Sexualstraftäter in der katholischen Kirche?

Hallo, ich bin über das im Titel angesprochene Thema nicht sehr aufgeklärt und hätte die Bitte einer Erklärung der aktuellen Sachlage bzw. der aktuellen Lage der Situation.

Diese eventuell um Jahre verspätete und seltsame erscheinende Frage möge im ersten Moment dem einen oder anderen doch sehr aus dem Kontext genommen erscheinen, hier also meine Ausgangslage: Ich bin über ein Video gestolpert, welches Missbrauch in der katholischen Kirche thematisiert. 4% aller Geistlichen sollen Sexualstraftäter sein, erschreckende Zahl. Im Video wird darauf eingegangen, dass die Kirche intern diese Problematik lösen will.

Mir erscheint dies beinahe unmöglich. Falls diese auf mich radikal wirkende Sichtweise der Realität entsprechen soll, stelle ich mir die Frage, ob wir im 21. Jahrhundert leben. Die katholische Kirche ist eine eigenständige Organisation, wie ein selbstständiger Betrieb auch. Wie kann solche das Recht erhalten, sich über das staatliche Gesetz zu stellen. Sexueller Missbrauch! Das ist eine Straftat schwersten Grades! Wie kann es eine Gruppierung geben, die das Recht zugesprochen bekommt, solch eine Thematik "intern" in deren Union zu behandeln. Wieso stellen die Opfer keine Strafanzeigen aus, wieso ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht dagegen?

Würde ein Unternehmen ins Licht solcher Anschuldigungen treten, wäre die Tage dessen Existenz wohl in Frage zu stellen. Was kann sich die Kirche bitte erlauben?

Habe ich hier nur die einseitige Ansicht von Extremisten mitbekommen? Wir leben in einem Rechtsstaat, inwiefern wurde die mir verabreichte Information verdreht?

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Warum sehen manche Menschen immer nur das Negative?

Ich möchte hier gerne eine differenzierte Sicht wiedergeben, weil mir das Schubladendenken innerhalb der Kirche mittlerweile ziemlich auf den Keks geht.

Es gibt in der Kirche massenweise Missstände. Diese kritisiere ich deutlich und fordere Reformen. Gleichzeitig erkenne ich aber auch dankbar an, dass es Reformen gibt und nehme diese zur Kenntnis.

Es gibt aber anscheinend auch Leute, die sich schon so sehr auf das Bild der "bösen Kirche" eingeschossen haben, dass sie überhaupt nichts positives mehr wahrnehmen. Ja, wo sogar der Hinweis auf Positives in der Kirche verglichen wird mit "Unter Hitler war nicht alles schlecht" und das teilweise sogar von katholischen Priestern selbst.

Da ist z.B. der ehem. Generalvikar von Speyer, der jetzt zu den Altkatholiken gewechselt ist, weil er nicht mehr an Reformen in der Kirche glaubt. Aber gerade in dieser Hinsicht macht die Kirche in meinen Augen gerade Quantensprünge.

Es gibt Segnungen für Homosexuelle, es gibt den Synodalen Weg, das kirchliche Arbeitsrecht wird reformiert, in Paderborn werden Laien an der Bischofwahl beteiligt, der Bischof von Chur geht gegen Homophobie vor, in Essen dürfen Gemeindereferent*innen taufen, usw. Unter dem Pontifikat von Franziskus sind zahlreiche Erneuerungen entstanden.

Natürlich gibt es noch das Zölibat und natürlich gibt es noch keine Frauenweihe. Das wird noch dauern. (Wenn Frauenweihe überhaupt möglich ist.)

Aber ich kann doch erstmal das anerkennen, was sich gerade ändert.

Aber da gibt es z.B. den Pfarrer Wolfgang F. Rothe oder die Theologin Doris Reisinger, für die ist die Kirche das personifizierte Böse. (Warum Rothe weiterhin Priester ist, ist mir schleierhaft.)

Wenn es Reformen gibt, werden die relativiert und schlecht geredet, weil sie nicht radikal genug sind. Die Kirche wird als Verbrecherverein angesehen. Priester werden mit der Mafia verglichen.

Bischöfe werden unter Generalverdacht gestellt. 'Bischöfe sind machtbessesene, intrigante, egoistische Narzisten. Alle miteinander!' So das Weltbild von Rothe und Reisinger.

Ich kann einfach keine Menschen ab, die NUR das negative sehen. Die Kirche braucht weder Ja-Sager noch Dauer-Nörgler.

Aber wenn man bei Rothe und Reisinger einen differenzierten Standpunkt verbringt und sogar mal einen Bischof in Schutz nimmt, ist man beinahe schon Holocaust-Leugner.

Dabei mag ich Rothe für sein Engagement, aber wenn man mit ihm diskutieren möchte, ist er extremst arrogant.

Aber ich finde, wenn man sieht, was alleine in den letzten 10 Jahren unter Franziskus in Bewegung gekommen ist, kann man nicht sagen, die Kirche sei Reform unfähig.

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