Hallo zusammen,
ich würde gerne eure Einschätzung zu meinem Fall hören, weil ich inzwischen nicht mehr weiß, wie realistisch meine Chancen noch sind.
Es geht um einen Bildungsgutschein für die Weiterbildung zum Triebfahrzeugführer.
Mein Fall in Kurzform, aber mit den wichtigsten Daten:
- Am 09.12.2025 habe ich bei einem Weiterbildungsanbieter den Wissenstest und das Interview absolviert.
- Am 11.12.2025 bekam ich schriftlich die Rückmeldung, dass ich für die Weiterbildung zum Triebfahrzeugführer geeignet bin.
- Ich habe dabei 44 von 50 Punkten erreicht.
- Gleichzeitig wurde mir mitgeteilt, dass zusätzlich noch die körperliche und psychologische Tauglichkeit geprüft werden müsse und dafür eine Kostenübernahme durch die Agentur für Arbeit erforderlich sei.
Zusätzlich habe ich bereits schriftliche Zusagen bzw. konkrete Beschäftigungsperspektiven von Unternehmen aus dem Bahnsektor erhalten, dass nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung eine feste sozialversicherungspflichtige Beschäftigung möglich ist.
Außerdem wurde mir im Januar über ein Abgeordnetenbüro mitgeteilt, dass seitens der Agentur für Arbeit grundsätzlich Interesse besteht, mich in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen. Damals hieß es sinngemäß, dass noch bestimmte Unterlagen wichtig seien, unter anderem:
- das Sprachzertifikat B2
- eine schriftliche Bestätigung des Unternehmens, dass es sich um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit handelt
- eine Erläuterung, wie ich von meinem Wohnort zum späteren Arbeitsort gelangen würde
Das B2-Zertifikat liegt inzwischen vor.
Trotzdem habe ich am 26.01.2026 einen Ablehnungsbescheid von der Agentur für Arbeit erhalten.
Begründung war im Wesentlichen:
- ich sei nicht „geringqualifiziert“
- ich habe bereits Berufserfahrung in Deutschland
- daher sei die Weiterbildung zum Triebfahrzeugführer für mich angeblich nicht notwendig
- neue, fachfremde Kenntnisse müssten nicht gefördert werden
Dagegen habe ich am 30.01.2026 fristgerecht Widerspruch eingelegt.
Zu meiner Vorgeschichte:
Ich habe zwar bereits in Deutschland gearbeitet, allerdings nur für einige Monate als pädagogischer Mitarbeiter in einem anderen Bereich. Diese Tätigkeit war aus meiner Sicht keine langfristige oder tragfähige berufliche Perspektive und entspricht auch nicht der beruflichen Richtung, in die ich mich nachhaltig entwickeln möchte. Das Arbeitsverhältnis endete außerdem nicht deshalb, weil ich dort eine stabile Perspektive gehabt hätte, sondern aus anderen Gründen.
Hinzu kommt:
Mein ausländischer Hochschulabschluss wurde zwar bewertet, führt in Deutschland aber nicht automatisch zu einer klar geregelten beruflichen Perspektive, mit der ich dauerhaft und sicher in den Arbeitsmarkt integriert wäre.
Am 29.03.2026 habe ich zusätzlich noch einmal schriftlich nach dem Bearbeitungsstand meines Widerspruchs gefragt. Bis heute habe ich darauf aber keine klare Antwort erhalten.
Zu meinem Hintergrund noch kurz:
Ich habe einen ausländischen Hochschulabschluss im Bereich Musik / Musikpädagogik, der von der ZAB bewertet wurde. In Deutschland war ich für einige Monate als pädagogischer Mitarbeiter im schulischen Bereich tätig. Diese Beschäftigung war jedoch weder langfristig noch aus meiner Sicht eine tragfähige berufliche Perspektive. Gerade deshalb sehe ich die Weiterbildung zum Triebfahrzeugführer als realistische und nachhaltige Möglichkeit der beruflichen Integration.
Meine eigentlichen Fragen sind:
1. Ist die Begründung der Agentur für Arbeit aus eurer Sicht nachvollziehbar?
2. Reicht eine frühere, eher kurze Tätigkeit in einem ganz anderen Bereich wirklich aus, um eine Weiterbildung in einen klar nachgefragten Beruf abzulehnen?
3. Wie stark sind aus eurer Sicht die Argumente pro Weiterbildung, wenn
- die Eignung bereits positiv festgestellt wurde,
- 44/50 Punkte erreicht wurden,
- und konkrete Jobperspektiven nach erfolgreichem Abschluss vorliegen?
4. Hat jemand Erfahrungen mit einem ähnlichen Widerspruch beim Bildungsgutschein?
5. Würdet ihr in so einem Fall eher weiter abwarten oder schon die nächsten rechtlichen Schritte vorbereiten?
Mir geht es nicht darum, „einfach irgendeine Umschulung“ zu bekommen, sondern um eine Weiterbildung, für die ich bereits Eignung, Motivation und konkrete berufliche Perspektiven nachweisen kann.
Danke im Voraus für sachliche Einschätzungen.