Zunächst mal: Danke an alle, die sich wirklich die Zeit nehmen das hier durchzulesen.
Ich habe Social Anxiety. Das definiert sich als eine starke Angst vor Zurückweisung und falschem Eigenverhalten in sozialen Situationen – öfter anwesend bei z. B. autistischen Menschen (und ich bin autistisch).
Und solange diese Situation nicht eine ist, die sehr simpel ist oder die ich tausendfach durchlebt habe, habe ich ständig Angst, ich könnte zurückgewiesen werden oder andere sich wegen mir schlecht fühlen oder was weiß ich, die Möglichkeiten jagen mich überall hin!
Was wenn meine Worte gerade unangebracht waren? Was wenn mein Nieser gerade zu laut war? Was wenn andere mich als Smombie abstempeln, wenn ich in der Öffentlichkeit zu sehr auf mein Handy schaue?
Das ist was meine Anxiety mit mir macht. Und jetzt werden viele von euch sicher denken „Wow, was eine Dramaqueen“ und genau deshalb habe ich mit niemandem darüber gesprochen. Denn, na ja, die anderen könnten mich deswegen für durchgeknallt halten. Niemand soll wissen, was für Gedanken mir durch den Kopf schießen. Außer … eine besondere GF-Nutzerin.
Als ich mal einen langen Beitrag wie diesen hier über meine Mental Health geschrieben habe, hat mich eines Tages eine GF-Nutzerin per Privatnachricht angeschrieben, dessen Name ich hier mal nicht nennen will. Zunächst haben wir uns über unsere Hobbys ausgetauscht und später auch über all unsere Probleme und Lebensgeschichten. Und ich habe bemerkt, dass wir beide irgendwie … seelenverwandt sind.
Mit der Zeit ist das eine kleine Online-Freundschaft geworden, würd ich schon sagen. Und ich mag sie sehr. Aber mit der Zeit kamen dann (auch durch etwas Selbsthass) diese Gedanken, dass sie vielleicht „besser“ ist als ich. Quasi dass ich jemand anderen mehr mag als ich mich selbst. Was wenn ihr Leben idealer ist als meins und ich mich nach ihr richten soll?
Natürlich hat sie mir das niemals wirklich vorgeworfen und war immer freundlich. Aber je mehr ich über sie erfahre desto mehr von diesen Gedanken habe ich auch. Warum habe ich mit 17 Jahren hier noch keine Fragen zu Mental Health beantwortet? Warum habe ich noch keine Psychose gehabt? Sollte ich mich schlecht fühlen, dafür dass ich kein Mädchen bin und nicht mit Menstruation zu tun habe?
Und eine Frage lässt mich besonders nicht los: Warum schaffe ich nicht die Oberstufe wie sie? (Das wäre eigentlich schon ein eigener Beitrag wert)
Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich all dieses Imposter-Syndrom und dieses Vergleichen nur durch die Interaktionen mit ihr entwickelt hat, sondern eher durch generellen Selbsthass (und ich habe ziemlich triftige Gründe, mich selbst nicht zu mögen). Denn diese Gefühle habe ich bei vielen Menschen, die ich gerne habe.
Warum hab ich nicht das erlebt, was die anderen erlebt haben? Und ist das schlecht? Wenn andere Probleme haben, die ich nicht habe, sollte ich mich schlecht fühlen, dafür dass ich nicht so bin? Und wenn ich Probleme habe, die andere nicht haben, sind sie besser als ich? Akzeptieren sie mich, wenn meine Lebensgeschichte nicht so ist wie ihre? Und ist das okay, wenn ich als Junge so ticke wie ich bin, auch wenn ich das Gegenteil des Stereotypen bin?
Es endet immer mit dem Gedanken, dass ich schlechter bin als andere. Das geht so weit, dass ich sogar Suizidgedanken habe. Letztens bin ich über eine Brücke gelaufen und dachte mir, ob es nicht das einfachste wäre, da jetzt einfach runterzufallen.
Und dann gibt es noch diese Komplimente.
Alle Komplimente, die ich bekommen habe, sind einfach nur ein Danke dafür, dass ich ihre Antwort als „hilfreichste Antwort“ ausgezeichnet habe. Fast alle. Eines sind Osterwünsche, ein zweites einfach nur um zu sagen, dass ich ein interessantes Profil habe. Wow… (das ist nicht sonderlich interessant)
Und die Komplimente für meine „Seelenverwandte“ oder für sonst alle anderen sind meistens sowas wie „Du schreibst kluge Antworten“ oder „Du bist so ein liebenswerter Mensch“.
Wenn meine Antworten gut wären, würde ich doch mehr Komplimente haben. Aber warum fehlen die bei mir? Was wenn ich unbewusst nur falsche Empathie habe? Was wenn meine Antworten absolut furchtbar sind, sie aber nur als hilfreich markiert werden, damit ich mich nicht so schlecht fühle? Was wenn mich jeder hier insgeheim hasst? Was wenn das eine schlechte Einstellung ist, immer Sterne zu vergeben?
Bitte schickt mir jetzt keine Komplimente nur weil ihr mich bemitleidet. Denn das wäre nicht wirklich „real“
Ich glaube von mir, dass ich eine soziale Angststörung habe. Denn ich habe mir einige Videos dazu angeschaut und mich immer darin wiedergefunden. Aber manchmal habe ich dieses Imposter-Syndrom auch bei Social Anxiety. Hab ich genügend Anxiety, damit das Angststörung gilt? Bin ich zu ungewöhnlich, weil ich das im Erwachsenenalter und nicht im Kindesalter habe?
Und Moment, was wenn ich jetzt wie LillyFee93112 gehated werde, weil mir jetzt alle sagen dass „ich soziale Phobie täusche, um eine Ausrede zu haben“?!
Diese „Was wenn“-Fragen nehmen kein Ende…