Mein Vater hat mich vergewaltigt, als ich sehr jung war.
Aber deswegen wollte ich nie zulassen, dass er die Familie kaputt macht und ich habe deswegen jahrelang nie darüber geredet, weder mit ihm noch mit Familie oder Freunden. Also dass ich zwar weiß, dass es passiert ist, aber nichts weiter dagegen unternehme. Das habe ich so akzeptiert für mich selbst. Von ihm kam nie eine Entschuldigung oder ein Gespräch.
Ich habe mich dazu entschieden, nichts zu sagen. Aber deswegen ist es trotzdem passiert. Deswegen bin ich nicht glaubwürdig. Und bloß weil ich weiterhin so mache, wie vor der Vergewaltigung, heißt das nicht, dass ich lüge.
Als ich es vor paar Jahren das erste Mal angesprochen habe, ist es eskaliert. Aber wieso werde ich von meiner Familie, also Schwester, Mama, Papa so hin gestellt, als wäre es nie passiert. Das stimmt nicht. Das ist eine Lüge von ihnen. Sie werfen mir so viele schlimme Sachen vor, um mich als Lügner hinzustellen. Obwohl ich das alle mache, damit die Familie zusammen hält..
Sie werfen mir vor, dass ich mir das einbilde und in die Klapse gehöre. Sie werfen mir vor, dass ich ihn doch hätte anzeigen sollen, wenn es so wäre. Sie werfen mir vor, dass ich dann nicht so lieb zu ihnen wäre, wenn es so gewesen ist. Sie werfen mir vor, dass ich dann sofort etwas gesagt hätte. Das habe ich ja auch, als es passiert ist, aber ich habe es nicht so ganz verstanden, was er da macht. Weil ich eben noch ein Kind war..
Ist es so schlimm, dass ich weiterhin gut zu beiden bin und ihnen bei so viel helfe, obwohl sie mir das angetan haben? Habe ich deswegen kein Recht darauf, über das Vergangene zu sprechen, falls ich es doch mal brauche...
Macht es mich unglaubwürdig, bloß weil ich nicht darüber spreche? Warum sollte ich lügen über etwas, was tatsächlich passiert ist.
Warum werde ich für meine Entscheidung, wie ich damit umgehe, kritisiert...
Wollen meine Eltern, dass ich sie für immer verlasse, weil sie mich nicht mehr mögen oder so..