Hallo lena0194x,

das ist doch eigentlich eine Frage, die Du Dir nun wirklich nur selber beantworten kannst: __Warum__hast Du es denn genommen?

Selbst wenn Du es nur genommen hast, weil es Dir vorgeschlagen wurde: Irgendwas musst Du Dir doch dabei gedacht haben, als Du Dir gesagt hast "Och, ja, warum nicht?"

Und genau, was Du Dir da gedacht hast: Das solltest Du ehrlich aufschreiben. ;-) Selbst wenn das bedeutet, dass Du aufschreibst, dass Du zu faul warst, ein anderes Thema zu suchen.

Natürlich können wir hier alles Mögliche an Gründen hinschreiben: Dass es interessant ist, sich mit so nahen Verwandten zu beschäftigen. Dass es interessant ist, im fossilen Befund nach den letzten gemeinsamen Verwandten zu suchen, den Zeitpunkt der Abspaltung zu suchen; welche Erkenntnisse es darüber gibt, wie ähnlich uns Schimpansen eigentlich sind; genetische Erkenntnisse,....

Aber wenn Du Dir all diese Gründe nicht gedacht hast, als Du Dich für das Thema entschieden hast, dann wäre es nicht ehrlich, sie als Deine Gründe auszugeben.

Deine Gründe kennst nur Du selber.

=)

Grüße

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Hallo nrobe,

das Blinkern von Sternen ist ein Effekt, der in der Atmosphäre entsteht, durch die das Licht vom Stern ja durch muss.

In der Atmosphäre liegen die verschieden warmen und dichten Luftschichten ja nicht brav still übereinander, sondern sind ständig in Bewegung. Die Dicke schwankt, die Schichten durchmischen sich - und mit den Schichten variiert auch der Brechungsindex der Luft ständig. Der hängt nämlich mit der Dichte der Luft zusammen.

Dieses ständige Schwanken des Brechungsindixes führt dann dazu, dass Sterne "funkeln". Szintillation ist der Fachausdruck dafür... und hier ist es erklärt:

https://www.welt.de/wissenschaft/article12641116/Warum-es-am-Sternenhimmel-funkelt-und-glitzert.html

Bei den scheibchenartigen Planeten ist der Effekt nichts so wichtig im Vergleich zu den punktförmigen Sternen. Deswegen erscheinen die Planeten "ruhiger" zu leuchten.

Grüße

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Hallo Manuelll3,

da kommen oft verschiedene Dinge zusammen.

1) Mangelnde Kenntnisse naturwissenschaftlicher Methodik und damit das Unverständnis, dass man naturwissenschaftliche Aussagen eben nicht einfach "glaubt". Naturwissenschaftliche Aussagen gelten dann als bestätigt oder gesichert, wenn die Datenlage dafür überzeugt. Genau das ist bei der ET der Fall.

2) Viele wissen nicht, dass der Begriff "Theorie" etwas anderes in der Naturwissenschaft bedeutet als in der Umgangssprache. So denken Viele, dass der Begriff "Evolutionstheorie" sagen würde, dass es sich um eine unbelegte Vermutung handeln würde, die man - gleich einem Dogma - eben glauben müsse. Das ist eben nicht der Fall; "Theorie" ist ein naturwissenschaftliches Erklärungsmodell, das konkrete Aussagen über die Natur macht - so konkret, dass man daran sehen könnte, ob das Modell die Natur __nicht gut__ beschreiben würde. Die ET hat dagegen aber __alle__ Beobachtungstests an der Natur bestanden. Sie ist ein hervorragend bestätigtes Modell.

3) Viele kennen den Unterschied zwischen Evolution und Evolutionstheorie nicht. Evolution ist ein in der Natur ablaufender Prozess, Evolutionstheorie ist das naturwissenschaftliche Modell, das diesen Prozess beschreibt. Die ET kann daher nicht dadurch angezweifelt werden, dass man bestimmte Schritte, den der Prozess genommen hat, noch nicht kennt. Wenn Dir zum Beispiel wirklich niemand sagen __könnte__, welches Tier der Vorfahre des Löwen war, dann liegt das nur daran, dass wir hier keine Fossilien gefunden haben. Wir würden dann einen Einzelschritt des Prozesses nicht kennen. Das sagt aber nichts über die ET aus, deren Aufgabe ja nur ist, zu beschreiben, welche Mechanismen den Prozess steuern.

4) Die langen Zeiträume, die große Veränderungen in der Evolution benötigen, machen wirklich große Veränderungen der direkten Beobachtung unzugänglich. Darüberhinaus haben Menschen ein sehr schlechtes Gefühl dafür, sich derart große Zeiträume und die Möglichkeiten, die sie eröffnen, vorzustellen.

5) Wegen der oben genannten Wissenslücken, die leider auch zum Teil durch schlechte naturwissenschaftliche Ausbildung an den Schulen kommen, sind Viele anfällig für Propagandaschriften fundamentalistisch religiöser Gruppierungen, die die ET aus ideologischen Gründen ablehnen. Diese Schriften stellen die biologischen Sachverhalte konsequent falsch dar, wirken auf den Laien aber hinreichend wissenschaftlich, so dass es diesen Schriften leider oft gelingt, es so aussehen zu lassen, als gäbe es wissenschaftliche Einwände gegen die Evolution. (Ein Beispiel hierfür wäre das Missing-Link-Thema oder die in der Biologie gar nicht existierende Unterscheidung zwischen Mikro- und Makroevolution). Kurz: Der Laie hat hier oft nicht genug HIntergrundwissen, um diese Punkte als die unhaltbaren Scheinargumente zu erkennen, die sie sind.

6) Das Bibel- bzw. Koranbild fundamentalistischer Kreise: Hier wird die Schrifthoheit gefordert. Als von Gott diktierte Texte haben diese wortwörtlich wahr zu sein. Hier steht letztlich die Autoritätsfrage im Raum: Werden die naturkundlichen Teile der Genesistexte als nicht haltbar erkannt, so stürzt die absolute wortwörtliche Autorität der Texte zusammen. Prediger können dann auch nicht mehr mit in den Schriften angedrohten Strafen drohen. Es ist eine Machtfrage, dass diese Drohungen in fundamentalistischen Kreisen bestehen bleiben sollen. Aufgeklärte gläubige Menschen sehen die überlieferten Texte als das, was sie sind: Glaubenszeugnisse aus einer Kultur, die die naturhistorischen Vorgänge noch nicht verstanden hat. Es lässt sich deshalb kein Argument gegen den Glauben an sich aus dem Nichtzutreffen der Naturbeschreibungen ziehen.

7) Man darf hier auch nicht den sozialen Druck fundamentalistischer Glaubensgruppen außer acht lassen: Nicht nur, dass Kinder aus diesen Gruppen systematisch antievolutionär indoktriniert werden, sondern auch die drakonischen Strafen bis hin zum völligen Ausschluss aus der Gruppe, wenn die naturwissenschaftliche Erkenntnis angenommen wird. Die sozialen Konsequenzen für den, der einräumt, dass ihn die Daten eben doch überzeugen, wären enorm. Es ist sehr schwer, aus sektenartigen Strukturen auszubrechen.

8) Die psychologische Kränkung an den Menschen, dass er weder von vorneherein geplant ist, noch dass er die Krone der Schöpfung ist, noch dass er überhaupt irgendeine Sonderstellung innerhalb der Spezies beanspruchen kann.

9) Die Evolution bedeutet auch unsere eigene Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit als Spezies in einer sich weiter verändernden Umgebung zu akzeptieren.

10) Antiwissenschaftliches Gedankengut schelchthin: Wir leben in einer Zeit, die den Menschen zur Selbstverwirklichung auffordert und ihn davon träumen lässt, seine Grenzen zu sprengen. Querdenken ist "in". Dass es in naturwissenschaftlich bestens bestätigten Sachverhalten allerdings einfach oft sinnfrei ist, gesicherte Sachverhalte nicht wahr haben zu wollen, wollen unter diesem Rahmen nicht alle akzeptieren. Das Schlucken naturwissenschaftlicher Grenzen wird deshalb von Manchen auch als mangelnde Fähigkeit zum Weiterdenken dargestellt. Das Basteln unhaltbarer eigener Wahrheiten wird auf diese Weise mit Kreativität verwechselt.

Zum Teil hast Du also Recht: Viele verstehen die Theorie einfach nicht. Viele wollen sie aber auch nicht verstehen, weil sie sich in ihrer selbstgewählten ideologischen Unmündigkeit wohler fühlen. Statistiken zeigen übrigens, dass die Akzeptanz der Evolution mit den Biologiekenntnissen steigt.

Grüße

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Hallo Nan12,

erst einmal die zweite Frage:

woher weiß man, dass unser Universum 93 Lichtjahre Durchmesser hat?

Sehr vereinfacht gesagt: Aus der Rotverschiebung der kosmischen Hintergrundstrahlung.

Die Hintergrundstrahlung ist das Licht aus der größten Entfernung, das uns erreicht. Es stammt aus der Zeit um 380 000 Jahre nach dem Urknall. Vorher war das Universum zu dicht und zu heiß, als dass sich Licht hätte ungehindert ausbreiten können.

Wegen der Ausdehnung des Universums ist Licht vo weiter entfernten Objekten "rotverschoben": Die Wellenlängen im Spektrum sind zu größeren Wellenlämgen verschoben... und zwar umso mehr, je weiter ein Objekt weg ist. Deswegen ist das ein Maß für die Entfernung dieser Objekte.

Zusammenhang zwischen Universum und der Quantenphysik?

Und damit zur Hauptfrage.

Erst einmal: Was ist NICHT der Zusammenhang zwischen Universum und Quantenphysik? Das, was in wirklich vielen, unsäglich schlechten Büchern am Markt behauptet ist. Wo immer Sprüche verbreitet werden wie "wegen der Quantenphysik ist alles mit allem verbunden", wenn da ein kosmisches Energiefeld oder gar Bewusstsein, Informationsfelder oder Schlimmeres behauptet wird: Leg das Buch weg. Es hat mit Physik nichts zu tun. Nein, auch nicht mit Quantenphysik.

Was ist wirklich der Zusammenhang zwischen Universum und Quantenphysik?

Quantenphysik ist die Physik des Allerkleinsten, der Elementarteilchen. Sie wird aber auch über all dort wichtig, wo die Dichten der Teilchen extrem hoch werden. Wenn Du jetzt ein bissi nachdenkst, fallen Dir da im Bereich der Astrophysik vielleicht folgende Gebiete ein, die man unbedingt quantenmechanisch durchrechnen muss, damit kein Unsinn rauskommt:

  • Kernfusion - alles, was im Innern der Sterne da an Energieproduktion passiert, kann man nur exakt rechnen, wenn man die nötigen Reaktionswahrscheinlichkeiten sauber über die Atom- und Kernphysik ausrechnet: Das geht nicht ohne Quanteneffekte.
  • Neutrinophysik und Betazerfall... alles Quantenphysik
  • Supernova-Explosionen
  • Neutronensterne
  • Schwarze Löcher
  • Urknall

Das ist jetzt nur eine Auswahl. Man merkt aber schon, dass man die Physik des Allerkleinsten verstehen muss, um die Vorgänge an vielen Stellen im Universum zu verstehen.

Grüße

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Hallo seifreundlich2,

also allgemein kann man natürlich nicht einfach sagen, Endlichkeit sei grenzenlos... aber Du konkretisierst Deine Frage dann ja auf das Universum.

Und da kann man das schon physikalisch erklären. Und da ist - anders als hier mehrfach geschrieben - die Frage auch sinnvoll.

Zunächst einmal:

Angenommen, das Universum sei nicht unendlich

Genau. Das wissen wir nämlich nicht.

Unser beobachtbarer Teil des Universums ist endlich groß.... aber ob das Universum als Ganzes, also einschließlich der unbeobachtbaren Teile unendlich groß ist, das wissen wir nicht. Bei Astrophysikern kannst Du das hier nachlesen:

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/07/21/ist-das-universum-unendlich-gross/?all=1

https://phys.org/news/2015-03-universe-finite-infinite.html

und der Raum sei die dreidimensionale Oberfläche dieses vierdimensionalen Universums,

Nicht ganz.... und ich denke, hier liegt das Verständnisproblem.

Die Raumzeit selbst und alles darin __ist__ unser Universum.

Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie erlaubt aber Beschreibungen "gekrümmter" Raumzeiten, bzw. öffnet die Möglichkeiten aller möglichen Topologien.

Ein "gekrümmter Raum" (oder genauer Raumzeit) ist schwer vorstellbar. Am besten stellst Du es Dir mit einer Dimension ("Richtung") weniger vor. Stellen wir uns vor, wir wären winzigste Lebewesen, die in einer hauchdünnen Ballonhülle leben. Für uns gäbe es kein "oben" und "unten". In diese Richtung könnten wir gar nicht blicken. Wir könnten in unserem Ballonhüllenuniversum herumlaufen und kämen nie an einen Rand. Dennoch wäre es endlich groß, könnte sich sogar ausdehnen und wir könnten sogar eine Krümmung messen.

Derartige "Krümmungen" kann man zum Beispiel über geometrische Messungen nachweisen (oder eben nicht). Nur in der ebenen Fläche ist die Winkelsumme im Dreieck 180° ("euklidisch"). Auf einer nach außen gewölbten Fläche wie der Erdoberfläche ist sie größer, auf einer nach innen gewölbten ist sie kleiner.

Messungen im Uniersum ergeben mit großer Genauigkeit, dass im Universum die euklidische Geometrie herrscht. Aber Mathematiker können Dir unendlich große Räume mit "euklidischer" Geometrie nennen ... oder endlich große. Aus der Messung der Geometrie folgt also leider gar nichts für die Größe des gesamten Universums. Aber es sind eben geschlossene Topologien möglich... und damit randlose endlich große Räume.

Schau mal hier rein, vielleicht hilft Dir diese Erklärung weiter:

https://www.youtube.com/watch?v=Z0o6hQLcSRc

Grüße

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Hallo rumit34,

wenn Naturwissenschaftler ihre Modelle einer breiten Öffentlichkeit verständlich machen wollen, kann man nicht wie in der Physik halt nun einmal nötig, mit Formeln arbeiten. Man muss dann höchst komplizierte Modelle mit möglichst einfachen Worten umschreiben... und das führt eben leider auch in gewissem Umfang zu missverständlichen bis sogar leicht falschen Darstellungen.

Wenn Physiker sagen, dass der Urknall aus dem "Nichts" entstanden sei, dann ist das so eine Ungenauigkeit. Gemeint ist vielmehr, dass unsere Physik, unser Raum und unsere Zeit beim Urknall entstanden sind. Wir können daher in der Physik __nichts__, was wir aus unserem Universum kennen, als gesichert über den Urknall hinaus voraussetzen. Wir haben hier einen echten, von der Natur vorgegebenen Horizont.

Du merkst den Unterschied?

hatte es dennoch einen "Zeit-Punkt" gehabt oder nicht? Wieso geschah es vor 13,8 Mrd Jahren und nicht schon vor 17,3 Mrd Jahren? Es muss also "zuvor" "etwas" auf diesem Urknall hingearbeitet haben?

Wie lange der Urknall aus heutiger Sicht in unserem Universum her ist, das ist eine Messgröße. Eine Messgröße, die wir zunehmend genau bestimmen können.

Beim Urknall beginnt der Zeitpfeil aber. Das hat etwas damit zu tun, wie Zeit überhaupt wahrnehmbar wird: Über irreversible Prozesse - also natürliche Vorgänge, die spontan (ohne Energiezufuhr) immer nur in eine Richtung ablaufen. Dein Alterungsprozess wäre so ein irreversibler Prozess. Derartige Prozesse gibt es erst __im Universum__ - und damit erst seit dem Urknall.

Damit existiert der Zeitbegriff erst seit dem Urknall... und ohne Zeitbegriff macht der Begriff "davor" keinen Sinn mehr.

Und wenn kleinste Teilchen aus dem Nichts entstehen können, so ist doch die bereits auch schon eine "Physik" die existiert hat, bevor es zum Urknall und zur Entstehung des Universums geführt hat.

Wie gesagt: In der Kosmologie geht man keineswegs von einem "absolutem Nichts" aus. Nur ist der Urknall eben ein echter Beobachtungshorizont, so dass wir Hypothesen darüber hinaus nicht experimentell bestätigen können.

Zudem eröffnet die Quantenphysik auf sehr kleinen Maßstäben - wie sie beim Urknall relevant sind - tatsächlich das Ausheben von Kausalität. (Heisenberg!)

Ich habe einmal in einer älteren Antwort zwei gängige Modelle der Kosmologie beschrieben, die die Hypothesen, wie es zu "einem Urknall kommt", darstellen:

https://www.gutefrage.net/frage/was-hat-den-urknall-ausgeloest

Ich würde Dir raten, Dir einmal den dort verlinkten Vortrag von Josef Gaßner anzusehen. Ich denke, darin wird Deine Frage wirklich ausführlich beleuchtet.

Grüße

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Warum reagieren so viele Leute aggressiv auf Homöopathie und andere „Alternativmedizin“?

Damit meine ich nicht, warum man diese Methoden kritisiert; ich halte sie auch ganz meh­rheit­lich für Schar­la­ta­nerie; bei chi­ne­si­schen oder in­di­schen Heil­kräu­tern ist eine Wirk­sam­keit zu­min­dest nicht aus­geschlos­sen, aber Homöo­pathie, Bach­blüten und Reiki-Medi­tatio­nen sind offen­sicht­liche Pseudowissenschaft.

Andererseits verstehe ich die Emotionen nicht, die bei vielen „Skeptikern“ hoch­kochen. Es ist Kon­sens, daß jeder voll­jähri­ge Patient eine stan­dard­medi­zini­sche (und vermut­lich wirk­same) Be­hand­lung ver­wei­gern darf. Warum soll er sich nicht auch zu­sätz­lich eine wir­kungs­lose wünschen dürfen?

Nun kann man argumentieren, daß Unsinn als Geschäftsmodell nicht tragbar sei, und daß die Pa­tien­ten durch Werbe­kampa­gnen aktiv getäuscht würden. Das stimmt viel­leicht, aber in dieser Hin­sicht nimmt der Alter­nativ­medi­zini­sche Komplex keine Son­der­stel­lung ein: Jeder kann so ziem­lich alles be­wer­ben, und muß für seine Werbe­verspre­chen nicht ge­rade­stehen (das gilt auch für Phar­ma-Kon­zerne, und hat denen schon mehr als ein­mal den Hals gerettet). Um­gekehrt kann sich jeder Pa­tient im Internet über den natur­wissen­schaft­lichen Hinter­grund der Homöo­pathie in­for­mie­ren und darf sich mit Grausen ab­wenden. Oder auch nicht, nach Belieben.

Warum also die Aufregung?

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Hallo indiachinacook,

bitte entschuldige, dass ich mit 2 Tagen Verspätung noch antworte; ich würde aber gerne zumindest darlegen, warum ich persönlich jetzt seit 7 Jahren aktiv in der Homöopathiekritik engagiere und mein Wissen, das ich meiner naturwissenschaftlichen Ausbildung verdanke, so einsetze.

Zunächst einmal: Ich bin ganz bei Dir, dass es sehr viel besser wäre, wenn die Kritik an der Homöopathie und der sogenannten "Alternativmedizin" immer rein sachlich erfolgen würde. Ich persönlich sogar selber in der Vergangenheit mehrfach auf Vertreter der Evidenzlage losgegangen, weil sie unter die Gürtellinie geschossen haben..... Alas: es sitzen halt auf beiden Seiten Menschen hinter dem Monitor. Und manchmal (ich werde das unten belegen) kann ich auch verstehen, wenn es eskaliert. Sollte nicht sein... aber passiert eben, wenn einem ein Thema wirklich wichtig ist.

Wo sind denn nun die neuralgischen Punkte, an denen es auch dem eigentlich rational und nüchternen Homöopathiekritiker mal hochkocht? Ich zähle in der Folge jetzt mal ein paar Punkte auf, an denen ich persönlich in der Vergangenheit wirklich Mühe hatte, sachlich zu bleiben, ok? Also ausnahmsweise mal eine sehr persönliche Meinungsantwort von mir zum Thema "Homöopathie"....

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1) Diskreditierung der Medizin

Nicht wenige Homöopathen äußern sich abfallend über die Medizin. Das beginnt beim abfälligen Schimpfbegriff "Schulmedizin", der übrigens ursprünglich tatsächlich aus einem Schriftwechsel von Hahnemann himself stammt.

Dieser Begriff allein transportiert unterschwellig verkopftes, verstaubtes Denken auf letztlich überholtem Wissensstand.

(Beleg: https://de.wikipedia.org/wiki/Schulmedizin)

Das hört aber hier nicht auf. Nicht gerade selten diskreditieren Homöopathen offen die Medizin als weniger leistungsfähig als die Homöopathie: Medizin wird als ausschließlich "symptomunterdrückend" und den Patienten sogar letztlich krankhaltend oder sogar krankmachend dargestellt.

(Beispiel: https://www.experto.de/gesundheit/homoeopathie/klassische-homoeopathie-heilung-versus-unterdrueckung-von-symptomen.html)

Also: Es finden sich Beispiele (und nicht wenige...), in denen Homöopathen Patientenängste vor medizinischen Maßnahmen erst richtig anschüren und über den Nutzen medizinischer Maßnahmen völlig falsche Aussagen verbreiten. Im Bilde der "Alternativen" ist die Medizin nicht selten ein von der "Pharmamafia" gekaufter Laden, der Menschen krank machen soll, um an ihnen zu verdienen. Das betrifft oft ganz gezielt die Unterwanderung empfohlener Impfprogramme (Beispiel: http://www.doktor-quak.de/information-patienten/impfungen.html) und im schlimmsten Falle onkologische Maßnahmen (Beispiel: https://www.mickler.de/fallbeispiele/homoeopathie-krebs-wurster.htm).

Und ja, wenn ich so was lese, während ich weiß, dass wir im Prinzip die beste medizinische Versorgung haben, die Menschen je auf diesem Planeten zur Verfügung stand, dann kocht es schon mal in mir hoch, wenn so was dann mit Verschwörungstheorien überzogen wird, nur um ein verklärtes Placeboverfahren zu bewerben. Und ja, dann habe ich auch manchmal Mühe, sachlich zu bleiben.

2) Teilweise lebensbedrohliche Ratschläge an Patienten

Die wissenschaftliche Evidenz für den Placebocharakter der Kügelchen ist überwältigend. Nun kann ich verstehen, dass Homöopathen, die davon leben, trotzdem weiter homöopath behandeln und ihren Patienten eben nicht auf die Nase binden, dass es Placebos sind. Ich kann sogar (Post-hoc-Irrtum & Co) verstehen, warum viele Homöopathen wirklich überzeugt sind, ihre Mittelchen wären mehr als Placebos.

Dennoch halte ich es für moralisch-ethisch verpflichtend für einen Therapeuten bei der naturwissenschaftlichen und medizinischen Evidenz zumindest in Erwägung zu ziehen, dass diese Evidenz richtig sein dürfte... und entsprechend zu beraten. Sprich: Homöopathen sollten Erkrankungen, bei denen ein Placebo keineswegs angebracht ist, ausklammern.

Das ist NICHT der Fall.

Beispiele:

  • Kinder, die vor lauter Husten schon blau anlaufen: Zitat: "Atemnot mit Blauverfärbung des Kindes, Husten unaufhörlich, heftig, pfeifend, spastisch, erstickend Angewendete(s) Mittel: Ipecacuanha Potenz: D12 Dosierung: 1 Globuli, 3 mal täglich (1. Lebensjahr)" (https://www.homoeopathie-online.info/husten/) (https://www.globuli.de/wissen/kleinkind/behandlung/grippe-erkaeltung/husten/)
  • Behandlung von HIV/AIDS ausschließlich homöopathisch (https://magicpillsmovie.com/jeremy-sherr-tells-us-about-coming-to-africa-and-treating-epidemics-homeopathically/) (https://www.amazon.de/Hom%C3%B6opathischer-Ratgeber-Bd-7-AIDS-Ravi/dp/3929108070) (https://www.narayana-verlag.de/homoeopathie/pdf/Seminare-und-Vorlesungen-George-Vithoulkas.04858.pdf)
  • Behandlung von Krebs homöopathisch (https://www.amazon.de/hom%C3%B6opathische-Behandlung-Heilung-metastasierter-Karzinome/dp/3933666198) (http://www.clinica-dr-spinedi.ch/de/) (https://www.weiterbildung-homoeopathie.de/events/evid1535-krebsrevolution-kongress-mit-dr-banerji/)
  • Homöopathische Behandlung von Ebola (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/angebliche-ebola-therapie-liberia-stoppt-homoeopathen-a-1004553.html)

Mehr Beispiele? Bitte zu beachten, dass hier auch Links zu Verbänden dabei waren: Von "schwarzen Schafen" kann also keineswegs die Rede sein.

Ich möchte, um meinen Punkt zu verdeutlichen, ein paar Zeilen aus einem __Lehrseminar__ des Klinikleiters der Tessiner Homöopathiekrebsklinik wiedergeben, um zu verdeutlichen, was für eine Gefahr das für den Patienten bedeutet. Folgende Antworten von Dr. Spinedi sind in der Seminarmitschrift festgehalten: (Findet sich als Download auf dieser Webseite: http://www.homeopathy.at/)

Q: Brusttumore lassen sie stehen? Oder raten sie OP/Chemo?
A: was ist die richtige Antwort: die Meinung des Patienten. Erst wenn der Patient fragt: was ist ihre Meinung? Dann sage ich, lassen sie es stehen

Q: auch bei LK-Metas ?
A: dann erst recht, denn dann ist die OP ja noch schlimmer.

Q: was ist mit Frühstadium, die schulmedizinisch kurativ operiert werden können?
A: die können auch kurativ homöopathisch behandelt werden

Q: beim Melanom?

A: nie operieren – nur Homöopathisch

Und ja: Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber wenn sich mir bei solchen Aussagen fast schon der Magen umdreht, dann reagiere ich auch mal weniger sachlich, als ich es sollte in einer Diskussion.

3) Missbrauch meines Fachgebietes, der Physik, um Patienten wissenschaftlich unhaltbare Verfahren anzudrehen

Das war für mich damals übrigens der Auslöser, mich als Physiker in die Homöopathiedebatte einzuklinken. Ich habe hinter mir einen Ordner, in dem Homöopathen wissenschaftliche Laien mit pseudowissenschaftlichen Behauptungen einreden, dass die Physik auf die eine oder andere Weise die Homöopathie erklären würde. Der Patient darf sich dann aussuchen, ob er die Behauptung schlucken möchte, es wären Nanopartikel (https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0686-3629), ein Wassergedächtnis (https://www.klassische-homoeopathin.de/klassische-homoeopathie/das-gedaechtnis-des-wassers/), die Quantenphysik (https://www.sueddeutsche.de/wissen/umstrittenes-heilverfahren-homoeopathie-missbrauchte-studien-1.1267699), oder auch Gravitonen (https://www.amazon.de/dp/B01HRQU3OC/ref=dp-kindle-redirect?_encoding=UTF8&btkr=1)

Das Problem, wenn wir zulassen, dass seriöse Wissenschaften wie die Physik dazu missbraucht werden, unhaltbare medizinische Verfahren an den Patienten zu bringen, ist, dass damit auch das Ansehen dieser Naturwissenschaften sinkt, wenn sich eben nicht die gewünschten Therapieeffekte einstellen.

Und ja, es wurmt mich auch persönlich, wenn mein Fachgebiet, das eigentlich klipp und klar widerlegt, dass Stoffe in Abwesenheit wirken, dazu missbraucht wird, Patienten über den Tisch zu ziehen.

4) Die Homöopathen greifen nach akademischen Titeln, die das Verfahren bicht verdient

Mein akademischer Grad ist der MSc, der Master of Science. Für den habe ich 6 Jahre - 12 Semester - wirklich hart geschuftet und mich durch ein schweres naturwissenschaftliches Studium gebissen.

Es kocht mir die Galle hoch, wenn Homöopathen denselben Titel für ihr Verfahren vergeben wollen, das von der russischen Akademie der Wissenschaften ganz offiziell als Pseudowissenschaft eingestuft wurde. (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72916/Russland-lehnt-Homoeopathie-als-Pseudowissenschaft-ab) Genau diesen Titel wollten Homöopathen aber mehrfach in der Vergangenheit (und Gegenwart) ebenfalls haben. (https://www.sueddeutsche.de/bayern/bachelor-fuer-homoeopathen-aerger-um-die-kuegelchen-akademie-1.1922649) (https://www.homoeopathiehilft.at/show_content2.php?s2id=258) (https://elpais.com/elpais/2016/03/01/ciencia/1456856774_534268.html?rel=mas)

Abgesehen davon, dass es gesellschaftlich höchst schwerwiegende Folgen hat, wenn wir die Unterschiede zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft verwischen, empfinde ich es persönlich hier als Schlag ins Gesicht für alle Naturwissenschaftler, wenn der MSc derart abgewertet wird. Einer der Punkte, der mich wirklich persönlich betrifft...

5) Persönliche Beleidigungen komplett unter der Gürtellinie

Nachdem in den letzten 5 Jahren gleich mehrere internationale wissenschaftliche Institutionen offizielle wissenschaftliche Stellungnahmen zum Placebocharakter der Kügelchen veröffentlicht haben (NHMRC, FDA, NHS, EASAC,...), ist die Reaktion der Homöopathen in nicht gerade wenig Fällen komplett unter die Gürtellinie abgerutscht.

Es werden sowohl wissenschaftliche Institutionen wie NHMRC oder EASAC im besten Falle der Schlamperei, im schlimmsten Falle der Lüge und des Betrugs bezichtigt (https://www.hri-research.org/resources/homeopathy-the-debate/the-australian-report-on-homeopathy/) (https://www.dzvhae.de/easac-arbeitsgruppe-kritisiert-homoeopathie-mit-einseitiger-studienauswahl/). Noch schlimmer wird mit Einzelpersonen - Ärzten und Wissenschaftlern - umgegangen, die sich im Verbraucherschutz engagieren. (https://www.amazon.de/dp/B06XXM3BBB/ref=dp-kindle-redirect?_encoding=UTF8&btkr=1) (https://homoeopathiewatchblog.de/)

Ein Wissenschaftler sollte sich in einem freien Land nicht dafür beleidigen lassen müssen, nur weil er ein wissenschaftliches Ergebnis öffentlich kommuniziert. Vergleiche mit der Hexenjagd sind da noch harmlos, zuletzt kam da eher die Nazi-Keule oder noch Schlimmeres.

Und wo so mit sachlicher Kritik umgegangen wird wie auf meinen Links... da darf man sich eben auch nicht wundern, wenn auch auf der anderen Seite mal jemand nicht ganz korrekt reagiert. Auch wir sind nur Menschen.

Grüße

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Hallo Kirisheya,

solche Dinge wie das, was Carl Sagan gesagt hat:

National boundaries are not evident when we view the Earth from space. Fanatical ethnic or religious or national chauvinisms are a little difficult to maintain when we see our planet as a fragile blue crescent fading to become an inconspicuous point of light against the bastion and citadel of the stars. Travel is broadening.

(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator: Nationale Grenzen sind nicht sichtbar, wenn wir die Erde aus dem All betrachten. Fanatische ethnische oder religiöse oder nationale Chauvinismen sind ein wenig schwierig aufrecht zu erhalten, wenn wir unseren Planeten als einen zerbrechlichen blauen Halbmond betrachten, der zu einem unauffälligen Lichtpunkt gegen die Bastion und Zitadelle der Sterne wird. Reisen erweitert den Horizont...)

Oder:

We are the local embodiment of a Cosmos grown to selfawareness. We have begun to contemplate our origins: starstuff pondering the stars; organized assemblages of ten billion billion billion atoms considering the evolution of atoms; tracing the long journey by which, here at least, consciousness arose. Our loyalties are to the species and the planet. We speak for Earth. Our obligation to survive is owed not just to ourselves but also to that Cosmos, ancient and vast, from which we spring.

(Wir sind die lokale Verkörperung eines Kosmos, der zum Selbstbewusstsein gewachsen ist. Wir haben begonnen, unsere Ursprünge zu betrachten: Sternenstaub, der über die Sterne nachdenkt; organisierte Zusammenstellungen von zehn Milliarden Milliarden Milliarden Atomen, die die Evolution der Atome betrachten; die lange Reise verfolgen, auf der zumindest hier das Bewusstsein entstanden ist. Unsere Loyalität gilt den Arten und dem Planeten. Wir sprechen für die Erde. Unsere Verpflichtung zum Überleben ist nicht nur uns selbst, sondern auch dem alten und weiten Kosmos geschuldet, aus dem wir kommen.)

Grüße

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Hallo Gina595,

das sind ja mehrere Fragen. Ich werde mir Mühe geben, sie der Reihe nach durchzugehen und Dir auch ein paar Links als Quellenangaben zur Verfügung zu stellen.

Um zu verstehen, dass Bachblüten Placebos sind und was das bedeutet, muss man sich erst mal anschauen, was das überhaupt für ein Verfahren ist.

1) Was sind eigentlich Bachblüten?

Bei Bachblüten denkt man intuitiv an Pflanzenmedizin, aus Blumen gewonnen, die an Bächen wachsen.... aaaaber genau das sind Bachblüten nicht. Sauberer wäre daher von Bach-Blüten zu sprechen, nach dem Engländer Edward Bach, der sich das Ganze ausgedacht hat. Das Verfahren zählt auch NICHT zur Naturheilkunde oder Pflanzenheilkunde, weil Bach die Mittel nach seinen eigenen - esoterischen - Vorstellungen über die Natur "erfühlt" hat. - Die Pflanzen wurden nicht nach dem Kriterium ausgewählt, ob sie für irgendetwas traditionell bekannte Heilwirkung besitzen.

Die Pflanzenteile werden laut Bach am besten bei einer bestimmten Mondphase und nicht nach 9:00 gepflückt und eine bestimmte Zeit in einer alkoholhaltigen Lösung im Sonnenlicht eingelegt, manche werden auch gekocht. Dabei sollen keineswegs bestimmte Heilstoffe aus den Pflanzen gelöst werden, sondern "Schwingungen". Was da schwingen soll, das hat weder Bach, noch einer seiner Follower je erklärt. Das Ganze ist, wissenschaftlich betrachtet, nicht mehr, als ein esoterisches Ritual.

Im Fläschchen bekommst Du dann das Ganze (samt der postulierten aber nicht nachweisbaren Schwingungen) stark verdünnt als sogenannte "Essenz" verkauft. Dass eine "Essenz" normalerweise genau das Gegenteil ist - eine konzentrierte Lösung - ist ein höchst werbewirksamer "Zufall", suggeriert es doch dem Käufer einen konzentrierten Auszug zu erhalten. Tatsächlich enthalten die Tropfen Alkohol, Wasser und minimalst verdünnte Stoffe aus den Pflanzen (wie gesagt: die meisten sind keine Heilpflanzen).

Und diese Tropfen sollen jetzt laut Bach alle Probleme lösen. Durch Schwingungen, die nie nachgewiesen wurden.

Nach dieser Beschreibung sollte klar sein, dass eine Wirksamkeit über Placeboeffekte hinaus von so einem unplausiblen Verfahren nicht zu erwarten ist. Trotzdem wurde es fair in klinischen Studien untersucht.

2) Bachblüten sind nachweislich Placebos - Scheinmedikamente

In klinischen Studien vergleicht man die Erfahrungen von Studienteilnehmern, die Bachblüten genommen haben, mit denen, die glaubten, Bachblüten zu nehmen, aber in Wirklichkeit ein gleich aussehendes (und schmeckendes) Placebo bekommen haben.

Eine Übersichtsarbeit zum Thema findest Du zum Beispiel hier beschrieben:

https://phytotherapie-seminare.ch/studie-untersucht-bachblueten-wirkung-bei-pruefungsangst-und-adhs/

Das Ergebnis der beschriebenen Studien war, dass es den Teilnehmern in der Placebogruppe genauso gut mit ihrem Mittel ging wie denen mit den Bachblüten. Ich zitiere:

"Alle vier Studien kamen zum Schluss, dass Bachblüten nicht besser gegen Prüfungsangst oder ADHS wirken als Placebo. Bei allen therapierten SchülerInnen und StudentInnen zeigte sich zwar eine Verbesserung der Symptome, aber diese Verbesserung stellte sich sowohl bei der Einnahme von Bachblüten als auch von Placebo ein."

 Weitere wissenschaftliche Untersuchungen findest Du unter diesem Link (dort ist auch das Verfahren selber noch einmal ausführlicher dargestellt):

http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Bach-Blütentherapie#Wissenschaftliche_Einordnung

Bachblüten helfen also nachgewiesenermaßen nicht besser als Placebos.

3) Was bedeutet das jetzt?

In obiger Studienzusammenfassung wird es ja gesagt: offensichtlich ging es beiden Gruppen in der Studie gut mit ihrem Mittel. Das wiederum liegt daran, dass Placebos nicht "wirkungslos" sind. Sie können tatsächlich in solchen Situationen spürbar helfen. Placebo bedeutet wörtlich "ich werde gefallen".

So lange man ein Placebo bei an sich harmlosen Beschwerden einnimmt (also solchen, bei denen sich Besserungen auch unbehandelt einstellen, weil der Körper auch ohne echte Behandlung damit fertig wird), wirst Du auf die Frage, ob solche Mittel "helfen" unvermeidlich viele positive Rückmeldungen kriegen. Das bedeutet aber eben NICHT, dass wirklich das Mittel etwas "bewirkt" hat... und somit die Mittel eben doch mehr sind als Placebos: Sondern eben, dass Placeboeffekte, natürliche Genesungen und Verhaltensänderungen das Problem irgendwann nach der Einnahme des Placebos gelöst haben.

Wichtig ist, dass Du Dir erst mal klar machst, dass Bachblüten Placebos sind (und nichts anderes), ist erst mal völlig wertfrei. Es ist keine Kritik an dem Verfahren (wobei ich gleich noch Kritik üben werde), aber die Aussage allein, dass die Mittel Placebos __sind__ ist einfach ein wissenschaftliches Ergebnis, das man halt einfach akzeptieren muss, genau so wie die Kugelgestalt der Erde oder die Existenz der Stadt Bielefeld.

4) Sind Placebos sinnvoll?

In bestimmten(!) Situationen ist das Ausnutzen von Placeboeffekten medizinisch sinnvoll.

Das ist immer der Fall, wo

  • kein wirksames Verfahren existiert, oder
  • Beschwerden so harmlos sind, dass der Patient eigentlich gar keine wirksame Behandlung braucht - aber explizit den Wunsch nach einer solchen äußert.

So heißt es zum Beispiel in obigem Link zur Prüfungsangst, dass es bestimmt für Schüler besser ist, vor Prüfungen ein Placebo zu nehmen als ein echtes Psychotherapeutikum. Placebos haben weniger (nicht keine) Nebenwirkungen und erzeugen keine körperliche Abhängigkeit.

Die Ideallösung ist es aber auch hier nicht: Denn man trainiert dem Schüler so eine falsche Problemlösungsstrategie an: Nämlich eben den Griff zur Tablette anstatt Entspannungsübungen und Aufbau von Selbstvertrauen.

Auch Placebos haben also "Nebenwirkungen". Lass' mich zum Schluss also noch darauf schauen, ob das Verfahren wirklich harmlos ist:

5) Bergen Placebos auch Gefahren?

Beide genannten Fälle eines sinnvollen Placeboeinsatzes machen auch klar, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen:

  • Es muss vom Arzt eine saubere Diagnose vorliegen, damit der Arzt entscheiden kann, OB einer dieser beiden Fälle vorliegt: Einfach auf eigene Faust Placebos einzuwerfen und gar nicht erst zum Arzt zu gehen, kann bedeuten, dass man eine ernstere Erkrankung hinter zunächst harmlos erscheinenden Symptomen verschleppt... und das ist NICHT harmlos.
  • Die zweite Voraussetzung geht in dieselbe Richtung: Der, der die Placebos empfiehlt, muss wissen, dass es Placebos sind. Wer Dir Bachblüten in der Überzeugung empfiehlt, dass die Dinger MEHR sind als Placebos, der wird das eben auch noch bei behandlungswürdigen Beschwerden tun.

In beiden Fällen läufst Du Gefahr, dass Beschwerden, die eigentlich richtiger Behandlung (nicht nur Scheinbehandlung mit Placebo) bedürfen, zu lange unbehandelt bleiben. Dieses Risiko der "Therapieverzögerung" ist eine der beiden Gefahren esoterischer Placebos wie den Bachblüten.

Die zweite Gefahr entsteht aus dem antiwissenschaftlichen Gedankengut, das oft zusammen mit solchen Produkten verbreitet wird. Und das ist bei den Bachblüten wegen des esoterischen Überbaus enorm.

6) Sind Bachblüten "gut"?

Zunächst wird der Placebocharakter der Bachblüten von den Anbietern nicht selten mit einer Diskreditierung von Wirksamkeitsnachweisen allgemein verteidigt: Man könne das noch nicht nachweisen heißt es da. Oder die Wissenschaft sei eben im "materiellen Weltbild" festgefahren. Oder Wirksamkeitsnachweise seien eh nur für weltfremde und verkopfte Mitbürger ohne reichhaltige Praxiserfahrung... usw.

Nein: Wirksamkeitsnachweise sind bester Verbraucherschutz, wenn es um medizinische Fragen geht: Nicht mehr, nicht weniger.

Dann werden Bachblüten nicht selten beworben in moralisch höchst fraglichem Kontext: Bachblüten werden Eltern gegenüber beworben als "sanfte Stimmungsveränderer" ihrer Kinder. Kinder, die leicht gereizt reagieren oder trotzig sollen laut der Versprechungen der Bachblüten zugänglicher und pflegeleichter werden.

Was muss das Kind denken, wenn ihm seine Mutter nach jedem "Versagen" demonstrativ ein Medikament einflöst, damit sich endlich, endlich seine kleine Persönlichkeit in die Richtung verändert, die die Mutter wünscht? Denn das ist genau das, was das Kind aus seiner Perspektive erlebt. Für das Kind ist es eine Behandlung - dass die Datenlage eindeutig ist, dass es sich nur um Placebos handelt: das weiß das Kind nicht.

Wenn man dann bedenkt, dass sogar die Bachblüte für "nach dem Kindesmissbrauch" schon auf dem Markt war und erst nach heftigen Protesten von Verbraucherschützern wieder verschwunden ist (http://scienceblogs.de/frischer-wind/2013/11/16/ein-neuer-tiefpunkt-der-alternativmedizin/), dann verstehst Du vielleicht, dass man, WENN man zum Placebo greifen möchte, besser eines wählt, das ohne esoterisches Weltbild daher kommt.

Grüße

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Hallo FruchtMutti,

gute Inhaltsangaben zu den gängigen Blockbustern findet man eigentlich immer auf Wiki.

Hier wäre Episode 7 - Das Erwachen der Macht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Star_Wars:_Das_Erwachen_der_Macht#Handlung

Grüße

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Hallo Holzheimer,

der Satz

bin bei einen normalen Arzt und er verschreibt oft Antibiotika und glaubt eben an den Quatsch nicht. Ist Naturheilkunde besser ?

lässt aufhorchen. Denn jeder Arzt weiß eigentlich, dass Naturheilkunde ein Teil der evidenzbasierten Medizin ist - also der Medizin, die sich selbst auferlegt hat, sich selbstkritisch zu testen und Wirksamkeitsnachweise für Wirksamkeitsversprechen vorzulegen.

Das ist, wenn man ein wenig drüber nachdenkt, mit Sicherheit, was sich ein Patient im eigenen Interesse wünschen kann: Vom Therapeuten Therapien angeboten zu bekommen, die ihre Wirksamkeit (also die Vergrößerung der Genesungschancen beim Patienten, bzw. ein psoitives Nutzen/Risikoverhältnis) belegt haben. Es ist im Interesse des Patienten, wenn nicht jedes Verfahren das Blaue vom Himmel herunter versprechen kann, ohne jemals stichhaltige Belege vorgelegt zu haben, dass es diese Versprechen auch einlöst. Es ist im Interesse des Patienten, wenn ihm der Therapeut nicht einfach nur etwas empfiehlt, was vielleicht in ein (möglicherweise recht esoterisches) Weltbild passt, sondern wenn der Arzt verpflichtet wird, nach bestem Wissen das bestmögliche bekannte Verfahren zu empfehlen.

Eigentlich logisch, oder?

Wenn Dein Arzt nun sagt, er "glaube an den Quatsch nicht", dann liegt das wahrscheinlich an einer - weit verbreiteten - Verwechlung auf Deiner Seite:

Die sogenannten "alternativmedizinischen Verfahren" stellen sich selbst sehr gerne als Naturheilkunde dar, sind es aber nicht. Homöopathie, Schüssler Salze, Bachblüten, Bioresonanz ... sind __keine__ Naturheilkunde. Und das trotz all der schönen bunten Blumenbildchen, die der Kunde in den entsprechenden Büchern und Webseiten findet.

Diese Verfahren

  • entstammen sehr oft keineswegs den traditionellen natürlichen Behandlungsweisen, sondern wurden von Einzelpersonen auf der Basis ihrer persönlichen Naturvorstellungen konstruiert - OHNE dass ein aus der Natur bekanntes Phänomen dabei eine Rolle gespielt hätte
  • beruhen oft auf Vorstellungen über unseren Körper, die mit unserem heutigen Wissen nicht mehr vereinbar sind. (Meridiane, Schwingungen, Informationen, Energien, Resonanzen... all diese Begriffe sollten Warnsignale sein)
  • postulieren Wirkmechanismen ihrer Mittel, die wissenschaftlich nicht haltbar sind (die Homöopathie etwa die wirkstoffabhängige Wirksamkeit, nachdem der Wirkstoff vollständig aus dem Produkt herausverdünnt wurde)
  • haben im Einklang mit diesen logischen Problemen im Praxisversuch in klinischen Studien nicht besser abgeschnitten als andere Scheinmedikamente.

Dein Arzt "glaubt" da also nicht einfach nicht dran, er kennt die Datenlage. Das spricht eigentlich für ihn.

Also: Tipps:

  • Nicht Naturheilkunde und die selbsternannten "Alternativen" verwechseln. Alles, was sich "Alternativmedizin" nennen muss, hat es nicht in die echte Medizin geschafft... und verbirgt diese Tatsache, indem man sich scheinbar unter Naturheilkunde einordnet
  • Beim Arztbesuch ruhig mehr nachfragen. Warum brauche ich jetzt ein Antibiotikum? Ist dieses Verfahren sinnvoll? Warum halten Sie von diesem Verfahren nichts? Gibt es hierzu keine Wirksamkeitsnachweise? Antworten schaffen Vertrauen... und Vertrauen ist nachweislich eine wichtige Komponente im Genesungsprozess.
  • Vielleicht ein paar wisssenschaftliche Bücher lesen, in denen der Unterschied zwischen Naturheilkunde und Alternativmedizin gut dargestellt sind.

Grüße

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Hallo Holzheimer,

ein gesunder Lebensstil passt eigentlich gar nicht zur Idee, Erkrankungen nur mit Verfahren zu begegnen, die nachweislich nur mit Placebos arbeiten.

(Nein, keine "Meinung", sondern wissenschaftliches Ergebnis, etwa hier nachzulesen: https://easac.eu/fileadmin/PDF_s/reports_statements/EASAC_Homepathy_statement_web_final.pdf)

Gesunder Lebensstil ist doch eher, dass man auf eine ausgewogene Ernährung achtet, dass man darauf achtet, sich ausreichend und angemessen zugleich sportlich zu betätigen und dabei möglichst oft an die frische Luft zu gehen. Es wäre aber eine Illusion, davon auszugehen, dass man damit wirklich jeden Infekt, jede Verletzung oder jedes Auftreten von "Zipperlein" langfristig vermeiden könnte: Auch beim gesündesten Lebensstil wird man einmal Beschwerden haben. Denen dann nicht angemessen mit der bestmöglichen Therapie zu begegnen, passt eben nicht zur Idee, für seinen Körper etwas zu tun. Das passt eher zu ein paar kursierenden Gerüchten über die Medizin...

Ich sag's mal so: __Wenn__ Du Homöopathika nimmst, weil Du glaubst, dass die pharmakologisch aktiven Substanzen in Medikamenten grundsätzlich mehr schaden als nützen (was nicht stimmt, denn in einem Zulassungsverfahren wird eigentlich genau dieses Nutzen/Risiko-Verhältnis geprüft), __dann__ darfst Du allein wegen dem Vorsatz, keine unnötigen chemisch aktiven Substanzen an Dich ranzulassen, nicht Haarefärben. Haarfarben enthalten allesamt (auch übrigens die der sogenannten "Naturfarben") Stoffe, die bei einzelnen Leuten starke allergische Reaktionen auslösen können. Von daher erschiene es im Sinne eines gesunden Lebensstils sinnvoller, auf diese Haarfarben zu verzichten, sich aber im Krankheitsfalle wirksam zu behandeln.

Das war mal der erste Punkt.

Schauen wir aber gerne zusammen noch ganz konkret auf Deine Frage: Darf man während einer homöopathischen Therapie Haare färben?

1) Homöopathische Mittel sind Placebos, Scheinmedikamente. Sie besitzen keine Wirksamkeit... und können daher auch keine Wechselwirkungen mit haben. Du kannst also auf diese Art sicher nicht irgendeine in den Mitteln enthaltene Wirksamkeit beeinflussen.

2) Du kannst aber, wenn Du Dir Sorgen machst, Du hättest der Wirksamkeit mit dem Haarefärben geschadet, tatsächlich Deine Chance auf den Placeboeffekt schmälern bis vernichten. Muss aber auch nicht sein, der Placeboeffekt ist ein unsteter Bursche, der nicht immer, aber immer möglicherweise auftritt. Wenn Du es machst, solltest Du Dir also sicher sein, dass Du Dir deswegen keine Sorgen machst.

3) Homöopathen nennen das Haarefärben eigentlich nicht als Heilungshindernis. Gängiger sind Hinweise auf mentholhaltige Zahnpasten (ätherische Öle) und Kaffee. Von daher wiederum kein Problem.

4) Hahnemann als Erfinder der Homöopathie nennt in seinem Hauptwerk einen bis heute nicht abgeänderten Abschnitt mit Dingen, die man grundsätzlich während einer homöopathischen Behandlung unterlassen sollte. Danach dürftest Du eigentlich überhaupt nicht viel machen oder essen:

Ich zitiere einmal diesen § 260 Organon:

Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z. B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll.

Weil das so viel ist, hätten Homöopathen wohl wenig Kunden, wenn sie das bis heute so an den Patienten weitergeben würden. - Als widerlegt wird der § 260 aber eben nicht angesehen.

Wie passt das zusammen? Und wie passt das überhaupt zum Placebocharakter der Kügelchen?

Hahnemann schreibt im Organon auch, dass das "richtige" Mittel - also das, das in der Anamnese als das Ähnlichste bestimmt wurde - sicher heilt. Nun haben von den ersten Homöopathen bis heute aber alle Homöopathen sehr oft erlebt, dass es ihren Patienten trotz sorgfältiger Wahl des Mittels nicht besser ging.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das nicht überraschend: Wo nur mit Placebos gearbeitet wird, verschlechtern sich Krankheiten halt auch einmal oder brauchen etwas länger. Aus Sicht der Homöopathie durfte dieses häufige Ausbleiben von Besserungen aber kein Hinweis auf ein Nichtfunktionieren des Verfahrens sein. Deswegen entstand §260 und die Hypothese der Heilungshindernisse: Immer, wenn es nicht besser wurde, war entweder das Mittel nicht richtig gewählt - oder der Patient musste irgendetwas gemacht haben, was die Heilung verhinderte. Weil viele Patienten viele verschiedene Sachen machen, wurde die Liste lang und länger.

Heute hat ein Besuch beim Homöopathen auch viel mit Wellness zu tun; und da passen so lange Verbotslisten nicht mehr ins Ambiente. Ganz verzichten kann man auf die Idee aber nicht, denn man braucht ja nach wie vor Erklärungen, wenn es wieder mal nicht klappt.

Insofern steht das Haarefärben zwar nirgends auf der Liste, ich würde es aber nicht ausschließen, dass es der Homöopath im Falle eines Ausbleibens einer Genesung Deinerseits im Nachhinein und in Abweichung von der Literatur zum Heilungshindernis erklärt... schließlich ist obige Liste genau so entstanden. Das kann Dir aber auch mit allem anderen, was Du so machst, ganz genauso passieren.

So. Damit haben wir das Thema wirklich von allen Seiten zusammen betrachtet.

Grüße

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Hallo NKLS01983,

das ist gar kein so einfaches Thema, weil die Beobachtungen dabei aus Sicht des einfallenden Objektes andere sind als von einem außenstehenden Beobachter.

Deine Simulation ist für einen außenstehenden Beobachter gerechnet. Das sollte man vielleicht dazu sagen.

Und natürlich auch, dass das nicht passieren wird, weil das nächste supermassereiche Schwarze Loch 26 000 Lichtjahre weit weg ist (Sgr A*) und auch dort bleibt...

Ansonsten:

Zu einem ob das die gleichen Auswirkungen wären, wenn ein schwarzes Loch in die Nähe eines Sternes oder Planeten kommt ?

Für die Materie auf jeden Fall. Der Stern leuchtet halt zumindest vorher selber, sein Material ist von vorneherein heißer, was eine etwas andere Strahlungsverteilung gibt. Aber auch ein Planet würde in ähnlicher Weise wie in Deiner Simulation auseinandergerissen werden.

Zumindest dann, wenn er wirklich hineinfällt. Hier haben Forscher sowohl beobachtet als auch vorab berechnet, wie das Licht eines Sterns, der nahe am supermassereichen Loch vorbeifliegt, durch die Gravitation rotverschoben wird. Das würde auch bei einem Planet (oder einem hineinfallenden Astronaut so sein), wenn wir Licht von dem empfangen.

https://www.tagesschau.de/ausland/schwarze-loecher-101.html

Die Spaghettisierung setzt eben erst ab dem Punkt der Annäherung ein, an dem die Gezeitenkräfte (also der Unterschied der Gravitation an beiden Seiten des Körpers) größer wird als die Bindungskräfte, die den Körper zusammenhalten. Bei einem Stern lösen sich da etwa zuerst die äußeren Gasschichten. Die Erde würde durch die Gezeitenkräfte erst einmal "durchgewalgt" und wieder flüssig werden. Und dann spaghettisiert.

Für Gaswolken sieht es übrigens so aus:

https://www.eso.org/public/germany/videos/eso1332a/

Wie kommt dieser Schweif von dem Stern zustande, also wieso "bricht" er sozusagen auseinander und bildet nachher ein Kreis um das schwarze Loch

Naja, das ist genau die Spaghettisierung: Der Stern nähert sich nicht radial, sondern dezentral, also bringt er Drehimpuls mit. Drehimpuls ist eine Erhaltungsgröße... je näher das Material als am SL ist, je kleiner der Anstand, desto schneller muss das Material um das SL rotieren. Dabei ziehen die Gezeitenkräfte das Material immer weiter und weiter auseinander, weil der Unterschied der Schwerkraft ja immer größer wird, je ausgedehnter das Material ist.

Und was genau mit der Erde passieren würde, oder ob diese nur spaghettisiert wird bis sie vollständig im schwarzen Loch verschwunden ist.

Wie gesagt: Erst einmal durchgewalgt, verflüsstigt, spaghettisiert. Dazu durch die immer stärkere einfallende Gammastrahlung der anderen Stern (umgekehrter Effekt der Gravitationsrotverschiebung) zusätzlich noch erhitzt. Irgendwo kollidiertt das Meterial wahrscheinlich auch noch mit anderen Massen, die nach innen fallen.

Grüße

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Hallo Platinboy1964,

nein, Du bringst da ein paar Dinge durcheinander.

Gravitationswellen sind Wellen, die den Raum periodisch stauchen und dehnen. Also Wellen der Raumgeometrie.

Sie breiten sich zum Beispiel dann durch den Raum aus, wenn Massen im Raum beschleunigt werden. Und zwar mit Lichtgeschwindigkeit.

Gravitationswellen sind außerdem ein extrems schwaches Phänomen... LIGO hat Gravitationswellen von 2 ineinander stürzenden Schwarzen Löchern nachgewiesen... und brauchte dafür eine Messgenauigkeit von 21 Stellen hinter dem Komma. Um sich das mal zu veranschaulichen: Das ist, wenn wir die Strecke zum nächsten Stern nehmen (also gut 4 Lichtjahre) eine Stauchung dieser Entfernung um den Durchmesser eines menschlichen Haares.

Ich denke, es ist klar, dass solche Wellen - zumal bei derartigen Ereignissen ja auch noch höchst temporär - keine Interferrenzen ausbilden, an denen sich Massen sammeln oder schon gar nicht Interferenzen, die Massen vortäuschen würden.

Massen sammeln sich unter dem Einfluss der Gravitation anderer Massen und winzigster statistischer Anfangsschwankungen der Dichte. Gravitation ist selbstverstärkend: Wo zufällig ein winziges bissi mehr Masse ist, ist die Anziehung minimal erhöht... und es kommen mehr umliegende Massen in diese Richtung... was dann wieder die Masse dort erhöht und das wieder die Anziehung auf andere Massen. Usw.

Das gilt auch für Dunkle Materie, nur dass die im Gegensatz zur normalen Materie nicht "klumpt", also kompakte Körper bildet.

Grüße

P.S.: Das getaggte Thema "Religion", sowie "Philosophie und Gesellschaft" mach' ich mal weg. Mit beiden Themen hat die Frage absolut nichts zu tun. Hier geht es um Physik.

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Hallo hallihallo766,

ich finde es immer entsetzlich traurig, wenn derartige Verschwörungstheorien einem jungen Menschen den Blick auf die Wirklichkeit verstellen.

Mein Rat wäre: Lerne ein wenig Physik, dann verstehst Du die Dinge um Dich herum besser.

Der Himmel ist blau, weil das einfallende Sonnenlicht von den Luftteilchen der Erdatmosphäre gestreut wird. Diese Streuung ist am effektivsten für blaues Licht, das dann aus allen Richtungen in unser Auge fällt.

Hier ist das sehr anschaulich erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=TnaSu08iC48

Das Weltall ist erstens da und zweitens sehr leer, richtig gutes Vakuum: Sonst könnte sich eben wegen der Streuung das Licht der 150 Millionen Kilometer entfernten Sonne gar nicht bis zu uns ausbreiten. Und erst recht nicht das von anderen Sternen.

Vor allem würde Wasser da nicht oben bleiben: Die Schwerkraft zieht das Wasser schließlich genauso an, wie die Atmosphäre oder uns.

Die Entfernungen zur Sonne und den anderen Planeten und den Sternen messen wir auf verschiedene Arten... mit übereinstimmenden Ergebnissen. Das passt also. Solche verschiedenen Methoden innerhalb des Sonnensystems sind zum Beispiel Parallaxenmessungen und Signallaufzeiten. Auch die korrekte Vorhersage von Sonnen- und Mondfinsternissen zeigt deutlich, dass wir die Bewegungen im Sonnensystem git verstanden haben.

Auf Volkssternwarten kann jeder Laie mal durch ein Teleskop schauen und sich die Dinge somit selber genauer ansehen. Die ISS sieht man sogar mit bloßem Auge regelmäßig über den Himmel gleiten. Wissenschaftliche Beobachtungen sind heute einem breiten Massenpublikum zugänglich. Man kann sich also auch als Laie genau ansehen, welche Daten welche Aussage zum Universum stützen.

Du merkst: Die Physik hat Ergebnisse, die für die Vorstellung eines Meeres da oben keinen Platz lassen.

Grüße

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Hallo AvaTheaena,

Jedes Objekt am Himmel beschreibt aufgrund der Errotation ja einen Bogen, vom Aufgang im Osten über den höchsten Bahnpunkt des Tages bis zum Untergang im Westen. Wenn das Objekt seinen höchsten Stand über dem Horizont hat, spricht man von Kulmination.

Klar soweit?

Jetzt musst Du Dir also überlegen, wann der Vollmond seinen höchsten Punkt erreicht. Und dazu musst Du Dir überlegen, wann der Vollmond auf- und untergeht.

Eigentlich ganz leicht: Voll ist der Mond dann, wenn wir ganz auf die von der Sonne beschienene Seite drauf schauen... dann steht er von der Erde aus gesehen also gegenüber der Sonne. Dann muss der Vollmond (in etwa!) bei Sonnenuntergang aufgehen und bei Sonnaufgang wieder untergehen. ... Woraus sich ergibt, dass er seinen höchsten Stand genau in der Mitte dazwischen hat, also so Pi mal Schnauze um Mitternacht.

Wieder klar soweit?

Jetzt überlegen wir uns das Ganze für Neumond.

Nicht sehen kannst Du den Mond dann, wenn wir ganz auf die nicht von der Sonne beschienene Seite drauf schauen... dann steht der Mond also zwischen Erde und Sonne, von der Erde aus also in Richtung der Sonne. Dann muss der Neumond (in etwa!) bei Sonnenaufgang aufgehen und bei Sonnuntergang wieder untergehen. ... Woraus sich ergibt, dass er seinen höchsten Stand genau in der Mitte dazwischen hat, also so Pi mal Schnauze um Mittag herum, wenn die Sonne auch am höchsten steht.

Wieder klar?

So. Jeden Tag rückt der Mond ein Stücki nach Osten auf seiner Monatsrunde. Er zaucht also nach Neumond als schmale Sichel östlich der Sonne auf und wandert immer weiter nach Osten. Er geht deshalb jeden Tag ein kleines bisschen später auf als am Tag vorher.

Zunehmender Mond ist also in den ganzen rund 2 Wochen nach Neumond... und der Mond kulminiert jeden Tag dabei auch etwas später. Bei zunehmendem Halbmond wäre das ungefähr wieder die Mitte... und deswegen würde der zunehmende Halbmond in etwa abends kulminieren, wenn die Sonne untergeht.

Bleibt der Sonnenaufgang am Morgen für den (ungefähren) Kulminationspunkt des abnehmenden Halbmondes.

Grüße

P.S.: Überprüfen kannst Du das, wenn Du Lust hast, hier

https://www.heavens-above.com/moon.aspx?lat=48.1351&lng=11.582&loc=M%c3%bcnchen&alt=515&tz=CET

indem Du verschiedene Kalenderdaten einstellst und Dir immer Mondphase, Auf-, Untergangszeit und Zeitpunkt der höchsten Höhe anschaust. Im Moment sind wir zum Beispiel bei Neumond und der Mond hat zwischen 12:00 und 13:00 seinen Höchststand: Passt!

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Hallo Lindaa9,

Tatsächlich hält sich der Mythos, man könne bei Vollmond nicht schlafen, ganz hartnäckig.

In Umfragen sagt ein gutes Drittel der Befragten von sich, bei Vollmond schlechter zu schlafen. Testet man aber genau nach, dann zeigt sich: Diese Häufungen der Schlafstörungen bei Vollmond existieren NICHT. Wir haben nur den Eindruck, dass uns das bei Vollmond häufiger passiert.

Die Antwort auf die Frage ist also: nachweislich ein Mythos.

Aber das muss ich noch etwas genauer erklären: Wie kann es ein Mythos sein, wenn so viele Leute von sich sagen, dass es bei ihnen eben schon vom Mond abhängt?

Zuerst und ganz wichtig: Niemand behauptet, dass sich diese Menschen was einbilden würden. Das ist etwas komplizierter.

Es hat etwas mit einer in der Evolution entstandenen (und notwendigen!) Fähigkeit unseres Gehirns, der sogenannten und völlig unbewusst stattfindenden Mustererkennung zu tun. Es ist oft lebenswichtig für unsere Vorfahren gewesen, Muster in Ereignissen zu erkennen

Beispiel: Gras raschelt, kurz danach springt ein Tiger aus dem Gras und frisst einen aus der Gruppe auf. Du stammst von den Vorfahren ab, die das Muster erkannten und das nächste Mal wegliefen, als das Gras raschelte. Aber das Gehirn macht das zu gut! Weil einmal zu oft weglaufen besser ist als einmal zu selten, sieht das Gehirn viel zu schnell Muster... eben manchmal auch, wo keine sind.

Ein gutes Beispiel wären optische Täuschungen: Sie nutzen die Arbeitsweise unserer Wahrnehmung aus. Und wir sehen prompt Dinge, die so gar nicht abgebildet sind.

Solche vollkommen unbewusst ablaufenden Wahrnehmungsphänomene sind auch für die kursierenden Mythen verantwortlich:

Wenn Du wirklich wieder einmal wach liegst - so wie Du heute und den Vollmond bemerkst, dann denkst Du sofort "Ja, ich hab' schon gehört, dass man bei Vollmond schlecht schläft... so ist das wohl auch bei mir, das stimmt also!!". Schläfst Du dagegen durch, dann denkst Du gar nicht an den Mond. Du bemerkst das Gegenbeispiel deswegen bei weitem nicht so bewusst, wie das Positivbeispiel. Genauso wenig notierst Du Nächte bei anderen Mondphasen, in denen Du mal schlecht schläfst, nicht als Gegenbeispiele im Gedächtnis.

In der Psychologie ist dieses Phänomen als "selektive Wahrnehmung" bekannt. Sie passiert wie gesagt gänzlich unbewusst und ist nicht bewusst beeinflussbar. Es hat mit "Einbildung" also nichts zu tun.

Das Problem ist, dass man, wenn nur irgendwann einmal den Eindruck gewonnen wurde, es könnte mit dem Mond korrelieren (und sei es durch die kursierenden Gerüchte über den Mond), fast keine Chance mehr hat, diesen Eindruck als falsch zu erkennen: die psychologischen Effekte führen dazu, dass sich so ein Eindruck praktisch nur immer weiter verstärkt.

Es gibt sogar den selbstverstärkenden Effekt: Das wäre, wenn Du erzählst, dass Du schlecht geschlafen habt... und Deine Mutter antwortet §ist bestimmt wieder Vollmond!"... und keiner von Euch beiden überprüft das im Kalender und merkt, dass vielleicht grad in Wahrheit Viertelmond war. Ihr behaltet dann sogar die Negativbeispiele als Positivbeispiele in Erinnerung!

Schlechter Schalf ist unangenehm. Wir suchen deshalb nach einer Ursache. Der Vollmond fällt uns auf - und bietet sich wegen der uns bekannten Mythen als Ursache an. Wegen der selektiven Wahrnehmung erscheint es uns dann so, dass sich das immer wieder bestätigt - wir scheinen eine Art "Muster" in den Vorkommnissen wahrzunehmen... und das beruhigt uns. Wir können dann glauben, die Ursache für das Problem erkannt zu haben.

All das läuft unbewusst ab - wir haben keinen Einfluss darauf; vergleichbar wäre das mit optischen Täuschungen - auch hier sehen wir einfach manche Dinge, die nicht da sind, weil unsere Wahrnehmung eben so arbeitet.

Und das ist eben bei den vermeintlichen Häufungen schlechten Schlafes bei Vollmond auch so:

Löst der Mond denn schlechten Schlaf aus??

Nein! Nachweislich nicht.

Die oben beschriebenen Wahrnehmungseffekte schaltet man nur aus, wenn man sehr genau nachzählt und so schaut, ob es die vermuteten Häufungen wirklich gibt. Genau das machen Wissenschaftler in Studien zum Thema: Sehr große Studien bestätigen: Man schläft im Schnitt bei allen Mondphasen gleich gut. 

Ich zitiere mal ein paar dieser Untersuchungen:

Die österreichischen Schlafforscher Klösch und Zeitlhofer haben sich 2003 gefragt: Hat die Mondphase Einfluss auf die Schlafqualität. Untersucht wurden in ihrerr Studie Schlaftagebuchaufzeichnungen (jeweils 14 Tage) von je knapp 200 Gesunden und Patienten mit anerkannten Schlafstörungen über einen Zeitraum von 6 Jahren (1997-2002). Ich zitiere:

In keiner der zur Verfügung stehenden subjektiven Schlafbeurteilungen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Vollmond-/Neumondnächten, den Nächten während des zunehmenden/abnehmenden Mondes und den als "neutral" eingestuften gefunden werden. Dies gilt gleichermaßen für Gesunde, Patienten, Männer und Frauen. Auch konnte keine Zunahme in der Anzahl der erinnerten Träume beobachtet werden.

Und das ist nur ein kleiner Teil der Daten, wie das Max-Planck-Institut vermeldete:

"Um Zufallsbefunde zu vermeiden, wie sie in Studien mit geringer Teilnehmerzahl möglich sind, untersuchten die Wissenschaftler nun Schlafdaten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. „Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen“, berichtet Martin Dresler, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour in Nijmegen, Niederlande. „Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“

Im Rahmen dieser Untersuchungen fand sein Team weitere unveröffentlichte Analysen von über 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Dass diese Ergebnisse nicht veröffentlicht worden sind, könnte ein Beispiel für eine verzerrte Veröffentlichungspraxis sein, wie sie beispielsweise auch als „Schubladenproblem“ bekannt ist. Darunter versteht man das Phänomen, dass viele Untersuchungen zwar durchgeführt, aber nie veröffentlicht werden – sie verbleiben stattdessen in der Schublade der Forscher."

Noch neuere Untersuchungen bestätigen dies:

https://www.researchgate.net/publication/283261567_Bad_sleep_Don%27t_blame_the_moon_A_population-based_study

A total of 2125 individuals (51.2% women, age 58.8 ± 11.2 years) participating in a population-based cohort study underwent a complete polysomnography (PSG) at home. Subjective sleep quality was evaluated by a self-rating scale. Sleep electroencephalography (EEG) spectral analysis was performed in 759 participants without significant sleep disorders. (...) Conclusion: Our large population-based study provides no evidence of a significant effect of lunar phases on human sleep.

Also: Eine überwältigende Datenbasis zeigt: Kein Effekt vorhanden.

Weil wir aber alle anfällig sind für die oben geschilderten unbewussten Wahrnehmungseffekte, ist ein guter Teil der Bevölkerung trotz bester anderslautender Daten felsenfest überzeugt, bei Vollmond schlechter zu schlafen... was dann, wenn man den Vollmond schon beim Zubettgehen bemerkt zu innerer Anspannung führen kann (man erwartet, schlecht zu schlafen).... und das wird dann so eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Wie Shakespeare schon schrieb:

The fault, dear Brutus, is not in our stars, but in ourselves.

Grüße

P.S.:

Es gibt einen wirklich toll geschriebenen Artikel zum Thema, geschrieben von 2 Psychologen und einem Physiker. In dem Artikel wird ausführlich die Studienlage zu allen möglichen Mythen über den Mond durchforstet (dem armen Mond wird ha alles Mögliche nachgesagt). Außerdem arbeiten die Autoren ausführlich heraus, was die Mythen am Leben hält.

Leider ist der Artikel Englisch, aber Du kannst es ja mal versuchen, wenn Du Lust hast. Du findest ihn ab S. 23 hier

http://www.aske-skeptics.org.uk/resources/Intelligencer/Intelligencer_2-3and4_1998_WithoutAddress.pdf#page=23

Knapper zusammengefasst und auf Deutsch findest Du die Studienlage zu allen möglichen Mondmythen auch hier:

http://www.dermond.at/index.php

Grüße

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Hallo Fraser174,

schau mal hier, da ist das schön dargestellt:

http://www.einstein-online.info/vertiefung/Lichtablenkung@set_language=de.html

Die Allgemeine Relativitätstheorie von Einstein beschreibt die Gravitation als eine Folge der Veränderungen, die Massen im um sie liegenden Raum bewirken: Die Metrik der Raumzeit wird durch Massen in ihrer Umgebung verändert.

Eine übliche Veranschaulichung hierfür ist - um eine Raumdimension reduziert - eine Kugel (Masse), die auf einem Gummituch liegt (das den Raum symbolisiert). Lässt Du auf dem so in der Nähe der schweren Kugel eine kleine Kugel über das zu einem Trichter verbogene Gummituch rollen, wird die kleine Kugel nicht geradeaus rollen, sondern durch die verzerrte Form des Tuches dem Trichter folgen und einen Bogen um die schwere Kugel rollen... so, als ob sie einer Kraft folgen würde, die die schwere Kugel auf sie ausgeübt hat.

Genau das macht auch das Licht: Es bewegt sich geradeaus... aber wegen der Veränderung der Raumzeit ist "geradeaus" woanders. (Die Bilder auf dieser Webseite unten zeigen, was ich meine: http://www.sternwarte-eberfing.de/Fuehrung/Objekbeschreibung/schwLoch.html)

Also: In der Allgemeinen Relativitätstheorie ist die Gravitation eine Art Scheinkraft, etwas, was aussieht wie eine Kraft, aber dadurch entsteht, dass Massen den Raum um sich herum verändern und alle Objekte in ihren Flugkurven dann der veränderten Raumgeometrie (oft eben als "Raumkrümmung " bezeichnet) folgen.

Grüße

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Hallo FlorianMaurer,

allerdings befürchte ich das vieles in dieser Wissenschaft mit Hilfe von höherer Mathematik zustande gekommen ist,

Ja.

Kann man nicht anders sagen. Astrophysik ist als Teilgebiet der Physik fast so etwas wie angewandte Mathematik. Sie gehört zu den exakten Naturwissenschaften... und die arbeiten eben mit mathematischen Modellen.

Sehr grob gesprochen, betrachtet man die Fülle an Beobachtungsdaten, die man hat... und versucht darauf basierend Hypothesen aufzustellen, was für Prozesse da in der Natur ablaufen, die zu dem Satz an Beobachtungsdaten führen.

Diese Hypothese übersetzt man in eine mathematisch exakte Sprache als Beschreibung des Prozesses... und daraus macht man dann Vorhersagen für künftige Beobachtungen.

Man sagt dann also so was wie "wenn meine Hypothese stimmt und dieser Prozess in der Natur so abläuft, wie ihn mein Modell nun beschreibt", dann müssten wir exakt folgendes beobachten, wenn wir dies hier machen...

Je mehr Beobachtungsdaten Vorhersagen eines Modells bestätigt haben, desto gesicherter gilt dies als gute Beschreibung der Natur - zumindest mit der bis dahin zur Verfügung stehenden Messgenauigkeit. Der nächste Schritt wäre dann, mehr ins Detail zu gehen... und immer so fort.

Also: Wir wissen so viel über das Universum, weil wir seit Jahrzehnten (um nicht zu sagen Jahrhunderten) eine unheimliche Fülle an Beobachtungsdaten gesammelt haben. Aus diesen konnten wir, weil da oben dieselbe Physik gilt, wie hier unten, physikalische Modelle entwickeln, die uns sagen, welche Prozesse da oben laufen. Diese Modelle werden dann wieder kritisch in weiter Beobachtungen geprüft und nur beibehalten, wenn sie sich in Beobachtungen bestätigen. Das ganze ist ein selbstkorrigierender, aber fortlaufender Prozess.

Harald Lesch erklärt es hier recht schön:

https://www.youtube.com/watch?v=Kv5KwxtxpYE

Und ja, ohne Kenntnisse der Universitäts-Mathematik sind die Originalveröffentlichungen von Astrophysikern praktisch unlesbar.

Das macht aber nichts, weil Wissenschaftskommunikation heute ernster genommen wird als je zuvor: Unser naturwissenschaftliches Wissen ist ein Schatz der gesamten Menschheit... und viele Naturwissenschaftler arbeiten daran, zumindest die gesicherten Erkenntnisse und die spannendsten gerade aktuellen Forschungsfragen einer breiten Mehrheit der Bevölkerung verständlich zu erklären.

Du brauchst also gar keine Berührungsängste zu haben, sondern musst einfach nur mit den etwas leichter verständlichen Texten anfangen, die ganz gezielt für wissenschaftliche Laien geschrieben sind.

Lohnenswert sind alle Folgen "Alpha Centauri" von Harald Lesch, von denen ich eine oben von YXouTube verlinkt habe. Hier sind alle zu finden:

http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-centauri/alpha-centauri-videothek-videos100.html

Und auch sein YouTube-Kanal zusammen mit Josef Gaßner ist toll, für mich einer der besten deutschsprachigen Science-Kanäle im Web. Dort findest Du 1 bis zwei neue Videos pro Woche mit absolut laienverständlichen Vorträgen.

https://www.youtube.com/user/UrknallWeltallLeben/videos

Nett zu hören ist auch Florian Freistetters Podcast, die "Sternengeschichten"

https://www.youtube.com/user/sternengeschichten/videos

Auch Freistetter ist Astrophysiker. Sein Blog

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/

Ist mMn der beste Astronomie-Blog im Web... und es ist fast jeden Tag dort was los. Lohnt sich immer.

Daneben kannst Du zu einfacheren Büchern greifen. In denen kommt praktisch keine Mathemathik vor.

Mein Lieblingsbuch ist der Klassiker von Carl Sagan "Unser Kosmos". Ich finde es immer noch lesenswert, obwohl es schon so viele Jahre auf dem Buckel hat. Kein Buch erklärt so schön interdisziplinär wie Wissenschaft funktioniert und wie wissenschaftliche Entdeckungen immer auch erst ermöglicht werden, wenn die Freiheit des Denkens gesellschaftlich möglich ist. Das Buch zeigt unseren Platz im Kosmos und ist über die daraus resultierende Verantwortung für unseren Planeten heute so aktuell wie in den 1980ern, wenn nicht mehr. 

Unbedingt die gebundene Ausgabe mit den über 500 farbigen Abbildungen gebraucht kaufen... ist ein echtes Schnäppchen für so ein schönes Buch

https://www.amazon.de/gp/offer-listing/3860472445/ref=dp_olp_used?ie=UTF8&condition=used

Wenn Du ein aktuelleres Buch suchst, das laienverständlich wirklich viele Themen der Astrophysik streift, dann würde ich zu "Urknall, Weltall und das Leben - Vom Nichts bis heute Morgen" von Harald Lesch und Josef Gaßner raten. Dem hier:

https://www.amazon.de/dp/B01B2XNVY0/ref=dp-kindle-redirect?_encoding=UTF8&btkr=1

Das ist als Dialog der beiden geschrieben. Man fühlt sich also beim Lesen ein bissi so, als säße man im Zug neben zwei Astrophysikern und hört ihnen beim Fachsimpeln zu. Weil es auch schwierigere Themen behandelt, geht es aber ein wenig ins Eingemachte. Vielleicht liest Du vorher ein paar leichter geschriebene Bücher von Lesch, etwa
"Kosmologie für Fußgänger: Eine Reise durch das Universum"
" Weißt du, wie viel Sterne stehen?: Wie das Licht in die Welt kommt"

Wenn Du das alles durch hast, weißt Du eine ganze Menge, auch ohne Formeln zu schwingen...

Grüße

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Hallo F1ori4n,

jein.

Schwerkraft ist der Begriff, den Newton verwendet, bei dem die Schwerkraft eben ein Anwendungsfall seiner allgemeineren "Newtonschen Mechanik" ist. Nach Newton ziehen sich Massen an... und die Größe der Kraft zwischen zwei Massen ist u.a. proportional zu beiden beteiligten Massen.

Braucht Newton deshalb immer 2 Massen? Nö.

Auch mit dem guten alten Newton kann man den "Potentialtrichter" einer Masse berechnen: Also die Schwerkraft, die dieser zentrale Körper (etwa ein Stern oder ein Planet) auf Testmassen in einem bestimmten Abstand ausüben würde, wenn dort eine Testmasse hingesetzt werden würde. Man kann ausrechnen, welche potentielle Energie nötig ist, um diesem Potentialtrichter zu entkommen... usw.

Auch bei Newton erzeugen Massen immer ein Gravitationsfeld... nur spürt man dessen Wirkung eben erst, wenn man eine Testmasse hineinsetzt.

Einstein erklärt die Newtonsche Schwerkraft zur Scheinkraft, einer Auswirkung einer Veränderung im Raum (genauer in der Metrik der Raumzeit) in der Umgebung massebehafteter Objekte. Auch hier ist der Effekt da, sobald eine Masse da ist, nachweisbar wird sie aber auch hier erst durch ein Testobjekt... das bei Einsteins Beschreibung aber auch Licht sein könnte. Also etwas ohne eigene Masse.

Der Begriff der Gravitation ist also etwas allgemeiner gefasst als Newtons Begriff der Schwerkraft.

Jetzt aber noch ganz kurz zu Deinem Aufhänger:

Ich hab gelesen, dass Sterne durch das Zusammenballen von interstellarem Wasserstoff und Heliumwolken entstehen. Und zwar durch die Schwerkraft. Aber Gravitation ist ja das, wenn sich zwei Körper aufgrund ihrer Masse anziehen. Das ist doch der Prozess bei der Entstehung eines Sterns.

Auch beim Zusammenballen der Gaswolken hast Du ja massebehaftete Objekte, die sich anziehen. Nicht nur zwei, sondern gaaaaanz viele Gasteilchen. Und Staubteilchen. Du hast also Massenanziehungskräfte zwischen Körpern. Du kannst das mit Newton beschreiben... oder mit Einstein. Sind sie zu schnell oder alle zusammen zu schwer, musst Du sie mit Einstein (bzw. dessen Formeln natürlich...) beschreiben. Du kannst Gravitation oder Schwerkraft sagen. In diesem Falle ist das völlig wurscht.

Grüße

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