Wie schlimm war es damals in der DDR?

18 Antworten

Wer keine Ansprüche an Leben hatte war zu frieden.Mein Freund und seine Eltern wohnten in einer 1 1/2 Zimmerwohnung untern Dach.Keine Wasser in der Wohnung aber im Boden ein altes Waschbecken aus Gusseisen und Gemeinschaftstoilette auf den Flur. Gebaden haben sie nur am Sonnabend in einer Zinkwanne alle hintereinander. Aber gemeckert hat keiner über die DDR. Das ist ein krasses Beispiel. Wer aber Ansprüche ans Leben hatte zum Beispiel als 17 jähriger träumte ich von Reisen in die Welt oder wollte zur Handelsflotte kam an seine Grenzen.Da gab  es nur den Ostblock und der Tatbestand Westverwandtschaft zu haben versperrte mir den Weg zur Handelsflotte.

Als ich 1976 in den Westen kam, da hatte eine 4 köpfige Familie eine 2 Zimmerwohnung und 'nen Auto vor der Tür.
Eine 5 köpfige Familie eine 3 Zimmerwohnung, auch ein Auto vor der Tür.
Da hab ich schon gedacht, "ist daheim wie bei Mutti", in der DDR.

War es dann doch nicht, denn in der DDR kostete ein Bier in der Kneipe 0,42 Ostmark, in der BRD bereits 2,50 DM.
Goldbroiler in der DDR koste 5 Ostmark, in der BRD hießen Grillhähnchen und kosteten 5 DM.

Gut, nen Auto konnte ich mir nicht leisten, in der DDR keinen Trabbi und im Westen auch nur keines.
In der DDR kostete die Straßenbahn 0,15 Ostmark für die ganze Stadtrundfahrt, im Westen 2 DM für 4 Haltestellen.

Aber sonst? Es war alles ziemlich Deutsch, selbst das Wetter.

Ich hatte damals ein 1 Zimmerappartment, 22.Etage, das war wie der Himmel auf Erden, für 450 DM.
Gut 22 Etagen hab es in der DDR damals nicht, aber so 5. Etage Altbau für 50 Ostmark.

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@soisses

Der verlächelte Broiler kommt aus den Englischen,bedeutet Brathähnchen.Diese besondere Geflügelzucht  wurde aus den USA eingeführt. Die Hähnchen waren etwas größer als die Brathähnchen von hier.

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An welchen Tag wurde bei Euch traditionell gebadet? :-)

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Auch in einer Diktatur hatten viele Menschen ein ganz normales Leben: Man ging arbeiten, verliebte sich, setzte Kinder in die Welt, feierte, machte Urlaub. Voraussetzung war, man hielt die Klappe, begehrte gegen das Regime nicht auf, stellte die Verhältnisse nicht in Frage und tat, was von einem verlangt wurde. Gleiches gilt auch für die Nazizeit bis 1939 und jede andere Diktatur und Autokratie.

Diktatur kenne ich, aber was ist eine Autokratie?

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@Lifeisnic

Eine nicht ganz so strenge Diktatur (wie aktuell Russland oder die Türkei).

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@Lifeisnic

Ein Land, in dem eine Person und ihre Clique die Macht an sich reißt und zum dauerhaften Machterhalt demokratische und rechtsstaatliche Grundsätze außer Kraft setzt. Die Türkei ist ein aktuelles Beispiel.

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Okay

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Und wie ist es heute?

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Man musste viel bescheidener und eingeschränkter leben als heute. Es gab ein miserables Warenangebot, auch bei Lebensmitteln. Oft gab es die einfachsten Sachen nicht. Man konnte nicht einfach so in einen Laden gehen und einen Kühlschrank oder einen Farbfernseher kaufen. Man musste abwarten, bis es das mal zu kaufen gab. Auf ein Auto musste man über 10 Jahre warten, einen Telefonanschluss hatten nur ganz wenige Leute.

Als DDR-Bürger musste man auf alle demokratischen Freiheitsrechte verzichten. Es gab keine Meinungsfreiheit, keine Reisefreiheit, keine freien Wahlen, keine freien Medien.

Es gab in der DDR eine kaputte Umwelt, marode Strassen, Häuser und Fabriken.

Man musste aufpassen, was man sagt und zu wem man das sagt, wenn es um politische Themen ging..

Zum Lebensstandard:

Die Menschen in der DDR litten keine materielle Not. Im Vergleich mit den meisten anderen Ländern der Erde konnte man sie sogar als reich ansehen. Sie hatten nicht nur satt zu essen, sie waren mit kostenloser Bildung, einer allumfassenden Gesundheitsversorgung und einer gesicherten ökonomischen Existenz auch sehr gut versorgt.

Trotz aller Schwierigkeiten verfügte die Hälfte aller Haushalte in der DDR über einen PKW. Fast alle Haushalte hatten einen Kühlschrank und einen Fernseher und Radio bzw. Stereoanlage. Die überwiegende Mehrzahl der Haushalte verfügte auch über eine Waschmaschine.

Junge Familien bekamen einen Ehekredit (8.000 Mark), mit dem sie sich die Grundausstattung für einen eigenen Hausstand anschaffen konnten. Mit der Geburt eines Kindes wurde eine Teil der Ehekreditschulden erlassen und ab dem dritten Kind sogar ganz.

Befreit von echten existenziellen Sorgen richteten sie ihren Unmut auf
Mängel in der Versorgung mit Konsumgütern. Es ist auch nicht so, dass es überhaupt nichts gab, es war nur mühseliger sie zu bekommen. Derartige Luxusprobleme nahmen bei vielen bald so viel Raum ein, dass sie das, was sie hatten gar nicht mehr zu würdigen wussten und meinten, ihre "Freiheit" im dekadenten westlichen Konsumüberfluss finden zu können.

Zur Politik

Die meisten DDR-Bürger befürworteten den Sozialismus. Das heißt nicht, dass sie nichts auszusetzen hatten. Das taten sie sehr wohl und es gab wohl kaum einen Zusammenkunft, ob privat oder im vertrauten Kollegenkreis, in dem nicht auch kräftig gemeckert wurde. Das war überhaupt kein Problem.

Diese angebliche Angst, sich zu äußern, weil allenthalben Stasispitzel die Ohren gespitzt haben sollen, ist die gängige westdeutsche Erzählweise, über die die meisten ehemaligen DDR-Bürger nur müde lächeln können. Einige von denen bestätigen das aber auch sehr gerne, macht diese eingenommene Opferpose doch unangreifbar durch Kritik. Wer traut sich schon einem vermeintlichen Opfer zu widersprechen?

Schwierig wurde es, wenn es gegen die bestehende Ordnung, also gegen den Sozialismus ging. Damit rief man die Sicherheitsorgane auf den Plan. Die reagierten da auch mal übereifrig bzw. paranoid. Das muss man aber auch differenziert zu den verschiedenen Zeiten sehen. In den 50er Jahren war der Umgang mit Feinden oder vermeintlichen Feinden ein anderer als in den 70er und 80er Jahren.

Echte Oppositionelle waren in der DDR eine kaum wahrnehmbare Minderheit . Die spielten maximal eine bescheidene Rolle in bestimmten Milieus oder bildeten selbst ein solches Milieu und genügten sich selbst.

Das wurde auch 1989 deutlich. Es war nicht die Ablehnung des Sozialismus, es war der Stillstand, der unerträglich war. Es war die nicht wahrnehmbare Bereitschaft sich zu bewegen, etwas zu verändern, die die Leute resignieren und das Land verlassen ließen. Es war das "weiter so", obwohl jeder sah, dass es so nicht weiter ging.

So ging es bei den Montagsdemonstrationen auch nicht um die Abschaffung des Sozialismus, es ging um demokratische Reformen. Der Sozialismus stand erst zur Disposition, als die Grenzen geöffnet waren und die bis dahin unpolitische Masse mit Westgeld und Bananen gekauft wurde.

Du willst also wissen, wie schlimm es in der DDR war? Dann lies doch mal auch noch diese Antwort von exFlottiLotti.
https://www.gutefrage.net/frage/wie-lebten-die-leute-in-der-ddr

Es war das "weiter so", obwohl jeder sah, dass es so nicht weiter ging.

Erstaunlich wie sehr das an Mutti und ihr "Wir schaffen es!" erinnert.

P.S. Natürlich sah es in der SU sehr ähnlich aus. Die ganzen Prteste, die leider Jelzin und Konsorten an die Macht trugen waren ursprünglich Prosteste gegen den Stillstand und die Forderungen demokratischer Reformen in der SU.

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Ein großes DH!

Ausführlich, sachlich - so wie es war.
Ich möchte aber doch noch zur Ergänzung hinzufügen, dass der Ehekredit für junge Ehepaare zinslos war.

LG Lazarius.

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Dem ist tatsächlich nichts mehr hinzuzufügen.

Sachlich, der Wahrheit entsprechend..danke PeVau!

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Verhaeltnismaessigkeit: Bei einem Forumin in Uruguay wurde die Frage diskutiert, ob Hunger in der ehemaligen DDR herrschte?

Fazit: Der Lebensstandard in der DDR wurde doppelt so hoch bewertet, wie der Standard 2000 in Uruguay. 

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Ich ergänze nur:

Wartezeiten: Trabant 12-14 Jahre, Wartburg und Skoda 15-16, automatische Waschmaschine 3, Kühlschrank 1-2...

Viele Sachen  gab es nur "unter dem Ladentisch" zu kaufen. Ohne Beziehungen war man ziemlich chancenlos.

So sah es konkret 1984 in Bad Schandau und Umgebung aus.

"Diese angebliche Angst, sich zu äußern, weil allenthalben Stasispitzel die Ohren gespitzt haben sollen, ist die gängige westdeutsche Erzählweise, über die die meisten ehemaligen DDR-Bürger nur müde lächeln können. Einige von denen bestätigen das aber auch sehr gerne, macht diese eingenommene Opferpose doch unangreifbar durch Kritik. Wer traut sich schon einem vermeintlichen Opfer zu widersprechen?"

Darüber ließe es sich streiten. Als ich meine Stasi-Akte las, war ich regelrecht schockiert, wie viele Spitzel und Denunzianten es unter meinen Bekannten und vermeintlichen Freunden gab.

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@VeritasUna

Bei Autos war es in der Tat so, bei Waschmaschinen und Kühlschränken kann ich das so nicht bestätigen.

Wenn ich sehe, dass du 1984 als Referenzjahr angegeben hast, gehe ich davon aus, dass es dich schon vor der Öffnung der Grenze in den Goldenen Westen gezogen hat. Warst du ein Feind der DDR? Wenn ja, dann zitiere ich meine Antwort:

Schwierig wurde es, wenn es gegen die bestehende Ordnung, also gegen den Sozialismus ging. Damit rief man die Sicherheitsorgane auf den Plan. Die reagierten da auch mal übereifrig bzw. paranoid. Das muss man aber auch differenziert zu den verschiedenen Zeiten sehen. In den 50er Jahren war der Umgang mit Feinden oder vermeintlichen Feinden ein anderer als in den 70er und 80er Jahren.

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@PeVau

Falsche Schlussfolgerung.

Es zog mich nicht in den (nicht)goldenen Westen. Lebte und lebe immer noch auf dem Gebiet der ehem. DDR.

War und bin kein Feind der DDR, wünschte die "BeeRDigung" nicht. Fand viele Dinge in der DDR sehr gut, allerdings sah ich auch die vielen Fehler, hoffte damals naiv auf die Reformierbarkeit der DDR.

Vom Kapitalismus halte ich nichts. Hielt und halte aber auch nichts von Verfolgung der Andersdenkenden in den sozialistischen Ländern ("Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" - Rosa Luxemburg), vom gewaltsamen Halten der Bürger im Lande, vom Schießen auf die Flüchtlinge.

Leider kenne ich bis jetzt keinen "dritten Weg." Vielleicht kommt irgendwann die Ära des Humanismus. Ich befürchte allerdings, dass ich´s nicht mehr erlebe.

Bin der Meinung, dass man über alle Dinge reden kann und sogar sollte. Allerdings sachlich und nicht arrogant, überheblich und so, als wenn man die Wahrheit gepachtet hätte. Frei von Dogmatismus, egal welcher Richtung.

Das wird leider von vielen hier auf Gutefrage oft missachtet.

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@VeritasUna

Ergänzung und Korrektur:

1984 war falsch, hab mich vertippt. es sollte 1982 heißen. Lebte von 1982 bis 1985 in der Nähe von Bad Schandau und kann nur sagen, dass die Versorgung da katastrophal war.

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In meiner Gegend befürworteten damals die allerwenigsten den Sozialismus. Und bei uns bekam jedes Kind zu Hause gesagt, dass man sich niemals systemkritisch äußern darf. Vor der Stasi hatten bei uns hier alle Angst. Da wurde auch imemr spekuliert, wer dabei war. Wir sahen im westfernsehen und bei der Westverwandteschaft, was wir nicht hatten. Mich hat es ewig aufgeregt, keine BRAVO kaufen zu können am Kiosk. Das ist halt für Kinder und Jugendliche wichtig gewesen. Da spielte für mich keine Rolle, dass man dafür aber gutes Kindergeld bekam. Ich wollte etwas anderes, wie alle anderen auch.

Kostenlose Bildung? Aufstiegschancen aber nur mit Jugendweihe und bei Jungen 3 Jahren Armee, sonst konnte man sich eine gute Lehrstelle und das Abitur abschminken. Und wer von den guten Schülern wollte schon in die Produktion? Und das ein leben lang?

Für mich ist der Mauerfall ein riessengroßes Geschenk: endlich nicht mehr diese DDR! Bis heute freue ich mich über Freiheit, Reisemöglichkeiten, Wstgeld und Westwaren.

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Es mußte NIEMAND Hunger leiden oder unter einer Brücke schlafen. Allerdings gab es keine Südfrüchte, bestimmte Meinungen äußerte man besser nicht öffentlich, "Fernreisen" beschränkten sich für mittelalte Personen auf das sozialistische Ausland und ausländische Zeitungen, sowie manches Druckerzeugnis aus dem Westen, gab es nicht zu kaufen. Die schwache Mark der DDR liess für Privatleute keinen Import von Kraftfahrzeugen zu, weshalb man dann viele Jahre darauf warten mußte, um ein Auto kaufen zu können.

Ich kann auch auf Südfrüchte verzichten.

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