Tja, wer diese Frage endgültig beantworten kann, wird gewiss dafür eines Tages den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie bekommen.

Im Tierreich gibt es etliche Arten, die ganze Körperteile regenerieren können. Eidechsen z. B. können ihren Schwanz abwerfen und ersetzen - allerdings ist ihr neuer Schwanz kürzer als der alte und besitzt auch keine Schwanzwirbel). Der Axolotl hingegen kann selbst ganze Arme und Beine vollständig regenerieren. Und wenn man einenSüßwasserpolypen in winzigste Stücke zerteilt, kann sich jedes einzelne davon wieder zu einem vollständigen Polypen entwickeln.

Man weiß heute, dass die Ontogenese durch eine Reihe von Genen gesteuert wird, z. B. durch die so genannten Hox-Gene, die u. a. an der Differenzierung der Körperachse und der Gliedmaßen beteiligt sind.

Man weiß auch, dass epigenetische Faktoren bei der Differenzierung eine große Rolle spielen. Etwa bis zur Entstehung des Primitivstreifens, der beim Embryo "vorn" und "hinten" festlegt, vermag jede einzelne Zelle des Embryos noch einen vollständigen Organismus zu bilden. Diese Zellen sind totipotent. Auf diese Weise entstehen etwa eineiige Zwillinge, indem die Eizelle sich teilt und beide Tochterzellen einen eigenständigen Organismus hervorbringen. Ab dem Entstehen des Primitivstreifens setzt jedoch ein Prozess ein, den man Determinierung nennt. Durch epigenetische Einflüsse (damit sind alle Möglichkeiten der Genregulation gemeint, die nicht die Sequenz der Gene ändern, z. B. DNA-Methylierung, der Histon-Code usw.) werden aber bestimmte Gene stumm geschaltet. Die Zellen können diese Gene nicht mehr abrufen und sind fortan in ihrem Entwicklumgsvermögen eingeschränkt. Manche sind so genannte pluripotente Stammzellen und können noch eine Reihe verschiedener Zellen hervorbringen. Dazu gehören z. B. die Stammzellen des roten Knochenmarks, aus denen alle verschiedenen Blutzellen gebildet werden: rote Blutkörperchen (Erythrocyten), Blutplättchen (Thrombocyten) und die unterschiedlichen Typen der weißen Blutzellen (Leucocyten) wie etwa die Granulocyten oder die Monocyten. Andere sind in ihrem Entwicklungsvermögen noch stärker eingeschränkt. Eine Herzmuskelzelle kann beispielsweise nur andere Herzmuskelzellen hervorbringen. Manche Zelltypen teilen sich für gewöhnlich später gar nicht mehr, etwa Nervenzellen. Genau aus diesem Grund ist etwa eine Querschnittlähmung heute noch nicht heilbar, weil die durchtrennten Nervenstränge kein neues Nervengewebe bilden können, das sie wieder zusammen wachsen ließe.

Um also Organe wie eine Niere oder Lunge oder Körperteile wie Arme nachwachsen zu lassen, müsste man zunächst die Determinierung der Zellen rückgängig machen und quasi künstlich aus ihnen wieder totipotente Stammzellen machen. Bislang ist die Stammzelforschung aber noch nicht so weit, dass sie ausdifferenzierte Gewebezellen wieder zu solchen Stammzellen rückprogrammieren könnte. Und zum anderen müsste man erst verstanden haben, wann, wie lange und mit welcher Intensität jedes einzelne regulatorische Gen (Hox-Gene usw.) aktiv sein muss, damit aus diesen Stammzellen kein ungeordneter Zellhaufen wird, sondern z. B. ein Bein oder ein Arm.

Warum manche Tiere wie der Axolotl dieses Kunststück beherrschen und andere wie der Mensch nicht, ist bislang noch unbekannt.

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Optisch gefällt es mir mit dezenter Schambehaarung am besten, z. B. einfach nur kurz getrimmt oder ein Landing Strip. Wenn der Wuchs nicht zu üppig ist, kann auch ein naturbelassener Busch sehr sexy aussehen. Komplett rasiert kann zwar auch sehr hübsch sein, ist mir aber fast schon zu langweilig.

Am allerbesten gefällt es mir aber, wenn eine Frau es so macht, dass sie sich selbst damit am wohlsten fühlt.

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Leider bleiben Weichteile nur äußerst selten fossil erhalten. Ob Tiktaalik eine Lunge hatte, ist deshalb nicht zweifelsfrei belegt. Es gibt aber eine Reihe von Indizienbelegen, die für das Vorhandensein von Lungen sprechen. So deutet beispielsweise die Position des Spritzlochs (Spiraculum) auf der Oberseite des Schädels darauf hin, dass Tiktaalik sowohl Kiemen als auch einfache Lungen besaß. Einen weiteren Hinweis können uns die Lungenfische (Dipnoi) geben, von denen heute noch etwas mehr als eine handvoll Arten in Australien, Südamerika und Afrika leben. Lungenfische gelten heute als die engsten Verwandten der Landwirbeltiere (Tetrapoda), sie sind deren Schwestergruppe. Die Lungenfische besitzen einfach gebaute Lungen, die evolutionär aus einer Aussackung des Darms herorgegangen sind. Dass Fische mit dem Darm atmen, ist gar nicht so ungewöhnlich. Gerade im Hochsommer, wenn Teiche und Seen zunehmend sauerstoffarm werden, kann man beobachten, wie die Karpfen immer wieder an die Wasseroberfläche kommen und nach Luft schnappen. Auch die Lungenfische leben in Gewässern, die zeitweise sauerstoffarm sind oder sogar periodisch austrocknen können. Lungen sind also als Anpassung an sauerstoffarme oder austrocknende Gewässer schon weit vor dem Landgang der Wirbeltiere entstanden. Unter der Voraussetzung, dass die Lungen der Tetrapoden und der Dipnoi homolog sind (d. h. ursprungsgleich, also von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt und damit nur einmal in der Evolution entstanden und nicht etwa unabhängig voneinander entickelt), dann müssen auch die zu den Tetrapoden führenden Stammlinienvertreter wie Tiktaalik Lungen besessen haben.

Als "Nachfahren" von Tiktaalik gelten "Ur-Amphibien" wie z. B. Acanthostega oder Ichthyostega, die aber wohl noch vorwiegend aquatisch lebten und noch einige Merkmale fischartiger Vorfahren aufwiesen wie z. B. Schuppen, ein Seitenlinienorgan oder einen Kiemendeckel (Operculum). Spätere Formen wie Seymouria können schon als "echte" Landtiere gelten und erinnern in ihrem Aussehen stark an heute lebende Riesensalamander, mit denen sie aber nicht näher verwandt sind.

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Die nächsten lebenden Verwandten der Krokodile (Crocodylia) sind die Vögel (Aves), die ihrerseits nichts anderes sind als der letzte bis heute existierende Zweig des Dinosaurierstammbaums - jedes einzelne Huhn (Gallus gallus) ist ein waschechter Dinosaurier! Man muss dem Huhn nur einmal auf die Füße schauen und schon erkennt man die Verwandtschaft mit den ausgestorbenen Gattungen wie Tyrannosaurus oder Velociraptor zweifelsfrei. Vögel (sowie alle anderen heute ausgestorbenen Dinosaurierformen) und Krokodile gehören einer Gruppe von Landwirbeltieren an, die man Archosaurier nennt. Neben den Krokodilen und den Dinosuriern gehörten auch die ausgestorbenen Flugsaurier (Pterosauria) zu den Archosauriern. Sie waren die Schwestergruppe der Dinosaurier und gemeinsam bildeten sie innerhalb der Archosaurier eine Gruppe, die man Ornithodira nennt. Krokodile sind also mit den Dinosauriern sehr nah verwandt, aber sie werden nicht zu den Dinosauriern gezählt, sondern gehören einem anderen Zweig der Archosaurier an, den man Crurotarsi oder manchmal auch Crocodylotarsi nennt. Es gibt etliche diagnostische Merkmale, durch die sich Dinosaurier und Krokodile deutlich voneinander unterscheiden.

Eines davon ist z. B. der Bau des Fußgelenks (Tarsalgelenk). Bei den Dinosauriern und ihren verwandten Formen handelt es sich um ein so genanntes Mesotarsalgelenk - es verläuft mehr oder weniger mittig und in gerader Linie quer zur Längsachse zwischen der Reihe der proximalen (körpernahen) und der Reihe der distalen (körperfernen) Fußwurzelknochen (Tarsalia). Bei Krokodilen hingegen ist das Fußgelenk ein Crurotarsalgelenk. Bei dieser Form gibt es zusätzlich zwischen den beiden Fußwurzelknochen Astragalus und Calcaneus ein längs zur Längsachse verlaufendes Scharnier, wodurch das Fußgelenk eine Art "Knick" macht. Krokodile besitzen ferner einen knöchernen sekundären Gaumen (der aber unabhängig von dem der Säugetiere entstand und von den Flügelbeinen (Pterygoidea) gebildet wird), den Dinosaurier nicht haben.

Umgekehrt gibt es auch ganz spezifische Merkmale, die die Dinosaurier haben und die Krokodile nicht. Dazu gehören z. B. ein Fortsatz am Astragalus, der in die Vorderseite des Schienbeins (Tibia) eingreift, das Fehlen eines Postfrontale (ein Schädelknochen) oder ein vollständig durchbrochenes Acetabulum (die Hüftgelenkspfanne).

Es gibt also im Körperbau einige Merkmale, durch die Krokodile und Dinosaurier eindeutig unterschieden werden können.

Übrigens: tatsächlich haben die Krokodile kaum Ähnlichkeit mit den ausgestorbenen Nichtvogeldinosauriern. In Wirklichkeit trifft das Bild der echsenähnlichen Dinosaurier in keiner Weise zu. Bereits die frühen Dinosaurier hatten mit den Vögeln mehr Ähnlichkeiten als mit Echsen. So weiß man inzwischen, dass die ersten Dinosaurier bereits ein primitives Federkleid trugen wie Federn überhaupt bei den Dinosauriern wohl zur Standardausrüstung gehört haben und nur bei einigen Formen erst später sekundär wieder verloren gingen. Unter den heute lebenden Tieren haben daher wohl nicht die Krokodile, sondern große Laufvögel wie der Strauß (Struthio camelus) die größte Ähnlichkeit mit den Dinosauriern.

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Doch, die Zerfallsrate (Halbwertszeit) ist konstant. Zwar ist die Halbwertszeit eine stochastische Größe, sodass man nie vorhersagen kann, welches Isotop zu welchem Zeitpunkt zerfallen wird. Aus ihr lässt sich aber ablesen, dass die Hälfte der Isotope nach Vergehen einer Zeit x zerfallen sind. Die Konszanz des radioaktiven Zerfalls ist ja gerade die Voraussetzung dafür, dass solche Datierungsmethoden erst möglich sind.

Weil die Halbwertszeit immer gleich ist, ist es auch nicht notwendig, die Ausgangsmenge zu kennen. Es ist egal, ob es am Anfang zehn Milligramm eines Isotops sind oder 25, die Halbwertszeit bleibt gleich. Wichtiger ist, dass man das exakte Verhältnis des Isotops zu den anderen Referenzisotopen kennt. Bei der Radiocarbonmethode weiß man beispielsweise, dass das radioaktive C14 in der Atmosphäre in einem ganz bestimmten Verhältnis zum stabilen Isotop C12 entsteht. Der Assimilationsapparat der Pflanzen unterscheidet nicht zwischen den Isotopen und nimmt daher beide in den gleichen Verhältnissen auf, wie sie in der Atmosphäre auftreten. Solange ein Lebewesen noch lebt, ändert sich dieses Verhältnis nicht (bei Tieren, weil sie den Kohlenstoff aus Pflanzen aufnehmen bzw. durch Fressen von Tieren, die ja ihrersetis Pflanzen gefressen haben). Ab dem Moment des Todes wird kein neuer Kohlenstoff mehr aufgenommen. Das instabile C14 beginnt nun zu zerfallen, während die Menge des stanilen Kohlenstoffisotops gleich bleibt. Durch Messung der unterschiedlichen Verhältnisse beider zueinander in einer Probe und durch Vergleich des Startwerts lässt sich so das Alter recht genau bestimmen. Man weiß heute, dass die Bildung von C14 in der Atmosphäre in der Tat nicht völlig konstant ist. Die Modelle zur Datierung berücksichtigen diese Schwankung aber. Übrigens wird bei einer Datierung ja auch nie ein exaktes Alter angegeben, sondern ein Bereich, z. B. zwischen 3500 und 3100 vor heute. Je dichter diese beiden Werte beieinander sind, umso genauer ist die Schätzung. Gerade bei Datierungsmethoden, die lange zurückliegende Ereignisse datieren sollen, können solche Schätzungsbreiten gut und gern einige Mio. Jahre betragen. Im geologischen Maßstab kommt es bei einem 3 Mrd. Jahre zurücklirgenden Ereignis nicht darauf an, ob es nun 3 Mrd. Jahre und 1 Mio. Jahre oder 3 Mrd. Jahre und 2 Mio. Jahre her ist.

In der Tat sind aber bei sehr alten Funden die relativen Altersbestimmungsmethoden (Stratigraphie, Leitfossilien) oft genauer als absolute Altersvestimmungsmethoden.

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Primer sind kurze Nukleotidsequenzen, die an den komplementären DNA-Strang binden und der Polymerase als Startpunkt dienen, weil sie ihr das für das Anfügen eines neuen Nukleotids notwendige 3'-OH liefern. Außerdem binden Primer durch ihre spezifische Sequenz an einen konplementären DNA-Strang, womi sicher gestellt wird, dass in der PCR nicht wahllos im Genom amplifiziert wird, sondern nur der gewünschte Abschnitt, z. B. ein Gen amplifiziert wird.

Beim Primerdesign musst du zwei Dinge beachten. Erstens wird der DNA-Doppelstrang während der PCR aufgeschmolzen, weshalb du für beide Einzelstränge einen Primer benötigst, also sowohl für die vorwärtsläufige als auch die rückwärtsläufige Sequenz, man spricht auch von einem Primerpaar. Und zweitens musst du beachten, dass die Polymerase immer nur in 5'-3'-Richtung amplifiziert.

Schau dir also an, in welche Richtung deine beiden Einzelstränge verlaufen und bastle dir jeweils in 5'-3'-Richtung den dazu gehörenden Primer.

Den Vorwärts-Primer kannst du bereits aus den beiden Sequenzen ablesen. Er entspricht nämlich dem Beginn des oberen DNA-Strangs. Amplifiziert wird dann logischer Weise der untere Strang von links nach rechts.

Mit dem Rückwärts-Primer soll dann auch die andere (obere) Sequenz amplifiziert werden. Da auch hier wieder von 5' nach 3' amplifiziert wird, muss dieser von rechts nach links ampkifiziert werden. Du erhälst also den Primer, indem du einfach das Ende des unteren Strangs rückwärts, also von rechts nach links, aufschreibst.

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Die Säugetiere (Mammalia) haben sich nicht erst kurz vor dem Aussterben der Dinosaurier (übrigens ... sie sind gar nicht ausgestorben. Vögel sind nämlich nicht nur Nachfahren der Dinosaurier, sie sind selbst Teil des Dino-Stammbaums und damit waschechte Dinosaurier) entwickelt, sondern wesentlich früher. Sie sind wohl mindestens genauso alt wie die Dinosaurier. Die ersten echten Säuger traten am Ende der Trias vor etwa 220 Mio. Jahren auf, vielleicht sind sie aber auch ein bisschen älter. Entwickelt haben sie sich aus einer Linie ursprünglicherer Synapsiden, den so genannten Cynodontia ("Hundezähner"). Die ursprünglichen Cynodontier wie Cynognathus hatten wahrscheinlich schon ein Fell und waren warmblütig. Möglicherweise säugten sie sogar schon ihre Jungen. Sie waren aber noch keine echten Säuger, denn in ihrem Mittelohr gab es nur einen Gehörknochen und sie hatten ein primäres Kiefergelenk. Jeder Unterkieferast war aus mehr als einem Knochen zusammengesetzt. Bei den Säugern verlagerten sich schließlich die Knochen des primären Kiefergelenks (Quadratum und Articulare) ins Mittelohr und wurden zu zwei weiteren Gehörknochen, Malleus und Incus. Jeder Unterkieferast besteht nur noch aus einem einzigen Knochen (dem Dentale) und an die Stelle des ursprünglichen Kiefergelenks rückte ein neues, sekundäres Kiefergelenk zwischen dem Dentale und dem Squamosum. Übergangsformen wie Morganucodon belegen diese Evolution, denn sie besitzen beide Kiefergelenkstypen.

Im Jura hatten sich die Säuger dann schon bereits in die drei Hauptäste des Säugetierstammbaums geteilt: die noch eierlegenden Kloakentiere (Monotremata) einerseits, sowie die lebendgebärenden Theria andererseits, die sich schon in die Beuteltiere (Marsupialia) und in die Plazentatiere (Placentalia) getrennt hatten.

Infolge der Kontinentaldrift zerbrach der Großkontinent Pangaea im Erdmittelalter in die beiden Kontinente Laurasia (im Wesentlichen das heutige Nordamerika, Europa und der überwiegende Teil Asiens) im Norden und Gondwana (die heutigen Kontinente Südamerika, Afrika, Australien, Antarktika sowie Madagaskar und große Teile Südostasiens) und es bildeten sich bis zum Ende des Mesozoikums die Hauptlinien der Placentalia aus. Gondwanischen Ursprungs sind die Nebengelenktiere (Xenarthra), die heute nur inAmerika durch Gürteltiere, Ameisenbären und Faultiere vertreten sind, sowie die ursprünglich wohl in Afrika entstandenen Afrotheria (Elefanten, Schliefer, Seekühe, Rüsselspringer, Tenrekartige und Erdferkel). In Laurasia entstanden die Laurasiatheria (Insektenfresser, Raubtiere, Schuppentiere, Fledertiere, Unpaarhufer sowie die Paarhufer inklusive der Wale) und schließlich eine Gruppe namens Euarchontoglires. Sie werden gebildet aus Glires (Nagetiere und Hasenartige) und den Euarchonta, den Primaten und ihren nächsten Verwandten, den Tupaias oder Spitzhörnchen und den Riesengleitern. Innerhalb der Euarchonta sind wohl die Riesengleiter die nächsten Verwandten der Primaten. Es gibt gegenwärtig keine Fossilien, mit dem sich der Zeitpunkt der Trennung von Primaten und Riesengleitern bestimmen lässt. Molekulargenetische Daten (so genannte molekulare Uhren) datieren den Zeitpunkt auf die Kreidezeit vor etwa 80 Mio. Jahren zurück. Die ältesten zweifelsfrei den Primaten zuzuordnenden Funde sind aber weit jünger und eozänen Ursprungs, datieren also aus einer Zeit nach dem"Aussterben" der Dinosaurier. Es gibt aber einige spätkreidezeitliche Funde, die von manchen Forschern als echte Primaten gedeutet werden.

Die Primaten spalteten sich schon sehr früh in die beiden Äste Strepsirrhini (Feuchtnaenprimaten, die heutigen Lemuren, Galagos und Loris) auf, sowie in die Haplorrhini (Trockennasenprimaten), zu denen heute die Tarsier oder Koboldmakis gehören sowie die echten Affen (Anthropoidea).

Interessant ist der Fund der eozänen Gattung Darwinius aus der Grube Messel in Hessen. Ihre Erstbeschreiber halten das derzeit einzig bekannte Fossil der Gattung ("Ada") für den ersten Vertreter der Haplorrhini und damit einen direkten Vorfahren der Entwicklungslinien, zu denen auch unsere eigene gehört. Andere halten sie dagegen für einen Vertreter der lemurenartigen Feuchtnasenprimaten und nicht für einen unmittelbaren Vorfahren des Menschen.

Die echten Affen spalteten sich in die Neuweltaffen (Klammeraffen, Löwenäffchen usw.) und die Altweltaffen auf. Zu letzteren gehören auch die Menschenaffen (Homonoidea) als deren älteste Vertreter Formen wie Proconsul (rund 20 Mio. Jahre alt) gelten. Sie teilten sich später noch einmal in die kleinen Menschenaffen (Hylobatidae, Gibbons) und die großen Menschenaffen (Hominidae). Vom gemeinsamen Hominidenstammbaum zweigten zuerst die Orang-Utans ab vor wahrscheinlich mehr als 13 Mio. Jahren. Vor zehn Mio. Jahren trennten sich die Gorillas ab und vor etwa sieben Mio. Jahren trennten sich Schimpansen und die menschliche (Hominini) Evolutionslinie. Als ältester Vertreter der Hominini gilt Sahelanthropus tchadensis mit einem Alter zwischen sechs und sieben Mio. Jahren aus dem Tschad. Man nimmt deshalb heute an, dass die menschliche Entwicklungslinie westlich des afrikanischen Grabenbruchs entstand. Zuvor hatte man angenommen, Menschen und Schimpansen seien erst durch den Grabenbruch getrennt worden. Die weitere Evolution des Menschen über Formen Australoptithecus und schließlich Homo habilis, Homo erectus und den archaiachen Homo sapiens spielte sich aber tatsächlich östlich davon ab. Aus letzterem gingen dann Denisovaner und Neanderthaler sowie der anatomisch moderne Mensch (dem heute ausnahmslos alle Menschen zugehören) hervor. Als der anatomisch moderne Mensch nach Eurasien auswanderte, traf er dabei auch auf Neanderthaler und kreuzte sich mit ihnen. Spuren dieser Kreuzungen finden sich noch heute im Genom des Menschen. So besitzen beispielsweise alle Menschen mit außerafrikanischer Herkunft etwa zei Prozent Neanderthaler-DNA in ihrem Genom.

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Einen hundertprozentigen Beweis gibt es nur in der Mathematik. In den Naturwissenschaften sind wir zu einer anderen Form der Beweisführung gezwungen, nämlich zum Sammeln von Indizienbeweisen.

Das gilt natürlich auch für die Evolutionstheorie. Es ist nicht möglich, sie durch eine mathematische Beweisführung zu belegen, wohl aber durch das Zusammentragen empirischer Belege. Im Lauf der letzten gut 200 Jahre der Evolutionsforschung sind zahlreiche dieser Belege zusammengetragen worden, sodass man mit Fug und Recht sagen kann, dass die Evolutionstheorie hinreichend belegt ist, um sie als Tatsache anzuerkennen. Die Beweislage ist sogar so gut, dass man sie als Tatsache anerkennen muss. Fakt ist, dass es gegenwärtig keine andere Theorie gibt, welche den Ursprung und die Veränderung der Arten und die Entstehung neuer Species plausibel erklären könnte und gleichzeitig einer empirischen Beweisführung standhielte.

Es gibt viele überzeugende Belege. Hier eine kleine Auswahl.

  • System abgestufter Ähnlichkeiten: die Lebewesen weisen gewisse Ähnlichkeiten in ihren Merkmalen auf. Die sind aber nicht zufällig verteilt, sondern in einem System abgestufter Ähnlichkeiten. Es gibt Merkmale, die bei vielen Arten auftreten und sehr allgemein sind, z. B. sind alle der rund 5000 Säugetierarten mit Haaren versehen, haben Milchdrüsen, drei Gehörknochen und ein sekundäres Kiefergelenk. Innerhalb dieser Gruppen gibt es Merkmale, die spezifischer sind und nur bei einem Teil der Arten auftreten. Beispielsweise haben unter allen Säugern nur die Raubtiere ein Brechscherengebiss. Und innerhalb der Raubtiere haben nur die Katzen einen verkürzten Gesichtsschädel, verhornte Papillen auf der Zunge und vorn je fünf und hinten vier Zehen. Von den Katzen haben nur die Großkatzen ein nur teilweise verknöchertes Zungenbein und innerhalb der Großkatzen ist der Tiger die einzige Art, die gestreift ist. Dieses Merkmalssystem der abgestuften Ähnlichkeiten lässt sich problemlos in einen Stammbaum des Lebens umschreiben.
  • Fossilien: sie belegen, dass es Arten gab, die heute ausgestorben sind. Aber mehr noch: die Fossilien lassen sich in den oben erwähnten Stammbaum des Lebens einordnen, man kann also ihre Verwandtschaft mit den heutigen Lebewesen belegen. Anhand von so genannten Brückenorganismen wie Tiktaalik, Ichthyostega, oder Archaeopteryx und über paläontologische Stufenreihen lässt sich belegen, dass diese ausgestorbenen Formen die Vorfahren der heute lebenden Arten waren und über welche Zwischenschritte die rezenten Arten entstanden.
  • Lebende Fossilien: als solche bezeichnet man heute lebende Arten, die noch immer einen ursprünglichen Bauplan ihrer Vorfahren aufweisen. Manche von ihnen sind die letzten Vertreter einst viel artenreicherer Gruppen, z. B. Quastenflosser, Brückenechse oder Ginkgobaum und Bärlappgewächse. Andere sind quasi heute noch lebende Brückenorganismen wie etwa die Kloakentiere, die bereits abgeleitete Merkmale der höheren Säuger besitzen, andererseits aber auch noch ursprüngliche Merkmale der kriechtierartigen Vorfahren wie etwa das Eierlegen.
  • Biogenetische Grundregel: sie heißt auch Rekapitulationsregel und geht auf Ernst Haeckel zurück. Sie besagt, dass jedes Lebewesen während seiner Individualentwicklung (Ontogenese), insbesondere während seiner Embryonalentwicklung, seine Stammesgeschichte (Phylogenese) kurz durchläuft. So treten beispielsweise beim Menschen während seiner Embryonalentwicklung Kiemenspalten auf, genau wie bei jedem anderen Landwirbeltier. Auch die Metamorphose der Amphibien von fischartigen Kaulquappen mit Kiemen zu lungenatmenden Fröschen und Salamandern ist ein Beispiel dafür. Die biogenetische Grundregel gilt aber nicht uneingeschränkt. Vögel rekapitulieren z. B. keine Zähne, obwohl ihre Vorfahren (kleine Raubdinosaurier) welche besaßen. Andere Merkmale wie die Fangmaske der Libellenlarven sind keine Merkmale von Vorfahren, sondern Neubildungen, da natürlich auch schon Larven de Evolution unterliegen und nicht erst die Adulten der Selektion unterworfen sind. Die Rekapitulationsregel ist dennoch nach wie vor einer der anschaulichstrn Evolutionsbelege.
  • Atavismen und Rudimrnte: manche Merkmale, die eigentlich im Lauf der Stammesgeschichte verloren gingen, können spontan wieder auftreten. Dazu zählen z. B. zusätzliche Finger bei Pferden und Paarhufern, überzählige Brustwarzen (Polythelir), Hornzipfel oder Halsfidteln. Andere Merkmale sind als Rudimente oder Überreste übrig geblieben, z. B. Steißbein oder Wurmfortsatz oder der Darwin-Höcker an der menschlichen Ohrmuschel.
  • Morphologische Stufenreihen: die Entwicklung der Arten lässt sich nicht nur über Fossilien nachvollziehen, sondern auch durch Vergleich der Baupläne heutiger Formen, etwa durch unterschiedlich komplexe Augentypen oder die Hirnentwicklung bei den verschiedenen Wirbeltiergruppen oder auch ihre unterschiedlichen Kreislaufsysteme oder Nierentypen.
  • Molekularbiologische Befunde: die Universalität des genetischen Codes und Ähnlichkeiten bei seiner Umsetzung belegen einen gemeinsamen Ursprung des Lebens. So nutzen etwa ausnahmslos alle Arten DNA als Speichermedium für die Erbinformation. Die in der DNA enthaltenen Informationen können durch Sequenzvergleiche wie morphologische Merkmale genutzt werden, um Verwandtschaftsbeziehungen zu ermitteln. Die molekularbiologischen Stammbäume sind dabei mit jenen, die auf morphologischen Merkmalen basieren, überraschend deckungsgleich.
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Geht es dir wirklich darum, dass du nicht weißt wie eine lesbische Partnerschaft wäre oder generell um das Sammeln gleichgeschlechtlicher Erfahrungen?

Wenn es um ersteres geht: homosexuelle Beziehungen unterscheiden sich überhaupt nicht von heterosexuellen Beziehungen. Es ist die gleiche Liebe und überall gibt es Aufs und Abs. Wenn es in eurer Beziehung klappt und die Gefühle füreinander stimmen, solltest du damit zufrieden sein und dich nicht fragen, ob eine lesbische Beziehung nun anders oder besser wäre. Sei lieber froh, dass das Schicksal einen Menschen in dein Leben gebracht hat, den du liebst und der dich glücklich macht.

Wenn du nur rein körperliche Erfahrungen mit einer Frau sammeln möchtest, hast du schon mal mit deinem Freund darüber geredet? Ihr könntet es mit einer offenen Beziehung versuchen, wenn das für euch beide tragbar wäre.

Hast du dich schon mal mit dem Thema Polyamorie auseinander gesetzt? Vielleicht ist das ja, was du suchst.

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Die Evolutionstheorie ist nicht widerlegt worden. Sie ist ganz im Gegenteil die einzige wissenschaftliche Theorie, welche die Entstehung und Veränderung der Arten plausibel erklären kann. Es gibt darüber hinaus keinen Beleg, der die Evolutionstheorie entkräften würde. Dies gilt auch für sämtliche molekularbiologische Befunde. Das Gegenteil ist sogar der Fall: sämtliche Untersuchungen der DNA sprechen für die Evolutionstheorie und die moderne Evolutionsbiologie nutzt die Möglichkeiten der Molekularbiologie in immer größerem Ausmaß aus, um beispielsweise anhand von Vergleichen von Gensequenzen oder sogar ganzer Genome grundlegende Verwandtschaftsfragen zu klären. Die Stammbäume, mit denen die Systematiker oft arbeiten, werden heute zum überwiegenden Teil auf Grundlage solcher Arbeiten erstellt.

Ganz eindeutig spricht für die Evolutionsbiologie, dass ausnahmslos alle Lebewesen DNA als Speichermedium für den genetischen Code nutzen. Aber nicht nur das, der genetische Code wird in allen Lebewesen (mit wenigen besonderen Ausnahmen) mit der gleichen Sprache gesprochen - alle Lebewesen nutzen exakt den gleichen genetischen Code. Deshalb kann die Code-Sonne zum Lesen des Codes bei (fast) allen Lebewesen verwendet werden: beim Mensch, beim Blauwal, bei der Hausmaus, beim Steinpilz, bei der Brennnessel, ... Sogar das Prinzip der Umsetzung des genetischen Codes in die Proteine (Proteinbiosynthese) ist bei allen Lebewesen gleich. Die auf der DNA enthaltene Bauanleitung muss erst auf eine mRNA umgeschrieben (Transkription) werden und wird dann an den Ribosomen in die codierte Abfolge der Proteinbausteine (Aminosäuren) übersetzt (Translation). All das lässt sich nur durch die Evolutionstheorie erklären, nämlich nur dadurch, dass alle Lebensformen auf einen gemeinsamen Ursprung, einen allen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen und sich aus diesem entwickelt haben. Dafür spricht auch, dass bestimmte Gene in allen Lebewesen in fast identischer Form vorkommen. Man spricht von so genannten hochkonservierten Bereichen. Meist handelt es sich dabei um Gene, deren Proteinprodukte (Enzyme usw.) in wichtigen Schlüsselstoffwechselwegen wie der Zellatmung involviert sind und die folglich bei nahezu allen Lebewesen eine unverzichtbare und überlebenswichtige Funktion erfüllen.

Auch die variableren Bereiche der DNA sprechen eindeutig für die Evolutionstheorie. Man würde erwarten, dass bei Arten mit näherer Verwandtschaft die Übereinstimmungen größer sein müssten als bei entfernteren Verwandten. Exakt das ist der Fall. So stimmen beispielsweise Menschen mit den Schimpansen und Bonobos, ihren allernächsten Verwandten, zu rund 99 % genetisch überein, während die Übereinstimmung mit den verwandtschaftlich ferneren Gorillas und Orang-Utans geringer ausfällt. Genau das macht man sich ja gerade bei der Stammbaumerstellung zunutze. Wodurch weiß man aber, dass die höhere gwnetische Übereinstimmung eine nähere Verwandtschaft begründet? Ganz einfch, weil sich die auf Grundlage der DNA-Vergleiche erstellten Stammbäume mit denjenigen durch morphologische und anatomische Vergleiche erstellten Stammbäumen erstaunlich gut decken. Es gibt zwar mitunter Diskrepanzen zwischen molekularbiologischen und morphologischen Stammbäumen, aber das ist noch lange kein Beleg, der gegen die Evolutionstheorie spräche. Bei genauerem Hinsehen stellt sich dann meist heraus, dass morphologische Übereinstimmungen nur scheinbar das Resultat eines gemeinsamen Ursprungs (homolog) sind, sondern in Wahrheit das Ergebnis einer unabhängig voneinander erfolgten gleichartigen Parallelentwicklung (konvergente Evolution). Die scheinbare Ähnlichkeit ist dann das Ergebnis einer Anpassung an die gleiche ökologische Nische, im Detail unterscheiden sich die Merkmale aber deutlich voneinander. So haben beispielsweise sowohl Gottesanbeterinnen als auch Fanghafte zu Fangbeinen umgebildete Vorderbeine. Beide sind aber nicht näher miteinander verwandt und wenn man genauer hinsieht, unterscheiden sich die Fangbeine beider Gruppen erheblich voneinander, weil ganz unterschiedliche Teile des Insektenbeins verlängert und umgestaltet sind.

Die DNA widerspricht der Evolutionstheorie also in keiner Weise. Sie ist im Gegenteil zu einem der wichtigsten Werkzeuge für Evolutionsbiologen überhaupt geworden.

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Deine Annahme ist nicht korrekt. Es gibt tatsächlich einen Zweig der Dinosaurier, der bis heute überlebt hat, nämlich die Vögel. Aus phylogenetischer Sicht gehören die Vögel eindeutig zu den Dinosauriern, genauer zu einer Gruppe meist kleiner bis mittelgroßer Theropoden namens Maniraptora. Innerhalb der Dinosaurier sind wahrscheinlich die Dromaeosaurier und die Troodontiden die nächsten Vogelverwandten. Gemessen an der Artzahl sind die Dinosurier heute sogar erfolgreicher als je zuvor. Obwohl alle anderen Zweige der Dinosaurier am Ende der Kreide vor 65 Mio. Jahren ausstarben, gehören die Vögel heute zu den artenreichsten Landwirbeltieren überhaupt. Zum Vergleich: es gibt zwischen 5000 und 6000 Säugetierarten einschließlich des Menschen und nicht weniger als doppelt so viele Vogelarten. Während der Großteil der Säugetierarten bereits wissenschaftlich beschrieben ist, werden v. a. in den Tropen immer noch neue Vogelarten entdeckt, sodass Schätzungen davon ausgehen, dass ihre wahre Zahl viel höher liegt, zwischen 18000 und 20000.

Keine Dinosaurier sind hingegen die Panzerechsen oder Krokodile. Sie sind aber nahe Verwandte der Dinosaurier. Gemeinsam mit einigen ausgestorbenen Vertretern wie den Flugsauriern bilden sie die Landwirbeltiergruppe der Archosaurier. Bis auf die Krokodile und die Vögel sind die Archosaurier heute ausgestorben.

Diese Verwandtschaftsverhältnisse sind auch der Grund dafür, weshalb es die "Reptilien" im klassischen Sinn nicht gibt. Es handelt sich dabei um ein paraphyletisches Taxon. Im Gegensatz zu in sich geschlossenen Abstammungsgemeinschaften (monophyletische Taxa) geben paraphyletische Taxa nicht die korrekten Verwandtschaftsverhältnisse wieder. Monophylae sind in sich geschlossen, d. h. auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehend und all seine Nachfahren enthaltend. Ein Paraphylum geht zwar ebenfalls auf eine gemeinsame Stammform zurück, enthält aber nicht alle ihre heutigen Nachfahren und spiegelt damit natürlich ein falsches Bild ihrer Evolutionsgeschichte wider. Da Krokodile als Archosaurier mit den Vögeln sehr viel enger verwandt sind als mit allen anderen "Reptilien" (Brückenechse, Schuppenkriechtiere und Schildkröten), müssten die "Reptilien", um monophyletisch zu werden, auch die Vögel enthalten. Das Monophylum aus klassischen "Reptilien" und Vögeln bezeichnet man als Sauropsida.

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Weil die Evolutionstheorie ein Fakt ist, andernfalls wäre sie keine Theorie, sondern eine Hypothese. Kern einer Theorie ist, dass sie durch empirische Beweise gestützt und somit hinreichend bewiesen ist. Eine gute Theorie ist dabei eine Erklärung der Wirklichkeit und erlaubt das Treffen von überprüfbaren Vorhersagen. Gleichzeitig muss eine Theorie falsifizierbar (widerlegbar) sein, nur so kann eine Theorie nämlich überhaupt erst mit wissenschaftlichen Methoden getestet werden. All diese Punkte treffen auf die Evolutionstheorie zu.

Übrigens darf man die moderne Evolutionstheorie nicht mit dem Darwinismus gleichsetzen. Die heute gültige Evolutionstheorie wird zumeist als synthetische Evolutionstheorie bezeichnet, selten auch (nicht ganz korrekt) als Neodarwinismus. Sie basiert zwar im Wesentlichen auf den Theorien von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace, erweitert deren Überlegungen aber durch die Erkenntnisse aus der Vererbubgslehre, der Populationsgenetik, Molekularbiologie, Ökologie, und Verhaltensbiologie. Es ist also eine Zusammenführung (Synthese) verschiedenster Teildisziplinen der Biologie, daher auch ihr Name.

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Du gibst dir die Antwort im Prinzip schon selbst. Der Schlüssel hierzu liegt in der natürlichen Selektion, also der Auslese von Allelen, die ihren Trägern in ihrer jeweils herrschenden Umwelt einen Überlebensvorteil und damit eine höhere biologische Fitness verschaffen.

Mutationen treten immer wieder auf und fügen dem Genpool immer wieder neue Genvarianten (Allele) hinzu. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig. Eine wichtige Quelle von Mutationen sind Kopierfehler, die die DNA-Polymerase bei der Vervielfältigung der DNA (DNA-Replikation) macht. Zwar macht die DNA-Polymerase nur vergleichsweise wenige Fehler und ihre eingebaute Korrekturfunktion (proof reading function) kann die meisten dieser Fehlerchen schnell wieder beseitigen. Aber da das Genom extrem groß ist, schleichen sich bei jedem Kopiervorgang trotzdem ein paar Fehler ein. Wenn das in der Keimbahn passiert, kann die Mutation über die gebildeten Keimzellen (Gameten) an den Nachwuchs vererbt werden. Auch quantenmechanische Effekte, mit denen sich die noch junge Quantenbiologie eingehender beschäftigt, wie das so genannte Protonen-Tunneln führen zu Mutationen und fügen dem Genpool somit fortlaufend neue Allele hinzu. Und schließlich können auch bestimmte Chemikalien und Strahlung wie z. B. UV-Licht mutagen wirken, d. h. Mutationen hervorrufen.

Mutationen können sich prinzipiell auf drei Weisen auswirken:

  • Bestimmte Mutationen sind negativ. Im schlimmsten Fall ist so eine Mutation letal, d. h. sie führt noch vor der Geburt zum Absterben ihres Trägers. Im günstigsten Fall ist ein Träger mit einer solchen Mutation zwar überlebensfähig, erreicht aber nur eine geringere biologische Fitness als der Durchschnitt.
  • Andere Mutationen wirken sich für ihren Träger positiv aus, weil sie z. B. seine Überlebensfähigkeit oder seine Fruchtbarkeit erhöhen. Die biologische Fitness solcher Individuen ist dadurch höher als der Durchschnitt.
  • Die meisten Mutationen sind aber neutral, d. h. es gibt für den Träger keine Auswirkungen auf die biologische Fitness im Vergleich zum Durchschnitt. Der Grund für die Neutralität vieler Mutationen liegt in der Degeneriertheit des genetischen Codes. Wie du bestimmt weißt, gibt es 20 proteinogene Aminosäuren, also Aminosäuren, die in Proteinen vorkommen (manchmal findet man auch die Angaben 21 und 22 - man hat noch zwei weitere Aminosäuren gefunden, die allerdings extrem selten in natürlichen Proteinen sind). Im genetischen Code wird eine Aminosäure immer durch ein Triplett codiert, eine Folge von drei hintereinander stehenden DNA-Basen. Es gibt in der DNA vier verschiedene Basen: Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C) und damit 4^3 , also insgesamt 64 verschiedene mögliche Triplett-Kombinationen. Das heißt, dass etliche Aminosäuren durch mehrere Tripletts codiert werden, wobei sich die Tripletts häufig nur in der dritten Position unterscheiden. Wenn eine Mutation beispielsweise den ursprünglichen Code UCU (in der mRNA ist wie in jeder RNA anstelle von Thymin Uracil (U) verbaut) abändert in UCA, wird zwar der genetische Code verändert, die Substitution ändert aber nicht den Sinn des Codes, denn in beiden Fällen wird an dieser Stelle die Aminosäure Serin in ein Protein eingebaut. Solche auch synonyme Substitution genannten Mutationen haben auf den Phänotyp und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit keinen Einfluss.

Mutationen treten mit einer statistisch bestimmbaren Häufigkeit auf, der so genannten Mutationsrate. Es kann sehr nützlich sein, wenn man die Mutationsrate kennt, dazu aber später mehr. Manche Gene treten mit einer sehr hohen Mutationsrate auf, andere haben nur eine niedrige Mutationsrate. In mitochondrialer DNA ist die Mutationsrate beispielsweise in der Regel höher als in Kern-Genen. Das liegt daran, dass es bei der Replikation mitochondrialer DNA (mDNA) kein proofreading (Fehlerkorrektur) gibt. Auch mutieren in der Regel nicht-codierende Bereiche des Genoms schneller als codierende Bereiche. Eine sehr langsame Mutationsrate haben konservierte Gene. Das sind Gene, die bei (allen) Lebewesen in nahezu identischer oder doch sehr ähnlicher Sequenz vorliegen, sie unterscheiden sich also in den verschiedenen Lebewesen kaum voneinander. Das hat einen einfachen Grund: konservierte Gene sind meist Gene, deren Genprodukte im Stoffwechsel eine für alle Lebewesen universelle und fundamentale Funktion erfüllen und an Schlüsselprozessen wie etwa der Zellatmung beteiligt sind und bei denen sich bereits geringste Abweichungen als letal herausstellen würden. Das heißt übrigens nicht, dass es bei konservierten Genen seltener zu Mutationen käme. Weil diese Mutationen aber so letal sind, werden auftretende Mutationen sofort wieder aus dem Genpool entfernt, da ja ihre Träger überhaupt nicht lebensfähig sind.

An dieser Stelle kommt nun also die natürliche Selektion ins Spiel. Mutationen treten zufällig auf. Nicht ganz so zufällig ist aber, welche Mutationen im Genpool erhalten bleiben und welche nicht. Das hängt nämlich von der natürlichen Selektion ab. Allele, die für den Träger positiv sind, werden positiv selektiert. Ihr Träger hat, wir erinnern uns, eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Wer länger lebt, hat mehr Zeit zur Fortpflanzung und zeugt mehr Nachkommen, die mit großer Wahrscheinlichkeit seine vorteilhaften Allele erben und in den Genuss des gleichen VOrzugs kommen. So ist bei Individuen mit vorteilhafter Allelausstattung die biologische Fitness größer, also ihr Vermögen, ihre Allele in den Genpool der Folgegeneration zu bringen. Weil die Träger vorteilhafter Allele mehr Nachkommen haben, werden somit diese Allele innerhalb weniger Generationen im Genpool häufiger sein. Man sagt dann, dass diese Allele mit hoher Frequenz auftreten.
Ganz anders ist es bei Allelen, die sich nachteilig auswirken. Ihre Träger haben eine niedrigere Überlebenswahrscheinlichkeit und folglich weniger Zeit zur Fortpflanzung. Sie haben deshalb weniger Nachkommen als ihre Artgenossen oder im extremsten Fall sogar gar keine Nachkommen. Ihre biologische Fitness ist damit niedriger. Und weil sie ihre Allele weniger erfolgreich im Genpool verbreiten können, nimmt die Frequenz der Allele, die unter negativer Selektion stehen, immer weiter ab, bis im Extremfall ein Allel auf diese Weise mit dem Tod seines letzten Trägers ganz aus dem Genpool verschwindet. Welche Allele genau vorteilhaft oder negativ sind, hängt natürlich von der jeweiligen Umwelt ab und den in ihr herrschenden Bedingungen. Im Lauf der Zeit kann sich die Umwelt auch dramatisch ändern, etwa wenn es zu einem klimatischen Wandel kommt. Dann können vormals nachteilige Allele nun vorteilhaft sein und ehemals vorteilhafte Allele ihren Trägern nun einen Nachteil einbringen. Das beobachten wir z. B. gerade bei vielen Arten in arktischen Regionen wie dem Eisbären oder dem Walross. Die Allele, die für sie einst so vorteilhaft waren, sind nun in Zeiten des anthropogenen Klimawandels nachteilig und es steht zu befürchten, dass viele Arten sich nicht schnell genug an die neuen Gegebenheiten anpassen können werden - der Klimawandel schreitet einfach viel schneller voran, sodass die Natur nicht mehr Schritt halten kann. Viele arktische Arten werden, wenn es keine Ausweichmöglichkeiten gibt, deshalb aussterben.

Etwas anders sieht es bei den neutralen Mutationen aus. Neutrale Mutationen werden von der natürlichen Selektion nicht erfasst, da sie ja keine Auswirkung auf den Phänotyp und damit die Überlebenstauglichkeit ihres Trägers haben. Das veranlasste den japanischen Evolutionsbiologen Kimura zu seiner Neutralitätstheorie: neutrale Mutationen werden von der natürlichen Selektion nicht erfasst. Ihre Frequenz hängt deshalb von anderen Faktoren ab, nämlich vom Zufall. Der Zufall wird damit zu einer selektierenden Kraft und diese zufälligen Ereignisse fasst man in der Evolutionsbiologie als Gendrift zusammen. Wenn beispielsweise ein Steinbock Opfer einer Lawine wird, werden mit ihm seine Allele aus dem Genpool getilgt. Sie verschwinden, obwohl die Überlebenstauglichkeit des Steinbocks sich nicht von der eines anderen Steinbocks unterschied - er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
Nun kommt noch einmal die Mutationsrate ins Spiel. Erinnerst du dich, dass ich sagte, dass es nützlich sein kann, wenn man die Mutationsrate kennt? Wenn man voraussetzt, dass die allermeisten Mutationen neutraler Art sind (was der Fall ist), dann ist die Mutationsrate über die Zeit konstant. Wenn man diese Mutationsrate kennt, kann man durch Vergleich von DNA-Sequenzen beispielsweise bestimmen, wann sich die Evolutionswege von zwei phylogenetischen Linien voneinander verabschiedet haben. In der Regel nutzt man für diese molekularen Uhren DNA-Bereiche, die nichtcodierend sind. Denn dadurch, dass diese Bereiche ja für nichts codieren, sind die dort auftretenden Mutationen auch neutral und werden nicht von der natürlichen Selektion erfasst. Wenn man nun die Zahl der Unterschiede in den Sequenzen zählt, kann man damit bestimmen, wie lange beide Linien getrennt sind. Als Faustregel gilt dafür natürlich: je mehr Unterschiede es gibt, umso länger ist die Trennung her. Damit diese Methode funktioniert, muss die Uhr zuvor noch geeicht werden, d. h. man muss quasi herausfinden, mit welcher Geschwindigkeit die molekulare Uhr tickt. In der Regel nutzt man zum Eichen der molekularen Uhr Fossilienmaterial, dessen Alter man genau datieren kann oder genau datierbare geologische Ereignisse, die zur Auftrennung zweier Arten führten. Wenn ich z. B. weiß, dass vor drei Millionen Jahren ein Gebirge zur Separation einer Population und zur Entstehung der beiden Arten "Art 1" und "Art 2" geführt hat, kann ich durch Sequenzvergleiche der DNA der beiden Arten die Anzahl der Unterschiede ermitteln bzw. den prozentualen Anteil der Unterschiede. Da ich weiß, dass diese Unterschiede alle innerhalb der letzten drei Mio. Jahre aufgetreten sein müssen, kann ich nun die Mutationsrate bestimmen. Sind beispielsweise in drei Mio. Jahren 3 % der Sequenzen verschieden, geht die Uhr mit einer Geschwindigkeit von 1 % Sequenzunterchied in 1 Mio. Jahren. Diese Geschwindigkeit kann ich nun zugrunde legen und beispielsweise auch bestimmen, wann sich zwei andere Arten, z. B. "Art 3" und "Art 4" voneinander getrennt haben. Beträgt der Unterschied bei denen 7 %, dann haben sich ihre Wege sehr wahrscheinlich vor etwa 7 Mio. Jahren getrennt. Dabei muss man natürlich annehmen, dass die molekulare Uhr bei den Arten 3 und 4 auch mit der gleichen Geschwindigkeit tickt, sie sollten also mit den Arten 1 und 2 nahe verwandt sein, weil bei entfernten Verwandten die Uhren auch sehr unterschiedlich schnell ticken können.
Mitunter können die zeitlichen Datierungen der molekularen Uhr und der Fossilien auch unterschiedliche Ergebnisse liefern, das ist z. B. bei der Datierung der Trennung der menschlichen Entwicklungslinie von der der Schimpansen der Fall. Der Fossilienbericht datiert den Zeitpunkt der Trennung auf etwa 8 Mio. Jahre vor heute. Die molekulare Uhr spricht hingegen für eine Auftrennung vor etwa 6 Mio.Jahren. Manche Schätzungen hingegen datieren anhand molekularer Daten den Zeitpunkt der Trennung auf 11 Mio. Jahre vor heute. Wieso können die Ergebnisse der molekularen Uhr und der Fossilien so stark voneinander abweichen? Das kann mehrere Gründe haben. Vielleicht ist das Fossilienmaterial, mit dem die molekulare Uhr kalibriert wurde, nur ungenau datiert worden und damit auch die Uhr nur ungenau kalibriert. Vielleicht haben sich Schimpanse und Mensch aber auch schon vor 8 Mio. Jahren (wie der Fossilbericht belegt) getrennt und bis vor 6 Mio. Jahren haben sich die beiden Linien noch gelegentlich miteinander gekreuzt. Auch eine unvollständige Linientrennung kann die Diskrepanz erklären und vor allem eine Erklärung dafür liefern, warum verschiedene Gene verschiedene Zeitpunkte (11 Mio. vs 6 Mio. Jahre) liefern. Man schätzt, dass aufgrund der unvollständigen Linientrennung nicht weniger als 30 % des Menschenaffengenoms falsche Annahmen zur Evolutionsgeschichte liefern und das muss man berücksichtigen.
Wie kann es dazu kommen? Wenn der Vorfahre verschiedene Allele eines Gens besitzt, sagen wir Allel A und B, ist es natürlich möglich, dass alle Allele die Speziation überleben. Dabei können sie nicht nur einen, sondern auch mehrere Speziationsprozesse überdauern. Später können dann in den einzelnen Evolutionslinien einige Allele verschwinden. Nehmen wir an, bei Gorillas verschwindet Allel A und bei Schimpansen und Menschen verschwindet das Allel B, dann stimmt das Ergebnis mit der tatsächlichen Phylogenie überein (zuerst trennten sich Gorillas von der Linie Schimpanse-Mensch, später trennten sich Mensch und Schimpanse voneinander), da ja Schimpanse und Mensch das gleiche Allel, Gorillas aber ein anderes Allel besitzen. Genauso gut könnte aber auch beim Gorilla Allel A verschwinden, beim Schimpansen Allel B und beim Menschen Allel A. In diesem Fall stünden dann auf einmal Gorilla und Mensch einander am nächsten und die molekularen Daten liefern uns falsche Informationen über die tatsächliche Phylogenie.
Ein Beispiel für so eine unvollständige Linientrennung ist etwa das AB0-Blutgruppensystem. Es gibt bekanntlich zwei Allele, die die Blutgruppe beim Menschen bestimmen: Allel A und Allel B. Beide Allele gehen auf den gemeinsamen Vorfahren aller Menschenaffen zurück, wahrscheinlich sogar auf den Vorfahren aller altweltlichen Affen und sind wohl mindestens 20 Mio. Jahre alt oder sogar noch älter. Innerhalb einiger Linien wurde eines der beiden Allele nachträglich aus dem Genpool getilgt, aber unabhängig voneinander, sodass die Verteilung der Blutgruppenallele uns keine verlässliche Information über die Verwandtschaftsverhältnisse liefern kann. Beim Menschen kommen beide Allele vor, ebenso bei Orang-Utans. Bei Schimpansen kommt nur Allel A vor, bei Gorillas nur Allel B.

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Erst mal vorweg: ich kenne ganz viele aus der LGBTQI-Community, die überhaupt nicht biphob sind und mit Bisexuellen kein Problem haben. Trotzdem gibt es auch innerhalb der queeren Community Biphobie, so wie es Biphobie in der ganzen Gesellschaft gibt. Gründe dafür gibt es viele.

Manche meinen, dass bei vielen Bisexualität nur eine Phase sei, die wieder vorüber ginge. So als müsse man einfach mal Erfahrungen mit beiden Geschlechtern sammeln, um zu wissen, "wohin" man gehört. Das geht sogar so weit, dass manche behaupten, Bisexualität existiere in Wirklichkeit gar nicht. Vor einiger Zeit berichtete mir eine Bekannte, die während ihrer Schulzeit lange in einer Beziehung mit einer Frau lebte und inzwischen eine Beziehung mit einem Mann führt, dass, als sie neulich einem alten Schulfreund von ihreem Freund erzählte, dieser ernsthaft gefragt hat: "Oh, bist du jetzt doch wieder hetero? Du warst doch lesbisch?!" Da musste sie erst einmal klar stellen, dass sie bisexuell sei und sich auch genau so schon immer bezeichnet habe.
In homosexuellen Kreisen denken manche auch, dass Bisexuelle in Wahrheit nur verkappte Homosexuelle seien, die sich ihre Homosexualität nur nicht eingestehen wollen und den vermeintlich "leichteren" Weg eines Alibi-Bisexuellen gingen. Die würden ja von der Gesellschaft noch als "halbwegs normal" betrachtet werden, weil sie ja auch aufs andere Geschlecht stehen. Dass auch Bisexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung angefeindet werden und es für Bisexuelle nicht leichter ist, haben sie dabei nicht auf dem Schirm.
Dran ist an dem Klischee nichts. Bisexualität existiert und ist eine eigene Form der sexuellen Orientierung. Sie ist sogar recht häufig verbreitet, häufiger als allgemein angenommen. Es stimmt nicht, dass Bisexuelle sich nicht entscheiden wollen, aus dem einfachen Grund, weil sie sich nicht entscheiden können - und das auch gar nicht müssen. Es ist nicht bloß eine Phase, sondern wer bi ist, der war schon immer bi, ist bi und wird immer bi bleiben. Dabei kann die Bisexualität ganz viele verschiedene Gesichter haben. Sehr viele fühlen sich stärker zum anderen Geschlecht hingezogen, andere wiederum mehr zum gleichen. Wieder andere fühlen sich zwar sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen, können sich aber nur in Personen eines bestimmten Geschlechts verlieben. Es kann sich auch ändern, auf welches Geschlecht man gerade mehr steht. Manche Bisexuelle etwa bevorzugen das Geschlecht, mit dem sie gerade in einer Beziehung sind. Wie soll man bei dieser Fülle unterschiedlicher Formen von Bisexualität allgemeine Aussagen darüber treffen, was Bisexuelle auszeichnet und was nicht?

Ein weiteres der vielen verbreiteten Vorurteile über Bisexuelle, das man sich auch innerhalb der queeren Gemeinschaft immer wieder mal anhören muss, ist, dass Bisexuelle zwingend beide Geschlechter bräuchten, um glücklich zu sein. Man unterstellt den Bisexuellen, sie wären promiskuitiv, notgeil und sie würden einen früher oder später betrügen, weil sie irgendwann den Sex mit beiden Geschlechtern vermissen würden.
An diesem Klischee ist insofern etwas dran, dass Bisexuelle in einer Umfrage Monogamie häufiger als ein Opfer bezeichneten als Hetero- und Homosexuelle. Heißt das aber automatisch, dass Bisexuelle notorisch untreu sind? Nein, denn es kann auch einfach ein Ausdruck dafür sein, dass Bisexuelle alternativen Beziehungsformen wie z. B. offenen oder polyamourösen Beziehungen gegenüber aufgeschlossener und toleranter eingestellt sind. Die allermeisten Bisexuellen leben trotzdem in ganz klassischen monogamen Beziehungen, sind glücklich, vermissen nichts und gehen gewiss nicht häufiger fremd als hetero- oder homosexuelle Personen.

Leider trägt der Umstand, dass Bisexuelle in der Gesellschaft nahezu unsichtbar sind, nicht gerade dazu bei, all diese Vorurteile abzubauen. Homosexuelle haben es insofern leichter, dass man ihnen ihre Homosexualität nicht absprechen kann und sie von außen als homosexuell wahrgenommen werden. Wie sollte man aber einer bisexuellen Person ihre sexuelle Orientierung ansehen? Wenn etwa eine bisexuelle Frau gerade einen Freund hat, dann wird sie von außen als gewöhnliche heterosexuelle Frau wahrgenommen. Niemand käme auf die Idee, wenn er irgendwo ein solches Pärchen auf der Straße sieht und mitbekommt, dass sie sich küssen, dass die Frau ja auch bi sein könnte. Wenn zwei Männer sich küssen, geht das Umfeld auch automatisch davon aus, dass das dann wohl zwei Schwule sind. Kann natürlich sein, muss aber nicht. Einer oder beide könnten ebenso gut bi sein.
Und während in den Medien Homosexualität inzwischen recht breit thematisiert wird, gilt das für die Bisexualität noch lange nicht. Es wird kaum über das bisexuelle Leben berichtet, im Fernsehen sieht man kaum einmal eine bisexuelle Serien- oder FIlmfigur, in der deutschsprachigen FIlm- und Serienlandschaft erst recht nicht. Selbst in Schulen wird das Thema Bisexualität im Sexualkundeunterricht so gut wie nie thematisiert.

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Die Schneidezähne der Nagetiere (Rodentia) bestehen, genau wie menschliche Zähne, aus Calcium-Hydroxylapatit, das auf der Mohshärteskala bei 5 liegt. Bei Nagern sind zusätzlich auch eisenhaltige Mineralien in den Schmelz eingearbeitet, die die Härte erhöhen und auch dafür verantwortlich sind, dass Biber-Zähne so rot-orange gefärbt sind.

Die Schneidezähne der Nager sind nur an ihrer Vorderseite mit Schmelz (Enamelum) überzogen. Im hinteren Bereich bestehen sie nur aus dem weicheren Zahnbein (Dentin). Dadurch werden die Schneidezähne, die übrigens zeitlebens nachwachsen, ständig nachgeschliffen und bleiben schön scharf.

Eine verlässliche Angabe zur exakten Mohshärte von Biberzähnen habe ich aber nicht finden können. Vermutlich hat's einfach noch niemand nachgemessen.

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Nicht spezifisch mit dem Darm-Mikrobiom, aber dafür umso intensiver mit der Thematik des Mikrobioms allgemein bzw der Verbindung von Wirt und Mikroben zum "Holobionten" beschäftigt sich Bernhard Kegel in seinem populärwissenschaftlichen Sachbuch Die Herrscher der Welt. Dort findest du auch Verweise auf aktuelle Literatur zum Thema.

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Ich kann dir versichern, dass Frau Galdikas in Forscherkreisen genauso bekannt ist wie Dian Fossey und Jane Goodall. Warum Biruté in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen wird wie die beiden anderen, ist schwer zu beantworten. Man könnte genauso gut fragen: Warum wurde Udo Jürgens berühmt und sein Klassenkamerad, der ebenso gut Akkordeon spielen konnte, wurde es nicht? Oder: warum sind andere Primatenforscher wie Claudia Sousa, Anja Widdig, Frans de Waal oder Christophe Boesch nicht so bekannt?

Jane Goodall war die erste der "Tri-Mates", die angeregt durch Louis Leakey mit dem Feldstudium der Großen Menschenaffen begann. Im Gombe-Nationalpark, Tansania beobachtete sie die dort lebenden Schimpansen (Pan troglodytes) und wagte sich damit als erste auf ein Terrain vor, das zuvor nur wenige Wissenschaftler betreten hatten und erst recht keine Frauen. Wer Neuland betritt, bleibt immer eher im Gedächtnis als jene, die ihm nachfolgen. Neil Armstrong und Buzz Aldrin werden immer mit dem ersten Schritt auf dem Mund verbunden bleiben, aber kaum einer wird noch wissen, dass Charles Conrad und Alan Bean nur vier Monate später ebenfalls auf dem Mond waren.
Zu Fosseys Berühmtheit werden nicht zuletzt die bis heute mysteriösen Umstände ihrer Ermordung beigetragen haben, insbesondere natürlich auch die Verfilmung ihres Lebens mit dem Film Gorillas in the Mist mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle.. Auch ih manchmal durchaus fragwürdiger Einsatz für die Berggorillas (Gorilla beringei) hat zu Fosseys Populatität beigetragen und sie gewissermaßen zu einer Gallionsfigur für den Natur- und Artenschutz werden lassen.

Hinzu kommt, dass beide keine studierten Biologen waren, als sie mit ihrer Feldforschung begannen. Jane Goodall hatte eine Ausbildung zur Sekretärin abgeschlossen, Dian Fossey war zunächst Ergotherapeuthin gewesen. Beide haben erst später studiert und erfolgreich promoviert. Tatsächlich war Biruté Galdikas die einzige der drei, die bereits vor Beginn ihrer Forschungsarbeit ein abgeschlossenes Studium in Anthropologie hatte. Promoviert hat sie allerdings erst später. Während in Wissenschaftskreisen Goodall und Fossey deshalb anfangs eher sketisch beobachtet wurden, war ihr Bild in der Öffentlichkeit ein ganz anderes, das gezielt von National Geographic vermarktet wurde.

Und dann kommt noch dazu, dass Jane Goodall eine ganze Reihe populärwissenschaftlicher Bücher über ihre Forschung und ihr Leben geschrieben hat, die eben nicht nur für Fachleute interessant sind, sondern auch vom interessierten Laienpublikum gelesen werden können. Biruté Galdikas hat nur ein solches Buch geschrieben, das meiner Meinung nach aber exzellent geschrieben und höchst lesenswert ist.

Tja und dann kommt noch Jane Goodall der Umstand zugute, dass Schimpansen für uns besonders interessant sind, weil sie unsere allernächsten Verwandten sind und man da verständlicherweise noch genauer hinschaut. Orang-Utans sind halt doch "nur" entfernte Verwandte, die auch optisch mit dem Menschen nur wenig gemein haben.

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Man weiß es nicht so ganz genau. Eine Vermutung, die aber durch einige Daten recht gut gestützt wird, ist, dass das Immunsystem sich zunehmend "langweilt".

Heute lebt schon mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Lebensmittel kaufen wir hygienisch einwandfrei und keimfrei verpackt im Supermarkt ein. Mit natürlichen Krankheitserregern kommen wir dabei kaum noch in Kontakt. Früher sind die meisten Menschen noch auf dem Land groß geworden, hatten direkten Kontakt zu den Tieren und zur Stallluft, machten sich im Schlamm dreckig usw. Das hat das Immunsystem gefordert. Aber nun? Was hält unser Immunsystem auf Trab? Richtig, nichts!

So hat man beispielsweise festgestellt, dass Kinder deutlich seltener Heuschnupfen bekommen, wenn sie regelmäßig frische Milch, also Rohmilch, trinken. Die gibt es im Supermarkt nicht, dort findet man nur die sterilisierte ultrahocherhitze Milch, die jedoch keine Auswirkungen auf die Häufigkeit von Heuschnupfen hat.

Von Impfungen geht kein allgemein höheres Risiko für Allergien aus. Natürlich haben Impfungen gewisse Nebenwirkungen wie jedes andere Medikament auch. Deshalb gilt es selbstverständlich, den Nutzen gegenüber den Risiken abzuwiegen. Im Fall von Impfungen sind die möglichen Risiken extrem gering, der tatsächliche Nutzen dafür umso höher. Allein durch konsequentes Impfen haben wir es geschafft, die Pocken, eine der schlimmsten Seuchen überhaupt, vollständig auszurotten. Ohne Impfungen wäre dies schlicht und ergreifend unmöglich gewesen. Und wenn es in Deutschland nicht so viele Impfmuffel gäbe, hätten wir auch viel weniger Fälle von Masern, Mumps und Röteln, die keinesfalls harmlose "Kinderkrankheiten" sind!
Dass du nach einer Impfung eine Allergie entwickelt hast, bedeutet nicht, dass hier ein kausaler Zusammenhang besteht, sondern ist dem Zufall geschuldet. Allergien können immer und in jedem Lebensalter auftreten, ganz unabhängig von Impfungen.

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Vitamin B12 oder Cobalamin wird nur von Mikroorganismen produziert. Pflanzen und Tiere können es selbst nicht herstellen. Auf Pflanzen leben Mikroorganismen, die Cobalamin produzieren. Pflanzenfresser können damit ihren Bedarf decken. Für Organismen, die von Natur aus aber Allesfresser sind, so wie der Mensch, reicht die in der Pflanzennahrung enthaltene Menge an Cobalamin nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken. Wir müssen deshalb Vitamin B12 durch tierische Produkte aufnehmen, um den Bedarf vollständig zu decken.

Veganer laufen deshalb Gefahr, einen Vitamin-B12-Mangel zu erleiden. Allerdings ist Vitamin B12 ein Vitamin, das im Körper (genauer: in der Leber) gespeichert werden kann und meist nur in geringen Mengen benötigt wird. Ein Mangel kann sich deshalb auch erst sehr spät, manchmal erst nach Jahren, einstellen. Manchmal werden bestimmte Pflanzen wie z. B. diverse Algen als "Vitamin-B12-Bomben" gepriesen. In der Tat ist der Gehalt in solchen Pflanzen höher als im Durchschnitt, aber selbst das reicht nicht aus, um den Bedarf damit abzudecken. Wenn man sich dennoch vegan ernähren möchte, muss man deshalb unbedingt Cobalamin künstlich supplementieren, also spezielle Vitamin-B12-Präparate einnehmen.

Die wohl ursprüngliche und damit "natürlichste" Form der Ernährung beim Menschen war eine gemischte Kost, wie man sie heute noch in den typischen Jäger- und Sammlerkulturen findet. Gesammelt wurden Beeren, Nüsse und andere Früchte, Wurzeln und Knollen, Honig, Eier, Kräuter und andere Pflanzen, die man als "Gemüse" zubereiten konnte. Gelegentlich kamen dann noch Fisch und Fleisch aus der Jagd dazu.

Ich persönlich finde die rein vegane Ernährungsweise nicht optimal und ausgewogen, bei Kindern im Wachstumsprozess sogar höchst verantwortungslos. Am gesündesten ist immer noch eine ausgewogene Ernährung, wie sie z. B. die Deutsche Ernährungsgesellschaft empfiehlt. Wenn man sich an diese Richtlinien hält, kann man sämtliche Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente ohne Probleme allein über die Nahrung decken, ohne dabei auf künstliche Vitaminpräparate zurückgreifen zu müssen.

Ich verstehe natürlich, dass bei vielen der Tierschutz-Gedanke im Vordergrund steht. Man kann aber durchaus auch guten Gewissens Fleisch essen, wenn man bereit ist, nicht jeden Tag Fleisch zu essen und dafür einen fairen Preis zu bezahlen, der es dem Landwirt ermöglicht, seine Tiere art- und tiergerecht zu halten. Wenn man wirklich vollständig auf Fleisch verzichten möchte, sollte man zumindest Eier und Milch aus dem Biosortiment auf den Speiseplan stellen.

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