Jagd aus ökologischer Sicht außerhalb der Städte abschaffen?


17.05.2022, 15:50

Bär darf gerne noch mit einbezogen werden, wer es will.

Das Ergebnis basiert auf 35 Abstimmungen

Nein, der Jäger ist ökologisch nicht ersetzbar 80%
Ja,seine Aufgabe erfüllen Luchs, Wolf (und eig.auch Bär) zugenüge 14%
Außer beim Schutz bedrohter Arten vor Niederwild ( Riesentrappe) 3%
Reduzierter, da der Wolf nicht alles schafft. 3%
Außer im Naturschutzgebiet, bei invasiven Arten (Waschbär Nutria) 0%

Soll man sie innerorts denn dann zulassen oder gar fördern ? So manches Wildschwein hat sich ja schon in der Stadt verirrt...

Innerorts ist nicht Gegenstand der Frage, es geht nur um außerorts. Innerorts kann er hiernach erlaubt bleiben.

15 Antworten

Nein, der Jäger ist ökologisch nicht ersetzbar

Auf diese Frage eine pauschale Antwort zu geben, ist kaum möglich. Noch immer sind komplexe Räuber-Beute-Systeme wenig erforscht. Selbst vergleichsweise einfache Systeme wie die zyklischen Schneeschuhhasen-Kanadaluchs-Zyklen sind noch nicht vollständig verstanden und haben sich als im Detail sehr komplex herausgestellt.

Wie Räuber sich auf die Population von Beutetieren auswirken, ob limitierend (die Anzahl der Beutetiere ist niedriger als ohne Anwesenheit des Räubers), kompensatorisch (die Beutetierpopulation bleibt stabil) oder gar depensatorisch (die Beutetierpopulation wächst unter Anwesenheit des Räubers), hängt von vielen Faktoren ab, z. B. von der Populationsdichte der Räuber und der Beutetiere, von weiteren Mortalitätsfaktoren wie Nahrungsmangel oder Krankheiten und Parasiten und auch von der Jagd durch den Menschen, von der Wachstumsrate der Beutetiere, davon, ob es noch weitere Prädatoren gibt und ob diese sich auch untereinander bejagen¹ und davon, ob ein Räuber nur eine Beuteart bevorzugt oder ob er verschiedene Beutetiere jagt² und welche Altersklassen bevorzugt werden.

Wenn ein Räuber beispielsweise bevorzugt junge, kranke oder alte Tiere erbeutet, wirkt sich die Prädation auf die Population der Beutetiere nicht limitierend aus, denn diese Tiere nehmen am Reproduktionsgeschehen ja noch nicht bzw. nicht mehr teil. Werden hingegen eher gesunde, erwachsene Tiere gejagt, kann sich Prädation sehr wohl limitierend auf die Beutepopulation auswirken. Werden bevorzugt kranke Tiere erbeutet, kann es sich auf die Beutepopulation sogar positiv auswirken, da Krankheitserreger sich nicht so stark ausbreiten.

Manche Beutetiere wie z. B. Wildschweine reagieren auf höheren Jagddruck, indem sie ihre Wachstumsrate vergrößern, d. h. eine Bache bekommt im Durchschnitt mehr Junge. Trotz Bejagung nimmt dann die Beutepopulation nicht unbedingt ab. Auf der anderen Seite kann Prädation sich aber auch so auswirken, dass die Beutetiere erheblichem Stress ausgesetzt sind oder in schlechterer Kondition sind, was dazu führen kann, dass die Reproduktionsrate abnimmt³. Logisch - ein Tier, das mehr Zeit darin investieren muss, um nach Räubern Ausschau zu halten, wird weniger Zeit haben, um z. B. zu fressen und ist daher möglicherweise in schlechterer Kondition. Oder der permanente Stress wirkt sich so auf die Tiere aus, dass sie für Parasiten anfälliger sind.

Ich würde die vorsichtige Prognose wagen, dass wir zumindest in Mitteleuropa ohne eine Bejagung auf lange Sicht nicht auskommen werden. Warum auch? Jagd ist in jedem Fall ökologischer als Massentierhaltung, mehr "Bio" geht eigentlich nicht. Und: Jagd ist ein fair game, denn die Beute hat immer die Chance, zu entkommen. Darüber hinaus ist Jagd nicht nur mit der Jagd selbst, sondern auch mit der Hege und Pflege der Wildbestände verboten. Kritisch zu betrachten ist hingegen die Jagd einzig der Trophäen wegen, die einzig den Zweck verfolgt, den Blutrausch des Jägers zu befriedigen.

Fußnoten

¹ Ein Beispiel aus dem Yellowstone NP, USA: Die Population der Gabelböcke (Antilocapra americana) hatte im Park stark abgenommen. Gabelböcke werden v. a. von Kojoten (Canis latrans) erbeutet. Da Kojoten in Konkurrenz mit den größeren Wölfen (Canis lupus) stehen, halten sich Gabelböcke bevorzugt dort auf, wo es Wölfe gibt. Als in den 1990ern die Wölfe wieder angesiedelt wurden und die Konkurrenz für die Kojoten zunahm, wuchs die Population der Gabelböcke wieder an.

² Ein Beispiel aus dem Kruger NP, Südafrika: 1987 brach im Park die (ohnehin sehr kleine) Population der Pferdeantilopen (Hippotragus equinus) fast völlig zusammen. Grund dafür war, dass man Wasserlöcher im trockenen Teil des Parks angelegt hat. Pferdeantilopen sind eigentlich an Trockenheit gut angepasst. Die Wasserlöcher ermöglichten es nun, anderen Huftieren, die regelmäßig trinken müssen, diesen Teil des Parks zu besiedeln, z. B. Zebras (Equus quagga) und Gnus (Connochaetes taurinus). Mit ihnen folgten Löwen, denn Zebeas und Gnus sind die primär bevorzugten Beutetiere. Obwohl Pferdeantilopen nicht zu ihren bevorzugten Beutetieren gehören, wurden diese als Sekundärbeute nun trotzdem als Sekundärbeutetiere gejagt. Die höhere Mortalität durch die Prädation und die Nahrungskonkurrenz mit den Zebras und Gnus führte schließlich zum Zusammenbruch der Population.

³ Dies wurde z. B. bei Singammern (Melospiza melodia) experimentell belegt. Man hatte Nester vor Prädatoren geschützt. Einem Teil der Vögel gaukelte man die Anwesenheit von Räubern durch das regelmäßige Abspielen von Playbacks vor, einer anderen Gruppe nicht. Die Reproduktionsrate Playback-Gruppe war gegenüber der Vergleichsgruppe um 40 % niedriger.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig
Nein, der Jäger ist ökologisch nicht ersetzbar

Der jäger MUSS schießen, denn das Reh knappert junge Bäume an, die darauf hin sterben. Das bedeutet viele Rehe = Viel wildverbiss = weniger neue bäume bzw mehr kosten = schlecht für die umwelt. Der jäger ist unerstetzbar. Ich finde es schlimm das niemand mehr sich wirklich auskennt und nur aufs negative schaut.

"mehr Kosten" ist jetzt eher keine ökologische Betrachtung. Und junge Bäume sterben auch nicht immer durch Verbiss, sondern verbuschen, dass muss nicht einmal schlimm sein. Sterben ja auch nicht, wenn der Gärtner mit der Schere kommt. Aber ich verstehe was du meinst, das Wild macht den Wald "kaputt".

Wie stehst du zur Regulation des Rehwildes durch den Wolf? Wieso kann er den Jäger nicht ersetzen, ist er nicht effektiv genug, wenn er überall flächig aufträte?

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@Avatarez2

Holzanbau ist Rohstoffanbau und da der Plänterwald ein seltenes Modell ist, ist ein "verbuschter" also abgebissener Baum ein Totalverlust, da er kein hochwertiges Holz mehr liefern wird

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@Quaeror

Das mag zwar wirtschaftlich vielleichtcstimmen, ist aber kein ökologischer Faktor, sondern nur ein Problem des profitorientierten Waldbesitzers, wenn er aus dem Wald Gewinnmaximierung möchte.

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@Avatarez2

Bitte halte dich aus solchen themen raus wenn du dich nicht wirklich auskennst. Wenn alles nur öko zählen würde dürftest du auch kein Handy, pc, fehrnseher usw haben denn für die herstellung dieser dinge wird um an die Rohstoffe zu kommen der regenwald abgeholzt.

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Nein, der Jäger ist ökologisch nicht ersetzbar

Nein, das ökologische Geleichgewicht ist erstens in der Kulturlandschaft zu sehr gestört und zweitens ist Wild ein vernünftiges Nahrungsmittel. Darüberhinaus müssten auch Neozoen wie Nutria oder Waschbär bejagt werden

Und das kann der Wolf nicht? Jetzt mal ehrlich, jagt der keine Waschbären?

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Nein, der Jäger ist ökologisch nicht ersetzbar
Wie seht ihr das? Ohne jetzt Wildbret, Wild für Restaurants, Beziehung zwischen Forstwirt und Jäger usw. sondern rein bezüglich des Einflusses auf die Artenvielfalt und sonstige Ökologie.

Siehe hier:

https://www.gutefrage.net/frage/was-wuerde-passieren-wenn-es-keine-jaeger-in-deutschland-geben-wuerde#answer-368372019

Es gibt viele Gründe, warum es in unserer heutigen Kulturlandschaft auch für das Wild selber und dessen Wohlergehen notwendig ist.

Es ist tatsächlich nötig zu jagen um die Artenvielfalt und gesunde Wildbestände zu erhalten!

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich bin Jäger

Angenommen, du würdest kein Jäger sein und es auch nicht als notwendig erachten, diese Gruppe zu schützen und zu verteidigen, sondern wärst eher in der Richtung, dass ein Ökosystem sich selbst regulieren kann.

Angenommen, der Idealzustand wäre erreicht, Schafe, Kühe, sonstiges Nutzviech wäre hinter 3m dicken Mauern geschützt (Idealvorstellung) und der Wolf hat ausschließlich die Chance, innerhalb der Forste, der Felder, der NSGs, der Brachflächen, der Parks in Städten (ok, das eher nicht) usw. zu laufen und dort als Spitzenprädator das Wild zu regulieren.

Kann er den Jäger in so einer idealisierten Welt ersetzen, sofern man auch von maximaler Akzeptanz ausgeht, der Wolf nicht geschossen wird, das Wild nicht gefüttert usw.?

Was muss der Jäger selbst dann noch machen, was der Wolf nicht kann? (Und jetzt bitte nicht sowas wie Wespen räuchern, ich meine außerorts)

Und auch nicht das geht nicht, weil... Idealisierte Welt, die darf romantisch sein.

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@Avatarez2

Das ist aber eben nun einmal nicht so und ich lebe im hier und jetzt und hänge keinen Fantasien nach.

Darum bin ich auch bereit, einen großen Teil meiner Freizeit, viel (und ich meine wirklich viel) meines privaten Geldes ins Revier zu tragen, damit dort ein artenreicher, und möglichst gesunder Wildbestand leben kann.

Ich mache das wirklich. ich rede nicht nur über Dinge, die ohnehin nicht zutreffen. Und dadurch das ich mache geht es Tieren hier und jetzt besser. Und ich habe nebenbei auch noch Fleisch in meinem Tiefkühler, für das kein Tier leiden musste um es zu bekommen. Und das kann ich mit Stolz und ganz ehrlich so schreiben, weil ich persönlich mit eigener Hand dafür gesorgt habe.

Wer von uns hat jetzt ganz konkret im hier und jetzt also mehr für das Wild getan?

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@Waldmensch70

Alles klar, danke für deine Einschätzung, oder besser gesagt, deine Selbstbeweihräucherung und deinen Versuch unsinnige Vergleiche zu konstruieren.

Danke ebenso für deine Kompetenz, auf meine Frage nicht einzugehen und der Fähigkeit, abstrakte Vorstellungen zu durchdenken und individuelle Antworten auf derartige Problemstellungen zu entwickeln und zu äußern.

Du hättest auch einfach schreiben können "ich möchte darauf nicht antworten, weil das mein Weltbild gefährdet und meine persönliche Stabilität und mein Handeln infrage stellt"

Da hätte ich mehr Verständnis für gehabt. Denn ich hoffe, das es eines Tages keine Jäger mehr geben wird, die im vom Wolf regulierten Beständen "Die Artenvielfalt des Wildes durch Schießen erhöhen".

Selbstreflexion ist ein schwieriges Thema und nicht jeder schafft es, sich selbst einzugestehen, dass das, wo man mit voller Überzeugung dran ist, eventuell verkehrt oder nicht optimal sein kann. Menschen die das können, sind rar gesät und selbst sogenannte Experten sind dazu oft nicht in der Lage, schade.

Da du ja persönlich wurdest, mit deiner Frage, Wird es jemals eine Zeit geben, wo die Mehrheit der Menschen erkennen wird, das Jagd ein Luxushobby einiger weniger ist, ökologisch meist sinnlos und dringend eingeschränkt werden müsste? Ich hoffe ja...

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@Avatarez2

Du solltest dich mal der Selbstreflexion widmen mit welcher Arroganz du jemandem schreibst, der offensichtlich mehr Ahnung vom Ökosystem Wald hat als du, weil er es beobachtet und nicht krude Theorien aufstellt

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@Avatarez2
Alles klar, danke für deine Einschätzung, oder besser gesagt, deine Selbstbeweihräucherung 

War klar, das Du so reagierst.

Etwas Anderes blieb Dir ja auch nicht übrig, da Du (im Gegensatz zu mir) ja nicht mit echten Dingen aufwarten kannst, die Du für die Tiere machst. Du redest nur. Das ist der Unterschied. Und von "Laberhanseln" haben wir schon genug. Aber während die lamentieren packen Andere an und retten(!) dadurch auch Tiere, sorgen dafür das seltene Tiere hier noch heimisch bleiben obwohl die Umwelt (die wir uns alle nicht aussuchen können) nicht so optimal ist wie wir Alles es uns wünschen würden.

Die Jagd ist per se nicht "schlimm" oder "böse".

Im Gegenteil, sie ist eine der wenigen, echten Möglichkeiten persönlich Verantwortung dafür zu übernehmen, dass in unserer heutigen Kulturlandschaft (die wir nun einmal haben, das hat sich aber ja auch der Jäger nicht ausgesucht) das Gleichgewicht erhalten bleibt. Und wer das kritisieren möchte, der soll es selber erst einmal persönlich(!) besser machen. - Dann reden wir weiter.

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@Avatarez2

Nutztiere hinter 3m dicke Mauern sperren?! Erstens wäre dass viel zu teuer und zweitens müssten die Tiere auch auf die Weide

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Nein, der Jäger ist ökologisch nicht ersetzbar

der jäger ist in der heutigen zeit nicht zu ersetzen.ansonsten greifen die landbewohner selbst zur flinte oder gift wenn die schäden überhand nehmen

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