Gerechtfertigtes Fremdgehen (Beschreibung lesen)?
Häufig sagt man, dass es dafür keine Rechtfertigung gebe, ich bin da aber unsicher:
Nehmen wir an, Beziehungspartner (=BP) 1 wird von Beziehungspartner 2 regelmäßig geschlagen und wie Dreck behandelt. BP 1 traut sich aber aus Angst nicht, die Beziehung zu beenden, beendet sie nicht wegen der gemeinsamen Kinder oder hat immer noch die naive Hoffnung, dass die Beziehung wieder wird (obwohl BP 2 keine Verhaltensänderung in Aussicht stellt).
Nun beginnt BP 1 parallel eine sexuelle Beziehung mit Person 3.
Hier stellt sich mir schon die Frage, ob das Verhalten von BP 1 nicht als gerechtfertigtes Fremdgehen bezeichnet werden kann oder (was ich präferiere) gar nicht erst als Fremdgehen betrachtet werden sollte. Denn gewissermaßen schließen zwei Personen in einer Liebesbeziehung (wenn sie es tun) eine Art "Treuevertrag". Jetzt könnte man sagen, dass in diesem Vertrag konkludent mit drinsteckt, dass er nur solange gilt, solange man die andere Person mit einem Minimum an Respekt behandelt.
Wie seht ihr das?
9 Antworten
Ich sehe das so, dass es idiotisch ist, sich nicht zu trauen sich von seinen Partner zu trenne aber gleichzeitig fremdzugehen.
Fremdgehen ist und bleibt Fremdgehen.
In deinem Beispiel würde ich es sogar als Fluchtversuch werden und würde dir Raten nim deine Kinder und Lauf, Lauf so schnell du kannst. Wenn BP2 das rausbekommen und er eh zu Gewalt neigt kann die Gesundheit und im schlimmsten Fall das Leben von BP1 und den Kindern auf dem Spiel stehen.
Es gibt kein gerechtfertigtes Fremdgehen! Wer sich traut, fremdzugehen, sollte sich auch trauen, die Beziehung zu beenden.
Und um die Frage nochmals in dem Stil deiner rechtlichen Auslegung zu beantworten: Nur weil ein Vertragspartner seiner Leistungspflicht nicht nachkommt, heißt das nicht automatisch, dass der andere ebenfalls davon freigestellt ist.
Zum zweiten Absatz: Kommt darauf an, was vereinbart wurde. Und da man sowas in der Regel nie explizit vereinbart, ist der Vertrag zu schwammig, um eine klare Antwort zu geben.
Also ich verstehe, dass BP1 sich wünscht, durch eine Affäre die Stärke zu finden, sich aus der toxischen Beziehung mit BP2 zu lösen und die psychischen Probleme die mit einem aggressiven, manipulierenden und gewaltbereiten Partner einhergehen dürfen nicht unterschätzt werden!
JEDOCH wäre eine viel sinnvollere, gesündere und reifere Entscheidung sich aktiv Hilfe zu suchen, um diesen aggressiven Partner zu verlassen! In Form einer Therapie, Frauenhaus, andere Einrichtungen, etc! Denn eine Affäre kann nicht nur schnell auffliegen und dies macht die Situation noch schlimmer-nein, man verharrt auch im Zustand der Hilflosigkeit und verletzt dabei sogar noch seine eigenen moralischen Prinzipien, was einer Selbstverletzung gleichkommt. Fremdgehen bedeutet auch, zu fliehen, es bedeutet auch, sich selbst untreu zu werden und seine eigene Vertrauensfähigkeit in Menschen zu verletzen.
Zudem hat BP1 auch schon früh die Warnzeichen ignoriert und sich auf die Beziehung mit BP2 immer wieder eingelassen bzw es toleriert. Da sollte sie/er auch therapeutisch aufarbeiten, welche Traumata dazu führen, solange eine toxische Verbindung aufrechtzuerhalten-um eine gesunde Beziehung in Zukunft möglich zu machen! Denn oft sucht man sich sonst wieder den neuen respektlosen Partner.
Eine Person die so dermaßen in Not ist, muss sich Hilfe suchen!
Es gibt kein "gerechtfertigtes" Fremdgehen. Fremdgehen ist immer Betrug, du bist unehrlich und lügst und missbrauchst das Vertrauen deines Partners.
Entweder entscheidet man sich für eine Beziehung, also den "Exklusivvertrag", oder man entscheidet sich gegen die Beziehung und kann dann mit allen Sex haben, die das möchten.
Wenn sich Gefühle ändern, die Beziehung nicht so läuft, wie man es gerne hätte und man zum Ergebnis kommt, dass man eigentlich viel lieber mit anderen Menschen zusammen wäre, dann beendet man die Beziehung einfach. Das ist fair und ehrlich.
Also ich denke nicht, dass die Person aus deinem Beispiel Fremdgehehen würde, denn wenn der Partner so gewalttätig ist, dass sie Angst hat den zu verlassen, was würde der erst tun, wenn er sie beim Fremdgehen erwischt? Das Risiko würde BP1 wohl nicht eingehen. Aber wenn, wäre es trotzdem nicht "gerechtfertigt", es wäre nur Rache, dem anderen etwas heimzahlen. Den Partner verlassen, Polizei einschalten, das wäre gerechtfertigt und eine vernünftige Lösung für das Problem, bei der man nicht seine Würde verliert.
Der Kinder wegen zusammen bleiben ist schwierig. Man ist nicht glücklich und das spüren die Kinder und es wird sich negativ auf die auswirken. Wenn man sich überlegt der Kinder wegen zu bleiben, gibt es die Möglichkeit auch das ehrlich zu besprechen in der Partnerschaft. Schon klar, möglicherweise hört der andere das nicht gerne. Aber so hat der andere die Möglichkeit eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. So kann man sich einigen, ob Trennung besser wäre oder man kann auch eine Vereinbarung treffen, dass es ok ist sich mit anderen zu treffen.
Wenn jemand tatsächlich die Hoffnung hat, dass die Beziehung noch mal besser wird, dann geht der nicht fremd. Fremdgehen ist nicht förderlich für eine Beziehung, dadurch wird die nicht besser. Wenn man in der Situation fremdgeht anstatt Schluss zu machen, dann nur um den Partner warm zu halten bis sich was besseres ergibt. Auch das ist kein akzeptabeles Verhalten.
Es gibt einfach keine Rechtfertigung fürs Fremdgehen. Fremdgehen ist hinterhältig, unehrlich, feige. Es gibt immer andere Möglichkeiten als Fremdgehen, aber die beinhalten in der Regel, dass der Partner dann weg ist. Die selbstsüchtigen Leute wollen nicht auf die Vorteile der Beziehung verzichten oder sie haben sonstige Ausreden und deshalb Verhalten sie sich rücksichtslos und unfair. Um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, dass sie sich gerade asozial verhalten, suchen solche Leute dann nach Rechtfertigungen, was aber nicht funktioniert, da es die nicht gibt.