dass er solche Fehler nicht machen würde, aber sie könnten nicht verstehen, wieso ich mit dem Pfarrer sprechen möchte. Wenn ich ihnen das alles erzählen würde, würden sie sich nur noch zusätzliche unbegründete Sorgen um mich machen, was ich nicht will. Also bitte schreibt nicht, dass ich es meinen Eltern erzählen soll, denn das ist komplizierter, als es aussieht. Ich vertraue dem Pfarrer und er hilft mir mit den Problemen und hat auch gesagt, dass ich jederzeit nochmal einen Termin mit ihm vereinbaren kann. Das Problem gerade ist aber, dass ich nicht wie eigentlich die male davor am Dienstag kann. Ich habe 2 mal 2 Wochen hintereinander für das Gespräch Nachhilfe geschwänzt und meinen Eltern davon nichts erzählt. Leider, hat mich die Chefin von der Nachhilfe gefragt, ob ich auch Dienstags noch kommen würde. Ich habe ihr gesagt, dass ich schon komme, aber die letzten zwei Wochen einen anderen Termin hatte. Ich habe Angst, dass sie meine Eltern benachrichtigt, wenn ich nochmal fehle. Ich schaffe das alles aber nicht ohne diese Seelsorgegespräche mit dem Pfarrer.

Also, brauche ich jetzt einen anderen Tag für einen Termin, was aber meistens nur Nachmittags bis Abends geht, aber was kann ich dann meinen Eltern erzählen (meine Mutter ist immer zuhause), wenn ich Abends oder Nachmittags so für ein- und halb Stunden weggehe? Was soll ich tun?

Der Text ist etwas länger geworden als gedacht, aber Danke fürs durchlesen und ich hoffe auf viele Antworten.

Gesundheit, Religion, Schule, Familie, Angst, Trauer, Eltern, Christentum, Psychologie, Gespräch, katholisch, katholische Kirche, Krebs, Liebe und Beziehung, Pfarrer, Priester, Seelsorge, Traurigkeit, Verlust, Verlustangst, Termin
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Wie formuliert Ihr bei der Beichte?

Hallo!

Seit ein paar Jahren gehe ich wieder zur Beichte und bin von ihrer Notwendigkeit auch überzeugt. Jedes Mal wieder mache ich mir Gedanken über die Formulierung. Bis jetzt habe ich beim Bekenntnis immer eine Formulierung gewählt, dass ich dem Priester meine Sünden gesagt habe und Jesus am Schluss um Vergebung gebeten habe. Jedesmal tue ich mich damit schwer, denn ich sehe die Beichte eigentlich so, dass Jesus mein Ansprechpartner ist. Und ich würde lieber Jesus direkt ansprechen, aber das verbietet mir die Höflichkeit gegenüber dem Priester. Aber so wird es teilweise zu einer Aufzählung, was ich echt gruselig finde. Ein, zwei Überleitungen krieg ich noch hin, aber dann beißt es aus. 

Ein Beispiel der Formulierung anhand von "zu wenig Zeit für Gott", damit Ihr wisst was ich meine: 

So ungefähr würde ich es momentan formulieren: "Leider nehme ich mir zu wenig Zeit fürs Gebet, immer wieder ziehe ich anderes vor. Das tut mir leid und ich möchte zukünftig mehr Zeit für Gott einplanen"

Lieber würde ich so formulieren: "Jesus, mein Herr, immer wieder nehme ich mir nicht genug Zeit um zu beten, Dein Wort zu lesen, einfach Zeit mit Dir zu verbringen. Ich kümmere mich um alles andere und verschiebe Dich immer wieder auf später, weil Du Dich am wenigsten wehrst. Ich weiß, dass das nicht richtig ist und tue es leider trotzdem immer wieder. Herr bitte vergib mir, es tut mir leid, ich will mehr auf Dich achten. Hilf mir bitte, damit es besser wird."

Wie macht Ihr das? Würde mich mal interessieren. Ich würde mich einfacher tun, wenn ich es als Gebet formuliere, aber ich möchte den Priester nicht vor den Kopf stoßen. Wie seht Ihr das?

Ich will zwar niemanden von der Beantwortung der Frage ausschließen, sinnvoll wären aber natürlich Antworten von praktizierenden Katholiken, sonst verlieren wir uns hier in einer Diskussion über Sinn oder Unsinn der Beichte und noch vielem mehr... ;-)

Liebe Grüße

Religion, Schule, Jesus, Christentum, Beichte, Glaube, Gott, katholisch, katholische Kirche, Priester, Römisch-katholisch, Seelsorge, Vergebung, Beichten, busssakrament, Sakrament
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