Weil die Evolutionstheorie ein Fakt ist, andernfalls wäre sie keine Theorie, sondern eine Hypothese. Kern einer Theorie ist, dass sie durch empirische Beweise gestützt und somit hinreichend bewiesen ist. Eine gute Theorie ist dabei eine Erklärung der Wirklichkeit und erlaubt das Treffen von überprüfbaren Vorhersagen. Gleichzeitig muss eine Theorie falsifizierbar (widerlegbar) sein, nur so kann eine Theorie nämlich überhaupt erst mit wissenschaftlichen Methoden getestet werden. All diese Punkte treffen auf die Evolutionstheorie zu.

Übrigens darf man die moderne Evolutionstheorie nicht mit dem Darwinismus gleichsetzen. Die heute gültige Evolutionstheorie wird zumeist als synthetische Evolutionstheorie bezeichnet, selten auch (nicht ganz korrekt) als Neodarwinismus. Sie basiert zwar im Wesentlichen auf den Theorien von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace, erweitert deren Überlegungen aber durch die Erkenntnisse aus der Vererbubgslehre, der Populationsgenetik, Molekularbiologie, Ökologie, und Verhaltensbiologie. Es ist also eine Zusammenführung (Synthese) verschiedenster Teildisziplinen der Biologie, daher auch ihr Name.

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Du gibst dir die Antwort im Prinzip schon selbst. Der Schlüssel hierzu liegt in der natürlichen Selektion, also der Auslese von Allelen, die ihren Trägern in ihrer jeweils herrschenden Umwelt einen Überlebensvorteil und damit eine höhere biologische Fitness verschaffen.

Mutationen treten immer wieder auf und fügen dem Genpool immer wieder neue Genvarianten (Allele) hinzu. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig. Eine wichtige Quelle von Mutationen sind Kopierfehler, die die DNA-Polymerase bei der Vervielfältigung der DNA (DNA-Replikation) macht. Zwar macht die DNA-Polymerase nur vergleichsweise wenige Fehler und ihre eingebaute Korrekturfunktion (proof reading function) kann die meisten dieser Fehlerchen schnell wieder beseitigen. Aber da das Genom extrem groß ist, schleichen sich bei jedem Kopiervorgang trotzdem ein paar Fehler ein. Wenn das in der Keimbahn passiert, kann die Mutation über die gebildeten Keimzellen (Gameten) an den Nachwuchs vererbt werden. Auch quantenmechanische Effekte, mit denen sich die noch junge Quantenbiologie eingehender beschäftigt, wie das so genannte Protonen-Tunneln führen zu Mutationen und fügen dem Genpool somit fortlaufend neue Allele hinzu. Und schließlich können auch bestimmte Chemikalien und Strahlung wie z. B. UV-Licht mutagen wirken, d. h. Mutationen hervorrufen.

Mutationen können sich prinzipiell auf drei Weisen auswirken:

  • Bestimmte Mutationen sind negativ. Im schlimmsten Fall ist so eine Mutation letal, d. h. sie führt noch vor der Geburt zum Absterben ihres Trägers. Im günstigsten Fall ist ein Träger mit einer solchen Mutation zwar überlebensfähig, erreicht aber nur eine geringere biologische Fitness als der Durchschnitt.
  • Andere Mutationen wirken sich für ihren Träger positiv aus, weil sie z. B. seine Überlebensfähigkeit oder seine Fruchtbarkeit erhöhen. Die biologische Fitness solcher Individuen ist dadurch höher als der Durchschnitt.
  • Die meisten Mutationen sind aber neutral, d. h. es gibt für den Träger keine Auswirkungen auf die biologische Fitness im Vergleich zum Durchschnitt. Der Grund für die Neutralität vieler Mutationen liegt in der Degeneriertheit des genetischen Codes. Wie du bestimmt weißt, gibt es 20 proteinogene Aminosäuren, also Aminosäuren, die in Proteinen vorkommen (manchmal findet man auch die Angaben 21 und 22 - man hat noch zwei weitere Aminosäuren gefunden, die allerdings extrem selten in natürlichen Proteinen sind). Im genetischen Code wird eine Aminosäure immer durch ein Triplett codiert, eine Folge von drei hintereinander stehenden DNA-Basen. Es gibt in der DNA vier verschiedene Basen: Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C) und damit 4^3 , also insgesamt 64 verschiedene mögliche Triplett-Kombinationen. Das heißt, dass etliche Aminosäuren durch mehrere Tripletts codiert werden, wobei sich die Tripletts häufig nur in der dritten Position unterscheiden. Wenn eine Mutation beispielsweise den ursprünglichen Code UCU (in der mRNA ist wie in jeder RNA anstelle von Thymin Uracil (U) verbaut) abändert in UCA, wird zwar der genetische Code verändert, die Substitution ändert aber nicht den Sinn des Codes, denn in beiden Fällen wird an dieser Stelle die Aminosäure Serin in ein Protein eingebaut. Solche auch synonyme Substitution genannten Mutationen haben auf den Phänotyp und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit keinen Einfluss.

Mutationen treten mit einer statistisch bestimmbaren Häufigkeit auf, der so genannten Mutationsrate. Es kann sehr nützlich sein, wenn man die Mutationsrate kennt, dazu aber später mehr. Manche Gene treten mit einer sehr hohen Mutationsrate auf, andere haben nur eine niedrige Mutationsrate. In mitochondrialer DNA ist die Mutationsrate beispielsweise in der Regel höher als in Kern-Genen. Das liegt daran, dass es bei der Replikation mitochondrialer DNA (mDNA) kein proofreading (Fehlerkorrektur) gibt. Auch mutieren in der Regel nicht-codierende Bereiche des Genoms schneller als codierende Bereiche. Eine sehr langsame Mutationsrate haben konservierte Gene. Das sind Gene, die bei (allen) Lebewesen in nahezu identischer oder doch sehr ähnlicher Sequenz vorliegen, sie unterscheiden sich also in den verschiedenen Lebewesen kaum voneinander. Das hat einen einfachen Grund: konservierte Gene sind meist Gene, deren Genprodukte im Stoffwechsel eine für alle Lebewesen universelle und fundamentale Funktion erfüllen und an Schlüsselprozessen wie etwa der Zellatmung beteiligt sind und bei denen sich bereits geringste Abweichungen als letal herausstellen würden. Das heißt übrigens nicht, dass es bei konservierten Genen seltener zu Mutationen käme. Weil diese Mutationen aber so letal sind, werden auftretende Mutationen sofort wieder aus dem Genpool entfernt, da ja ihre Träger überhaupt nicht lebensfähig sind.

An dieser Stelle kommt nun also die natürliche Selektion ins Spiel. Mutationen treten zufällig auf. Nicht ganz so zufällig ist aber, welche Mutationen im Genpool erhalten bleiben und welche nicht. Das hängt nämlich von der natürlichen Selektion ab. Allele, die für den Träger positiv sind, werden positiv selektiert. Ihr Träger hat, wir erinnern uns, eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Wer länger lebt, hat mehr Zeit zur Fortpflanzung und zeugt mehr Nachkommen, die mit großer Wahrscheinlichkeit seine vorteilhaften Allele erben und in den Genuss des gleichen VOrzugs kommen. So ist bei Individuen mit vorteilhafter Allelausstattung die biologische Fitness größer, also ihr Vermögen, ihre Allele in den Genpool der Folgegeneration zu bringen. Weil die Träger vorteilhafter Allele mehr Nachkommen haben, werden somit diese Allele innerhalb weniger Generationen im Genpool häufiger sein. Man sagt dann, dass diese Allele mit hoher Frequenz auftreten.
Ganz anders ist es bei Allelen, die sich nachteilig auswirken. Ihre Träger haben eine niedrigere Überlebenswahrscheinlichkeit und folglich weniger Zeit zur Fortpflanzung. Sie haben deshalb weniger Nachkommen als ihre Artgenossen oder im extremsten Fall sogar gar keine Nachkommen. Ihre biologische Fitness ist damit niedriger. Und weil sie ihre Allele weniger erfolgreich im Genpool verbreiten können, nimmt die Frequenz der Allele, die unter negativer Selektion stehen, immer weiter ab, bis im Extremfall ein Allel auf diese Weise mit dem Tod seines letzten Trägers ganz aus dem Genpool verschwindet. Welche Allele genau vorteilhaft oder negativ sind, hängt natürlich von der jeweiligen Umwelt ab und den in ihr herrschenden Bedingungen. Im Lauf der Zeit kann sich die Umwelt auch dramatisch ändern, etwa wenn es zu einem klimatischen Wandel kommt. Dann können vormals nachteilige Allele nun vorteilhaft sein und ehemals vorteilhafte Allele ihren Trägern nun einen Nachteil einbringen. Das beobachten wir z. B. gerade bei vielen Arten in arktischen Regionen wie dem Eisbären oder dem Walross. Die Allele, die für sie einst so vorteilhaft waren, sind nun in Zeiten des anthropogenen Klimawandels nachteilig und es steht zu befürchten, dass viele Arten sich nicht schnell genug an die neuen Gegebenheiten anpassen können werden - der Klimawandel schreitet einfach viel schneller voran, sodass die Natur nicht mehr Schritt halten kann. Viele arktische Arten werden, wenn es keine Ausweichmöglichkeiten gibt, deshalb aussterben.

Etwas anders sieht es bei den neutralen Mutationen aus. Neutrale Mutationen werden von der natürlichen Selektion nicht erfasst, da sie ja keine Auswirkung auf den Phänotyp und damit die Überlebenstauglichkeit ihres Trägers haben. Das veranlasste den japanischen Evolutionsbiologen Kimura zu seiner Neutralitätstheorie: neutrale Mutationen werden von der natürlichen Selektion nicht erfasst. Ihre Frequenz hängt deshalb von anderen Faktoren ab, nämlich vom Zufall. Der Zufall wird damit zu einer selektierenden Kraft und diese zufälligen Ereignisse fasst man in der Evolutionsbiologie als Gendrift zusammen. Wenn beispielsweise ein Steinbock Opfer einer Lawine wird, werden mit ihm seine Allele aus dem Genpool getilgt. Sie verschwinden, obwohl die Überlebenstauglichkeit des Steinbocks sich nicht von der eines anderen Steinbocks unterschied - er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
Nun kommt noch einmal die Mutationsrate ins Spiel. Erinnerst du dich, dass ich sagte, dass es nützlich sein kann, wenn man die Mutationsrate kennt? Wenn man voraussetzt, dass die allermeisten Mutationen neutraler Art sind (was der Fall ist), dann ist die Mutationsrate über die Zeit konstant. Wenn man diese Mutationsrate kennt, kann man durch Vergleich von DNA-Sequenzen beispielsweise bestimmen, wann sich die Evolutionswege von zwei phylogenetischen Linien voneinander verabschiedet haben. In der Regel nutzt man für diese molekularen Uhren DNA-Bereiche, die nichtcodierend sind. Denn dadurch, dass diese Bereiche ja für nichts codieren, sind die dort auftretenden Mutationen auch neutral und werden nicht von der natürlichen Selektion erfasst. Wenn man nun die Zahl der Unterschiede in den Sequenzen zählt, kann man damit bestimmen, wie lange beide Linien getrennt sind. Als Faustregel gilt dafür natürlich: je mehr Unterschiede es gibt, umso länger ist die Trennung her. Damit diese Methode funktioniert, muss die Uhr zuvor noch geeicht werden, d. h. man muss quasi herausfinden, mit welcher Geschwindigkeit die molekulare Uhr tickt. In der Regel nutzt man zum Eichen der molekularen Uhr Fossilienmaterial, dessen Alter man genau datieren kann oder genau datierbare geologische Ereignisse, die zur Auftrennung zweier Arten führten. Wenn ich z. B. weiß, dass vor drei Millionen Jahren ein Gebirge zur Separation einer Population und zur Entstehung der beiden Arten "Art 1" und "Art 2" geführt hat, kann ich durch Sequenzvergleiche der DNA der beiden Arten die Anzahl der Unterschiede ermitteln bzw. den prozentualen Anteil der Unterschiede. Da ich weiß, dass diese Unterschiede alle innerhalb der letzten drei Mio. Jahre aufgetreten sein müssen, kann ich nun die Mutationsrate bestimmen. Sind beispielsweise in drei Mio. Jahren 3 % der Sequenzen verschieden, geht die Uhr mit einer Geschwindigkeit von 1 % Sequenzunterchied in 1 Mio. Jahren. Diese Geschwindigkeit kann ich nun zugrunde legen und beispielsweise auch bestimmen, wann sich zwei andere Arten, z. B. "Art 3" und "Art 4" voneinander getrennt haben. Beträgt der Unterschied bei denen 7 %, dann haben sich ihre Wege sehr wahrscheinlich vor etwa 7 Mio. Jahren getrennt. Dabei muss man natürlich annehmen, dass die molekulare Uhr bei den Arten 3 und 4 auch mit der gleichen Geschwindigkeit tickt, sie sollten also mit den Arten 1 und 2 nahe verwandt sein, weil bei entfernten Verwandten die Uhren auch sehr unterschiedlich schnell ticken können.
Mitunter können die zeitlichen Datierungen der molekularen Uhr und der Fossilien auch unterschiedliche Ergebnisse liefern, das ist z. B. bei der Datierung der Trennung der menschlichen Entwicklungslinie von der der Schimpansen der Fall. Der Fossilienbericht datiert den Zeitpunkt der Trennung auf etwa 8 Mio. Jahre vor heute. Die molekulare Uhr spricht hingegen für eine Auftrennung vor etwa 6 Mio.Jahren. Manche Schätzungen hingegen datieren anhand molekularer Daten den Zeitpunkt der Trennung auf 11 Mio. Jahre vor heute. Wieso können die Ergebnisse der molekularen Uhr und der Fossilien so stark voneinander abweichen? Das kann mehrere Gründe haben. Vielleicht ist das Fossilienmaterial, mit dem die molekulare Uhr kalibriert wurde, nur ungenau datiert worden und damit auch die Uhr nur ungenau kalibriert. Vielleicht haben sich Schimpanse und Mensch aber auch schon vor 8 Mio. Jahren (wie der Fossilbericht belegt) getrennt und bis vor 6 Mio. Jahren haben sich die beiden Linien noch gelegentlich miteinander gekreuzt. Auch eine unvollständige Linientrennung kann die Diskrepanz erklären und vor allem eine Erklärung dafür liefern, warum verschiedene Gene verschiedene Zeitpunkte (11 Mio. vs 6 Mio. Jahre) liefern. Man schätzt, dass aufgrund der unvollständigen Linientrennung nicht weniger als 30 % des Menschenaffengenoms falsche Annahmen zur Evolutionsgeschichte liefern und das muss man berücksichtigen.
Wie kann es dazu kommen? Wenn der Vorfahre verschiedene Allele eines Gens besitzt, sagen wir Allel A und B, ist es natürlich möglich, dass alle Allele die Speziation überleben. Dabei können sie nicht nur einen, sondern auch mehrere Speziationsprozesse überdauern. Später können dann in den einzelnen Evolutionslinien einige Allele verschwinden. Nehmen wir an, bei Gorillas verschwindet Allel A und bei Schimpansen und Menschen verschwindet das Allel B, dann stimmt das Ergebnis mit der tatsächlichen Phylogenie überein (zuerst trennten sich Gorillas von der Linie Schimpanse-Mensch, später trennten sich Mensch und Schimpanse voneinander), da ja Schimpanse und Mensch das gleiche Allel, Gorillas aber ein anderes Allel besitzen. Genauso gut könnte aber auch beim Gorilla Allel A verschwinden, beim Schimpansen Allel B und beim Menschen Allel A. In diesem Fall stünden dann auf einmal Gorilla und Mensch einander am nächsten und die molekularen Daten liefern uns falsche Informationen über die tatsächliche Phylogenie.
Ein Beispiel für so eine unvollständige Linientrennung ist etwa das AB0-Blutgruppensystem. Es gibt bekanntlich zwei Allele, die die Blutgruppe beim Menschen bestimmen: Allel A und Allel B. Beide Allele gehen auf den gemeinsamen Vorfahren aller Menschenaffen zurück, wahrscheinlich sogar auf den Vorfahren aller altweltlichen Affen und sind wohl mindestens 20 Mio. Jahre alt oder sogar noch älter. Innerhalb einiger Linien wurde eines der beiden Allele nachträglich aus dem Genpool getilgt, aber unabhängig voneinander, sodass die Verteilung der Blutgruppenallele uns keine verlässliche Information über die Verwandtschaftsverhältnisse liefern kann. Beim Menschen kommen beide Allele vor, ebenso bei Orang-Utans. Bei Schimpansen kommt nur Allel A vor, bei Gorillas nur Allel B.

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Erst mal vorweg: ich kenne ganz viele aus der LGBTQI-Community, die überhaupt nicht biphob sind und mit Bisexuellen kein Problem haben. Trotzdem gibt es auch innerhalb der queeren Community Biphobie, so wie es Biphobie in der ganzen Gesellschaft gibt. Gründe dafür gibt es viele.

Manche meinen, dass bei vielen Bisexualität nur eine Phase sei, die wieder vorüber ginge. So als müsse man einfach mal Erfahrungen mit beiden Geschlechtern sammeln, um zu wissen, "wohin" man gehört. Das geht sogar so weit, dass manche behaupten, Bisexualität existiere in Wirklichkeit gar nicht. Vor einiger Zeit berichtete mir eine Bekannte, die während ihrer Schulzeit lange in einer Beziehung mit einer Frau lebte und inzwischen eine Beziehung mit einem Mann führt, dass, als sie neulich einem alten Schulfreund von ihreem Freund erzählte, dieser ernsthaft gefragt hat: "Oh, bist du jetzt doch wieder hetero? Du warst doch lesbisch?!" Da musste sie erst einmal klar stellen, dass sie bisexuell sei und sich auch genau so schon immer bezeichnet habe.
In homosexuellen Kreisen denken manche auch, dass Bisexuelle in Wahrheit nur verkappte Homosexuelle seien, die sich ihre Homosexualität nur nicht eingestehen wollen und den vermeintlich "leichteren" Weg eines Alibi-Bisexuellen gingen. Die würden ja von der Gesellschaft noch als "halbwegs normal" betrachtet werden, weil sie ja auch aufs andere Geschlecht stehen. Dass auch Bisexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung angefeindet werden und es für Bisexuelle nicht leichter ist, haben sie dabei nicht auf dem Schirm.
Dran ist an dem Klischee nichts. Bisexualität existiert und ist eine eigene Form der sexuellen Orientierung. Sie ist sogar recht häufig verbreitet, häufiger als allgemein angenommen. Es stimmt nicht, dass Bisexuelle sich nicht entscheiden wollen, aus dem einfachen Grund, weil sie sich nicht entscheiden können - und das auch gar nicht müssen. Es ist nicht bloß eine Phase, sondern wer bi ist, der war schon immer bi, ist bi und wird immer bi bleiben. Dabei kann die Bisexualität ganz viele verschiedene Gesichter haben. Sehr viele fühlen sich stärker zum anderen Geschlecht hingezogen, andere wiederum mehr zum gleichen. Wieder andere fühlen sich zwar sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen, können sich aber nur in Personen eines bestimmten Geschlechts verlieben. Es kann sich auch ändern, auf welches Geschlecht man gerade mehr steht. Manche Bisexuelle etwa bevorzugen das Geschlecht, mit dem sie gerade in einer Beziehung sind. Wie soll man bei dieser Fülle unterschiedlicher Formen von Bisexualität allgemeine Aussagen darüber treffen, was Bisexuelle auszeichnet und was nicht?

Ein weiteres der vielen verbreiteten Vorurteile über Bisexuelle, das man sich auch innerhalb der queeren Gemeinschaft immer wieder mal anhören muss, ist, dass Bisexuelle zwingend beide Geschlechter bräuchten, um glücklich zu sein. Man unterstellt den Bisexuellen, sie wären promiskuitiv, notgeil und sie würden einen früher oder später betrügen, weil sie irgendwann den Sex mit beiden Geschlechtern vermissen würden.
An diesem Klischee ist insofern etwas dran, dass Bisexuelle in einer Umfrage Monogamie häufiger als ein Opfer bezeichneten als Hetero- und Homosexuelle. Heißt das aber automatisch, dass Bisexuelle notorisch untreu sind? Nein, denn es kann auch einfach ein Ausdruck dafür sein, dass Bisexuelle alternativen Beziehungsformen wie z. B. offenen oder polyamourösen Beziehungen gegenüber aufgeschlossener und toleranter eingestellt sind. Die allermeisten Bisexuellen leben trotzdem in ganz klassischen monogamen Beziehungen, sind glücklich, vermissen nichts und gehen gewiss nicht häufiger fremd als hetero- oder homosexuelle Personen.

Leider trägt der Umstand, dass Bisexuelle in der Gesellschaft nahezu unsichtbar sind, nicht gerade dazu bei, all diese Vorurteile abzubauen. Homosexuelle haben es insofern leichter, dass man ihnen ihre Homosexualität nicht absprechen kann und sie von außen als homosexuell wahrgenommen werden. Wie sollte man aber einer bisexuellen Person ihre sexuelle Orientierung ansehen? Wenn etwa eine bisexuelle Frau gerade einen Freund hat, dann wird sie von außen als gewöhnliche heterosexuelle Frau wahrgenommen. Niemand käme auf die Idee, wenn er irgendwo ein solches Pärchen auf der Straße sieht und mitbekommt, dass sie sich küssen, dass die Frau ja auch bi sein könnte. Wenn zwei Männer sich küssen, geht das Umfeld auch automatisch davon aus, dass das dann wohl zwei Schwule sind. Kann natürlich sein, muss aber nicht. Einer oder beide könnten ebenso gut bi sein.
Und während in den Medien Homosexualität inzwischen recht breit thematisiert wird, gilt das für die Bisexualität noch lange nicht. Es wird kaum über das bisexuelle Leben berichtet, im Fernsehen sieht man kaum einmal eine bisexuelle Serien- oder FIlmfigur, in der deutschsprachigen FIlm- und Serienlandschaft erst recht nicht. Selbst in Schulen wird das Thema Bisexualität im Sexualkundeunterricht so gut wie nie thematisiert.

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Die Schneidezähne der Nagetiere (Rodentia) bestehen, genau wie menschliche Zähne, aus Calcium-Hydroxylapatit, das auf der Mohshärteskala bei 5 liegt. Bei Nagern sind zusätzlich auch eisenhaltige Mineralien in den Schmelz eingearbeitet, die die Härte erhöhen und auch dafür verantwortlich sind, dass Biber-Zähne so rot-orange gefärbt sind.

Die Schneidezähne der Nager sind nur an ihrer Vorderseite mit Schmelz (Enamelum) überzogen. Im hinteren Bereich bestehen sie nur aus dem weicheren Zahnbein (Dentin). Dadurch werden die Schneidezähne, die übrigens zeitlebens nachwachsen, ständig nachgeschliffen und bleiben schön scharf.

Eine verlässliche Angabe zur exakten Mohshärte von Biberzähnen habe ich aber nicht finden können. Vermutlich hat's einfach noch niemand nachgemessen.

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Nicht spezifisch mit dem Darm-Mikrobiom, aber dafür umso intensiver mit der Thematik des Mikrobioms allgemein bzw der Verbindung von Wirt und Mikroben zum "Holobionten" beschäftigt sich Bernhard Kegel in seinem populärwissenschaftlichen Sachbuch Die Herrscher der Welt. Dort findest du auch Verweise auf aktuelle Literatur zum Thema.

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Ich kann dir versichern, dass Frau Galdikas in Forscherkreisen genauso bekannt ist wie Dian Fossey und Jane Goodall. Warum Biruté in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen wird wie die beiden anderen, ist schwer zu beantworten. Man könnte genauso gut fragen: Warum wurde Udo Jürgens berühmt und sein Klassenkamerad, der ebenso gut Akkordeon spielen konnte, wurde es nicht? Oder: warum sind andere Primatenforscher wie Claudia Sousa, Anja Widdig, Frans de Waal oder Christophe Boesch nicht so bekannt?

Jane Goodall war die erste der "Tri-Mates", die angeregt durch Louis Leakey mit dem Feldstudium der Großen Menschenaffen begann. Im Gombe-Nationalpark, Tansania beobachtete sie die dort lebenden Schimpansen (Pan troglodytes) und wagte sich damit als erste auf ein Terrain vor, das zuvor nur wenige Wissenschaftler betreten hatten und erst recht keine Frauen. Wer Neuland betritt, bleibt immer eher im Gedächtnis als jene, die ihm nachfolgen. Neil Armstrong und Buzz Aldrin werden immer mit dem ersten Schritt auf dem Mund verbunden bleiben, aber kaum einer wird noch wissen, dass Charles Conrad und Alan Bean nur vier Monate später ebenfalls auf dem Mond waren.
Zu Fosseys Berühmtheit werden nicht zuletzt die bis heute mysteriösen Umstände ihrer Ermordung beigetragen haben, insbesondere natürlich auch die Verfilmung ihres Lebens mit dem Film Gorillas in the Mist mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle.. Auch ih manchmal durchaus fragwürdiger Einsatz für die Berggorillas (Gorilla beringei) hat zu Fosseys Populatität beigetragen und sie gewissermaßen zu einer Gallionsfigur für den Natur- und Artenschutz werden lassen.

Hinzu kommt, dass beide keine studierten Biologen waren, als sie mit ihrer Feldforschung begannen. Jane Goodall hatte eine Ausbildung zur Sekretärin abgeschlossen, Dian Fossey war zunächst Ergotherapeuthin gewesen. Beide haben erst später studiert und erfolgreich promoviert. Tatsächlich war Biruté Galdikas die einzige der drei, die bereits vor Beginn ihrer Forschungsarbeit ein abgeschlossenes Studium in Anthropologie hatte. Promoviert hat sie allerdings erst später. Während in Wissenschaftskreisen Goodall und Fossey deshalb anfangs eher sketisch beobachtet wurden, war ihr Bild in der Öffentlichkeit ein ganz anderes, das gezielt von National Geographic vermarktet wurde.

Und dann kommt noch dazu, dass Jane Goodall eine ganze Reihe populärwissenschaftlicher Bücher über ihre Forschung und ihr Leben geschrieben hat, die eben nicht nur für Fachleute interessant sind, sondern auch vom interessierten Laienpublikum gelesen werden können. Biruté Galdikas hat nur ein solches Buch geschrieben, das meiner Meinung nach aber exzellent geschrieben und höchst lesenswert ist.

Tja und dann kommt noch Jane Goodall der Umstand zugute, dass Schimpansen für uns besonders interessant sind, weil sie unsere allernächsten Verwandten sind und man da verständlicherweise noch genauer hinschaut. Orang-Utans sind halt doch "nur" entfernte Verwandte, die auch optisch mit dem Menschen nur wenig gemein haben.

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Auf den Rücken nehmen. Mit zwei Fingern vorsichtig den Mund öffnen, Tablette einwerfen und dann mit den Fingern vorsichtig die Kehle ein bisschen massieren, bis die Tablette geschluckt ist. Das hat bei meinem Kater immer super geklappt, er war aber ein sehr Geduldiger, der sich bereitwillig hat tragen lassen, das klappt nicht bei allen Katzen.

Ansonsten gibt es spezielle Geräte (Applikatoren), die das Eingeben von Medikamenten erleichtern sollen. Ausprobiert habe ich sie noch nie, war bei meinem Kater nie nötig, weil er wie gesagt das Tablettengeben immer freiwillig mitgemacht hat.

Du kannst es noch einmal mit Leberwurst probieren. Vielleicht war die Tablette noch nicht richtig darin versteckt. Andernfalls musst du halt noch einmal zum Tierarzt gehen und dir zeigen lassen, wie man eine Spritze setzt. Ein kleiner Pikser ist jedenfalls stressfreier als dem Kater mit aller Gewalt eine Tablette einzwängen zu wollen.

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Man weiß es nicht so ganz genau. Eine Vermutung, die aber durch einige Daten recht gut gestützt wird, ist, dass das Immunsystem sich zunehmend "langweilt".

Heute lebt schon mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Lebensmittel kaufen wir hygienisch einwandfrei und keimfrei verpackt im Supermarkt ein. Mit natürlichen Krankheitserregern kommen wir dabei kaum noch in Kontakt. Früher sind die meisten Menschen noch auf dem Land groß geworden, hatten direkten Kontakt zu den Tieren und zur Stallluft, machten sich im Schlamm dreckig usw. Das hat das Immunsystem gefordert. Aber nun? Was hält unser Immunsystem auf Trab? Richtig, nichts!

So hat man beispielsweise festgestellt, dass Kinder deutlich seltener Heuschnupfen bekommen, wenn sie regelmäßig frische Milch, also Rohmilch, trinken. Die gibt es im Supermarkt nicht, dort findet man nur die sterilisierte ultrahocherhitze Milch, die jedoch keine Auswirkungen auf die Häufigkeit von Heuschnupfen hat.

Von Impfungen geht kein allgemein höheres Risiko für Allergien aus. Natürlich haben Impfungen gewisse Nebenwirkungen wie jedes andere Medikament auch. Deshalb gilt es selbstverständlich, den Nutzen gegenüber den Risiken abzuwiegen. Im Fall von Impfungen sind die möglichen Risiken extrem gering, der tatsächliche Nutzen dafür umso höher. Allein durch konsequentes Impfen haben wir es geschafft, die Pocken, eine der schlimmsten Seuchen überhaupt, vollständig auszurotten. Ohne Impfungen wäre dies schlicht und ergreifend unmöglich gewesen. Und wenn es in Deutschland nicht so viele Impfmuffel gäbe, hätten wir auch viel weniger Fälle von Masern, Mumps und Röteln, die keinesfalls harmlose "Kinderkrankheiten" sind!
Dass du nach einer Impfung eine Allergie entwickelt hast, bedeutet nicht, dass hier ein kausaler Zusammenhang besteht, sondern ist dem Zufall geschuldet. Allergien können immer und in jedem Lebensalter auftreten, ganz unabhängig von Impfungen.

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Vitamin B12 oder Cobalamin wird nur von Mikroorganismen produziert. Pflanzen und Tiere können es selbst nicht herstellen. Auf Pflanzen leben Mikroorganismen, die Cobalamin produzieren. Pflanzenfresser können damit ihren Bedarf decken. Für Organismen, die von Natur aus aber Allesfresser sind, so wie der Mensch, reicht die in der Pflanzennahrung enthaltene Menge an Cobalamin nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken. Wir müssen deshalb Vitamin B12 durch tierische Produkte aufnehmen, um den Bedarf vollständig zu decken.

Veganer laufen deshalb Gefahr, einen Vitamin-B12-Mangel zu erleiden. Allerdings ist Vitamin B12 ein Vitamin, das im Körper (genauer: in der Leber) gespeichert werden kann und meist nur in geringen Mengen benötigt wird. Ein Mangel kann sich deshalb auch erst sehr spät, manchmal erst nach Jahren, einstellen. Manchmal werden bestimmte Pflanzen wie z. B. diverse Algen als "Vitamin-B12-Bomben" gepriesen. In der Tat ist der Gehalt in solchen Pflanzen höher als im Durchschnitt, aber selbst das reicht nicht aus, um den Bedarf damit abzudecken. Wenn man sich dennoch vegan ernähren möchte, muss man deshalb unbedingt Cobalamin künstlich supplementieren, also spezielle Vitamin-B12-Präparate einnehmen.

Die wohl ursprüngliche und damit "natürlichste" Form der Ernährung beim Menschen war eine gemischte Kost, wie man sie heute noch in den typischen Jäger- und Sammlerkulturen findet. Gesammelt wurden Beeren, Nüsse und andere Früchte, Wurzeln und Knollen, Honig, Eier, Kräuter und andere Pflanzen, die man als "Gemüse" zubereiten konnte. Gelegentlich kamen dann noch Fisch und Fleisch aus der Jagd dazu.

Ich persönlich finde die rein vegane Ernährungsweise nicht optimal und ausgewogen, bei Kindern im Wachstumsprozess sogar höchst verantwortungslos. Am gesündesten ist immer noch eine ausgewogene Ernährung, wie sie z. B. die Deutsche Ernährungsgesellschaft empfiehlt. Wenn man sich an diese Richtlinien hält, kann man sämtliche Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente ohne Probleme allein über die Nahrung decken, ohne dabei auf künstliche Vitaminpräparate zurückgreifen zu müssen.

Ich verstehe natürlich, dass bei vielen der Tierschutz-Gedanke im Vordergrund steht. Man kann aber durchaus auch guten Gewissens Fleisch essen, wenn man bereit ist, nicht jeden Tag Fleisch zu essen und dafür einen fairen Preis zu bezahlen, der es dem Landwirt ermöglicht, seine Tiere art- und tiergerecht zu halten. Wenn man wirklich vollständig auf Fleisch verzichten möchte, sollte man zumindest Eier und Milch aus dem Biosortiment auf den Speiseplan stellen.

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Ich bin ein Mann und rasiere meine Beine nie

Vorweg: ja, ich bin bisexuell und habe trotzdem abgestimmt. Weißt du, warum? Weil die Rasurgewohnheit und die sexuelle Orientierung sowieso nichts miteinander zu tun haben. Es ist ein Mythos, dass schwule Männer sich tuntig benehmen und sich die Beine rasieren und lesbische Frauen mit behaarten Beinen herumlaufen wie ein Holzfäller. Bi- und homosexuelle rasieren sich genauso häufig oder eben auch nicht wie heterosexuelle Leute. Ob man sich die Beine rasiert, hängt eher vom Geschlecht ab. Allgemein gilt: Frauen rasieren sich so gut wie alle die Beine, Männer wohl eher seltener. Wenn du mal ein bisschen googelst, wirst du bestimmt auf repräsentative Umfragen dazu stoßen, aber ich schätze mal, dass über den Daumen gepeilt der Anteil der sich rasierenden Frauen bei über 90 Prozent liegt und bei Männern umgekehrt bei unter 10 Prozent. Am weitesten verbreitet ist es unter Männern wohl noch unter Profisportlern, z. B. bei Bodybuildern (um die Muskeln besser zur Geltung zu bringen), bei Radsportlern und Schwimmern (um noch ein paar hundertstel Sekunden schneller zu sein).

Ich selber habe mir ein oder zwei Mal die Beine rasiert, weil ich neugierig war, wie es aussieht und sich anfühlt. Optisch und gefühlsmäßig fand ich es noch nicht mal so schlecht, aber der Aufwand ist mir ehrlich gesagt viel zu groß und ich habe absolut nichts gegen meine Beinhaare, deshalb bleiben sie dran.

Aber ganz ehrlich? Es muss dir gefallen! Wenn du der Meinung bist, dass du dich mit rasierten Beinen wohler fühlst, dann darfst du dir auch als heterosexueller Mann die Beine rasieren. Ist doch ganz egal, was andere darüber denken, solange du dich in deiner eigenen Haut wohl fühlst. Mach, was dir gefällt. Probier es aus und wenn es dir nicht gefällt, sind die Haare in ein paar Wochen wieder nachgewachsen.

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Welches Rasiergel hast du denn bisher verwendet? Ich rasiere mich intim zwar nicht komplett, sondern mache nur eine Teilrasur mit ansprechender "Kurzhaarfrisur", aber ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit dem Rasiergel von Balea Men aus der dm für sensible Haut, das ist vollkommen frei von Duftstoffen oder sonstigen Zusätzen, riecht nach nix und ist von dem, was ich so bislang probiert habe, für meine doch sehr empfindliche Haut im Intimbereich echt das Beste. Es ist noch dazu preisgünstig, sehr ergiebig und funktioniert auch beim Rasieren von Brust, Achseln und Gesicht einfach nur super.

Alternativ könntest du dir auch einen elektrischen Rasierer anschaffen und trocken rasieren. Das Ergebnis wird dann aber nicht "baby-popo-glatt" sondern eher so in die Richtung "fühlt sich an wie gestern rasiert und heut schon wieder leicht kratzig".

Und falls wirklich gar nix anderes funktionieren sollte: selbstverständlich spricht auch gar nichts dagegen, deine Schamhaare einfach stehen zu lassen oder nur kurz zu trimmen. Sieht meiner bescheidenen Meinung nach in den meisten Fällen sogar ansprechender aus als wenn alles kahl ist.

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Nein, ein Körper nimmt niemals sämtliche Energie auf, die in einem Nahrungsmittel enthalten ist. Ein nicht unbedeutender Teil geht verloren bzw. kann gar nicht genutzt werden. Wie sieht das im Einzelnen aus?

Der Gesamtenergiegehalt, den die Nahrung enthält, ist die Bruttoenergie (englisch gross energy, abgekurz GE). Ein Teil dieser Energie kann erst gar nicht vom Körper aufgenommen werden, weil Nahrung immer auch einige für uns unverdauliche Bestandteile enthält, die mit dem Kot (Faeces, F) ausgeschieden werden. Beispielsweise können wir Menschen nicht die Cellulose aus Pflanzen verwerten. Die darin enthaltene Energie geht uns über den Kot also verloren.

Die Energie, die wir tatsächlich aus der Nahrung aufnehmen können (GE - F) bezeichnet man als verdauliche Energie (digestible energy, DE). Der Quotient aus GE und DE wird auch als Verdaulichkeit bezeichnet. Je höher die Verdaulichkeit ist, umso mehr verdauliche Bestandteile enthält die Nahrung, ist die Verdaulichkeit niedrig, enthält die Nahrung viele für uns unverdauliche Bestandteile wie z. B. Cellulose.

Aber auch die verdauliche Energie ist nicht vollständig nutzbar. Ein großer Teil geht über Exkrete (Ex, z. B. Harn) und über Gase (Methan) verloren. Übrig bleibt die Energie, die dem Stoffwechsel tatsächlich für die Assimilation zur Verfügung steht, die assimilierbare Energie (metabolizable energy, ME). Es gilt also: ME = DE - Ex.

Die assimilierbare Energie kann nun einerseits genutzt werden für die Atmung (respiration, R), sprich für alle Prozesse, die zum Erhalt des Regelbetriebs notwendig sind. Dazu zählt z. B. die Energie, die für die Verdauung selbst verbraucht werden muss, die Produktion von Wärme zum Konstanthalten der Körpertemperatur, die Bereitstellung der Energie für den Grundumsatz und die Energie, die zum Leisten von Aktivitäten notwendig ist.

Der andere Teil der assimilierbaren Energie fließt in die Produktion (production, P) neuer Biomasse, also z. B. von neuem Gewebe oder um altes Gewebe durch neues zu ersetzen oder um z. B. Milch zu produzieren. Dabei und bei der Respiration geht ein erheblicher Teil noch einmal verloren, weil nicht die gesamte Energie aus der Nahrung in chemische Energie umgewandelt wird. Ein Großteil wird in Form von Wärme frei und ist, sofern wir damit nicht die Körpertemperatur aufrecht erhalten, ebenfalls verloren. Somit bleibt am Ende schließlich noch die Nettoenergie (netto energy, NE) übrig, die rein für die Produktion zur Verfügung stehende Energie ohne Wärmeverluste.

Es kann also nicht alles, was an Energie in der Nahrung enthalten ist, aufgenommen werden. Wie viel davon verwertbar ist, hängt von vielen Faktoren ab, u. a. von ihrer Verdaulichkeit. Wie groß die Verluste im Einzelnen sind, lässt sich aber nur aufwändig durch kalorimetrische Messungen der GE bestimmen, von der dann die einzelnen Energieverluste z. B. über Kot und Harn abgezogen werden müssen.

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Natürlich hast du auch Gene deiner beiden (!) Großmütter in dir. Du kannst den Anteil der Gene, die du mit deinen Großeltern gemeinsam hast, sogar ganz einfach selbst ausrechnen, indem du den Verwandtschaftskoeffizienten r berechnest.

Wie dir sicher bekannt ist, haben Menschen einen diploiden Chromosomensatz, d. h. jedes Chromosom (und damit auch jedes Gen) kommt in den Körperzellen doppelt vor. Die homologen Chromosomen (=Chromosomen, die die gleichen Gene enthalten) bilden dabei Chromosomenpaare. Beim Menschen sind es 23 solcher Chromosomenpaare, also insgesamt 46 Chromosomen. Dabei erhält jeder Mensch jeweils ein Chromosom eines Paares vom Vater, das andere von der Mutter.
Nun überleg aber einmal: wenn jeder Mensch einen diploiden Chromosomensatz hat, dann hat natürlich auch dein Vater einen solchen und deine Mutter ebenso. Nun ist zwei mal zwei bekanntlich vier, folglich müsste sich doch der Chromosomensatz verdoppeln zu einem vierfachen (tetraploiden) Chromosomensatz. Du selbst hast ja aber auch nur einen diploiden Chromosomensatz. Wie kann das gehen?

Die Antwort liegt in einer besonderen Form der Zellteilung, durch die die Geschlechtszellen (Gameten) entstehen. Diese Zellteilung nennt man Reduktionsteilung oder Meiose. Bei der Meiose wird an jede Tochterzelle nur eines der beiden homologen Chromosomen weitergegeben, das andere Chromosom erhält seine "Schwesterzelle". Geschlechtszellen haben also abweichend von den Körperzellen einen reduzierten, nur einfachen (haploiden) Chromosomensatz. Gameten besitzen insgesamt nur 23 Chromosomen, die keine Paare bilden. Bei der Befruchtung verschmelzen dann die beiden haploiden Chromosomensätze des väterlichen Spermiums und der Mutter. 23 plus 23 ist 46 und damit ist der diploide Zustand wieder hergestellt. Alles klar soweit?

Gut, dann überlegen wir einmal, was das bedeutet für die Anzahl der übereinstimmenden Gene. Dein Vater reduziert seinen doppelten Chromosomensatz durch die Meiose auf die Hälfte. Er gibt damit die Hälfte seiner Gene an dich weiter. Das gleiche macht deine Mutter, sodass insgesamt die Hälfte deiner Gene von deinem Vater sind und die andere Hälfte von deiner Mutter. Nun haben deine Eltern wiederum aber ihre Gene ebenfalls jeweils zur Hälfte von ihren Eltern, nämlich deinen Großeltern, geerbt. Die Gene deines Vaters stammen also je zur Hälfte von deinem Großvater väterlicherseits und zur Hälfte von deiner Großmutter väterlicherseits. Das gleiche gilt nun auch für deine Mutter und die Großeltern mütterlicherseits.

Wie groß ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganz bestimmtes Gen deiner Großmutter väterlicherseits über deinen Vater an dich weitergegeben wird? Ganz einfach: die Wahrscheinlichkeit, dass die Großmutter dieses Gen an deinen Vater vererbt hat, beträgt aufgrund der meiotischen Teilung 50 Prozent oder anders geschrieben 0.5 (entweder hat die Eizelle, aus der dein Vater hervorging dieses Gens enthalten oder nicht). Wenn dein Vater dieses Gen wirklich geerbt hat, dann vererbt er es an dich ebenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.5. Nun musst du diese beiden Wahrscheinlichkeiten miteinander multiplizieren und erhälst als Ergebnis 0.25. Mit anderen Worten: die Wahrscheinlichkeit, ein bestimmtes Gen von deiner Großmutter väterlicherseits zu erben, beträgt 25 Prozent. Oder noch anders ausgedrückt: du hast etwa 25 Prozent deiner Gene (also die Hälfte der von deinem Vater geerbten Gene; die Hälfte der Hälfte all deiner Gene) deiner Großmutter väterlicherseits zu verdanken. Diese Wahrscheinlichkeit, mit der zwei Individuen ein bestimmtes Gen aufgrund einer gemeinsamen Abstammung besitzen, das ist der Verwandtschaftskoeffizient, kurz r (aus dem Englischen: relatedness coefficient).

Es gibt auch eine allgemeine Formel für den Verwandtschaftskoeffizient r, mit dem du r auch für andere Verwandte, z. B. zwischen Geschwistern oder Cousin und Cousinen ausrechnen kannst. Sie lautet:



Die Zahl in Klammern gibt die uns schon bekannte Wahrscheinlichkeit an, mit der ein bestimmtes Allel in der Meiose verteilt wird, die ja 0.5 beträgt. Der Exponent n ist die Anzahl an Generationen, die zwischen den beiden Individuen liegen. Das Summenzeichen Σ besagt, dass die Wahrscheinlichkeiten der unterschiedlichen Verbindungswege in einem Stammbaum aufsummiert werden müssen. Bei der Berechnung des Verwandtschaftsverhältnisses zwischen Eltern und Großeltern fällt das weg, denn es gibt ja nur einen einzigen Weg, wie das Gen von dem einen zum anderen gekommen sein kann. Im obigen Beispiel kann deine Oma väterlicherseits das Gen nur über einen Weg an dich vererben, nämlich über deinen Vater. Von dir musst du bis zu deiner Omi zwei Generationen zurück gehen: der erste Schritt zu deinem Vater, der zweite Schritt zur Oma. Demnach verkürzt sich die Formel also zu:



Es gibt aber sehr oft verschiedene Wege, über die ein- und dasselbe Gen in zwei Individuen kommen kann. Ein Beispiel ist die Berechnung des Verwandtschaftskoeffizienten zwischen zwei Geschwistern, wenn man also wissen will, wie viele Gene zwei Geschwister gemeinsam haben. Hier gibt es nun mehrere mögliche Wege, wie ein Gen in beiden Geschwistern landen kann, nämlich entweder über den Vater oder über die Mutter. Es gibt also zwei Wege, deren Einzelwahrscheinlichkeit aufsummiert werden muss.

Zwischen zwei Geschwistern liegen wiederum zwei Generationen. Man muss von einem Geschwister eine Generation zurück springen, um zu den Eltern zu kommen, und dann wieder eine Generation vor, um beim Geschwister zu landen. Es ergibt sich deshalb bei Geschwistern die Berechnung von r folgendermaßen:



Im Durchschnitt hat man also die Hälfte der Gene mit seinem Bruder bzw. seiner Schwester gemeinsam.

Man kann nun auch das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dir und einem Onkel oder einer Tante ausrechnen. Nimm an, dein Vater hat einen Bruder. Dein Onkel und du können ein Gen über zwei verschiedene Wege geerbt haben: entweder über deine Oma oder über deinen Opa väterlicherseits. In beiden Fällen musst du erst eine Generation zu deinem Vater zurück, dann noch eine zu einem der beiden Großeltern und dann wieder eine vor zum Onkel. In dem Fall sind es also zwei Wege mit jeweils vier Generationen, macht ein r von 0.25. Bei Cousin/Cousine muss man noch eine Generation weiter vor springen, nämlich vom gemeinsamen Onkel aus noch eine weitere Generation zu Cousin/Cousine. Macht also einen Exponenten n = 4, ansonsten gibt es auch hier wieder die Möglichkeit, dass du und ein Cousin/eine Cousine ein Gen über die gemeinsame Oma oder den gemeinsamen Opa geerbt haben könnt, wodurch sich ein r von 0.125 ergibt.

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Ja, das ist korrekt. Beide können das machen. Viele Polymerasen besitzen eine Proofreading-Funktion. Das heißt, sie können überprüfen, ob sie ein richtiges Nukleotid eingebaut haben oder nicht. Wenn sie feststellen, dass das falsche Nukleotid eingebaut wurde, können sie es durch das richtige ersetzen. Manche Polymerasen erfüllen deshalb auch zusätzlich eine Exonuklease-Funktion und durch das Proofreading wird die Fehlerrate der Polymerase, die ohnehin extrem gering ist, noch einmal deutlich reduziert.

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Weil der Löwe schon seit langer Zeit in vielen vielen Kulturen eine bedeutende Rolle in ihren Mythen und Legenden spielt. Selbst dort, wo der Löwe eigentlich gar nicht vorkommt, wird der Löwe besonders verehrt: in China, in Ceylon und natürlich auch in Mitteleuropa, wo Löwen zahlreiche Landes- und Stadtwappen zieren. Meine Heimatstadt und auch mein Heimat-Bundesland haben beispielsweise beide einen Löwen in ihrem Wappen.

Warum ausgerechnet der Löwe den Titel "König der Tiere" erhielt, hat sicher mehrere Gründe. An der Größe kann es nicht liegen, denn Tiger sind beispielsweise größer als Löwen, haben aber in den meisten Kulturen längst nicht eine so große Bedeutung erlangt wie Löwen. Aber im Durchschnitt haben Löwen eine etwas höhere Schulterhöhe und sehen dadurch mächtiger aus. Hinzu kommt die bei den Katern ausgeprägte Mähne, die ein bisschen an einen wehenden Umhang erinnert. Dazu muss man wissen, dass Stoffe, besonders die sehr edlen, früher sehr teuer und kostbar waren und ein Umhang deshalb nur den Mächtigen vorbehalten war und Zeichen ihrer Herrschaft gewesen ist.
Auch seine wahrhaft "majestätische" Erscheinung, sein erhabener Gang und sein lautes Gebrüll werden zum Mythos des Löwen beigetragen haben. Wer einmal einen Löwen im Zoo hat brüllen hören, weiß, dass dieser Ruf tief in die Knochen geht und kilometerweit zu hören ist. Tiger hingegen brüllen nicht. Sie prusten.

Der Begriff des "Löwenanteils" geht auf eine alte Sage des Dichters Äsop zurück. In dieser Fabel gehen Löwe, Esel und Fuchs gemeinsam auf die Jagd und nach erfolgreicher Jagd soll der Esel die Beute unter den dreien aufteilen. Der tut dies sehr gerecht, woraufhin der Löwe wütend wird und den Esel in Stücke zerfetzt. Nun soll der Fuchs die Beute aufteilen. Der gibt dem Löwen von seinem Anteil großzügig ab und behält nur, was er für sich selbst braucht. Der Löwe fragt ihn daraufhin zufrieden, was ihn so schön das Teilen gelehrt habe, woraufhin der Fuchs entgegnet: "Das Missgeschick des Esels."

Vielleicht wurde Äsop von einer Beobachtung inspiriert, dass in Löwenrudeln sehr häufig die Männchen zuerst fressen und für sich "den Löwenanteil" beanspruchen. Erst danach fressen die Löwinnen und ganz zum Schluss die Jungen.

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Dass Museen und Zoos eine absolute Notwendigkeit sind und es äußerst bedauerlich ist, wenn ihm das Niveau dort zu hoch ist.

Museen sind schon lange nicht mehr die leicht verstaubt wirkenden Schausammlungen, in denen die ausgestellten Objekte hinter Glasvitrinen versteckt und nur Lesen kann. Museen sind Orte, wo man immer mehr Wissen im wahrsten Wortsinn be-greifen kann, wo es interaktive Mitmachstationen gibt. Gleichzeitig leisten Museen einen wertvollen Beitrag für die Wissenschaft. Sie machen ihre Exponate der Öffentlichkeit - und damit eben auch der Forschungsgemeinde - zugänglich. In den naturwissenschaftlichen Museen werden diejenigen Exemplare aufbewahrt, die für die Beschreibung einer Art genutzt wurden und anderen Forschern als Vergleichsmöglichkeiten dienen. In vielen Sammlungen schlummern bis heute zahlreiche Arten, die irgendwann einmal gesammelt wurden, aber noch keinen offiziellen Namen erhalten haben.

Auch Zoos sind nicht komisch, sondern extrem wertvoll und haben auch schon lange nichts mehr mit den Tiergefängnissen von früher zu tun. Zoos leisten einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz, indem Zoos sich in Naturschutzprojekten vor Ort beteiligen und seltene Arten pflegen und züchten. Sie engagieren sich in der Forschung und in der Lehre und sind nicht zuletzt auch ein wichtiger Erholungsort, der den Menschen die Natur wieder näher bringt. Denn die Nähe zur Natur geht in unserer immer stärker urbanisierten Welt nach und nach verloren.

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Hallo,

darf ich fragen, wo "in deiner Gegend" ungefähr ist? In Deutschland gibt es zwei Arten der Ringelnatter, die sich äußerlich sehr ähnlich sehen. Zum einen gibt es im größten Teil des Bundesgebietes die Gewöhnliche Ringelnatter (Natrix natrix). Im Westen und im äußersten Südwesten südlich des Schwarzwaldes wird die Ringelnatter von der äußerlich sehr ähnlichen Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica) abgelöst. Letztere galt bis 2017 noch als Unterart von Natrix natrix, bis sich gezeigt hat, dass beide Formen sich genetisch deutlich voneinander unterscheiden und in den schmalen Kontaktzonen, wo beide nebeneinander vorkommen, kaum miteinander hybridisieren.

  • Verbreitung von Natrix helvetica in Miiteleuropa: Verbreitungskarte Natrix helvetica Wikimedia

Es gibt einige mehr oder weniger deutliche Unterscheidungsmerkmale:

  • die Barren-Ringelnatter hat an den Körperflanken ein Muster aus schwarzen Barren, die ihr auch ihren Namen gaben und die auf deinem Foto sehr gut zu erkennen sind. Dieses Barren-Muster fehlt den meisten Gewöhnlichen Ringelnattern.
  • die beiden gelben Flecke direkt vor den beiden schwarzen Flecken im Nackenbereich sind bei Natrix natrix meist kräftiger gefärbt. Bei Natrix helvetica sind sie eher blass und nur undeutlich sichtbar, weswegen man sie auch leichter mit der Glattnatter (Coronella austriaca) verwechseln kann. Letztere unterscheidet soch von den beiden Ringelnatter-Arten aber dadurch, dass sie einen deutlichen schwarzen Augenstreifen besitzt, der den beiden anderen fehlt.

Dem Foto nach zu urteilen, dürfte es sich sehr wahrscheinlich bei der von dir gefundenen Schlange um eine Barren-Ringelnatter handeln. Kommt das geographisch hin?

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Bezüglich der Homosexualität verweise ich auf eine meiner früheren Antworten, in denen ich ausführlich erklärt habe, dass diese keineswegs im Widerspruch zur Evolutionstheorie steht. Meine Antwort findest du hier.

Du musst dich, glaube ich, von einer Vorstellung verabschieden: dass sich ausschließlich das beste Merkmal durchsetzt. Evolution findet bei allen Individuen einer Population statt, schließlich stehen alle unter dem gleichen Selektionsdruck. Um erfolgreich zu sein, muss man nicht zwangsläufig der Beste sein, es reicht schon aus, wenn man besser als der Durchschnitt ist bzw. nicht der Schlechteste.
Ein Beispiel: ein Löwe prescht in eine Herde von Gazellen. Man muss nicht die schnellste Gazelle sein, um zu überleben. Im Grunde genommen reicht es schon aus, wenn man nicht die langsamste Gazelle ist, um zu überleben.

Gleichzeitig muss eine Anpassung an die Umwelt nicht zwangsläufig die beste der möglichen Lösungen sein, um trotzdem erfolgreich zu sein. Häufig kann sie das sogar gar nicht sein, denn Evolution kann ja nur die schon vorhandenen Baupläne variieren und folglich nur das verändern, was schon da ist. Ein Lebewesen wird von der Evolution eben nicht am Reißbrett erschaffen, so wie ein Ingenieur eine Maschine entwerfen würde. Folglich sind viele Details in den Konstruktionen der Lebewesen sogar ziemlich schlecht gelöst.
Auch dazu ein Beispiel: der rückläufige Kehlkopfnerv (Nervus laryngeus recurrens), ein Ast des zehnten Hirnnerven (Nervus vagus). Der Nervus vagus entspringt aus dem verlängerten Rückenmark (Medulla oblongata) und verläuft fast über die gesamte Länge des Rückens. Auf Höhe der Aorta zweigt der rückläufige Kehlkopfnerv vom Vagusnerv ab, macht eine Schlaufe und kehrt in Richtung Kopf zurück, wo er den Kehlkopf innerviert. Kein Elektriker der Welt würde derart viel Kabel verlegen, wenn er eine elektrische Leitung verlegen müsste und würde stattdessen ein Kabel direkt vom Gehirn zum Kehlkopf verlegen. Trotzdem nimmt der rückläufige Kehlkopfnerv diesen absurden Umweg. Wie absurd er ist, wird deutlich, wenn man sich mal den Verlauf des Nervs bei einer Giraffe ansieht. Der Grund dafür ist, dass der Nerv aus einem Nerv hervorgegangen ist, der bei unseren Vorfahren die Kiemenspalten verorgte. Als aus diesen Strukturen der Kehlkopf hervorging und der Hals sich streckte, war der Nerv schon vorgegeben und wurde einfach verlängert. Wichtig ist also nicht, dass in der Evolution stets die beste aller Lösungen genutzt wird (die es ja gäbe, wenn man Kehlkopf und Gehirn direkt miteinander verbände), sondern nur, dass etwas hinreichend funktioniert. Und das tut es ja.

Krankheiten werden zumeist durch Krankheitserreger (Pathogene) verursacht. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Parasiten und Parasitoide, Bakterien oder auch um Viren.
Evolution findet dabei auf beiden Seiten statt: sowohl auf Seiten des Wirts (in unserem Fall des Menschen), indem sich Systeme entwickeln, die Krankheitserreger erkennen und vernichten. Aber gleichzeitig passen sich eben auch Krankheitserreger an, auch sie spielen im Spiel genannt Evolution ja mit. Sie entwickeln Mechanismen, die das Immunsystem geschickt umgehen können, so dass es zu einer Co-Evolution zwischen Wirt und Parasit kommt. Auf eine Anpassung von der einen Seite erfolgt quasi umgehend die Reaktion von der Gegenseite durch eine Gegenanpassung. Man nennt dies in der Evolution arms races oder evolutionäres Wettrüsten.
Genau genommen wirkt der Selektionsdruck aber auf beide Parteien gleichzeitig und nicht wechselseitig, sodass beide ständig zur Anpassung gezwungen sind und das Prinzip Anpassung-Gegenanpassung streng genommen gar nicht zutrifft. Viel richtiger ist eher, dass beide Parteien sich ständig gegenseitig an den jeweils anderen anpassen müssen, um nicht auf der Strecke zu bleiben und das evolutionäre Wettrennen zu verlieren. Das hat zur Folge, dass unter dem Strich der jeweilige Status quo weitgehend erhalten bleibt. In Anlehnung an Lewis Carrolls Erzählung Alice hinter den Spiegeln nennt man diesen Effekt auch die rote Königin. Denn in Carrolls Roman sagt die Herzkönigin zu Alice sinngemäß, dass man in ihrem Land so schnell laufen müsse wie man könne, um auf der Stelle zu bleiben. Heißt: wer stehen bleibt und sich nicht anpasst, verliert. Und da eben auch Krankheitserreger nicht stehen bleiben, haben Menschen weiterhin Krankheiten.

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Das kann mehrere Gründe haben, aber so genau weiß man das nicht.

Zum einen unterscheidet sich die Life History der großen langhalsigen Sauropoden von jenen der heutigen Vertreter der Megafauna, wie z. B. dem Elefanten, dramatisch. Man konnte durch feinmikroskopische Untersuchungen der Sauropodenknochen feststellen, dass diese für so große Tiere ungewöhnlich kurzlebig waren. Ein großer Sauropode dürfte etwa eine maximale Lebenserwartung von 25 Jahren besessen haben. Ein Elefant hingegen kann, wenn man ihn denn lässt, mehr als das doppelte Alter dessen erreichen.
Sauropoden hatten also eine kurze Life History: sie sind innerhalb weniger Jahre zu beeindruckender Größe herangewachsen und haben sich bereits in jungen Jahren schon fortgepflanzt und sind dann aber auch vergleichsweise jung gestorben. In den Nachwuchs haben sie dabei nicht sonderlich viel investiert: sie haben Eier gelegt, die durchschnittlich nicht viel größer waren als ein heutiges Straußenei. Und auch Brutpflege, wie sie für einige andere (viel kleinere) Dinosauriergruppen (z. B. Maiasaura, Oviraptor) angenommen wird, haben Sauropoden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht betrieben, was sie wohl eher zu r-Strategen macht. Elefanten hingegen führen eine wesentlich langsamere Life History in Verbindung mit einer klassischen K-Strategie. Elefanten haben eine lange Kindheit, werden von der Mutter lange versorgt und pflanzen sich erst spät fort (erst mit durchschnittlich zehn Jahren beginnen Elefanten geschlechtsreif zu werden). Gleichzeitig bekommen Elefanten in der Regel immer nur ein Junges und zwischen den Geburten sind sehr lange Intervalle ohne Geburt, denn die Trächtigkeit allein beträgt ja schon fast zwei Jahre. Dafür wird der Nachwuchs aber sehr intensiv umsorgt und betreut.
Um Rekordmaße wie die Sauropoden zu erreichen, scheint die kurze Life History mit Verbindung einer r-Strategie vermutlich besser geeignet zu sein, weil man das Investment, was sonst dem Nachwuchs zugute käme in eigenes Wachstum investieren kann. Und man darf nicht vergessen: die allermeisten Individuen der Sauropoden werden wohl vorzeitig gestorben sein, weil sie z. B. einem Räuber zum Opfer fielen und nicht ihre maximale Größe erreicht haben. Die, die es schafften zu überleben, hatten vergleichwsweise geringe Konkurrenz zu befürchten und dementsprechend konnten sie genug Nahrung aufnehmen, um so groß zu werden.

Zum anderen spielt hier wohl auch das Klima eine entscheidende Rolle. Um groß zu werden, muss man viel fressen. Sauropoden haben sich von pflanzlicher Kost ernährt. Fast im gesamten Mesozoikum war das Klima wärmer als heute. Die Erde glich damals einem riesigen Treibhaus mit meist feucht-warmen Bedingungen. Infolge vulkanischer Aktivitäten war auch die Kohlendioxid-Konzentration der Atmosphäre höher als heute. Beides zusammen, günstiges Klima und hohe Kohlendioxidkonzentration, wirkten sich äußerst positiv auf die Photosyntheseleistung der Pflanzen aus. Vermutlich war die Biomasseproduktion im Mesozoikum weitaus größer als heute. Unter den heutigen Bedingungen könnte die Umwelt so große Tiere wie die Sauropoden vermutlich nicht mehr ernähren, weil nicht genug wächst. Aber vielleicht kann das der Klimawandel ändern? Jedenfalls, so wie es aussieht, arbeiten wir Menschlein ja fleißig daran, es herauszufinden.

Und zum dritten waren die Bedingungen, abgesehen von einem eher kleineren Massenaussterben am Ende der Trias, die Bedingungen im Mesozoikum vergleichweise stabil. Bis zum Ende des Mesozoikums hat es an Land kein dramatisches großes Massenaussterben gegeben, dem ein Großteil der großen Dinosaurier zum Opfer gefallen wäre. Das hat sich am Übergang zum Palaeogen geändert. Vor 65 Mio. Jahren sind die großen Formen der Dinosaurier infolge eines Asteroiden-Einschlags ausgestorben. In der Folgezeit waren die Lebensbedingungen sehr schlecht, da die Biomasseproduktion stark zurück ging. Überlebt haben nur vergleichweise kleine Tiere. Bis zu diesem Zeitpunkt aber hatten die Sauropoden fast 180 Mio. Jahre lang Zeit, Riesenformen zu entwickeln.
Vielleicht hat eine Zeitspanne von 65 Mio. Jahren vom Aussterben der großen Dinosaurier bis heute einfach nicht ausgereicht, um (wieder) derart große Geschöpfe entstehen zu lassen. Außerdem war die Erdneuzeit ja nicht gerade prädestiniert für stabile klimatische Verhältnisse. Immer wieder hat es Eiszeiten gefolgt von Warmzeiten gegeben. Dieses Wechselspiel könnte dafür gesorgt haben, dass immer wieder große Tierarten wie z. B. das Paraceratherium (ein Verwandter der heutigen Nashörner und das bislang größte bekannte Landsäugetier) ausstarben, ehe sie noch größer hätten werden können.

Vielleicht gibt es aber auch nicht nur einen Grund, sondern eine Vielzahl verschiedener Gründe, die alle ein höchst komplexes Bild ergeben.

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