Steht Indien näher am Westen oder näher an den BRICS-Staaten
Indiens Außenpolitik und die damit einhergehenden Bündnisse sind extrem kompliziert.
Indien ist einerseits Mitglied der autokratischen BRICS-Staaten, versteht sich aber mit China wegen laufenden Grenzkonflikten nicht gut. Dann kooperiert Indien aber auch stark mit Japan, den USA und Australien, um chinesischen Einfluss im Indopazifik einzudämmen.
Ich könnte ewig so weiter erzählen. Indien hat sich halt nicht klar einer Seite zugeordnet.
Meiner Meinung nach steht Indien unter Modi aktuell trotzdem etwas näher an den BRICS-Staaten, auch wegen seiner Nähe zu Russland. Auf jeden Fall darf man Indiens geopolitische Relevanz auch nicht überschätzen, da Indien immer noch eine sehr schwache Wirtschaft hat und sich auch bei der geopolitischen Interessenvertretung schwer tut.
11 Stimmen
5 Antworten
Indien steht näher an Indien. Das ist ein riesiger Subkontinent mit einem ordentlichen Anteil an der Weltbevölkerung und ganz ureigenen Ansichten und Interessen.
BRICS ist so etwas wie ein Stammtisch von Ländern außerhalb der G7. Da plaudert man miteinander und hat bestimmte gemeinsame Themen.
Indien hat den verfeindeten Nachbarn Pakistan und als weiteren schwierigen Nachbarn China, das wohl ebenfalls mit Pakistan und auch stellenweise mit Myanmar kooperiert. Pakistans Führung war immer eng mit den USA, die insofern in Indien unter Kritik stehen, aber wichtiger Partner gegen China sein könnten. Die USA sind größter Abnehmer indischer Erzeugnisse, China und Russland größte Lieferanten.
Also eine komplizierte Gemengelage, in der Indien gut damit tut, einen eigenen Weg zu nehmen und diplomatisch ein Gleichgewicht der Kräfte zu halten.
Und sie versuchen, von allen Seiten nur das Beste zu nehmen, ohne allzu viel geben zu müssen.
Nennt man wohl auch Opportunismus.
BRICS wird etwas überschätzt, das ist lediglich eine Art wirtschaftlicher Interessenvereinigung. Die Ziele, Meinungen und Einstellungen der Mitgliedsländer sind keineswegs einheitlich und identisch. Schon gar nicht ist dies ein militärisches Verteidigungsbündnis wie die Nato. Die russische Propaganda will es manchmal als etwas anderes darstellen, um damit ein vergleichbares Bündnis vorzutäuschen, das es aber real in der Form nicht gibt. Russland will damit einfach selbst stärker wirken und den Eindruck von Verbündeten für seine "Politik" erwecken. Indien verfolgt weitgehend eigene Interessen und ist auch einer Zusammenarbeit mit westlichen Demokratien nicht abgewandt, wir sollten daher auch unsere Beziehungen zu Indien außenpolitisch immer gut pflegen.
Indien steht auf seiner eigenen Seite und wird immer die für sie aktuell Vorteilhafteste Gegebenheit nutzen.
Zu denken, die würden in einem Konflikt einer Seite beispringen ist schon etwas weltfremd. Was haben die davon?
Auf keine der beiden Seiten, die werden Neutral bleiben und auf ein Ende des Konfliktes drängen. Vielleicht profitieren die auch, weil durch Marineblockaden das Erdöl nicht nach China verkauft werden kann.
Davon gehe ich nicht aus.
Indien ist Teil des Quadrilateral Security Dialogue, der klar darauf abzielt, Chinas Einfluss im Indopazifik einzudämmen.
Die wollen ihren eigenen Einfluss ausbauen. Die interessieren sich nicht für US-Hegemonieansprüche.
Indien ist der Teil der BRICS der praktisch alles aufhält.
Für die Brics Staaten ist Indien ein riesen Hinderniss geworden.
Indien war und wird auch immer das Schwächste Glied der Brics Staaten.
Modi ist ein Clown der nur gewinnt, weil seine Partei Geld hat und damit alle anderen klein hält (die Indische Demokratie ist übrigens klasse). Gleichzeitig weiß er selbst nicht was er will und könnte nicht einmal 2 Worte, ohne einen Bildschirm vor sich sagen.
Indien versucht immer wieder in die nähe der USA zu kommen. Egal was passiert.
Gleichzeitig ist China näher an Pakistan, die Indien über alles hassen
Es gibt unter den Staaten, die nicht zum industrialisierten Westen im engeren Sinn gehören, so eine gewisse Tendenz, sich Türchen offen zu halten und die eigene Unabhängigkeit demonstrieren zu wollen. Daher kommen dann solche Ideen wie BRICS, wo sich Staaten zusammenfinden, die nicht viel gemeinsam haben außer dass sie sich nicht völlig den USA unterordnen wollen.
Dass Brasilien, Indien und Südafrika irgendwas sinnvolles gemeinsam erreichen können, was sie nicht viel besser gemeinsam mit dem Westen erreichen könnten, glauben aber nur Russlandfreunde und die Spinner, die auch glauben wollen, dass der Westen am Ende ist wg. Feminismus und Einwanderung und so.
Tatsächlich gibt es auf der ganzen Welt kein Land, vielleicht abgesehen von Nordkorea, das nicht so sehr mit dem westlichen Wirtschaftssystem verquickt ist, dass es sich ernsthafte multipolare Bestrebungen überhaupt leisten könnte. Das gilt für China und Indien genauso wie für alle anderen. Ohne den Westen bräche dort überall die Wirtschaft zusammen, während im Westen bloß die Aktien ein bisschen fallen bis die Investments ins Nachbarland umgeleitet sind.
Tatsächlich gibt es auf der ganzen Welt kein Land, vielleicht abgesehen von Nordkorea, das nicht so sehr mit dem westlichen Wirtschaftssystem verquickt ist, dass es sich ernsthafte multipolare Bestrebungen überhaupt leisten könnte. Das gilt für China und Indien genauso wie für alle anderen.
Genau das tut China schon seit Xi Jinping an der Macht ist. Die Welt teilt sich auf an der Achse China-USA-EU, wobei der Prozess Jahrzehnte dauert.
China überspielt seine innenpolitischen Probleme (demographischer Wandel, Ausbeutung, Korruption, mangelnde wirtschaftliche Weiterentwicklung usw.) mit großspurigem Nationalismus.
Ein chinesischer Machtblock zeichnet sich nirgends ab, auch die wenigen Länder, hauptsächlich in Afrika, die überhaupt Anzeichen zeigen, an einer Partnerschaft mit den Chinesen interessiert zu sein, nehmen halt gern die Infrastrukturinvestitionen, wären aber im Ernstfall schwache und unzuverlässige Verbündete.
Es ist ein beliebtes Mittel unter Diktatoren und Autokraten, von innenpolitischen Schwierigkeiten durch einen Krieg abzulenken und dadurch auch eine zusätzliche Belastung der Bevölkerung zu rechtfertigen.
Ja, ich glaube nur nicht, dass Xi den Krieg tatsächlich führen wird. Das kann er sich gar nicht leisten.
Wenn Putin damals die Ukraine so überrannt hätte, wie er sich das vorgestellt hat, dann hätte er Taiwan womöglich tatsächlich überfallen. Jetzt eher nicht mehr.
Wirtschaftliche Sanktionen des Westens wären vielleicht auszuhalten gewesen, ein heißer Krieg unter Beteiligung der USA wäre für China aber eine absolute Katastrophe.
Da muss ich zugeben das ist schon ein sehr guter Punkt.
Dennoch denke ich mir halt, dass ein so bevölkerungsreiches Land in Zukunft kaum den "blockfreien Staaten des 21. Jahrhunderts" angehören wird. Stellen Sie sich zum Beispiel mal vor, dass China Taiwan angreift. Auf wessen Seite wird sich Indien positionieren?