Beamte sollen in die Rentenversicherung einzahlen?

| Ja. Beamte sollen in die Kasse einzahlen. 58%
| Nein. Beamte sollen nicht in die Kasse einzahlen. 36%
| Ich habe eine andere Meinung zu diesem Thema. 6%

64 Stimmen

16 Antworten

Von Experte FordPrefect bestätigt
| Nein. Beamte sollen nicht in die Kasse einzahlen.

Beamte erhalten keine Rente aus der Rentenkasse, sondern eine Pension aus - in der Theorie - Pensionsfonds, in denen der Dienstherr Pensionsrückstellungen bildet.

Eine Reform der Pensionen ist auch ohne weiteres gar nicht umzusetzen und zudem (nach derzeitigen Rechtsstand) verfassungswidrig. Art. 33 Abs. 5 GG sagt, dass für den öffentlichen Dienst die hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums zu berücksichtigen sind. Darunter fallen nämlich das sogenannte Alimentationsprinzip und die Fürsorgepflicht des Dienstherrn, die über die aktive Dienstzeit hinaus gelten. Beamte erhalten demnach kein Entgelt für die erbrachte Leistung, sondern erhalten amtsangemessene Bezüge dafür, dass sie ihre Dienste und Hingabe dem Staat auf Lebenszeit widmen und im Ruhestand abgesichert sind.

Beamte beteiligen sich aber an ihren Pensionen:

1951 wurde die Besoldung um 7% gekürzt, um den Arbeitnehmeranteil an der Rentenversicherung auszugleichen. Die Begründung lag laut Entwurf des Bundesbeamtengesetzes von 1951 darin, dass die Besoldungshöhe im Hinblick auf die Versorgung niedrig gehalten werden sollte. 

1957 wurde erneut eine Kürzung der Bezüge um 7% vorgenommen, um davon Pensionsrückstellungen zu bilden.

So verzichten Beamte bereits auf 2x 7% ihrer Bezüge für ihre Pensionen.

Was Bund und Länder mit den Geldern aus den Pensionsrückstellungen machen, liegt nicht in der Hand der Beamten.

Da die GRV durch Steuergelder bezuschusst wird, und da Beamte auch Steuerzahler sind, beteiligen sich Beamte, obwohl sie keine Leistungen aus der RV erhalten, an der Finanzierung der RV.

Ein einheitliches Rentensystem hätte übrigens nur Auswirkung auf Neueinstellungen, da bestehende Beamtenverhältnisse Bestandsschutz genießen.

Will man das Beamte einzahlen, muss man die Bezüge für den Arbeitnehmeranteil um 9,3% erhöhen. Ferner muss der Dienstherr weitere 9,3% für den Arbeitgeberanteil aufbringen. Hinzu kommt dann noch der Beitrag zur VBL, Betriebsrente. Heißt, der einzelne Beamte wird um mehr als 20% teurer. Das alles führt zu erheblichem Aufwand an Steuermitteln, die alle aufbringen müssen. 

Und Ruhestandsbeamte wären für die DRV auch ziemlich teuer. Da Beamte aus Sicht der RV vergleichsweise gut verdienen, haben sie auch eine höhere Rente zu erwarten. Und da Beamte eine höhere Lebenserwartung haben, würden sie auch länger in den Genuss der Renten kommen.

Anmerkung: Auch wenn sich die Haltung des dbb nicht geändert hat, ist deine Quelle nicht mehr aktuell. Ulrich Silberbach ist nicht mehr Bundesvorsitzender des dbb und leider auch mittlerweile verstorben.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung – Zollbeamtin / Beamtin im gehobenen Zolldienst

RobinPxGF 
Beitragsersteller
 07.12.2025, 15:04

Guten Tag, YvonneM2508.
Hab vielen Dank für deine Mühe und auch für deine sehr ausführliche Meinung und Antwort! Vielen lieben Dank! :)

Mit freundlichen Grüßen

RobinPxGF.

apt2nowhere  25.03.2026, 23:04

interessant - das wissen die Politiker aber doch, wenn dem so ist, wie du es beschreibst - wieso reden dann manche Politiker unsinniges Zeug von einem Einzahlen in die Rentenkasse ? werden die Wähler veräppelt?

Surbasax  08.12.2025, 14:19

Und was davon ist jetzt ein Argument für eine faktische Besserstellung von Beamten gegenüber Angestellten?

YvonneM2508  08.12.2025, 15:15
@Surbasax

Die Beamtenpension ist eine verfassungsrechtlich garantierte Vollversorgung aus gesetzlicher und betrieblicher Altersversorgung für Beamte im Ruhestand, während die gesetzliche Rente, auch wenn die erworbenen Rentenanwartschaften der Eigentumsgarantie unterliegen, nie als eine solche Vollversorgung sondern nur als gesetzliche Altersversorgung gedacht war.

Angestellte im öD erhalten eine Betriebsrente und, zumindest, was ich von meinen tarifbeschäftigten Kollegen gehört habe, kommen sie im Ruhestand mit gesetzlicher und betrieblicher Rente zwar nicht auf 71,75% aber auf ein ähnliches Niveau der Durchschnittspension (etwa 60 - 65%).

Surbasax  08.12.2025, 16:04
@YvonneM2508

Also lautet das Argument: Weil es so im Gesetz steht? Mit welcher rationalen Argumentationlinie wird diese Grundlage denn gestützt? "Weil es schon immer so war" ist ein wenig dünn.

Eine Vollversorgung kann auch auf niedrigerem Niveau stattfinden. Beispielsweise auf 48%.

Solange es keine andere Begründung gibt, kann man die entsprechenden Gesetzetexte auch entsprechend reformieren, modernisieren. Vieles ist in diesem Bereich ja auch eine Auslegungssache.

YvonneM2508  08.12.2025, 16:36
@Surbasax

48% werden bei Beamten nicht möglich sein, denn schon die Kürzung der Pensionen von 75 auf 71,75% wurde vom BVerfG äußerst kritisch, aber noch gerade so als verfassungsgemäß angesehen.

Reformen der hergebrachten Grundsätze hätten nur Auswirkungen auf Neueinstellungen. Bestehende Beamtenverhältnisse genießen Bestandsschutz, der sich aus dem Rechtsstaatsprinzip aus Art. 20 Abs. 3 GG ableitet und durch die Ewigkeitsklausel aus Art. 79 Abs. 3 GG geschützt ist.

Surbasax  08.12.2025, 16:43
@YvonneM2508

Dann könnten man das ja langsam mal angehen, damit es in der Zukunft abgehakt werden kann. Die Tatsache, dass vielerorts rein rechtlich argumentiert wird, ist allerdings schon sehr aufschlussreich. Augenschein gibt es keine guten Argumente, die nicht nahezu ausschließlich auf rechtlichen Aspekten beruhen.

AlexausBue  09.12.2025, 08:12
@Surbasax
Und was davon ist jetzt ein Argument für eine faktische Besserstellung von Beamten gegenüber Angestellten?

Hättest Du etwa ein Argument dafür erwartet?

AlexausBue  08.12.2025, 12:10
Beamte erhalten keine Rente aus der Rentenkasse, sondern eine Pension aus - in der Theorie - Pensionsfonds, in denen der Dienstherr Pensionsrückstellungen bildet.

Dass Pensionen aus Steuergeldern finanziert werden, heißt nicht, dass Beamte nicht zusätzlich in die Rentenversicherung einbezogen werden könnten. Beides kann parallel oder in einem neuen Modell geregelt werden.

Eine Reform der Pensionen ist auch ohne weiteres gar nicht umzusetzen

Art. 33 Abs. 5 GG schützt die Fürsorgepflicht, aber er schreibt keine Pension im heutigen Ausmaß fest. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach betont, dass diese Grundsätze entwicklungsfähig sind. Neue Systeme können jederzeit für zukünftige Beamte eingeführt werden.

1951 wurde die Besoldung um 7% gekürzt, [...]1957 wurde erneut eine Kürzung der Bezüge um 7% vorgenommen

Seitdem wurden die Besoldungen vielfach angepasst und die Versorgung deutlich verbessert. Diese Kürzungen können heute kein Argument mehr gegen strukturelle Veränderungen sein.

Will man das Beamte einzahlen, muss man die Bezüge für den Arbeitnehmeranteil um 9,3% erhöhen. Ferner muss der Dienstherr weitere 9,3% für den Arbeitgeberanteil aufbringen.

Ja, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge würden Kosten verschieben. Aber aktuell trägt der Staat über 80 Mrd. € jährlich für Pensionen, vollständig aus Steuermitteln.

Ein gemeinsames System würde die Lasten breiter verteilen und transparenter machen.

Da die GRV durch Steuergelder bezuschusst wird, und da Beamte auch Steuerzahler sind, beteiligen sich Beamte, obwohl sie keine Leistungen aus der RV erhalten, an der Finanzierung der RV.

Dass Beamte Steuern zahlen wie alle anderen, ist kein Argument gegen die Einbeziehung in die GRV.

Beamtenversorgung und Einkommen liegen weit über dem Niveau von Angestellten.

Durchschnittliche Pension ca. 3.000–3.300 € vs. durchschnittliche Rente ca. 1.200 €. Dazu kommen Vorteile wie fehlende Sozialabgaben, Beihilfe, Arbeitsplatzsicherheit. Gerade deshalb ist ein einheitliches System notwendig.

Reformen sind möglich, Pensionen sind extrem teuer, die historischen Argumente sind überholt und ein einheitliches Rentensystem für alle wäre langfristig gerechter und finanzierbarer. Beamte können selbstverständlich in die Rentenversicherung einzahlen; es ist nur eine Frage des politischen Willens, nicht der Verfassung.

Wer von einem System privilegiert wird, wird es selten freiwillig ändern wollen. Genau deshalb braucht es politische Entscheidungen, die nicht am Eigennutz einzelner Gruppen hängen, sondern am Interesse der Gesellschaft.

| Nein. Beamte sollen nicht in die Kasse einzahlen.

nein- ich sehe das nur aus einem Rechnerischen Sinn !

Was würde es bringen ? ok, wenn die BEamten, mit in die Rentenkasse sollen- ja ok, dann sind sie ebend drin- der Staat zahlt die benötigten 18,6% mit in die Rentenkasse ein- und später bekommen sie es wieder mit raus. und was hat sich nun geändert ? mehr Rentner mit in de Rentenkasse- mehr nicht. ( das ist so, als ob du einfach eine Firma in Deutschland hin stellst mit 200.000 Angestellten die in die rentenkasse zahlen. sie zahlen ein und bekommen später raus- aber am Rentensystem ändert es nichts. super, man hat dann ein paar Jahre, leute die einzahlen- aber da sich nichts am System ändert, bekommen sie ja später auch wieder raus.

Das vergleiche ich gerne mit einem Privatkonto=

Wenn mein Gehalt auf 2 Konten geht = 1x Haushaltskonto( Rentenpott) und 1x Shoppingkonto ( Pansionspott).

Dann ist es eine Milchmädchenrechnung- wenn: nur weil mein Haushaltskonto andauernd leer ist- das ich beide Konten zusammenlege- damit ich doppelten Geldeingang habe. Da beide Konten immer leer sind- habe ich es mit dem zusätzlichen Geld nur auf später verschoben.

Da würde ich erstmal schauen- wieso mein 1 Konto( Rentenpott) überhaupt leer ist. das Shopping konto , kann es ja nicht gewesen sein- hat ja kein Geld davon bekommen.

-deswegen für mich ein Unsinniges Thema


AlexausBue  08.12.2025, 12:17

Bei diesem Argument denke ich mir immer: Wenn sich sowieso nichts ändern würde, dann dürfte sich ja eigentlich kein Beamter dagegen wehren. Tut man aber, und genau das zeigt, dass sich sehr wohl etwas ändern würde.

Der Vergleich mit zwei privaten Konten passt nur oberflächlich. Denn im echten System ist es nicht so, dass „beide Töpfe leer“ wären. Das Problem ist vielmehr:

  • Die Pensionen werden vollständig aus Steuergeldern bezahlt, und ihre Kosten steigen jedes Jahr massiv.
  • Die Rentenversicherung finanziert sich aus Beiträgen, nicht aus Steuern, und wird zusätzlich vom Staat bezuschusst.
  • Würden Beamte einzahlen, würde die Finanzierung breiter statt enger werden.

Entscheidend ist:

Man löst nicht nur das Rentensystem, sondern auch das Pensionssystem.

Und genau das ist der Punkt, der im Argument übersehen wird.

Beamte würden dann nicht einfach einzahlen und später „wieder rausbekommen“, sondern das gesamte Versorgungssystem würde auf ein einheitliches Modell umgestellt. Das ist keine kosmetische Änderung, sondern eine grundlegende Reform, die:

  • die Pensionslasten langfristig reduziert,
  • ein gerechteres Altersversorgungssystem schafft,
  • und Doppelstrukturen verhindert.

Wenn nichts anders wäre, gäbe es keine so vehementen Widerstände und genau das zeigt, dass hier nicht von „Milchmädchenrechnung“, sondern von handfesten Privilegien die Rede ist.

Natürlich verteidigt jeder seine Privilegien. Aber ein gerechtes Altersversorgungssystem sollte sich nicht an den Vorteilen einzelner Gruppen orientieren, sondern am Prinzip: gleiche Regeln für alle.

| Nein. Beamte sollen nicht in die Kasse einzahlen.

Dieselbe alte gebetsmühlenartig auftauchende Forderung, die die Realitäten bewusst ignoriert.

Nein, Beamte erhalten weiterhin Pensionen, und das ist auch gut so.

  1. Sie tragen schon seit der Rentenreform Adenauers einen bestimmten Teil ihrer Bezüge für ihre eigenen Pensionslasten.
  2. Die Dienstherren haben diese Beträge aber nie angespart, sondern nur schlicht nicht ausgezahlt.
  3. Die Pensionsanwartschaften sind unwiderruflich, und somit würde ein Systemwechsel hier erst in ferner Zukunft eine Entlastung bringen - nämlich nur für neu geschaffene Beamtendienstverhältnisse. Die Doppellasten aus Rentenein- sowie Pensionsauszahlungen würden den Steuerzahler weitaus mehr kosten als die Beibehaltung des bestehenden Systems
  4. Die DRV braucht genau keine weiteren Beitragszahler, sondern weniger Leistungsberechtigte. Die Stellschrauben dafür sind bekannt.
  5. Ja, Deutschland benötigt eine grundlegende Reform seiner Altersvorsorge. Aber jede davon hat eine Perspektive von 25 - 30 Jahren bis zur Wirksamkeit. Damit löst man das Auszahlungsproblem der DRV nie. Das wussten alle Parteien schon seit den 70er Jahren, interessiert hat es niemanden.
  6. Nach ca. 2045 wird sich die Lage der DRV durch den biologischen Faktor ohnehin zügig entspannen.

AlexausBue  08.12.2025, 12:28
Dieselbe alte gebetsmühlenartig auftauchende Forderung, die die Realitäten bewusst ignoriert.

Wenn eine Forderung „seit Jahrzehnten“ auftaucht, liegt das meist daran, dass sich ein strukturelles Problem ebenfalls seit Jahrzehnten nicht löst, nicht an Ignoranz.

Es ist verständlich, dass man ungern auf Vorteile verzichtet. Dennoch sollte die Frage nicht sein, was für Beamte am komfortabelsten ist, sondern was für die Allgemeinheit fair und finanzierbar bleibt

Die Realität steigende Pensionslasten und ein nicht nachhaltiges Zweiklassensystem ist ebenso eine Realität wie die Herausforderungen der Rentenversicherung.

Beamte erhalten weiterhin Pensionen, und das ist auch gut so.

Ob etwas „gut so“ ist, ist eine politische Bewertung.

Juristisch ist klar:

  • Art. 33 Abs. 5 GG schützt das Alimentationsprinzip, nicht die Pension in ihrer heutigen Form.
  • Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach bestätigt, dass die Grundsätze des Beamtentums entwicklungsfähig sind.
  • Ein neues Versorgungssystem für zukünftige Beamte ist daher verfassungsrechtlich möglich.
Sie tragen schon seit der Rentenreform Adenauers einen bestimmten Teil ihrer Bezüge für ihre eigenen Pensionslasten.

Ja, es gab in den 1950er Jahren zwei 7%-Kürzungen.

Aber:

  • Diese Regelungen sind über 65 Jahre alt.
  • Seitdem wurden Besoldung und Versorgung mehrfach erhöht und strukturell angepasst, die Kürzungen sind längst überkompensiert.
  • Beamte zahlen auch heute keine Beiträge zur Altersversorgung, sondern erhalten ihre Pension vollständig steuerfinanziert.

Es bleibt also dabei: Die Pension ist kein beitragsfinanziertes System.

Die Dienstherren haben diese Beträge aber nie angespart

Das stimmt, und genau das ist ein Argument für eine Reform, nicht dagegen.

Wenn ein System über Jahrzehnte falsch finanziert wurde, ist das kein Grund, es ewig so weiterzuführen.

Die Pensionsanwartschaften sind unwiderruflich

Richtig – aber nur für bereits bestehende Beamtenverhältnisse.

Für neue Beamte gilt das ausdrücklich nicht.

Die Behauptung, ein Systemwechsel sei deswegen unmöglich, ist fachlich falsch.

Reformen in Versorgungssystemen basieren fast immer auf Bestandsschutz + neuen Regeln für Zukunftskohorten.

Die Doppellasten aus Rentenein- sowie Pensionsauszahlungen würden den Steuerzahler weitaus mehr kosten als die Beibehaltung des bestehenden Systems

Jede Reform erzeugt Übergangslasten. Das ist normal.

Allerdings:

  • Die heutigen Pensionslasten liegen bereits bei über 80 Mrd. € jährlich (Bund + Länder).
  • Diese Kosten steigen weiter.
  • Ein modernisiertes System würde langfristig eine der größten steuerfinanzierten Positionen überhaupt entschärfen.

Kurz gesagt:

Wir haben die Doppellasten ohnehin – nur ohne Reform werden sie jedes Jahr teurer.

Die DRV braucht genau keine weiteren Beitragszahler, sondern weniger Leistungsberechtigte. 

Das ist nur die halbe Wahrheit.

Die DRV braucht:

  • mehr Beitragszahler,
  • eine breitere Basis,
  • und weniger parallele Systeme, die jeweils eigene Bürokratie und Privilegien erzeugen.

Auch Österreich, Schweden und die Niederlande zeigen: Ein breiteres, einheitliches System funktioniert deutlich stabiler.

Aber jede davon hat eine Perspektive von 25 - 30 Jahren bis zur Wirksamkeit. 

Das ist korrekt – und genau deshalb ist es falsch, Reformen ständig aufzuschieben.

Wenn man 30 Jahre Wirkungshorizont hat, ist heute der Zeitpunkt zu handeln.

Nach ca. 2045 wird sich die Lage der DRV durch den biologischen Faktor ohnehin zügig entspannen.

Das ist eine vereinfachte und sehr optimistische Annahme.

Es ignoriert:

  • steigende Lebenserwartung,
  • weiter sinkende Geburtenzahlen,
  • längere Ausbildungszeiten,
  • steigende Pensionslasten, die sich nicht biologisch entspannen,
  • und die Tatsache, dass Renten- und Pensionssysteme langfristig zusammen gedacht werden müssen.

Wenn die Lösung „abwarten, bis die Babyboomer weg sind“ wäre, müssten wir gar keine Reformen diskutieren.

Tatsächlich ist aber klar: Ohne strukturellen Umbau wird es nach 2045 nicht leichter, sondern nur anders verteilt schwierig.

FordPrefect  08.12.2025, 13:32
@AlexausBue
Wenn eine Forderung „seit Jahrzehnten“ auftaucht, liegt das meist daran, dass sich ein strukturelles Problem ebenfalls seit Jahrzehnten nicht löst, nicht an Ignoranz.

Das mag sein, trifft aber auf das Problem der DRV - welches strukturell bedingt ist - gerade nicht zu. Das wusste schon Schäfer 1957, aber der konnte sich bei Adenauer mit seinem demographischen Faktor nicht durchsetzen.

Es ist verständlich, dass man ungern auf Vorteile verzichtet.

Darum geht es hier doch gar nicht. Was soll das?

was für die Allgemeinheit fair und finanzierbar bleibt

Das ist immer Ansichtssache. Weder muss eine steuerliche Regelung für alle fair sein, noch kann sie das. In Bezug auf die Altersvorsorge geht es auch nicht um Fairness (ging es noch nie), sondern um Ein- und Auszahlungen.

Ein neues Versorgungssystem für zukünftige Beamte ist daher verfassungsrechtlich möglich.

Das habe ich ja auch nicht angezweifelt. Nur - das vorhandene System ist für den Steuerzahler weitaus billiger so wie es ist. Deswegen verbeamten Bund und Länder ja munter weiter.

Ja, es gab in den 1950er Jahren zwei 7%-Kürzungen.

Nuicht nur da. Es gab weitere Kürzungen durch Nichtangleichungen etc. - das ist nur kaum bekannt, weil nicht medienwirksam. Es ist halt in der öffentlichen Wahrnehmung wirksamer, auf Beamte neidisch zu sein.

Diese Regelungen sind über 65 Jahre alt.

Die ersten, ja. S.o.

Seitdem wurden Besoldung und Versorgung mehrfach erhöht und strukturell angepasst, die Kürzungen sind längst überkompensiert.

Nein.

Beamte zahlen auch heute keine Beiträge zur Altersversorgung, sondern erhalten ihre Pension vollständig steuerfinanziert.

Doch, selbstverständlich. Der Teil, der Beamten bei ihren Bezügen seit 65 Jahren nicht ausgezahlt wird, wird nur halt nicht zurückgelegt. Der Verweis auf die angebliche "Steuerfinanzierung" ist zudem Tünnef, weil alle staatlichen Angestellten und Beamten zu 100% steuerfinanziert sind. Der Staat macht kein Geld, sondern gibt das Geld aus, welches er von seinen Bürgern einzieht.

Die DRV braucht:

...nichts.

mehr Beitragszahler,

Nein, sondern weniger.

eine breitere Basis,

Nein, sondern im Gegenteil eine kleinere Basis.

und weniger parallele Systeme, die jeweils eigene Bürokratie und Privilegien erzeugen.

Nein, sondern Unterstützung und Begleitung durch private AV.

Auch Österreich, Schweden und die Niederlande zeigen: Ein breiteres, einheitliches System funktioniert deutlich stabiler.

Nein, tut es nicht. Österreich kann sich sein jetziges Niveau heute schon nicht mehr leisten, und wird es zeitnah drastisch einsparen. Die anderen ebenso. Im Übrigen ist das Niveau in AT gegenüber D gar nicht so viel höher, nur durch unterschiedliche Darstellung und Zusammenführung von Leistungen nach oben verzerrt.

und die Tatsache, dass Renten- und Pensionssysteme langfristig zusammen gedacht werden müssen.

Zusammengedacht, ja. Zusammengelegt, nein.

Die DRV ist mit ihrem Auftrag nicht sanierbar. Sie muss und wird auf ca. 30% zurückgefahren werden, damin perspektivisch die BürgerInnen mittel- und langfristig so viel Kapital ansparen können, um parallel die weiteren rd. 20% anzusammeln, um auf dem etwaigen gegenwärtigen Niveau zu bleiben. Das Pensionsproblem löst sich ganz einfach durch weitgehenden Verzicht auf Neuverbeamtungen. Ja, das wird den Staat noch weitere 40 Jahre belasten, aber das trifft auf die DRV auch zu. Die kostet den Steuerzahler heute schon 100 Milliarden € pro Jahr, Tendenz stark steigend. Je weniger Beitragszahler in die DRV kommen, umso besser für die Versicherten. Ein System mit einem Loch am Boden sanioert man eben nicht, indem man mehr reinschüttet.

Eckengucker  11.02.2026, 00:48
@AlexausBue

Ich stimme hinsichtlich den neuen Beamten durchaus zu. Allerdings ist es ja so, dass das Problem "erst in 45 Jahren" auftaucht und bis dahin die Beamten billiger sind. Sie werden einen Teufel tun das zu ändern, vor allem nicht weil den Kommunen schon das Wasser jetzt bis zum Hals steht.

Und an der ganzen Diskussion fehlen diejenigen, die nämlich gar nicht einzahlen, weil sie befreit sind oder sich selbstständig versichern. Es gibt 1,9 Millionen Beamte aber 5,5 Millionen Menschen, die gar nicht einzahlen und 2,6 Millionen (von 3,4 Millionen) Selbstständige die nicht nichtverpflichtet sind und ebenfalls nichts zahlen.

FordPrefect  11.02.2026, 07:32
@Eckengucker
Allerdings ist es ja so, dass das Problem "erst in 45 Jahren" auftaucht und bis dahin die Beamten billiger sind.

Korrekt. An diesem Problem beißt sich die Politik schon seit den 70er Jahren die Zähne aus. Es ist schlicht nicht zu bezahlen, parallel Pensionslasten zu tragen und gleichzeitig SV-Abgaben zu leisten. Am Ende müsste das im Übrigen sowieso der Steuerzahler tragen - dann wäre das Medien- und Wahlecho entsprechend.

Und an der ganzen Diskussion fehlen diejenigen, die nämlich gar nicht einzahlen, weil sie befreit sind oder sich selbstständig versichern.

Dafür sollten die Rentenversicherten zuztiefst dankbar sein - denn müsste die DRV deren Rentenverpflichtungen auch noch auszahlen, wäre sie sofort pleite. Das Problem der DRV sind *nicht* zu wenig Beitragszahler, sondern zu hohe Ausgaben aufgrund der Demografie. Und rein gar nichts wird daran etwas ändern - es müssen *weniger* Versicherte werden bei gleichbleibenden Mittelzuflüssen, nicht noch mehr.

Das Alterssicherungssystem in der BRD ist insgesamt umzustellen - an der Stelle gebe ich den Kritikern sofort Recht. Nur nicht so, wie sich das die Politik von links vorstellt. Wir müssten uns an der Schweiz orientieren und ein Mehrsäulensystem verpflichtend für alle einführen, mit einer Übergangszeit von 40 Jahren, bei dem die gesetzliche Rente mit maximal 25 - 30% Anteil (dann aber für alle) eben nur einen marginalen Beitrag leistet zur Grundversorgung. Das greift dann aber substantiell erst nach 2045 - und bis dahin bleibt gar keine andere Wahl, als jährlich dreistellige Milliardenbeträge umzuschichten aus dem Bundeshaushalt.

| Ja. Beamte sollen in die Kasse einzahlen.

Mich wundert immer was für Probleme Deutschland hat. In der Schweiz zahlt jeder "Beamte" oder Staatsangestellter in die Pensionskasse ein und das ist völlig in Ordnung und einfach auch gerecht gegenüber den nicht Staatsangestellten.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung
| Nein. Beamte sollen nicht in die Kasse einzahlen.

Ist schon X-mal durchgekaut worden.

Bringt finanziell nicht viel, da die Renten von Beamten dann ja auch aus den Rentenkassen bezahlt werden müssten, also nicht nur die Beträge ansteigen, die eingezahlt werden, sondern auch die Lasten, die die Rentenkassen auszahlen müssen.

Ob die Alterssicherung über die allgemeinen Rentenkassen oder Pensionskassen läuft, ist am Ende ein Nullsummenspiel.

Dafür müsste man aber das Beamtengesetz auf verschiedenen Ebenen ummodeln und abändern, um das möglich zu machen.

Kann man machen, wird aber juristischer und bürokratischer Aufwand ohne ökonomischen Mehrwehrt sein, der zur Entlastung der finanziellen Situation der Rentenkassen nicht entscheidend beitragen wird, von dem her reine Symbolpolitik.

Ich würde mich um ehrlich zu sein freuen, wenn man mal mit diesem Quatsch und dem 10. Reförmchen des Reförmchens und dessen Ausgeben als gewaltigen Schritt aufhören und endlich mal angangen würde ein Konzept zu erarbeiten, wie die Altersvorsorge in Deutschland insgesamt von Grund auf reformiert wird, statt zu versuchen den toten Gaul weiter zu reiten.


Surbasax  08.12.2025, 14:31

Würde nur zutreffen, wenn folgende Prämisse zutrifftt: Pensionäre sollen danach das selbe Leistungsniveau haben wie es aktuell der Fall ist.

Wer sagt, dass das so sein muss? Denen kann man das selbe Niveau bieten wie allen anderen auch: 48%, mit fallender Tendenz.

Otaku19995  08.12.2025, 14:43
@Surbasax

Ja, kannst du machen.

Nur, da Beamte gemessen an ihrer Qualifikation und ihren Abschlüssen vergleichsweise wenig verdienen und dafür durch vergleichsweise hohe Pensionen entschädigt werden, müssten dann im entsprechenden Maße die Gehälter angehoben werden, oder aber es würden sich halt zunehmend weniger Personen für den öffentlichen Dienst interessieren, dann bekommt man Personalprobleme.

Eine Umstellung von jetzt auf gleich wäre im Übrigen natürlich nicht möglich, weil die Pensionen ja im Rahmen gültiger Arbeitsverträge geregelt sind.

Man könnte das also allenfalls bei Neueinstellungen tun, was aber bedeutet, dass sich das in der Rentenkasse erst in 40-50 Jahren, je nachdem, wo das Renteneintrittsalter dann ist, bemerkbar macht.

Man kann das drehen und wenden, wie man will, es ist kein wirklich lösungsorientierter Ansatz, sondern reine Symbolpolitik.

Surbasax  08.12.2025, 15:49
@Otaku19995

Das würde zutreffen, wenn die problemlos in die freie Wirtschaft wechseln könnten.

Nehmen wir Lehrer als Klassiker. Was machen die dann in der freien Wirtschaft? Nachhilfe geben für Mindestlohn?

Polizisten? Gehen die dann in Sicherheitsdienste?

Der Umweltingenieur des Umweltamtes bewirbt sich dann bei BASF als Probenzieher?

Otaku19995  08.12.2025, 15:59
@Surbasax

Ein Lehrer hat in seinen Fächern einen vollwertigen Masterabschluss, der ihm bescheinigt zu vollwertigem, wissenschaftlichen Arbeiten befühigt zu sein. Die Befähigung zum Lehramt stellt lediglich eine zusätzliche Qualifikation dar.

Jemand, der z.B. Mathematiklehrer ist, der kann relativ unkompliziert z.B. zum Versicherungsmathematiker umschulen und in die Privatwirtschaft gehen. Ein Chemielehrer eigent sich genau so auch für Laborarbeit, die fachliche Qualifikation hat er. Ein Lehrer für Sprachen, kann auch an eine private Bildungsinstitution wechseln, wenn die ein besseres Gehalt bietet.

Lehrkräfte sind keine Hiwis, die nichts können und außerhalb des Lehrberufs nicht vermittelbar wären.

Polizisten schlecht bezahlen? Ganz dumme Idee, dann lassen die sich nämlich von der organisierten Kriminalität fürs Wegschauen bezahlen.

Schau dir Länder mit unterbezahlter Polizei, wie Mexiko an, da steht die Hälfte der Polizeibeamten auf der Gehaltsliste der Drogenkartelle.

Wie viele Umweltingenieure des Umweltamtes gibt es so? Mal abgesehen davon, dass ein Ingenieur noch immer ein Ingenieur ist und sicherlich in der Startup-Szene für grüne Technologien durchaus Berufsperspektiven hätte.

Surbasax  08.12.2025, 16:19
@Otaku19995

"Aus dem Stand heraus" wird kaum ein Lehrer einfach wechseln können, zumindest nicht in "bessere" Tätigkeiten. Umschulen kann man alles und jeden. Schulabschluss nachholen, außerbetriebliche Ausbildung absolvieren usw. Annahmen kann man viele treffen aber das verändert die Ausgangssituation gewaltig.

Der Mathelehrer müsste also erstmal aus eigener Tasche eine Umschulung finanzieren und er begründet sich das selbst mit: "Weil ich ja jetzt nicht mehr zu der priviligierten Rentnergruppe gehöre". Das werden die sicher nicht Reihenweise machen. Mit 35, 45, 55, 60 beruflich nochmal ganz von vorne anfangen... und selbst wenn: Unternehmen stellen ja auch besonders gerne die älteren Semester ein, insbesondere wenn diese Jahrzentelang was gänzlich anderes gemacht haben. Vermittelbar sind die problemlos aber nicht in "bessere" Positionen. Wer gibt einen sicheren Job für eine unsicheren auf? Probezeiten, befristete Verträge etc.

Ja, sie könnten auch in die Wissenschaft gehen. Da kommt man aber nicht rein, nur weil man nen Master hat. Ich habe einen und meine alte uni würde mich auslachen, wenn ich mich als wissenschaftlich unverdienter mittelalter Bubi bei denen als Dozent 8oder wiss. Hilfskraft) bewerben würde. Dafür muss man nahezu von Anfang an diese Karriereweg beschreiten (häufig bereits während der höheren Fachsemester) oder aber sich anderweitig bereits verdient gemacht haben.

Der Polizist wird dann nicht schlechter bezahlt, er unterliegt nur den selben Regeln der Altersversorgung. Die schlechter zu bezahlen fordere ich sicher nicht.