Meinung des Tages: Start der „Verfassungsviertelstunde“ – wie bewertet Ihr das Projekt, das nächstes Schuljahr in Bayern starten soll?

Das Ergebnis basiert auf 98 Abstimmungen

Ich finde die "Verfassungsviertelstunde" gut, weil ... 70%
Ich halte nichts von der "Verfassungsviertelstunde", da ... 18%
Ich habe eine andere Meinung und zwar ... 11%

30 Antworten

Ich habe eine andere Meinung und zwar ...

Natürlich finde ich das besser als Nichts.

Aber auf jeden Fall zu wenig.

Ich spreche mich hingegen für eine höhere Stundenzahl des Politikunterrichtes aus.

Bezüglich Werten, Rechten und Pflichten haben sowohl der AfD-Mann wie auch die Frau von den Grünen recht, auch wenn dem Herrn von der AfD dabei vielleicht nicht ganz bewusst war, dass zu den Pflichten auch Artikel 14 GG. "Eigentum verpflichtet" gehört.

Die Gestaltung und Inhalte dieses Unterrichtes kann jedenfalls diskutiert werden.

Mir schweben für weiterführende Schulen soviele Politikstunden vor, wie der Mathe- und Deutschunterricht einnimmt. Stattdessen könnte Sport gestrichen werden. Wer den machen möchte kann das im Verein tun.

Zudem sollte Politikunterricht ab dem dritten Jahr Grundschule - dort eine Unterrichtsstunde pro Woche, stattfinden.

Ich war früh ein politisch interessierter Mensch. 1976 geboren und meine ersten politischen Erinnerungen sind der Falkland-Krieg, den ich in den Nachrichten mitbekam wenn ich mal länger aufbleiben durfte, dann der Wechsel von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl - die Nachricht kam im Autoradio meiner Mutter und an ihrer Reaktion sah ich, dass das wohl wichtig war. Und natürlich machte ich mir als Kind am Ende des kalten Krieges schon Sorgen über den drohenden Atomkrieg. Der war mir in der Grundschule schon bewusst. Schon weil wir einmal im Halbjahr Übungen und einen Bunker unter der Grundschule hatten, in den wir die Schule bei diesen Übungen evakuierten. Als 1986 die US-Jets zur Vergeltung für Lockerbie von Ramstein starteten um Libyen zu bombardieren bekam ich das auch mit und konnte es als Zehnjähriger nicht richtig einordnen und brachte es wieder mit dem drohenden nuklearen dritten Weltkrieg in Verbindung. Ich weiß noch genau wie ich in der vierten Klasse in der Grundschule saß und darüber nachdachte wie es wäre monatelang in der Schule im Bunker ausharren zu müssen und meine Eltern nie mehr wiederzusehen. So denken Kinder die nicht ganz dumm sind, aber die politischen Zusammenhänge trotzdem nicht vernünftig einordnen können.

Politikunterricht in der Grundschule hätte mir also sehr geholfen. Verstanden hätte ich das ohne Weiteres, aber es hat uns damals niemand erklärt und Nachrichten für Kinder gab es nicht.

Man kann und sollte Kindern ruhig mehr Politik zumuten. Wenn sich viele Menschen erst als Erwachsene damit beschäftigen kommt oft das gleiche dabei heraus als wenn jemand erst mit 25 oder 30 Jahren Lesen und Schreiben lernt.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Langjährige Erfahrung in der Parteipolitik und als Reporter

RedPanther  21.05.2024, 12:28
auch wenn dem Herrn von der AfD dabei vielleicht nicht ganz bewusst war, dass zu den Pflichten auch Artikel 14 GG. "Eigentum verpflichtet" gehört.

Auch ein schönes Beispiel!

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gutefrage 
Beitragsersteller
 21.05.2024, 12:29

Vielen Dank für Deine ausführliche Meinung zum Thema!

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Ich finde die "Verfassungsviertelstunde" gut, weil ...

Politische Bildung schadet nicht!

Und bereits Kinder in der Grundschule kann man politische Bildung nahe bringen. Für die Viertel Stunde dürfte es auch passendes Unterrichtsmaterial geben!

Aber wenn ich das Geplärre der Lehrer da schon wieder höre:

Aus der Debatte zur Ausgestaltung der Verfassungsviertelstunde geht allerdings hervor, dass das Modell "15 Minuten pro Woche" in der Praxis eher nicht funktionieren wird. Schülerinnen und Schüler würden deshalb "nicht früher kommen, oder später heimgehen", berichtet die Schulleiterin. Und das Publikum, etwa die Referendarin Julia, gibt zu bedenken, dass bei der Lehrplandichte kein Lehrer - egal in welchem Fach - einfach mal so auf 15 Minuten Unterricht verzichten wolle. "Dann klärt man noch die Anwesenheit, prüft die Hausaufgaben und schon ist die Stunde wieder rum".

https://www.br.de/nachrichten/bayern/verfassungsviertelstunde-an-schulen-chance-oder-feigenblatt,U1n8hTa

15 Minuten in der Woche und da wird schon mal pauschal zusammen gebrochen? Einmal die unsinnigen Hausaufgaben weg lassen und schon passt es! Und wenn die Kiddies aufgrund des Lehrplanes eben 15 Minuten länger bleiben müssen... Oder wenn man im Monat eine Stunde dran hängt. So muss auch nirgendwo etwas gestrichen werden. Und viele Unterrichtsthemen kann man auch mit der Verfassung verbinden! Muss ich ewig und drei Tage den Schülern beibringen wie ein Vulkan aufgebaut ist oder kann man auch in Deutsch nicht mal ein Buch lesen lassen, was thematisch dazu passt?

Es wäre ohnehin mal dringend erforderlich in Deutschland den Lehrplan der Zeit anzupassen!

Es sollte nur dazu einheitliches Unterrichtsmaterial zusammen gestellt werden! Nicht dass jeder Lehrer denkt, er könne Dinge einfach mal nicht ansprechen, nur weil sie ihm nicht wichtig erscheinen.

Auch das Argument des AfDlers kann ich nicht nachvollziehen! Wer Deutsch und Mathe im Unterricht hat und der deutschen Sprache (noch) nicht allzu gut mächtig ist, der muss das ja auch hinbekommen. Und liegt es nicht ohnehin im Interesse aller, dass gerade ausländische Mitbürger sich auch mit der Verfassung beschäftigen von dem Land wo sie leben?

Aber auch in Hinblick auf die Tatsache, dass rechtsextremes Gedankengut immer stärker auch den Einzug in die Klassenzimmer findet, sollte es doch wohl langsam mal an der Zeit sein, den Kindern klar zu machen, welche Bedeutung das Grundgesetz hat?

Schade würde ich es finden, wenn die Idee nur in Bayern umgesetzt werden würde! Jugendliche ab 16 gehen wählen bei der Europawahl und Tik Tok bestimmt welche Partei sie wählen?

Es wird ja nicht erwartet, dass jeder junge Mensch sich nun für Politik interessiert. Aber das Grundgesetz kennen und vor allem auch verstehen, ist doch wohl nicht zu viel verlangt, oder?

Und im Grunde kann man da schon mit dem entsprechendem Unterrichtsstoff ab Klasse 1 beginnen! Anstatt da gefühlt Ringel Pitz mit anfassen zu praktizieren in den ersten Schuljahren kann es endlich mal wieder gleich los gehen!

Wir haben in der Grundschule nicht erst drei Jahre damit zugebracht unsere soziale Kompetenz auf Vordermann zu bringen. An manchen Grundschulen wird meines Erachtens aber ewig Zeit verplempert bevor es ans Lernen geht.

Und Unterrichtsmaterial gibt es ja auch schon für die Grundschule:

https://www.bildungsserver.de/das-grundgesetz-12650-de.html

Politik wurde zu meiner Schulzeit übrigens gar nicht unterrichtet.


gutefrage 
Beitragsersteller
 21.05.2024, 14:09

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

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PlueschTiger  21.05.2024, 14:15
Auch das Argument des AfDlers kann ich nicht nachvollziehen! Wer Deutsch und Mathe im Unterricht hat und der deutschen Sprache (noch) nicht allzu gut mächtig ist, der muss das ja auch hinbekommen.

Da geht es wohl um das Fach Bla Bala, was kein Normalsterblicher versteht, Kinder schon gar nicht.

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Ich finde die "Verfassungsviertelstunde" gut, weil ...

...wenn sie wirklich gut genutzt wird. Es wäre auf jeden Fall positiv, wenn die Jugendlichen auf diese Weise ihre Grundrechte kennenlernen und vielleicht auch verstehen, weshalb es unbedingt nötig ist, diese zu schützen und zu bewahren.

Aber es kommt eben sehr darauf an, wie die Viertelstunde jeweils ausgefüllt wird.


gutefrage 
Beitragsersteller
 21.05.2024, 12:30

Danke, dass Du Deine Meinung mit uns geteilt hast.

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Ich finde die "Verfassungsviertelstunde" gut, weil ...

Wissen (Kenntnis) ist hier eine Voraussetzung „richtigen“ Verhaltens, auch wenn dieses nicht zwangsläufig dazu führt. Einen Versuch ist es wert …

Ich finde die "Verfassungsviertelstunde" gut, weil ...

damit das Interesse der Schüler an der Verfassung / Grundgesetz und der Bedeutung dieses Werks geweckt werden kann.


gutefrage 
Beitragsersteller
 21.05.2024, 12:30

Herzlichen Dank für Deinen Beitrag!

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