Woher kommt der fehlende Strom in Baden-Württemberg, wenn heute das dortige Atomkraftwerk abgeschaltet wird?

In diesem Artikel heißt es:

Am Silvester um 19 Uhr wird das Kernkraftwerk [...] Philippsburg abgestellt. [...] Philippsburg 2 ist mit einer Leistung von 1468 Megawatt ein grosses Kernkraftwerk, das für 15% der Stromnachfrage in Baden-Württemberg aufkommt. [...]

Der fehlende Strom soll zukünftig aus Erneuerbaren stammen oder importiert werden:

Angestrebt werde eine Kombination aus Import, erneuerbaren Energien und dem Netzausbau [...] Allerdings nimmt zum Beispiel der Widerstand gegen neue Windturbinen in Deutschland zu.

Laut einer Studie kann nur durch Importe die Versorgungssicherheit garantiert sein, d. h. Deutschland macht sich von Stromimporten abhängig

Eine Studie von Anfang Jahr kommt zum Schluss, dass für Süddeutschland die Versorgungssicherheit bis 2025 gewährleistet sei. Für diese Einschätzung massgeblich ist allerdings, dass Kraftwerke in Frankreich und Polen, die insgesamt eine Leistung von 43,7 Gigawatt aufweisen, länger als zuvor gedacht weiterbetrieben werden. Das sind vor allem Kern- und Kohlekraftwerke. [...] Süddeutschland, aber auch Gesamtdeutschland seien ab 2020 zusätzlich auf Stromimporte aus dem Ausland angewiesen

In einem anderen Artikel wird auf die Folgen der Abschaltung für das Klima aufmerksam gemacht:

Kernkraft steht für gewaltige Mengen CO2-armen Stroms. Mit jedem Kernkraftwerk, das wegen des Atomausstiegs stillgelegt wird, gehen rund 1.400 Megawatt wetterunabhängige elektrische Leistung verloren. Jede Schließung eines Kernreaktors ist so, als ob wir 2.800 Durchschnittswindräder oder rund 14.000 Fußballfelder voller Solarmodule verschrotteten. Der Atomausstieg ist für den Klimaschutz ein reines Nullsummenspiel. Die sieben jetzt noch laufenden AKWs könnten bis Ende 2022 zwei Drittel der Braunkohlekraftwerke in Rente schicken. Dadurch könnte Deutschland quasi sofort ca. 56 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich einsparen – jedes Jahr. Allein die Schließung von Philippsburg 2 erhöht den CO2-Ausstoß wie zusätzliche 2,6 Millionen PKW auf unseren Straßen

Der Stromknappheit begegnet man mit Rationierung:

die Übertragungsnetzbetreiber haben mit großen Stromverbrauchern Vereinbarungen getroffen, dass die bei Strommangel abgeschaltet werden dürfen. So soll das Netz entlastet werden. Aluminiumschmelzen oder Glashütten zum Beispiel mit ihrem sehr hohen Energieverbrauch können vom Netz kurzerhand abgeschaltet werden. [...] Das erinnert immer mehr an die Mangelverwaltung des Stroms in der verflossenen DDR. Effektive Produktion geht anders.

Meine Frage lautet also:

Woher kommt der Strom, wenn die Kernkraftwerke wegfallen, die Erneuerbaren nicht schnell genug ausgebaut werden und Frankreich keinen Atomstrom liefern kann, weil es selbst auf Strom angewiesen wird?

Oder müssen wir wirklich wieder Strom rationieren? Das wäre aus meiner Sicht nicht fortschrittlich.

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Warum lehnen Klimaschützende in Deutschland die Atomkraft zum Klimaschutz kategorisch ab?

Die IAEA widerspricht den Klimaaktivisten. In einem Artikel der FAZ heißt es:

Die Atomkraft kann nach Überzeugung des neuen Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, im Kampf gegen den Klimawandel helfen. [...] Im Gegensatz zu manchen Prognosen nehme der Einsatz der Kernkraft weltweit zu. Grossi verwies auf rund drei Dutzend Atomkraftwerke, die in den vergangenen Jahren in Betrieb gegangen seien. [...] Kernergie ist CO2-frei [...] Aktuell sind weltweit rund 450 Reaktoren in Betrieb. [...] Mehr als 50 sind laut IAEA in Bau, die meisten davon in Asien. Der deutsche Weg eines Ausstiegs aus der Kernenergie findet zur Zeit wenig Nachahmer.

Deutschland möchte CO2-neutral werden. Dazu sollte doch jede denkbare Technik diskutiert werden. Eine bestimmte Technologie kategorisch auszuschließen ist aus meiner Sicht nicht zielführend und deutet auf eine ideologisch motivierte Haltung hin. Besser aber wäre es doch, wenn man rational nach Lösungen sucht.

Kernenergie sollte als Lösung per se möglich bleiben, weil 52%
Kernenergie sollte als Lösung per se ausgeschlossen werden, weil 47%
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Was sind eure Argumente gegen Kernenergie / Atomkraft?

Wie einige Mitmenschen bereits wissen, schlage ich für die Energiewende besonders den Ausbau der Kernenergie vor. Ich habe auch schon privat mit einigen Menschen disbezüglich lange Diskussionen geführt. Ich bin immer wieder auf Argumente gegen die Kernenergie gestoßen. Im Folgenden entkräfte ich erst einmal die Standardargumente:

  • Sicherheit: Moderne Kernkraftwerke sind sicherer als Kraftwerke vergangener Jahrzehnte. Unfälle wie in Chernobyl, insb. die Explosion des Reaktors, können konstruktionsbedingt in der Form gar nicht vortreten.
  • Atommüll: Atommüll kann durch die Wiederaufbereitung reduziert werden. Zudem ist der Müll eher ein Rohstoff, da mit passenden Reaktortypen Atommüll transmutiert werden kann. Die Zeit der Lagerung reduziert sich auf wenige Hundert Jahre.
  • Klima: Kernenergie ist im Grunde CO2-neutral. Zudem besteht keine Gefahr wegen Verstrahlung, da die Radioaktivität nicht den Reaktor verlässt.
  • Kosten: Der Ausbau der Kernenergie ist wesentlich günstiger als der Einsatz erneuerbarer Energien. Aus ökonomischer Sicht lohnt es sich.
  • Abhängigkeit: Die Rohstoffe (Uran, Plutonium, Thorium) liegen in ausreichender Menge vor, sodass wir für eine extrem lange Zeit von der Kernenergie profitieren können.

Mich würde, nachdem ich die Standardargumente entkräftet habe, gern interessieren, wieso ihr, sofern ihr Gegner der Kernenergie seid, euch dennoch in den Weg stellt? Was spricht für euch dagegen?

(Ich bitte darum, dass ihr eure Gründe ausreichend begründet und nicht noch einmal die bereits in der Frage widerlegten Argumente wiederholt.)

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Kernkraft vs. Erneuerbare vs. Kohle etc. (Sicherheit und Co2)?

Das Kernkraft nicht generell gut ist und keinesfalls ohne Nachteile ist ist mir natürlich bewusst - ich möchte daher die Kernkraft im Vergleich mit etwa erneuerbaren Energien (nicht allgemein sondern speziell) oder Kohle sowie Erdgas betrachten und ausserdem unsere momentane Situation miteinbeziehen.

Mir geht es also darum zu ergründen wo der Vorteil und Nachteil der verschiedenen Energielieferanten liegt und zwar ganz auf das bezogen was Deutschland eurer Meinung im moment tun sollte und wo vor und nachteile liegen.

Ich sehe im moment für mich (erstmal ganz frei ohne erklärung da ich nicht möchte das jemand jetzt meine Argumentation pro und contra mit in seine Antwort einfließen lässt):

Beste Option: Wasserkraft (sofern verfügbar) / Kernkraft (kurz/mittelfristig)

Mittelgute Optionen: Solar (langfristig bzw mit Blick auf die Zukunft vll sogar sehr effektiv - ich denke da an möglichkeiten Strom zu speichern oder aber an was verrücktes wie an Solarkraftwerke im Weltall o.ä.)

Schlechte Optionen: Windkraft (zumindest in einem großteil der Fälle)

Sehr schlechte Optionen: Kohlekraft

Keine Meinung bisher: Erdgas und andere.

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Sinn und zweck des ganzen ist, und da kommt ihr ins Spiel, mir vll andere Sichtweißen zugeben auf der Basis ich mich weiter erkundigen kann oder wir vll darüber Diskutierren können ob und wieso der ein oder andere Punkt gut/schlecht ist. Kernkraft ist mir in dem zusammenhang besonders wichtig da darüber relativ wenig geredet wird (Ausser ''Geht garnicht weil Fukushima'') ich bin aber auch absolut offen für Beiträge zu nicht genannten Methoden zur Energierzeugung.

Danke im vorraus.

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