Erst das Fressen, dann die Moral?

Fressen 70%
Moral 30%

20 Stimmen

9 Antworten

Moral

Ich handle in der Not nach meiner Moral. Das kann gut, das kann schlecht sein, aber gerade in der Not wird deutlich wie viel Mensch in einem steckt.

Fressen

Die Moral ist erst dann relevant wenn alle Grundbedürfnisse gedeckt sind, wenn man in einem gewissen Wohlstand lebt.

Wer nicht weiß wie er den Tag schaffen soll den Intressiert Moral nicht die Bohne.


luserl  26.01.2026, 11:03

Nah, oft sind es die Menschen die am wenigsten haben, die das größte Herz haben.

Bajuware81  26.01.2026, 11:04
@luserl

Das ist richtig, kann ich bestätigen.

Hat aber weniger mit dem zu tun was ich jetzt unter Moral verstehe.

Bajuware81  26.01.2026, 11:08
@luserl

Moral ist für mich z.b das ich niemanden beklaue.

Wenn ich Hunger habe und kein Geld dann ist mir diese Moral relativ egal.

Das man nicht z.b grundlos Menschen oder Tieren etwas schlechtes antut ist wieder was anderes.

Moral ist ja eigentlich etwas was von der Gesellschaft anerkannte Werte sind bei denen man annimmt das die für alle gelten, man sich ansie hält was man in der Regel auch tut.

Wenn man in einer Notsituation ist dann sind diese Werte eher nebensächlich.

luserl  26.01.2026, 11:22
@Bajuware81

Ich verstehe das, Angst ist schon komisch. Ich halte es nicht für hilfreich sich an eine Moralvorstellubg zu klammern nur weil die Gesellschaft das tut. Ich kenne mich selbst am besten, habe mich selbst in schwierigen Situationen erlebt und muss meine Moralvorstellung an dem messen was ich zu leisten im stande bin.

Trete ich einer schwangeren Frau in den Bauch weil ich Geld für Essen von ihr will, oder Sammle ich doch lieber Pfandflaschen?

Eine Frage die über dich als Mensch sehr viel aussagt.

Bajuware81  26.01.2026, 11:31
@luserl

Naja das Beispiel mit der Schwangeren ist jetzt für mich kein gutes, wenn ich stattdessen Flaschen sammeln kann gibts da keine Frage.

Da wäre ein besseres :

Überfalle ich die schwangere Frau oder sterbe ich selbst oder es stirbt mein Kind oder meine Frau wenn ich ohne Geld oder Essen oder Medikamente oder was auch immer heimkomme.

Oder ein Bettler klopft bei mir an der Türe der stirbt wenn ich ihm nicht helfe, ich hab aber selbst kaum genug um meine Familie zu ernähren... schicke ich ihn in den Tod oder helfe ich auch auf die Gefahr hin das jemand meiner Familie deshalb stirbt ?

DAS ist ein moralisches Dilemmer.

Das wäre eine Frage die etwas über dich/mich als Mensch aussagt.

Deinem ersten Absatz möchte ich zustimmen.

luserl  26.01.2026, 11:34
@Bajuware81

Aber das ist der Punkt: viele Sitautionen sind kein moralisches Dilemma. Du kannst entscheiden ob du Pfandflaschen sammelst oder eben nicht.

Wenn es ein Morlaisches Dilemma, also ein "ich oder du" Szenario wäre, dann würde ich dennoch daran festhalten es kurz und schmerzlos zu machen.

Du kannst dich immer nur nach der dir möglichen Moral richten.

Bajuware81  26.01.2026, 11:38
@luserl
Aber das ist der Punkt: viele Sitautionen sind kein moralisches Dilemma. Du kannst entscheiden ob du Pfandflaschen sammelst oder eben nicht.

Dann passt für mich das mit dem "erst kommt das fressen und dann die Moral " nicht.

Dann kann ich mir ja was zu essen kaufen, muss halt vorher was dafür tun.

Ich denke das Sprichwort meint das wenn ich keine Möglichkeit hab meine Grundbedürfnisse zu sichern den meisten Menschen gesellschaftliche Moral egal ist.

Die eigene, persönliche Moral ändert sich ja eigentlich nicht, außer vielleicht in wirklich heftigen Extremsituationen.

Fressen

Moral ist eine Erfindung des Menschen, welche allzu gerne im Konflikt mit der Wirklichkeit steht.

Wenn Brecht sagt ,,Erst muss es möglich sein, auch armen Leuten, vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden." dann ist unter dem großen Brotlaib, die Gesellschaft und ihr Treiben gemeint.

Die Gesellschaft, muss mehr produzieren, als sie gebrauchen kann, sodass die, welche nicht selbst produzieren, etwas abhaben können.

Hättest du in der Pampa ein Häuschen und wärst ein Selbstversorger mit Grund und du produzierst einiges an Gemüse usw. und das würde ausreichen, um dich zu verpflegen, dann schadest du dir selbst, wenn du davon was abgibst.

Hast du aber mehr, als du selbst benötigst, dann kannst du es den anderen abgeben sowie den Armen geben.

Wenn Bracht also sagt: „Erst muss es möglich sein, auch armen Leuten, vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden." dann sagt er damit: „Wir müssen mehr leisten, als wir benötigen, sodass die Armen was davon haben können."

Hört man in der heutigen Zeit, Aussagen wie ,,Wir müssen uns einschränken“, dann wird unweigerlich der Fall eintreten, dass die Armen am meisten darunter leiden werden.

Jenes aus dem simplen Grund, weil es der Überschuss ist, welcher dafür sorgt, dass man was abgeben kann.

Es ist also eine falsche Vorstellung, wenn man meint, dass man in der Not unmoralisch handeln kann, denn, in der Not, gibt es keine Moral, sondern nur das Überleben.

Fressen

Ich mag es aus meiner jetzigen Position natürlich nicht wahrhaben. Aber im Ernstfall würden meine Grundbedürfnisse (darunter Nahrung) bzw. insbesondere die Grundbedürfnisse meiner Brut vermutlich in den Fokus rücken.

Schlussendlich liegt es in der Natur, dass der Mensch, wenn er kurz vor dem Sterben ist, an sich selbst denkt und somit zum ,,Fressen" tendiert.

Diesen Punkt würde jedes Lebewesen erreichen; egal was hier jetzt wer sagt. Es ist ein Überlebensinstinkt.

So, nun sei aber von der Natur des Menschen gesprochen. Was wir Heute haben, das kommt in den allermeisten Fälle (bzw. nicht in der Häufigkeit und in dem Ausmaß) nicht mehr an den Punkt, an dem wir früher waren.

Heute kann man ,,Erst kommt das Fressen, dann die Moral" also nicht mehr wirklich mit früher gleichstellen. Den Menschen geht es in dem Sinne besser, dass ihre Grundbedürfnisse (zumindest im größten Teil der Welt) gedeckt sind und sie somit gar nicht mehr an diesen Punkt kommen zwischen ,,Beraube ich ihn, damit ich (, der kurz vor dem Hungertod steht) überlebe, oder lasse ich mich sterben, es ist ja schließlich sein Glück sein Essen zu haben?", entscheiden zu müssen.

Da würde ich dann eher von Egoismus sprechen, wenn der Punkt, an dem man sich für das ,,Fressen" entscheidet, weiter ,,nach vorne" gelegt wird. *Was nicht heißt, dass jemand automatisch egoistisch ist, wenn er andere beklaut, weil er auf der Straße lebt und Geld zum Überleben braucht!* Ich rede da eher von diesem typischen ,,unsere Gesellschaft"-Ding: ,,Ich helfe dir nicht auf, wenn du hinfällst, denn ich bin gerade dabei ein Video zu drehen." - Ich denke du weißt, was ich meine.

Meine Wenigkeit liebt es anderen zu helfen und ist sehr moralisch unterwegs. Je schlechter es jemandem geht, desdo stärker ist das Bedürfnis demjenigen eine helfende Hand anzubieten. ,,Und wenn du fällst, dann fange ich dich auf. So war es immer und so wird es immer sein." 🫂♥️