Vor zwei Jahren habe ich eine Frau kennengelernt – S. in der Gaststätte ihrer Mutter. Sie war 26, ich 45.
Zwischen uns entstand sofort eine besondere Verbindung und daraus entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft.
Ein ganzes Jahr lang hatten wir nahezu täglich Kontakt. Wir führten offene, ehrliche und oft sehr persönliche Gespräche.
Mit der Zeit hatte ich wirklich das Gefühl, dass diese Freundschaft etwas Besonderes und Dauerhaftes ist – eine Verbindung, die auch schwierige Phasen überstehen könnte.
Natürlich habe ich mich damals nach einigen Monaten ein wenig in sie verliebt.
Doch als ich merkte, dass von ihrer Seite keine romantischen Gefühle da waren, habe ich das akzeptiert und die Freundschaft weiterhin geschätzt.
Denn genau diese Freundschaft war mir unglaublich wichtig.
Leider zerbrach alles, nachdem eine dritte Person begonnen hatte, Lügen über mich zu verbreiten.
Es wurde behauptet, ich würde S. stalken – was absolut nicht stimmte.
Diese Vorwürfe haben vieles zerstört.
S. zog sich immer weiter zurück und brach schließlich den Kontakt komplett ab.
Von ihrer Mutter erfuhr ich später, dass S. sich eigentlich wünschen würde, alles wäre wieder wie früher.
Aber sie kann mit solchen emotionalen Konflikten offenbar nur schwer umgehen. Sie ist sehr impulsiv und neigt dazu, Menschen dann komplett aus ihrem Leben auszublenden.
Nun ist mittlerweile ein Jahr vergangen – ohne Kontakt.
Und gerade jetzt, wo der Sommer wieder beginnt, eine Zeit, die wir beide damals sehr genossen haben, denke ich oft an sie.
Manchmal frage ich mich, ob sie wohl auch noch gelegentlich an mich denkt.
Ich glaube heute nicht mehr, dass sie mich hasst.
Eher denke ich, dass sie damals verletzt und wütend war, weil auch sie eine wichtige Freundschaft verloren hat. Vielleicht war ihr einfach alles zu viel.
Wenn ich an der Gaststätte vorbeifahre und sie manchmal sehe, würde ich am liebsten einfach zu ihr gehen und Hallo sagen.
Aber ich habe ihre Entscheidung respektiert und sie in Ruhe gelassen.
Damals habe ich ihr noch alles in einem Brief erklärt – danach habe ich nicht mehr gedrängt, weil ich wollte, dass sie glücklich wird, selbst wenn ich kein Teil mehr davon bin.
Und genau das macht man wohl, wenn einem jemand wirklich wichtig war.
Was mich bis heute beschäftigt, ist die Frage, ob unsere Freundschaft für sie genauso echt war wie für mich.
Aber eigentlich sprechen viel zu viele Dinge dafür, dass sie es war.
Wir hatten Gespräche, die man nur mit Menschen führt, denen man wirklich vertraut.
Einmal saßen wir noch drei Stunden nach Feierabend zusammen in der Gaststätte und sie erzählte mir Dinge über ihre gescheiterte Beziehung, ihre Zukunftspläne, ihre Träume und Sorgen – Dinge, die teils nicht einmal ihre Familie wusste.
Diese Momente waren ehrlich. Das kann man nicht spielen.
Auch ihre Gesten haben mir immer gezeigt, dass ich ihr wichtig war.
An meinem Geburtstag brachte sie mir ein großes Lebkuchenherz und umarmte mich lange.
Als ihre Mutter die Gaststätte übernommen hatte, kam S. auf mich zu, drückte mich fest und wir verbrachten danach noch Stunden lachend zusammen bei Bier und Sonnenschein.
Das sind Erinnerungen, die ich nie vergessen werde.
Vielleicht war genau deshalb später alles so schwer für sie.
Sie hatte sich geöffnet, Vertrauen aufgebaut – und dann kamen plötzlich diese Vorwürfe und das ganze Drama dazu.
Wahrscheinlich war das emotional einfach zu viel.
Was ich bis heute kaum verstehen kann:
Die Person, die all diese Lügen erzählt hat, steht heute täglich in der Gaststätte, lacht und redet mit S. Früher wollte sie mit ihm kaum etwas zu tun haben.
Das fühlt sich manchmal so an, als hätte er meinen Platz eingenommen.
Trotzdem glaube ich nicht, dass er jemals die Verbindung zu ihr haben wird, die wir hatten. Trotz allem bin ich nicht böse auf sie.
Im Gegenteil! Ich halte S. trotz allem für einen sehr guten Menschen.
Sie ist verschlossen, manchmal impulsiv und vielleicht auch etwas unreif in solchen Situationen – aber genau diese Mischung machte sie irgendwie besonders.
Ich wünsche ihr von Herzen, dass sie glücklich wird, gesund bleibt und ihren Weg findet.
Ich hoffe nur, dass ich ihr nicht negativ im Gedächtnis geblieben bin. Denn wenn ich an sie denke, muss ich oft sogar lächeln.
Ich bin dankbar, sie kennengelernt zu haben. Sie war ein wichtiger Mensch in meinem Leben und wird immer einen Platz in meinem Herzen behalten.
Natürlich tut es manchmal noch weh und ich vermisse sie besonders jetzt im Sommer.
Aber langsam lerne ich, meinen Frieden damit zu machen.
Wahrscheinlich hilft mir dabei auch meine Lebenserfahrung.
Ich will ihr keine Schuld geben. Manche Menschen können mit emotionalen Konflikten einfach nicht gut umgehen.
Vielleicht begegnen wir uns irgendwann wieder zufällig.
Vielleicht kann man dann einfach wieder normal miteinander reden oder sich wenigstens freundlich Hallo sagen.
Und selbst wenn nicht – eines wird sie mir nie nehmen können:
Dass ich sie immer gern haben werde. 🤗
Soll ich versuchen den Kontakt wieder herzustellen oder es laufen lassen?