Ist der Humanismus ein Aberglaube?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

Ja,... 52%
Nein,... 48%

8 Antworten

Ja,...

Der Humanismus ist ähnlich zum Kommunismus. Er wollte immer ein Gegenbild zur Religion sein. Er war Antireligiös. Der Kommunismus wusste selbst nie um seine spirituelle und fesselnde Wirkung bei den Menschen.

Doch stattdessen wurden beide Ideologien selbst zur Religion. Das objektive Denken wird dann ausgeschaltet, wenn die eigene Überzeugung ansetzt. Wie schrieb Nietzsche über die moderne Objektivität:

„Das Leben als Ertrag des Lebens. - Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntniss ausrecken, sich selber noch so objectiv vorkommen: zuletzt trägt er doch Nichts davon, als seine eigene Biographie.“

Auch dieser Gedanke folgt dem Willen zur Macht. Es funktioniert einfach besser jemanden von etwas zu überzeugen, wenn der eigene Verstand keinen Widerstand leisten kann, weshalb man besser mit "moderner Objektivität" überzeugt, als mit biblischen Aussprüchen.

Der Humanismus folgt grundsätzlich sinnvollen Prinzipien. Nur hat unser Verständnis von Humanismus wenig mit der tatsächlichen intellektuellen Intention zutun. Humanismus bedingt eines hohen Grades an Selbstbestimmung, ein hohes Maß an inhaltlicher Konstruktivität. - Das man die Annahme vertritt, man besitzt nur die aktuelle Wahrheit, unsere aktuelle Wahrheit lässt sich systematisch überprüfen und somit widerlegen. Es sollte der Anspruch sein, seine Ideale und Methoden in jedem Einzelfall neu zu hinterfragen. Was heute, teils selbst im Wissenschaftsbetrieb passiert, gleicht eher einer Akkordarbeit, weil Forschung mittlerweile Bedingungen erfüllen muss und politisches Machtinstrument geworden ist. Staatsnahe Universitäten und Konzerne übernehmen heutzutage einen Großteil der Forschung. Man könnte von einer Oligopolisierung der Wissenschaft sprechen.

Was schreib Nietzsche über vernunftbegabtes Denken:

Sehen lernen - dem Auge die Ruhe, die Geduld, das An-sich-herankommen-lassen angewöhnen; das Urtheil hinausschieben, den Einzelfall von allen Seiten umgehn und umfassen lernen. Das ist die erste Vorschulung zur Geistigkeit: auf einen Reiz nicht sofort reagiren, sondern die hemmenden, die abschliessenden Instinkte in die Hand bekommen. Sehen lernen, so wie ich es verstehe, ist beinahe Das, was die unphilosophische Sprechweise den starken Willen nennt: das Wesentliche daran ist gerade, nicht “wollen”, die Entscheidung aussetzen können. Alle Ungeistigkeit, alle Gemeinheit beruht auf dem Unvermögen, einem Reize Widerstand zu leisten - man muss reagiren, man folgt jedem Impulse. In vielen Fällen ist ein solches Müssen bereits Krankhaftigkeit, Niedergang, Symptom der Erschöpfung, - fast Alles, was die unphilosophische Rohheit mit dem Namen “Laster” bezeichnet, ist bloss jenes physiologische Unvermögen, nicht zu reagiren. - Eine Nutzanwendung vom Sehen-gelernt-haben: man wird als Lernender überhaupt langsam, misstrauisch, widerstrebend geworden sein. Man wird Fremdes, Neues jeder Art zunächst mit feindseliger Ruhe herankommen lassen, - man wird seine Hand davor zurückziehn. Das Offenstehn mit allen Thüren, das unterthänige Auf-dem-Bauch-Liegen vor jeder kleinen Thatsache, das allzeit sprungbereite Sich-hinein-Setzen, Sich-hinein-Stürzen in Andere und Anderes, kurz die berühmte moderne “Objektivität” ist schlechter Geschmack, ist unvornehm par excellence. - excellence.

Ich halte den Humanismus für erstrebenswert. Aber natürlich nur den wahren Humanismus - pardon, ich meinte natürlich "Schotten".

Ich sehe aber nicht inwieweit der Humanismus die Selbstzersetzung des Geistes verhindern wollte. Bisher ist jede Zivilisation daran zugrunde gegangen. Egon Friedell zeigt das geschichtlich sehr anschaulich, Gustave Le Bon zeigt das sozialpsychologisch sehr gut.

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Gerissen, wird die Rasse nach und nach alles gewinnen, was Glanz, Kraft, Größe verleiht. Manchmal wird sie zweifellos Masse sein, aber hinter den wandelbaren und wechselnden Masseneigenschaften wird sich das feste Substrat, die Rassenseele finden, welche die Schwingungsweite eines Volkes eng begrenzt und den Zufall regelt.

Nach Vollzug ihrer schöpferischen Wirkung aber beginnt die Zeit jenes Zerstörungswerk, dem weder Götter noch Menschen entgehen.

Ist die Kultur auf ein gewisses Niveau der Macht und Kompliziertheit angelangt, hört sie zu wachsen auf und ist dann gleich zum baldigen Niedergange verurteilt. Die Stunde des Alters wird ihr schlagen.

Diese unentrinnbare Stunde ist stets durch die Schwächung des Ideals gekennzeichnet, welches die Rassenseele erhob. In dem Maße, da dieses Ideal verbleicht, beginnen alle religiösen,politischen und sozialen Gebilde, die durch sie inspiriert wurden, zu wanken.

Mit dem fortschreitenden Schwinden ihres Ideals verliert die Rasse immer, mehr das, was ihren Zusammenhalt, ihre Einheit und Stärke bildete. Das Individuum kann an Persönlichkeit und Intelligenz wachsen, zugleich tritt aber an die Stelle des Kollektivegoismus der Rasse eine extreme Entfaltung des Individualegoismus, die von einer Schwächung des Charakters und einer Verringerung der Tatkraft begleitet ist. Was erst ein Volk, eine Einheit, einen Block bildete, wird zuletzt ein Haufen zusammenhangsloser Individuen, die nur noch künstlich durch die Traditionen und Institutionen zusammen- gehalten werden.

Und dann tritt der Fall ein, daß die durch ihre Interessen und Ansprüche getrennten Menschen, die sich nicht mehr zu regieren vermögen, in den unbedeutendsten Handlungen regiert zu werden verlangen und daß der Staat seinen alles absorbierenden Einfluß ausübt.

Mit dem endgültigen Verluste des früheren Ideals verliert zuletzt die Rasse gänzlich ihre Seele, sie ist dann nur noch eine Menge isolierter Individuen und wird wieder zu dem,was sie an ihrem Ausgangspunkte war: zu einer Masse. Sie hat jetzt alle flüchtigen,unbeständigen und zukunftslosen

Eigenschaften dieser.Die Kultur ist jetzt ohne Festigkeit und allen Zufällen preisgegeben. Der Plebs herrscht, und die Barbaren dringen vor.

Noch kann die Zivilisation glänzend erscheinen, weil sie die von einer langen Vergangenheit geschaffene äußere Fassade besitzt, in Wahrheit aber ist sie ein wurmstichiger Bau, der keine Stutze hat und beim ersten Sturm zusammenbrechen wird.

Von der Barbarei zur Zivilisation, in Verfolg eines Traumes,dann, sobald dieser Traum seine Kraft eingebüßt, niedergehen und sterben —

Das ist der Zyklus eines Volkslebens.

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Meine grundlegende Meinung dazu ist folgende:

Die Ursache dessen liegt im gemeinschaftlichen organisieren des Menschens.

Evolutionsbedingt überlebt die Gruppe am Längsten, die am altruistischsten untereinander ist. Innerhalb dieser altruistischsten Gruppe steigen hingegen jene auf, die hochgradig egoistisch sind. Da diese Menschen mit schwierigen Situationen kühler/besser (rationaler) umgehen können - das kennen wir in gesteigerter Form von Narzissten. Es hat einen Grund, dass diese Menschen in aller Regel sehr erfolgreich sind und die höchsten Posten und Ämter besetzten.

- ausgenommen ist natürlich der Drachenlord

Es gibt nun zwei Ursachen für den Untergang aller Kultur.

Die egoistischen Herrscher beginnen ihre Herrschaft als Selbstverständlichkeit wahrzunehmen. Sie meinen, sie wären der Nabel der Gesellschaft und könnten deshalb das "Teilen" im Ausspruch "Herrsche, und teile" weglassen. Das zieht sich durch die ganze Gesellschaft und vorallem durch die Beamten- und Staatsposten(So beschrieb auch Le Bon, dass Napoleon seine größten Rückhalt innerhalb der Beamtenkaste hatte). Das lässt sich auch heute klinisch belegen. Anzahl Soziopathen in verschiedenen Berufen. Man könnte heute übertreiben und sagen, die Altruisten der Gruppe sind etwaige Anlagenführer, Industriearbeite und jene die wirtschaftlichen Wert erschaffen und die Egoisten sind alle Übrigen. Und gerade diese Altruisten werden im humanistischen Sinne angefeindet. Von selbsternannten Humanisten, welche jenen Menschen vorwerfen sie würden die Welt zerstören - und damit unzählige Menschenleben - da sie nach der Arbeit im Industriebetrieb mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Wer Lehrer, Ingenieur oder Soziologe ist, hat bei Forderungen diesbezüglich die Gusche zu halten. Die Arbeit als Industriefacharbeiter ist kein Vergleich zu derartiger Arbeit. Man hat nach der Arbeit schlichtweg nicht mehr die mentalen Kapazitäten mit dem Fahrrad nach Hause zu strampeln. Man kann es sich geistig gesundheitlich/psychisch schlichtweg nicht mehr leisten. Die Industriearbeiter unter euch werden dieses Gefühl sehr gut kennen. Mag das nun an der Schichtarbeit liegen, oder am Beruf im Allgemeinen.

Die zweite Möglichkeit ist, dass die Herrscher nicht mehr egoistisch sind, sondern dass die Notwendigkeit für derartige Egoisten ausbleibt, weil die durch diese Leute erschaffende Basis, aufgezerrt werden kann. . Auch das sorgt langfristig für eine Gesellschaft, die sich zugunsten anderer selbst aufzährt. Man beschleunigt den Prozess der eigenen Dekadenz. Man könnte diese Altruisten also durchaus mit den heutigen Humanisten gleichsetzen.

Ich habe bestimmt 1h an diesem Kommentar gearbeitet, ich hoffe er bietet gute Denkanstöße.

LG

CHAPEAU! Tiefsten Respekt vor solch einer klugen, ausformulierenden Position zu diesem Thema und sprengte auch jegliche Erwartungen meinerseits!

Gruß

Als kleine Anm. bzw Antwort:

Problem am heutigem Humanismus ist auch, dass es eine merkwürdige Selektion gibt, alles schlechte innerhalb des Menschen, nicht zu akzeptieren.

Den Menschen sieht man als Licht der Vernunft, Unfehlbar usw.

Dabei ist dem nicht so. Wenn man wirklich den Menschen so zentristisch und in den Mittelpunkt stellen will, dann bitte gänzlich, nüchtern und unverblümt und nicht all diese verlogenen freudschen Worthülsen/Metaphern.

Das sowohl "das Schlechte" als auch "das Gute" zu unserem Sein dazugehören.

Die Frage:

Würden man einen Menschen im Namen des Humanismus töten?

Ist im Grunde eine Frage, die sich jeder selbsternannte Humanist stellen sollte.

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@Rakey269

Deinen Punkt habe ich so in dem Zusammenhang garnicht bedacht. Ich überlege mal, wie ich diesen Gedanken einbauen kann, vielen Dank dafür.

Dabei ist dem nicht so. Wenn man wirklich den Menschen so zentristisch und in den Mittelpunkt stellen will, dann bitte gänzlich, nüchtern und unverblümt und nicht all diese verlogenen freudschen Worthülsen.

Physisches Nacktsein wird zur Normalität, psychisches Nacksein hingegen verteufelt. Ganz wie der letzte Mensch. Freut mich, dass es dir gefallen hat. LG

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@Rakey269

Darauf würde jeder vernünftige Humanist antworten: würde man Hitler töten wenn man könnte, in der Hoffnung dadurch Millionen Leben zu retten und unzähliges Leid zu verhindern?

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Ja,...

Teilweise ja.

Denn weiter von der Realität entfernt als ein Glaube an "Gott" - heiten und andere Phantasmen kann man nicht sein.

Der Humanismus ist ein Glaube welcher ausblendet das die Natur stets survival of the fittest ist. In der Natur werden nur die mit den besten Genen, die Überlebensfähigen überleben - der Humanismus hält jedes menschliche Leben für erhalteswert.

Nein,...

Die Menschheitsgeschichte ist doch eine des ständigen Fortschritts, trotz aller Rückschläge immer wieder, oder etwa nicht? Sowohl technisch als auch gesellschaftlich hat sich ganz besonders im 20. Jahrhundert immens viel verändert, und die Weiterentwicklungen sind keineswegs abgeschlossen, es gibt noch viel zu verbessern.

Wer Fortschritt für einen Aberglauben hält, hat die Augen nicht offen.

Nein,...

"Philosophen sind dazu da, nach einiger Zeit widerlegt zu werden!" (John Reep)

Das Problem der Philosophen, die diese Thesen aufstellen, ist ja die, dass sie selber ein Gedankengerüst aufbauen, genau, wie der Humanismus ein Gedankengerüst ist.

Im Gegensatz zu den Thesen verstorbener, oder noch lebender Philosophen, hat sich der Humanismus im Laufe der Zeit aber immer wieder angepasst.

Ein Aberglaube hält immer daran fest, wie er mal von irgendjemanden in die Welt Gesetz wurde. Bestes Beispiel sind die Unglücksvoraussagen, in denen immer eine schwarze Katze den Mittelpunkt spielt, oder Freitag der 13., der angeblich ein Unglückstag sein soll. Statistisch schon mehrfach widerlegt, aber immer noch im Umlauf. Das ist Aberglaube!

Nein,...
Bedeutung des Humanismus

Humanismus bedeutet Menschlichkeit und im Vordergrund steht die Würde des Menschen und soweit als möglich die Gewaltlosigkeit. Und auch die geistige Weiterbildung.

Er hat als überhaupt nichts mit dem Aberglauben zu.

Bedeutung des Fortschrittsglauben

Beim Fortschrittsglauben geht es dagegen um die Auffassung, dass sich alles zum Besseren weiter entwickeln würde. Aufgrund der Wissenschaften(ihren umfangreichen Disziplinen), der Technik, der Medizin usw. Um die Lebensbedingungen zu verbessern, Krankheiten zu bekämpfen usw.

Dass es dabei leider auch negative Auswirkungen gibt zeigt uns z.B. der Klimawandeln, die Umweltbelastungen und seine Folgen. Die Ausbeutung der Natur und ihrer Zerstörung usw. Nicht jeder Fortschritt ist also positiv gewesen.

Was den Menschen selber betrifft so hat er sich in seinem Grundverhalten, trotz des Fortschritts nicht weiter entwickelt. Er handelt genauso wie er vor 1000, 2000 Jahren usw. gehandelt hat. Was man gerade jetzt beim Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine sehen kann und genauso bei den verschiedensten Konflikten oder Kämpfen, die es gibt.

Extrempositionen helfen nicht

Diese euphorische Haltung, die es seit der Renaissance gegeben hat hat sich inzwischen zu einer realistischen Einstellung verändert . Was aber leider dazu geführt hat, dass heute immer mehr Menschen dem wissenschaftlichen Fortschritt negativ gegenüber stehen. D.h. das Kind mit dem Bade ausgießen. Nur ist diese Haltung genauso eine Extremposition wie es zuvor der euphorische Fortschrittsglaube gewesen ist.

Es wäre falsch die Wissenschaft kategorisch abzulehnen, weil sie trotz negativer Auswirkungen auch viel Positives den Menschen gebracht hat. Und deshalb auch nichts mit dem Aberglauben zu tun hat. Wo man dabei ist Dinge zu korrigieren oder zu ändern. Wo wiederum die Wissenschaft dazu beitragen kann und wird den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden. Was natürlich seine Zeit brauchen wird.

Schließlich hat sie dazu beigetragen viele Aspekte des Aberglaubens zu beseitigen, in denen die Menschen früher aufgrund ihrer Unwissenheit gefangen gewesen sind. Denn es wäre fatal wieder in diese Vergangenheit zurück zu fallen!

Woher ich das weiß:Recherche