Ist das Leben in der heutigen Zeit überhaupt noch Lebenswert?

51 Antworten

Das Leben muss mehr sein als nur im materiellen Dasein seine Erfüllung zu finden: d.h. also ständig nur arbeiten, „Kohle machen“, den höheren Erwartungen des Arbeitgebers genügen, sich der Konkurrenz erwehren, die Rente herbeisehnen usw.. Insofern hat der Fragesteller Recht. Es ist dieser Materialismus, der viele frustriert. Eigentlich ähnelt unser Leben dann ziemlich auffällig dem der Tiere, die auch nur an ihr Auskommen denken, indem sie fressen, die sich in ihrem Rudel behaupten müssen, sich fortpflanzen, sich wohlfühlen, nach Fressfeinden ängstlich Ausschau halten etc. Und wer sich obendrein noch die Parole gibt: genieße das Leben, sei froh dass er dir gut geht!  – wird im totalen Frust enden. Warum? Weil er, indem er nur auf der materiellen Ebene dahinlebt, nicht wahrhaft als Mensch existiert. Der Betreffende spürt das und wird also schwermütig (es sei denn, er schaltet seine Vernunft aus und fühlt sich nur noch s...wohl (wie die Tiere!). Das Ganze erinnert mich an einen Satz von Shakespeares „Hamlet“ im 4. Akt: „Was ist der Mensch, wenn seiner Zeit Gewinn, sein höchstes Gut nur Schlaf und Essen ist? Ein Vieh, nichts weiter. Gewiss, der uns mit solcher Denkkraft schuf, voraus zu schaun und rückwärts, gab uns nicht die Fähigkeit und göttliche Vernunft, um ungebraucht in uns zu schimmeln.“ Hier haben wir das Problem auf den Punkt gebraucht. Wir haben eine Vernunft mitbekommen und sollen sie auch anwenden. Sie hilft uns weiter, wenn wir sie richtig aktivieren. Mit anderen Worten: Jeder sollte sich fragen: was könnte vernünftigerweise der Sinn meines Daseins sein? Habe ich zum Beispiel Talente, aus denen sich etwas machen lässt, indem ich mich zu einem Beruf ausbilden lasse? Kann ich vielleicht sogar höhere Ziel in Angriff nehmen und sie durch harte Arbeit erreichen? Wodurch ich dann in meinem Leben eine Erfüllung finde! Habe ich eine Familie, habe ich Kinder, für die ich Verantwortung trage und um die ich mich intensiver kümmern muss? Jeder muss versuchen, für sein individuelles Leben einen Sinn auszumachen. Die Fähigkeit, durch Anwendung seiner Vernunft Wege zu erkennen und auf diesen zu gehen, nach oben zu gehen, hat jeder mitbekommen. Mag sein, dass es für viele diese Wege nicht mehr gibt, weil sie ihm verbaut sind oder nur noch auf die Rente zugehen. Dann kann man immer noch auf bessere Zeiten hoffen. Oder, falls beruflich gar nichts mehr zu erwarten ist, kann man sich ein Hobby auswählen und für dieses Hobby seine ganze Energie einsetzen (z.B. bei berühmten Philosophen nachlesen, was der Sinn des Lebens sein könnte und darüber sich schriftlich Gedanken machen und andere Hobbys). Wer allerdings nur die bequeme Tour für richtig hält (s. oben: Lebensgenuss in irgendeiner - besseren oder bescheideneren -  Form) – dann siehe Hamlet, 4. Akt!

Ich möchte es mal ganz nett ausdrücken, dass diese Ansicht, die du da hast, mir ziemlich pessimistisch erscheint. Natürlich gibt es Sachen, die das Leben lebenswert machen. Zum Beispiel die Liebe, Freundschaft, Familie, usw. ... Man sagt, dass die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Es wird immer wieder schöne Momente geben. Es wird Wunder geben, oder Menschen, die dich einfach nur anlächeln, das Lachen eines kleinen, verspielten Kindes oder die Dankbarkeit alter Damen, wenn du ihnen über die Straße hilfst oder ihre Einkaufstüten trägst. Hast du vielleicht Träume oder bestimmte Ziele? Ich bin noch jung und mein großer Traum ist es, einmal die ganze Welt gesehen zu haben, damit ich weiß, was mich eigentlich umgibt. Ich möchte nach Amerika, die Freiheitsstatue sehen, nach Russland, um dort meine Familie kennenzulernen, nach Afrika und von Bungee-Brücke springen, die die Größte ihrer Art der Welt ist. Ich weiß schon, dass das auch eine Frage des Geldes ist, aber macht es nicht schon das Leben lebenswert, wenn man seinen Träumen nachstrebt? Das Leben wurde uns geschenkt, damit wir es ausfüllen, mit den verschiedensten Gefühlen, Träumen und Verwirklichung. Man sollte nicht einfach nur dahin Leben und alles an sich vorbei ziehen lassen. Die Zeit, die uns hier gegeben wurde, ist leider viel zu kurz, um sie zu verschwenden. Man sollte das tun, was einem glücklich macht, denn ein glückliches Leben, ist ein wert -und sinnvolles Leben.

Diese Frage hättest Du vielleicht mal einem Deiner Vorfahren vorlegen können, die zur Zeit des 30jährigen Krieges lebten und gerade den Besuch eines Wallensteinischen, Pufendorf'schen, schwedischen oder Stradiolenregimentes genossen hatten. Die haben sicher über Deine Frage nicht philosophiert, sondern statt dessen überlegt, wie sie den nächsten Tag überleben. Woher ich das weiß? Weil Du sonst heute nicht genug leben würdest, um diese Frage zu stellen. Wenn Dir Zeitreisen zu kompliziert sind, das nächste Reisebüro bringt Dich auch innerhalb weniger Stunden nach L.A. South Central, in die Favelas von Rio und Sao Paolo, nach Bangladrsch, in die Slums von Manila, etc. etc.

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