Schüchternheit von Männern soll vor allem für junge Frauen angeblich ein No-Go sein und die Freundinnenfindung stark erschweren.
Es wird auch als eine der Ursachen für Absolute Beginners aufgezählt.
Da ich auch noch nie eine Freundin hatte, wurde mir meine angebliche Schüchternheit manchmal als Grund vorgehalten ("Der Jung ist schüchtern"). Dabei bin ich gar nicht schüchtern sondern sozial inkompetent.
Aber eigentlich ist der Zusammenhang Schüchternheit-Single doch quatsch.
Olaf Scholz z. B. ist auch schüchtern und trotzdem hat er seit seinen Zwanzigern eine Partnerin.
Schüchternheit wäre doch nur ein Problem, wenn man für eine Frau, mit der man eigentlich gar nichts zu tun hat schwärmt oder man fremde Frauen auf der Straße ansprechen will. Aber dass man da schüchtern ist, ist ja völlig normal und nachvollziehbar. Weil es ja auch cringe wäre, man viel zu viel in die Frau hineinprojiziert und man sich selbst unter Druck setzt.
Denn man sieht ja nicht zufällig eine völlig fremde Frau, ist schockverliebt und denkt sich dann, mit dieser Dame möchte ich ab jetzt eine Beziehung führen.
Eine Partnerin lernt man ja erstmal Schritt für Schritt, zunächst wie jeden anderen Mensch auch und ohne amouröse Absichten in seinem sozialen Umfeld kennen. Das Verliebtsein entwickelt sich ja dann erst durch das Kennenlernen.
Und dann spielt ja Schüchternheit keine Rolle. Wenn, dann könnte soziale Inkompetenz ein Problem sein, als Unvermögen, einen Menschen überhaupt kennenlernen und von sich begeistern zu können.
Aber soziale Inkompetenz und Schüchternheit haben ja eigentlich nichts miteinander zu tun. Jemand der schüchtern ist, kann trotzdem sozial kompetent sein und jemand der offen auf andere Menschen zu geht, kann gleichzeitig sozial inkompetent sein.
Dass Problem der meisten Männer, die zurück gezogen leben und/oder Absolute Beginners sind, ist mit Sicherheit nicht Schüchternheit sondern eben soziale Inkompetenz, auch in allen anderen Lebensbereichen.
Die Annahme, jemand wäre schüchtern, hat ja so was von, "ja die Frauen würden einen ja eigentlich wollen, man müsse sich nur trauen." Während man sich bei in Wahrheit sozialer Inkompetenz eingestehen müsste, von Frauen deshalb vielleicht gar nicht gewollt zu sein.
Schüchternheit wäre als Eigenschaft vielleicht auch viel leichter zu verkraften und zu beheben als soziale Inkompetenz.
Vielleicht spricht man deshalb leichtfertig von Schüchternheit, während es eigentlich soziale Inkompetenz ist.
Also, der Zusammenhang, chancenlos bei Frauen und Schüchternheit, ist doch eigentlich totaler Unsinn, oder?