Gedichtsanalyse zu Ulla Hahn. Strophe unverständlich?

Hey alle zusammen. Ich soll für die Uni das Gedicht "Mein Vater" von Ulla Hahn analysieren. Allgemein geht es um die Beziehung von ihr zu ihrem Vater, der durch den Krieg (2. Weltkrieg) geprägt war. Sein Geburtsdatum ist leider unbekannt. Die vorletzte Strophe kann ich mir überhaupt nicht erschließen und wollte mal fragen ob jemand von euch einen Interpretationsansatz hat. Hier nochmal das Gedicht. Die unverständliche Strophe habe ich mal fett und kursiv markiert. Danke für eure Mühe

Mein Vater

Wer ist das?

fragen meine Freunde

und deuten auf das Foto

des Mannes über meinem Schreibtisch

zwischen Salvador Allende

und Angela Davis.

Ich sage:

Mein Vater. Tot.

Dann fragt niemand weiter.

Wer ist das?

frage ich den Mann,

der nicht einmal

für das Passfoto lächelt,

der an mir vorbeischaut

wie beim Grüßen

an Menschen,

die er nicht mochte.

Bauernkind, eines von zwölf,

und mit elf von der Schule;

hatte ausgelernt,

mit geducktem Kopf nach

oben zu sehen.

Ist krumm geworden

als Arbeiter an der Maschine

und als Soldat

verführt gegen die Roten.

Nachher noch einmal:

geglaubt, nicht begriffen.

Aber weitergemacht.

Als Arbeiter an der Maschine

als Vater in der Familie

und sonntags in die Kirche

wegen der Frau

und der Leute im Dorf.

Den hab ich gehasst.

Abends, wenn er aus der Fabrik

nach Hause kam,

schrie ich ihm entgegen

Vokabeln, Latein, Englisch.

Am Tisch bei Professors,

als mir der Tee

aus zitternden Händen

auf die Knie tropfte,

hab ich Witze gestammelt

über Tatzen,

die nach Maschinenöl stinken.

Hab das Glauben verlernt mit Mühe.

Hab begreifen gelernt und begriffen:

Den will ich lieben

bis in den Tod

all derer, die schuld sind

an seinem Leben

und meinem Hass.

Manchmal

da lag schon die Decke

auf seinen Knien

im Rollstuhl,

nahm er meine Hand,

hat sie abgemessen

mit Fingern und Blicken

und mich gefragt,

wie ich sie damit machen will,

die neue Welt.

Mit Dir,

hab ich gesagt

und meine Faust

geballt in der seinen.

Da machten wir die Zeit

zu der unseren,

als ich ein Sechstel

der Erde ihm

rot auf den Tisch hinzählte

und er es stückweis

und bedächtig

für bare Münze

und für sich nahm.

Wer ist das?

fragen meine Freunde

und ich sag: Einer von uns.

Nur der Fotograf

hat vergessen,

dass er mich anschaut

und lacht.

Deutsch, Schule, Geschichte, 2. Weltkrieg, Gedicht, Interpretation, Ulla Hahn, Vater-Tochter-Beziehung
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Von Zeile 25 bis 32 verstehe ich es nicht..?Kann mir jemand erklären?

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«

Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.«

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,

Trugen von Ribbeck sie hinaus,

Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht

Sangen »Jesus meine Zuversicht«,

Und die Kinder klagten, das Herze schwer:

»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -

Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;

Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,

Der wußte genau, was damals er tat,

Als um eine Birn' ins Grab er bat,

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet's wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,

So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«

Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Gedicht
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Metrum vom Gedicht "Sprache" von Hermann Hesse und "Ihr Worte" von Ingeborg Bachmann?

Hallo,

kann mir jemand sagen, was die Metren der oben genannten Gedichte sind?

Danke im Vorraus!

Die Gedichte:

Die Sonne spricht zu uns mit Licht,

Mit Duft und Farbe spricht die Blume,

Mit Wolken, Schnee und Regen spricht

Die Luft. Es lebt im Heiligtume

Der Welt ein unstillbarer Drang,

Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,

In Wort, Gebärde, Farbe, Klang

Des Seins Geheimnis auszusprechen.

Hier strömt der Künste lichter Quell,

Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,

Nach Geist die Welt und kündet hell

Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.

Nach Sprache sehnt sich alles Leben,

In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton

Beschwört sich unser dumpfes Streben

Und baut des Sinnes immer höhern Thron.In einer Blume Rot und Blau,

In eines Dichters Worte wendet

Nach innen sich der Schöpfung Bau,

Der stets beginnt und niemals endet.

Und wo sich Wort und Ton gesellt,

Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,

Wird jedes Mal der Sinn der Welt,

Des ganzen Daseins neu gestaltet,

Und jedes Lied und jedes Buch

Und jedes Bild ist ein Enthüllen,

Ein neuer, tausendster Versuch,

Des Lebens Einheit zu erfüllen.

In diese Einheit einzugehn

Lockt euch die Dichtung, die Musik,

Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn

Genügt ein einziger Spiegelblick.

Was uns Verworrenes begegnet,

Wird klar und einfach im Gedicht:

Die Blume lacht, die Wolke regnet,

Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

2:

Ihr Worte, auf, mir nach!,

und sind wir auch schon weiter,

zu weit gegangen, geht's noch einmal

weiter, zu keinem Ende geht's.

Es hellt nicht auf.

Das Wort

wird doch nur

andre Worte nach sich ziehn,

Satz den Satz.

So möchte Welt,

endgültig,

sich aufdrängen,

schon gesagt sein.

Sagt sie nicht.

Worte, mir nach,

daß nicht endgültig wird

- nicht diese Wortbegier

und Spruch auf Widerspruch!

Laßt eine Weile jetzt

keins der Gefühle sprechen,

den Muskel Herz

sich anders üben.

Laßt, sag ich, laßt.

Ins höchste Ohr nicht,

nichts, sag ich, geflüstert,

zum Tod fall dir nichts ein,

laß, und mir nach, nicht mild

noch bitterlich,

nicht trostreich,

ohne Trost

bezeichnend nicht,

so auch nicht zeichenlos -

Und nur nicht dies: das Bild

im Staubgespinst, leeres Geroll

von Silben, Sterbenswörter.

Kein Sterbenswort,

Ihr Worte

Deutsch, Schule, Sprache, Gedicht, Literatur, metrum
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Gedichtanalyse zu Hermann Hesse "Sprache"?

Hallo,

ich muss im Abi das oben genannte Gedicht mit Bezug auf Sprache, Wirklichkeit und Denken analysieren.

Kann mir jemand helfen?

Danke im vorraus!

Das Gedicht:

Die Sonne spricht zu uns mit Licht,

Mit Duft und Farbe spricht die Blume,

Mit Wolken, Schnee und Regen spricht

Die Luft. Es lebt im Heiligtume

Der Welt ein unstillbarer Drang,

Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,

In Wort, Gebärde, Farbe, Klang

Des Seins Geheimnis auszusprechen.

Hier strömt der Künste lichter Quell,

Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,

Nach Geist die Welt und kündet hell

Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.

Nach Sprache sehnt sich alles Leben,

In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton

Beschwört sich unser dumpfes Streben

Und baut des Sinnes immer höhern Thron.In einer Blume Rot und Blau,

In eines Dichters Worte wendet

Nach innen sich der Schöpfung Bau,

Der stets beginnt und niemals endet.

Und wo sich Wort und Ton gesellt,

Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,

Wird jedes Mal der Sinn der Welt,

Des ganzen Daseins neu gestaltet,

Und jedes Lied und jedes Buch

Und jedes Bild ist ein Enthüllen,

Ein neuer, tausendster Versuch,

Des Lebens Einheit zu erfüllen.

In diese Einheit einzugehn

Lockt euch die Dichtung, die Musik,

Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn

Genügt ein einziger Spiegelblick.

Was uns Verworrenes begegnet,

Wird klar und einfach im Gedicht:

Die Blume lacht, die Wolke regnet,

Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

Deutsch, Schule, Sprache, Gedicht, Gedichtinterpretation
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Gedicht Vergleich: Hermann Hesses "Sprache" mit Ingeborg Bachmanns "Ihr Worte"?

Hallo,

ich muss im Abitur die beiden oben genannten Gedichte miteinander vergleichen und dabei besonders auf das Verhältnis von Sprache, Wirklichkeit und Denken eingehen.

Kann mir jemand helfen?

Eine Interpretation, Analyse oder Erklärung der Gedichte würde mir auch sehr weiter helfen!!!

Danke schonmal im Vorraus

Die Gedichte:

Die Sonne spricht zu uns mit Licht,

Mit Duft und Farbe spricht die Blume,

Mit Wolken, Schnee und Regen spricht

Die Luft. Es lebt im Heiligtume

Der Welt ein unstillbarer Drang,

Der Dinge Stummheit zu durchbrechen,

In Wort, Gebärde, Farbe, Klang

Des Seins Geheimnis auszusprechen.

Hier strömt der Künste lichter Quell,

Es ringt nach Wort, nach Offenbarung,

Nach Geist die Welt und kündet hell

Aus Menschenlippen ewige Erfahrung.

Nach Sprache sehnt sich alles Leben,

In Wort und Zahl, in Farbe, Linie, Ton

Beschwört sich unser dumpfes Streben

Und baut des Sinnes immer höhern Thron.In einer Blume Rot und Blau,

In eines Dichters Worte wendet

Nach innen sich der Schöpfung Bau,

Der stets beginnt und niemals endet.

Und wo sich Wort und Ton gesellt,

Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet,

Wird jedes Mal der Sinn der Welt,

Des ganzen Daseins neu gestaltet,

Und jedes Lied und jedes Buch

Und jedes Bild ist ein Enthüllen,

Ein neuer, tausendster Versuch,

Des Lebens Einheit zu erfüllen.

In diese Einheit einzugehn

Lockt euch die Dichtung, die Musik,

Der Schöpfung Vielfalt zu verstehn

Genügt ein einziger Spiegelblick.

Was uns Verworrenes begegnet,

Wird klar und einfach im Gedicht:

Die Blume lacht, die Wolke regnet,

Die Welt hat Sinn, das Stumme spricht.

Hermann Hesse

Ihr Worte, auf, mir nach!,

und sind wir auch schon weiter,

zu weit gegangen, geht's noch einmal

weiter, zu keinem Ende geht's.

Es hellt nicht auf.

Das Wort

wird doch nur

andre Worte nach sich ziehn,

Satz den Satz.

So möchte Welt,

endgültig,

sich aufdrängen,

schon gesagt sein.

Sagt sie nicht.

Worte, mir nach,

daß nicht endgültig wird

- nicht diese Wortbegier

und Spruch auf Widerspruch!

Laßt eine Weile jetzt

keins der Gefühle sprechen,

den Muskel Herz

sich anders üben.

Laßt, sag ich, laßt.

Ins höchste Ohr nicht,

nichts, sag ich, geflüstert,

zum Tod fall dir nichts ein,

laß, und mir nach, nicht mild

noch bitterlich,

nicht trostreich,

ohne Trost

bezeichnend nicht,

so auch nicht zeichenlos -

Und nur nicht dies: das Bild

im Staubgespinst, leeres Geroll

von Silben, Sterbenswörter.

Kein Sterbenswort,

Ihr Worte

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