Sach- und Werturteil zu Martin Luthers Judenhass?

6 Antworten

Zu Sach- und Werturteil: Beim Sachurteil geht es um "harte Fakten", d.h. sie basieren auf Tatsachen bzw. Tatsachenbehauptungen oder bereits getroffenen Analysen. So ist die Datenlage bei der Frage "Reduziert ein liberales Waffengesetz (also die Freiheit von Waffenbesitz) die Zahl der mit Schusswaffen getöteten Menschen?" eindeutig: Nein! Überall wo viele Waffen im Umlauf sind, steigt die Zahl der mit Schusswaffen Getöteten.) - Ein Werturteil stellt die Frage nach Deinen politischen/ethischen Werten und Deinen Überzeugungen, denn nicht überall sind die Daten ja so eindeutig. Es gibt oft verschiedene, d.h. sich widersprechende Sachurteile (= Argumente) zu ein und derselben Frage.

Zu Luther: Luther war eideutig Antisemit, was eine Form von Rassismus und damit böse ist. (Kurz gesagt) Allerdings waren damals so viele Menschen Antisemiten, dass es historisch gesehen wahrscheinilch nicht so wahnsinnig viel ausmacht, dass Luther es auch war. Aber man sollte es wissen, um einige seiner Aussagen besser einordnen zu können und sie auf ihren "Sachgehalt" überprüfen zu können.

borri

Allerdings waren damals so viele Menschen Antisemiten, dass es historisch gesehen wahrscheinilch nicht so wahnsinnig viel ausmacht, dass Luther es auch war.

Auch wenn zu Luthers Zeiten ALLE Menschen Antisemiten gewesen wären, bliebe Luther ein Judenhasser!

Im Übrigen auch Sklaven-, Bauern- und über weite Strecken Frauenhasser.

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@666Phoenix

Klar bliebe und bleibt er das. Die Frage ist: Inwiefern hat das seine Lebensleistung beeinflusst - also seinen Beitrag zur Reformation/Abwendung von der katholischen Kirche? Das ist eine dialektische Frage. Antwort: Hätte er eine nicht-antisemitische Religion verlassen, um eine antsemitische Religion zu gründen, wäre die Tatsache, dass er antisemitisch war, sehr bedeutend für die Prozess der Reformation. Da aber die Katholiken auch Antisemiten waren, ist es eigentlich historisch gesehen ziemlich egal. - War halt was Menschen- und Minderheitenrechte angeht eine ziemlich beschissene Zeit; mit oder ohne Luther und sein Wirken.

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Nur zum ersten Teil Deiner Frage:

a) Luther war ein Kind seiner Zeit.

b) Judentum und Christentum haben sich konfliktvoll auseinander gelebt. Das spiegelt sich auch im Neuen Testament. Im ersten Jahrhundert nach Christus kann man von "Christentum" noch nicht wirklich sprechen. Im Neuen Testament spiegeln sich daher innerjüdische Konflikte. Später hat man darin Konflikte zwischen Christentum und Judentum gesehen und allesamt dem Judentum zur Last gelegt.

Diese Problematik hat man im Christentum leider erst nach der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten erkannt.

c) Luther wiederum war ganz auf Christus konzentriert. Er hatte eigentlich nichts gegen die Juden und dachte, dass sie, wenn sie endlich einmal vernünftig behandelt werden, freiwillig alle von Christus zu überzeugen wären und alle Christen werden. So dachte Luther, dass doch das ganze Alte Testament auf Christus hinweisen würden.

Als die Juden überhaupt keine Neigung zeigten, sich zum Christentum zu bekehren, schlug Luthers positive Sicht in Hass um. Das ist ein eindeutiges Problem des Lutherischen Glaubenssatzes "Christus allein", "solus christus".

Aus heutiger Sicht ist der Judenhass von Luther völlig unerträglich.

Infos:

https://archiv.ekd.de/themen/luther2017/luther_und_die_juden.html

https://www.luther2017.de/de/wiki/martin-luther-und-die-juden/

https://www.luther2017.de/de/wiki/martin-luther-und-die-juden/

http://www.imdialog.org/bp2014/03/wengst.pdf

Grüß Dich DummkopfHirni!

Es wäre da besser Menschen zu Wort kommen zu lassen, die sich eingehend und professionell damit beschäftigt haben.

http://religionsfrei-im-revier.de/Dokumente/LutherHeft-RiR.pdf

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Vielen Dank für den Link. Das Kapitel über die Juden klingt geradezu wie eine Vorbereitung der Nazi-Ideologie. Ebenso das Kapitel über Behinderte.

Wird wohl bald mal Zeit, dass dieser Luther von seinem Sockel gestossen wird.

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