Wie gut ist die Evolution belegt?

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Hallo Wiessbegieriger,

Hi Leute ich möchte gern Wissen wie gut die Evolutionstheorie denn belegt ist. Gilt Sie schon als Fakt?

Die Evolutionstheorie wird immer "Theorie" heißen, weil der Begriff "Theorie" in der Naturwissenschaft etwas anderes bedeutet als in der Umgangssprache.

In der Umgangssprache antworten wir auf die Frage "kannst Du das?" mit "theoretisch...", wenn wir unser "Wissen" noch nicht in der Praxis erprobt haben. In der Umgangssprache bedeutet "Theorie" also eine Idee oder Vermutung, die an der Praxis noch nicht getestet wurde.

Eine "Theorie" in der Naturwissenschaft ist ein geschlossenes, widerspruchsfreies Erklärungsmodell. Ein solches Modell stellt einzelne Beobachtungen in einen logischen Kontext: Eine Theorie erklärt uns, warum wir diesen Satz an Beobachtungen gamcht haben - und nicht irgendetwas anderes beobachtet haben.

Eine naturwissenschaftliche Theorie macht dabei sehr exakte Aussagen, so exakt, dass wir sie durch Experimente oder Beobachtung testen können. Eine naturwissenschaftliche Theorie wird also ständig an der Natur getestet - mit jeder einzelnen Beobachtung.

Dennoch behalten wir den Begriff "Theorie" in der Naturwissenschaft bei, denn damit bringt man zum Ausdruck, dass das Erklärungsmodell u.U irgendwann einmal verbessert werden könnte. Dass man noch Aspekte hinzufügt, wenn noch bessere Daten vorliegen, zum Beispiel.

Eine Theorie, die bislang alle Tests an der Natur bestanden hat, deren Vorhersagen also immer und ausnahmslos mit unseren Beobachtungen übereinstimmten, nennen wir immer noch "Theorie". Wir sprechen dann von einer bestätigten oder bewährten Theorie, aber immer noch von einer Theorie.

Der Begriff "bewährte Theorie" ist das beste, was ein Erklärungsmodell in der Naturwissenschaft werden kann.

Die Evolutionstheorie ist eine der am besten bestätigten Theorien in der Naturwissenschaft überhaupt.

Die Evolutionstheorie hat einen unglaublich hohen Erklärwert, denn sie erklärt uns praktisch sämtliche Befunde der Biologie. Der Biologe Dobzhansky hat es so formuliert: „nothing in biology makes sense except in the light of evolution“.

Die Evolutionstheorie erklärt uns, warum wir diese Vielfalt, diese große Spezialisiertheit heutiger Lebensformen sehen. Sie erklärt uns Ähnlichkeiten im Aufbau dieser Lebensformen. Sie erklärt uns unser Fossilienmuster, also warum wir immer einfachere Formen vorfinden, in je ältere Schichten wir kommen. Sie ergänzt sich mit der modernen Genetik zu einem stimmigen Gesamten.

Wir haben in der Naturwissenschaft kaum eine Theorie, der wir in der Natur so oft und umfangreich begegnen, wie der Evolutionstheorie. Sie beschreibt uns den in der Natur ablaufenden Prozess der Evolution. Damit hat sie heute einen zentralen Platz im Theoriengebäude der Naturwissenschaften.

Wir haben keine Beobachtungsdaten, die sie widerlegen. Es gibt keine andere naturwissenschaftliche Erkenntnis, die ihr widerspricht.

Um Dir einmal klar zu machen, welch zentrale Rolle die Evolutionstheorie heute in der Naturwissenschaft hat, schau Dir einmal das Bild hier auf Seite 13 an:

http://www.martin-neukamm.de/kreation.pdf

Kritik erfährt die Evolutionstheorie heute - 150 Jahre nach Darwin - nur noch von fundamentalisch religiösen Gruppierungen, die sich mit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, dass der Mensch sich über natürlich ablaufende Prozesse entwickelt hat und selbst nur einen zerbrechlichen Platz im Tierreich innehat, nicht abfinden wollen.

Grüße

Wunderbar zusammengefasst, da bleibt nichts mehr zu ergänzen.

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guter kommentar, würd ich so unterschreiben.

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Danke für das Sternchen!!

Ich freue mich drüber!!

=D

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Die Evolutionstheorie ist das zentrale Modell der Biologie schlechthin. Das liegt einerseits an ihrem hohen Erklärungswert und andererseits an den zahlreichen Belegen für ihre Richtigkeit. Weil die Liste so lang ist, zähle ich hier nur die wichtigsten auf:

Fossilbericht: in verschiedenen Gesteinsschichten findet man verschiedene versteinerte Lebewesen. Wenn man die entsprechenden Stücke heraussucht und zeitlich anordnet, ergeben sich dadurch anschauliche Entwicklungslinien. So kann man zum Beispiel die Entwicklung der Wale von landlebenden, carnivoren Huftieren über robbenähnliche Tiere bishin zu den modernen Delphinen nachvollziehen, oder die Entwicklung der Vögel vom befiederten Raubsaurier über saurierartige Urvögel bishin zu modernen  Hühnern. Und es gibt noch viele schöne Beispiele. Leider ist der Fossilbericht alles andere als vollständig.

Rudimente und Atavismen: Bei Rudimenten handelt es sich um körperliche oder Verhaltensmerkmale, die in jüngerer Zeit zurückgebildet wurden, aber bei früheren Vorfahren einen Zweck erfüllten. Beim Menschen gehören dazu das Steißbein (Ansatz eines vollausgebildeten Schwanzes), Weisheitszähne, Darwinhöcker und die nur im Ansatz ausgebildete Behaarung. Schlangen und Wale haben Reste von Bein- und Beckenknochen, Pferde Griffelbeine, also verkümmerte Fingerknochen von überzähligen Zehen. Atavismen sind Missbildungen, bei denen genau solche verkümmerte Merkmale wieder zum Vorschein kommen. So kommen manchmal Menschen mit einem Steißbeinfortsatz oder vollständiger Körperbehaarung zur Welt.

Abgestufte Ähnlichkeiten: Wenn alle Lebewesen miteinander verwandt sind, muss sich daraus eine Art Stammbaum herleiten lassen. Wenn man jetzt z.B. Mensch, Hase, Schildkröte und Lachs vergleicht, finden sich sehr viele übereinstimmende Merkmale von Menschen und Hasen, weniger zwischen Mensch und Schildkröte oder Hase und Schildkröte. Daraus folgt, dass sich die Linien von Menschen und Hasen erst aufteilten, nachdem sich die gemeinsame Linie von Menschen und Hasen von der der Schildkröten trennte. Alle drei Arten haben aber mehr Gemeinsamkeiten untereinenander als mit dem Lachs, dessen Linie sich bereits noch früher abgespalten hat. Die Ähnlichkeiten betreffen nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch genetische, wie die direkte Übereinstimmung der Basenfolgen und die Anzahl und Position von endogenen Retroviren (das sind Viren, die ihre eigene Erbinformation zu der ihres Wirtes hinzufügen. Im Ungünstigsten Fall kann dies zum Ausbruch einer Krankheit, wie AIDS, führen, ist dies nicht der Fall, kann das Viruserbgut vererbt werden. In der exakten Position des Virenerbgutes sind sich nahe verwandte Arten ebenfalls untereinander ähnlicher als mit weiter entfernten.

Embryonalentwicklung: Auch die Entwicklung von Föten spielt sich bei zwei Arten umso ähnlicher ab, je näher sie miteinander verwandt sind. Die Embryonen zweier Säugetiere kann man erst in einem viel späteren Stadium unterscheiden als den Embryo eines Säugetieres und eines Frosches. Auch bei der Embryonalentwicklung finden sich so eine Art Rudimente, da zumindest grob die Embryonalentwicklung die Stammesgeschichte einer Art wiedergibt. Alle Gewebetiere haben zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Entwicklung nur eine Darmöffnung, so wie die Plattentiere und Schwämme, die nahe Verwandte der Vorfahren der Gewebetiere sind, der zweite Darmausgang kommt erst später. Alle Landwirbelltierföten haben Kiemen, die sich später wieder zurückbilden, und alle Menschenaffenföten haben vollausgebildete Schwänze, bevor diese verkümmern.

Beobachtungen: Zucht von Haustieren ist nichts anderes als gelenkte Evolution, und durch sie können sie stark verändert werden. Im Labor konnte das E.coli-Bakterium innerhalb von 30 Jahren seine Ernährung von Glucose auf Citrat umstellen, in England konnte man den Industriemelanismus des Birkenspanners beobachten.

Gilt Sie schon als Fakt?

Die Evolution ist ein reales Naturphänomen und daher Fakt. Die Evolutionstheorie soll dieses Phänomen beschreiben und muss deshalb immer an den neuesten Kenntnisstand angepasst werden (Vergleiche Lamarck -> Darwin -> Synthetische ET).

Ist es möglich das Sie noch widerlegt wird?

Theoretisch ja, da jedes naturwissenschaftliches Modell grundsätzlich widerlegbar sein muss. Angesichts der Faktenlage ist eine solche Widerlegung aber sehr, sehr unwahrscheinlich.

Oder ist Sie schon längst widerlegt worden?

Nein, es gibt keine begründeten Zweifel an der ET. Der einzige Widerstand kommt aus der extremistisch-religiösen Ecke, dies folgt meist aus Unwissenheit und Fehlverständnis. Die Argumentation solcher Leute besteht auch ausschließlich aus vielfach widerlegten Argumenten, logischen Fehlschlüssen, Strohmännern und Zirkelschlüssen. Liberalere Kreise der Religion sind vernünftiger und akzeptieren die Tatsachenlage und bringen sie in Einklang mit ihrem Weltbild.

Und hier noch ein Bild zur Entwicklung der Wale, weil sie so schön anzusehen ist:

http://www.hg-klug.de/mrganz/evolu/wale.jpg

Es gibt einige Belege für die evolution. Auch aus verschiedenen Richtungen. Der wissenschaft(molekulare biologisch, paläontilogisch,...)

Schau Dir die Evolution des Pferdes an, die durch Fundstücke sehr gut belegt ist. Vom fuchsgroßen Eohippus, mit einem Laubfressergebiss und mit 3 bzw. 4 Zehen an jedem Fuß über viele Zwischenstufen bis zum heutigen Equus Equus mit Grasfressergebiss und einem Zeh mit Huf an jedem Fuß. An den Kastanien und am Griffelbein kann man noch heute sehen, dass die Vorfahren des heutigen Pferdes mal mehr Zehen hatten. Und die Anpassung erfolgte aufgrund der Tatsache, dass die Laubwälder des Eozäns verschwanden und einer Steppenlandschaft Platz machten, in der sich die Tiere nicht mehr verstecken konnten, sondern weglaufen mussten. Grasfressende Einhufer haben sich also durchgesetzt. Ein Paradebeispiel der Evolutionstheorie, die längst keine Theorie mehr ist!

Es ist wie bei Indizienbeweisen, wenn alle bisher belegten Fakten übereinstimmend auf eine Theorie hinweisen und in sich logisch schlüssig sind, und wenn jedes neue Faktum, das entdeckt wird, sich nachweisbar ebenfalls lückenlos in diese Theorie einfügt, dann wird der Faktendruck irgendwann mal so groß, dass nicht nur der gesunde Menschenverstand sondern auch die Wissenschaft die Theorie als bewiesen betrachtet. Und nicht nur der Faktendruck ist beweiskräftig, sondern die evidente innere Schlüssigkeit der Theorie und nicht zuletzt ihre logische "Schönheit".

Zweifel an der Evolutionstheorie kommen in erster Linie aus Bevölkerungskreisen, aus denen bevorzugt auch Aberglaube und wilde Verschwörungstheorien umherwabern und in denen lieber geglaubt als gedacht wir.

Und Glauben hat in dieser Welt seit Jahrtausenden schon sehr viel mehr Unheil angerichtet als Denken und tut dies – wie man sieht – auch heute noch. Leider sind die Prognosen für morgen auch nicht besser.

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