Wiedergeburt = Widerspruch?

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44 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo Annakonda, ich werde diese tolle Frage von den zwei mir innewohnenden Personen beantworten lassen, als erstes kommt der naturwissenschaftliche Valentin zu Wort:

Ich bin der Meinung, eine Wiedergeburt ist unmöglich und der Gedanke daran kann deshalb auch keinen Trost spenden. Schließlich ist jeder Mensch ein individuelles, unverwechselbares Individuum, das aus dem Erbgut, das in den Keimzellen seiner Eltern ruhte, entstanden ist und sich in seinem Umfeld, von dem es geprägt wurde, entwickelt hat. Jeder Mensch ist also einmalig und eine Wiedergeburt, also eine Übertragbarkeit dieses typischen „Wesens“ eines Menschen würde zu einer meiner Meinung nach unerträglichen Austauschbarkeit und „Beliebigkeit“ führen. Es gibt ja so lustige Filme, in denen Menschen ihre Seele durch einen Blitzschlag ausgelöst getauscht haben. Das spiegelt natürlich die Sehnsucht des Menschen wieder, auf ähnliche Weise den unwiderruflichen Tod austricksen zu können. Dies ist für Menschen, die daran glauben, natürlich ein Trost, da eben das Endgültige des Todes seinen Schrecken genommen bekommt, das ist der Grund für diesen Glauben an eine Wiedergeburt. Vollends unlogisch wäre natürlich die Geschichte mit den Tieren, die Du da ins Spiel bringst, darauf möchte ich gar nicht weiter eingehen….unmöglich.

...

So, nun kommt der andere Valentin zu Wort, der ja vielleicht ein wiedergeborener Philosoph ist (also eher einer der, sagen wir mal, mittelmäßigen und daher völlig unbekannten, so vermessen bin ich nicht…):

Nun, uns ist ja bekannt, dass die Denk- und Erkenntnisfähigkeit des Menschen sich entwickelt hat aus dem Unbewussten eines tierähnlichen Vorfahren. Nach Kant ist apriori ein Denkapparat vorhanden, der nur in bestimmten Kategorien, z.B. Raum und Zeit und Ursache und Wirkung „denken“ kann. Damit ist er natürlich nicht in der Lage, das Wesen der Welt und seiner selbst objektiv wahrzunehmen. Deswegen sind Fragen wie die von Dir gestellte einfach nicht wissenschaftlich zu beantworten. Nach Ken Wilber – „Halbzeit der Evolution“ befindet sich das ichhafte Selbstbewusstsein, das mentale Ego, aus der Sicht der Ewigen Philosophie jedoch erst auf dem halben Wege zwischen dem Unbewussten der Natur und dem Überbewussten des Geistes. Diese Weiterentwicklung hat den Sinn, dass jede einzelne Seele sich irgendwann der Transzendenz zum überbewussten All öffnet, das ist dann das Ende der optischen Täuschung des Getrenntseins, die Rückkehr zur Ganzheit. Dies wäre dann die entscheidende Erweiterung der menschlichen Erkenntnisfähigkeit. Nach Wilber ist die Zahl der Individuen, die diesen Weg bisher fanden, sehr klein, und es dauert nach ihm noch Tausende von Jahren, bis die Menschheit als Ganzes sich in diesen Bereich des Überbewusstseins hinein entwickelt hat. Aber einigen wenigen mag dies bereits gelungen sein, vielleicht sind unter ihnen diejenigen, die den Eindruck haben, schon einmal gelebt zu haben und sogar genaueres über Ort und Geschehen aussagen können…ein faszinierender Gedanke, der natürlich auch sehr trostreich sein kann. Für die anderen gilt: sie sind leider zu früh geboren….

Ulala. Vielen Dank!=)

Mit der ersten Sichtweise komm ich gut klar. Hört sich nach valentin an.=)

.

Die zweite allerdings...da hab ich ein paar Fragen. Der Anfang ist noch gut verständlich, aber sobald der Herr Wilber ins Spiel kommt (ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch wirklich lesen soll ;) ), wirds für meinen naturwissenschaftlichen Kopp etwas schwerer nachvollziehbar.

Was ist das "Überbewusste des Geistes"? Kann man das irgendwie fassbarer machen? Bedeutet das, dass jeder Mensch sich darüber bewusst ist, dass er ist und wie es anschließend mit ihm weitergeht?

Der Satz danach bringt mich gänzlich ins Stolpern.=)

"Transzendenz zum überbewussten All"? Ich kann mir mal wieder nichts darunter vorstellen. Vielleicht bin ich auch einfach noch nicht besonders nah an diese Ganzheit herangetreten und erkenne es deshalb einfach nicht..?

Mit "Getrenntheit" meinst du Körper und Geist?

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So, das war erst mal ein großer Haufen voller Fragen. Ich hoffe, nicht zu viele, lieber valentin.=) Schöne Grüße...

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@nitnelav

Hallo Annakonda, es ist mir klar, dass hier Gedankengänge nur sehr verkürzt und dabei oft sinnentstellt wiedergegeben werden können. Ich versuche mal den Weg des Bewusstseins nach Wilber in aller Kürze nachzuvollziehen.

Der Urmensch begann seinen Weg eingehüllt in die unbewussten Bereiche von Natur und Körper, er erfuhr sich anfänglich als ununterscheidbar von der Welt…als Körper-Ich, es war ein träumerisches „Eingebettet sein“ in die materielle Welt der Natur. Zuerst lebte der Mensch als Jäger und Sammler, er macht Höhlenmalereien, um seine Beute zu „beschwören“, eine Art Magie.

Dann wurde der Mensch Ackerbauer und sesshaft, er lebte in größeren Gemeinschaften, es erweiterte sich das Bewusstsein dergestalt, dass es auch die Zukunft (ganz neu!) und die Gruppenzugehörigkeit mit einschloss, durch Nahrungsüberschuss und Arbeitsteilung wurde der Übergang von körperlichen zu immer mehr mentalen Zielsetzungen möglich.

Damit begannen die Menschen sich ihrer eigenen von der Natur getrennten Existenz bewusst zu werden und damit ihrer Vergänglichkeit. Das mentale Ich löste sich nach und nach vom Körper, das Ich wurde also im Geist angesiedelt und es versuchte die Sterblichkeit zu verdrängen, es entstanden mystische Vorstellungen.

Mit der Sprache entwickelte sich eine Art verbales Ich, das Erkenntnisvermögen führte über ein mythisches Bewusstsein (Zeitalter der klassischen Mythologien und Kulturen - Pharaonen, Azteken, Babylon etc.) zur rationalen Mentalität. Nun ging es nicht mehr um Harmonie mit dem Himmel, sondern um die Eroberung des Weltraums. Das Ich spaltete sich endgültig vom Körper ab und entfremdete sich zugleich von der Natur (das ist der Zustand des Getrenntseins, nach dem Du fragst).

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@valentin301

Es gibt aber nach Wilber nur zwei Zustände, in denen der Mensch völlig zufrieden ist. Der eine ist der Schlummer im Unbewussten, der ist vergangen. Der andere das „Erwacht sein“ zum Überbewussten, das wäre das Ziel. Darunter versteht Wilber die Erreichung höherer Bewusstseinszustände, sich über das mental - ichhafte Stadium hinaus zu entwickeln zu einer Art Überbewusstsein, das allen Menschen gemeinsam ist und das ein Verständnis des Ganzen ermöglicht. Manchen Menschen gelingt durch Meditation (oder auch ohne!) ein Vorstoß in diese Bereiche und manche unerklärliche Phänomene können in diese Richtung Deutung finden. Es geht darum, das gemeinsame Menschsein besser zu verstehen und transpersonal zu denken und zu handeln, im ganzen Universum dasselbe gemeinsame Bewusstsein zu sehen. Diese Gedanken führen nun vielleicht nicht zu einer echten Seelenwanderung, aber zu einem „Wissen“ über bisherige Grenzen hinweg … und damit zu der Möglichkeit einer Art „Wiedergeburt“. Soviel also zu meinem Versuch, das Ganze und den Bezug zu Deiner Frage etwas deutlicher zu machen.

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@valentin301

Danke valentin.=)

Das ist wirklich 1A erklärt. Dennoch ist mir dieses transpersonale Bewusstsein irgendwie ein bisschen unheimlich und es sprengt meine Vorstellungskraft.

Obwohl ne, das ist vielleicht falsch ausgedrückt. Vorstellen kann ich mir das irgendwie schon, aber vielleich is es mir einfach nicht rational genug.

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@nitnelav

Weißt Du was? Da stimme ich Dir zu, das ist irgendwie natürlich auch so etwas wie eine spekulative Gedankenspielerei. Aber Du liebst ja auch Spekulationen.....

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@nitnelav

Unsere Ratio ist begrenzt. Ich fasse es als etwas Über-Rationales auf. Die Möglichkeit, dass sich unser Bewusstsein in eine Richtung weiterentwickelt, die wir heute noch schwer erfassen können, ist ja nicht im Bereich des Unmöglichen angesiedelt. LG

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Du schreibst:

"Ich denke, es gibt kaum einen Menschen, der ernsthaft behauptet, er könnte sich an ein vorheriges Leben erinnern."

Nun, das ist, was du denkst.

Es gibt/gab allerdings viele kleine Kinder, die sich (noch) an vorherige Leben erinnern und dann etwa erzählen: "wie ich einmal noch groß war...." Und man tut ihre Geschichten als Phantasiegeschichten ab und sie werden verunsichert und irgenwann werde sie vom aktuellen Leben so beansprucht, dass sie vergessen, was sie im vorigen Leben so erlebt haben.

Ich habe oft von jüngeren Geschwistern (habe 6 davon) solche Geschichten gehört und sie in meiner Kindheit natürlich auch als reine Phantasie eingestuft, denn so etwas passt halt einfach nicht in ein ordentliches westlich-christliches Weltbild.

Aber ich finde, es ist und tut ganz gut und interessant und lehrreich ist es sowieso, einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen

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Aber dann wäre Option 2, laut deiner Aussage, eine mögliche Wiedergeburt.

Und zu Option 1. Es gibt immer wieder Menschen die behaupten, jemand anderes zu sein und bei einigen stimmen sowohl die angegebenen Lebensläufe und Familiennamen, etc. überein. Ebenso man ein Geheimniss oder Zufall.

Und man könnte sich theoretisch auch an der Seelenfarbe oder einem anderen innerem Gefühl wiedererkennen, die Person wiedererkennen.

Natürlich vergisst man wer man war.

Allerdings ist dies vielleicht auch deshalb so, damit gravierende Fehler und nicht vergessener Hass, nicht zu Problemen werden, welche die Welt zerstören.

Nehmen wir das Beispiel Hitler:

Hitler hatte schlechte Erfahrungen und Groll gegen Juden und anders Denkende.

Aber was wäre wenn Hitler ohne Gedächtnis und Erinnerungen wiedergeboren werden würde, dann könnte dieser Mensch durch andere Erfahrungen und Geschehnisse, ein komplett anderer Mensch sein.

Schwer Vorzustellen, dank unserer Vorurteile.

Aber dennoch möglich.

Und es wäre doch genial, wenn Hitler wiedergeboren auf einer Demonstration gegen seine eigenen Überzeugungen, die er damals hatte, wäre.

Dann hätte alles sogar einen logischen Sinn.

Außerdem was ist nichts?

Nichts ist eine viel zu große Variable. Etwas nicht begreifbares.

Ebenso wie Gott oder der Himmel, etwas was wir nicht verstehen, dem wir aber eine Form verleihen möchten, um es zu verstehen.

Ebenso gibt es die Theorie, dass die menschliche Seele ein Stern wird.

Alles eine schöne Idee.

Aber was wirklich ist werden wir nie wissen, bevor wir gestorben sind. Und selbst danach vielleicht auch nicht.

Die einzige Gewissheit, die wir haben ist, die Angst davor, dass zurück zu lassen, was uns am wichtigsten ist und ein Klotz zu sein.

Wir fürchten das, was wir nicht kennen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Außerdem gibt es viele unbewiesene Sachen und genau deshalb ist das Leben doch erst interessant. Selbst wenn alles bewiesen wäre würde es Leute geben, die dies wiederlegen möchten und andere Ergebnisse suchen.

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Ich denke, es gibt kaum einen Menschen, der ernsthaft behauptet, er könnte sich an ein vorheriges Leben erinnern.

Es gibt sehr viele wissenschaftlich durchgeführte Studien bezüglich Reinkarnationen. Die bekanntesten sind zu lesen bei Dr. Ian Stevenson und dessem Nachfolger Dr. Jim B. Tucker...

Zu 1.

Selbst wenn man wiedergeboren wird, kann man sich nicht an das vorherige Leben erinnern.

Korrekt. Und das ist auch gut so. Stell Dir vor, Du müsstest all die getätigten Schandtaten, Brutalitäten und Verbrechen durchleben, die man anderen und auch von anderen angetan bekommen hat: Man könnte sich nie auf die eigentlichen Aufgaben in diesem Leben konzentrieren, des Weiteren würde man gaga werden...

Damit ist man auch nicht mehr derselbe Mensch wie zuvor, damit meine ich natürlich nicht den Körper, sondern das Bewusstsein. Dies ist nicht mehr das gleiche.

Auch das ist korrekt, denn nach jedem Vorleben hat man sein Bewusstsein aufgrund bestimmter Lebenserfahrungen, Lernprozesse, Erkenntnisse etc. erweitert. Dieses ist natürlich nicht mehr dasselbe, wie zuvor. Es wird sich auch in einem jetzigen Leben erweitern, wenn wir daran und damit arbeiten, was wiederum bedeutet, dass die Seele sich 'verändert'....

Wieso soll es also einen Trost darstellen?

Weil das Wissen darüber uns ein erweitertes Bewusstsein verschafft und auch die Gewissheit, dass es mit diesem Leben nicht endet...

Für mich macht das keinen Unterschied zum “Im Nichts Verschwinden“.

Es gibt kein Nichts, sonst würde alles Sein aus einem Nichts enstanden sein, und dies ist ja nicht möglich und nicht machbar...

Wie wir auch aus der Physik wissen, gab es schon immer Energie, also ein 'Etwas'...

Zu 2.

Jeder Mensch ist sozusagen die Erstausführung der Wiedergeburtsreihe.

Der Mensch ja, die Seele und das Bewusstsein nicht...

Er müsste also anschließend immer wieder als Tier wiedergeboren werden,

Diese Ansicht rührt aus der Unkenntis über die Seele her. Eine 'menschliche' Seele kann nur in einen menschlichen Körper inkarnieren. Das war nie anders. Tiere 'höherer' Kategorien haben zwar auch Seelen (und manche ein Bewusstsein), aber diese gehen nach dem Ableben zu einer Sammelseele. Niederer Kategorien ('Kreuch- und Fleuchtiere') besitzen keine Seelen...

Ende

Nun eine Frage an Dich:

Was hat mehr Sinn: Ein einziges Leben und dieses dann als hungerndes mit Fliegen in den Augen dahindarbendes Kind zu beenden, oder mehrere Leben und eines dieser als hungerndes mit Fliegen in den Augen dahindarbendes Kind zu beenden? Denke darüber nach...

Gruß Fantho

Sehr interessant und gute Erklärung. Ist Einleuchtend, informativ und überzeugend. :)

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Ich würde dir das Buch "Mieses Karma" mal empfehlen.

https://smile.amazon.de/Mieses-Karma-David-Safier/dp/3499244551/

(gibt auch ein 2. Teil).

Da geht es darum, dass die Person vom Menschen zum Tier wird und so weiter, im Buddhismus geht man davon aus das man so lange als was anderes wiedergeboren wird, bis man genug Karma gesammelt hat und auch mit sich selbst im reinen ist, dass man ins Nirvana geht (dem Ort des ewigen Glücks).

Ich glaube teilweise daran, aber teilweise auch daran, dass wenn herz tot, hirn tot, dann ist einfach Licht aus und Ende, das wars, wie ein Computer, entweder man schaffts neu hochzufahren oder es ist vorbei, wenn die Festplatte erstmal komplett gelöscht ist, dann weißd er PC auch nicht mehr wer er mal war, selbst wenn da noch irgendwo ein Rest bleiben würde... der PC wüsste damit nichts anzufangen.

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