Ich komme gerade von der Arbeit und hab fast 2 Std aus Bonn raus gebraucht. Der Grund ist, dass sie die Nordbrücke (Friedrich Ebert Brücke) gesperrt haben. Die ist wohl so marode und Einsturzgefährdet, dass sie ein wirtschaftlicher Totalschaden ist.
Um eine neue zu bauen, müssen Anwohner enteignet werden, da die neue Brücke breiter werden soll. Erst 2030 soll der Bau beginnen.
Hier in Bonn gibt es aber nur 3 Brücken. Der ganze Verkehr geht jetzt über die Mitte und Südbrücke. Ich kann gerade bestätigen, dass der Verkehr in Bonn durch die Sperrung, in großen Teilen komplett kollabiert ist.
Die Bundesstadt Bonn steht still!
Und wer wie ich, wegen der Arbeit zwischen den beiden Rheinseiten pendeln muss, hat gerade wirklich ein ernstes Problem. Heute früh um halb6 ging es noch. Habe normale 25 Minuten zur Arbeit gebraucht. Jetzt zur Rush Hour, geht aber gar nichts mehr und es herrscht kompletter Stillstand in großen Teilen Bonns.
Mir stellen sich jetzt mehrere Fragen. Allen voran:
Was soll der Mist, dass sie die neue Brücke breiter machen wollen, während sie zeitgleich Anwohner enteignen und deren Häuser abreißen wollen? Die Nordbrücke ging in dieser Dimension doch auch fast 60 Jahre super. Warum nicht die gleiche Brücke, bzw. eine mit den selben Proportionen neu bauen? Warum erst 2030?
So wie ich es gehört habe, ist die aktuelle Brücke ein wirtschaftlicher Totalschaden. Das heißt aber auch man könnte sie einfach reparieren. Es wäre halt teuer.
Was mich wirklich aufregt. Technisch wäre ein Ersatzbau mit ähnlichen Proportionen denkbar, habe ich recherchiert. Es ist kein Naturgesetz, dass sie doppelt so breit sein muss. Der Punkt aber ist: Man orientiert sich bei einem etwaigen Neubau am Bundesverkehrswegeplan, der dort explizit einen 6 streifigen Ausbau vorsieht. Also ist der Planungsauftrag, die Brücke muss breiter werden, und es muss mehr Spuren geben. Das ist eine politische Grundsatzentscheidung aus Berlin, nicht eine rein technische Notwendigkeit der Statik.
Das heißt im Klartext: Die Politik in Berlin provoziert fahrlässig und eklatant, dass Bonn still steht!
Da muss was passieren und es scheint als hat man hier Jahrelang den Knall kommen sehen, und blieb untätig. Und jetzt wo der Knall da ist folgt man lieber politischen Prestigeprojekten, anstatt Bonn eine schnelle Lösung anzubieten und dafür zu sorgen, dass der Verkehr wieder fließt.
Für Bonn, unsere ehemalige Hauptstadt ist das der defacto Totschlag, was hier gerade passiert.
Bildquelle: dpa/Benjamin Westhoff
Wie soll es mit Bonn und der Nordbrücke weitergehen?