Kann ein Mensch unnatürlich handeln?

15 Antworten

Es gibt viele verschiedene Definitionen von "natürlich" und alle sind sie paradox und irreführend.

Genauso verhält es sich mit Naturschutz. Wenn wir die Natur einfach sich selbst überlassen, ist das kein Schutz in dem Sinne mehr. Nach einigen Jahren würde z.B. die Artenvielfalt drastisch sinken, da wir aktiv etwas für eine Vielfalt unternehmen. Auch das Ökosystem "Wald" wird geschützt, indem man ihm Holz entnimmt und pflegt. "Schutz durch Nutzung" nennt man das.

Klar ist ein Mensch Teil der Natur. Wir können nicht "unnatürlich" handeln, da gebe ich dir vollkommen Recht. Aber das ist eine irrelevante Auslegung des Begriffs. Gemeint ist natürlich das Menschliche als Gegensatz der sonstigen Natur. Oder wenn ein Mensch sich "unnatürlich" verhält, dann bedeutet das, dass er anders handelt, als es im Sinne des Überlebens des Menschen sinnvoll wäre. Mücken zu töten, die einen aussaugen wollen ist natürlich (es dient auch dem Schutz vor Infektionen). Stiere durch eine Arena zu jagen und abzustechen hat hingegen nichts mit ursprünglichem natürlichen Nutzen zu tun, außer vielleicht den Spieltrieb zu schärfen.

Von Experte OlliBjoern bestätigt

Ich find den Begriff "Natur" schwierig. Zu allererst muss man das genau definieren, bevor man weiterdenkt. Wenn alles Natur ist, was wir hier auf der Erde haben, dann ist auch alles natürlich. Wenn nicht alles Natur ist, wo zieht man die Grenze zum Unnatürlichen?

Da der Begriff "natürlich" so unklar ist und oft sehr unterschiedlich definiert wird, verwende ich ihn auch sehr ungern. Außerdem muss nicht alles, was "natürlich" ist, nicht auch unbedingt "gut" sein. Man kann es als "natürlich" betrachten, dass der Mensch andere Arten ausrottet, aber "gut" ist das nicht, gemessen an den Auswirkungen, die das auf UNS hat.

Ich nehme jetzt beispielhaft mal die Bedürfnisse des Menschen als Maßstab, um zu beurteilen, was "gut" ist. Denn für mich ist ganz klar, dass der Mensch als Art in einer komplexen Wechselseitigkeit mit anderen Arten lebt, die aber bisher nur in groben Zügen verstanden wurde. Bei manchen Arten haben wir eine Idee von den Folgen, wenn sie aussterben würden, z.B. bei blütenbestäubenden Insekten, vor allem den Bienen und Hummeln. Bei vielen, den meisten anderen Arten haben wir einfach keinen Schimmer, was es bedeuten würde, wenn sie verschwänden. Aus diesem Grund wäre es höchst angeraten, dass der Mensch darauf achtet, durch sein Verhalten andere Arten nicht auszulöschen, weil dies ungeahnte nagative Folgen für die Menschen selbst haben könnte. Wir brauchen die Artenvielfalt, sie ist unsere Lebensgrundlage. Daher ist sie "gut" und das Artensterben "schlecht".

Ob es "natürlich" ist, aus Erdöl Plastik herzustellen, sei mal dahingestellt. Das kommt ja wieder auf die Definition an. Ich behaupte, es ist "schlecht", weil es anderen Arten und damit der Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts und damit uns selbst schadet.

Ob es "natürlich" ist, Massen von CO2 in die Luft zu pusten, durch Industrie, Landwirtschaft und Verkehr, sei mal dahingestellt. Für mich klar ist, dass es nicht gut für uns ist, weil es die Erderwärmung verstärkt, mit allen erforschten und ungeahnten Folgen. Das sollte vermieden werden.

Normalerweise steht der Mensch nicht im Mittelpunkt meiner Betrachtung und Bewertung, da ich finde, dass auch das Leben anderer Wesen einen Wert hat. Ich wünsche mir mehr Rücksicht auf andere Lebewesen und mehr Demut vor dem, was wir noch nicht verstanden haben.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Naturschutz & Landschaftsplanung

Ich habe mir auch schon viele Gedanken zu diesem Thema gemacht.

Dabei bin ich aber vom Begriff "Menschlichkeit" ausgegangen, und habe versucht ein passendes Gegenteil zu finden. "Unmenschlich" hat mir nie gereicht. Irgendwann bin ich auf das Wort "Natürlich" gekommen. These ist also: Menschlichkeit ist das Gegenteil von Natürlichkeit.

Dreh- und Angelpunkt meiner Gedankengänge war und ist dabei folgendes Paradoxon: "Ist Krieg Menschengemacht, oder eine erfindung der Natur?" Daraus wurde bei mir dann:

"Ist Krieg Natürlich, oder Menschlich?"

Wer sich unter der von mir aufgestellten These (Ich habe keine Ahnung ob schonmal etwas Ähnliches manifestiert wurde) das oben genannte Paradoxon anschaut, wird sich immer wieder in ethische Wiedersprüche verwickeln. So auch ich. Drum war das mir ein Anlass, meine Ansichten und Definitionen von Menschlichkeit zu ändern.

Diese Definition ist bei weitem nicht perfekt, ich zweifle selbst an ihrer Richtigkeit. Sie lautet (ungefähr):

"Menschlichkeit ist die Fähigkeit, der Natur wiedersprechen zu können. Bewusst und aus eigenem Antrieb. Dabei kann der Ausgang dieser Handlung positiv und negativ sein. Außerdem kommt immer mehr der Eindruck auf, dass der Menschlichkeit bemächtigte Lebewesen der Natur nicht nur trotzen, sondern sie auch zunehmend kontrollieren (z.B. Gentechnik) können, und somit die Natürlichkeit außer Kraft setzen."

Im Hintergrund dieser neuen Definition verschwimmen natürlich Jahrtausende alte Grundsätze und Sprichwörter wie: "Irren ist Menschlich". Das ist aber auch logisch. Meine Katze irrt sich auch manchmal. Ähnliches trifft auf Dinge wie Mitgefühl oder Trauer zu. In der Tierwelt gibt es das genau so wie bei Menschen.

Ich glaube, dass diese alte Ansicht von "Menschlichkeit" noch aus dem religiösen Zeitalter stammt. Sie ist der Aufklährung und dem Realismus durch regelmäßige Verwendung in Kriegs- und Kriesenzeiten entgangen. Diese Urdefinition der "Menschlichkeit", wie auch immer sie lauten mag, war und ist eine Art Kodex, eine Doktrin für Politiker und Individuelle.

Bitte berichtigt oder erweitert meine Gedankengänge wenn ich etwas übersehen habe. Ich würde jeden Schritt, den ich näher an die Lösung dieser Fragen komme sehr Begrüßen, denn in der Öffentlichkeit wird man, mit solchen Theorien, als "Unmenschlich" bezeichnet.

Beste Grüße von mir.

Woher ich das weiß:Hobby

Deine Frage behandelt ein rein Terminologisches Problem. Denn wo sind die "Grenzen" der Natur? Im Falle des Menschen kann man recht klar zwischen der Natürlichkeit und der Unnatürlichkeit unterscheiden, da vor den Menschen nicht einmal annähernd so intelligente Wesen existiert haben. Wie schaut es aber bei anderen Lebewesen aus?

Für mich liegt die Grenze beider Begriffe ungefähr bei dem Unterschied zwischen dem instinktiven Verhalten und rationalen Handeln. Ein Hund der auf ein vorbeifahrendes Auto bellt wäre ja noch als instinktives Verhalten einzuschätzen und man kann sagen: "der Hund verhält sich natürlich". Ganz anders wäre es aber wenn der Hund aus eigener Erfahrung und eigenem Wissen ein Auto lenken würde. Das wäre in meinen Augen sehr unnatürlich

In der Sprache kommen häufig solche Begriffe vor, wo eine klare Unterscheidung nicht möglich ist. Man darf dabei nicht zu viel philosophieren, denn schlussendlich ist die Sprache ja auch nur ein weiteres Produkt der Natur.

Wäre es aus deiner Sicht unnatürlich für den Hund, wenn er lernt, seinen Reflex, Autos anzubellen, zu unterdrücken oder umzulenken?

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Ich mache es mal einfach kurz.

Die Zeiten wo der Mensch nur von der jagt gelebt hat, ist längst vorbei. Damals hätte man das töten von Tieren, für die eigene Erhaltung als notwendig gesehen und somit auch natürlich.

Heute stehen dem Menschen andere Möglichkeiten zur Verfügung um sein Leben fortzuführen.

Leider wird die Jagdinstinkt nicht abgelegt und wie so oft werden Tiere getötet, deren Fleisch nicht mal zum verzehren geeignet sind.

Man denke da nur an Trophäen-Jäger oder die jagt wegen Elfenbein.

Der Mensch ist ein brutales Wesen und ist noch brutaler als alle Raubtiere, weil Sie sogar aus Spass töten können.

Ist das noch natürlich?

Nein, weil ich kein Tier kenne, dass nur wegen des Vergnügens töten würde.

Stimmt nicht ganz, Wölfe machen dass. Die reißen ganze Schafherden und lassen die Kadaver dann liegen.

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@majaohnewilli

Ja das stimmt, das ist mir zu dem Zeitpunkt wo ich diesen Beitrag schrieb, nicht eingefallen.

Danke für die Erinnerung

Dennoch würde ich dieses Verhalten der Wölfe nicht unbedingt als Vergnügen in Betracht ziehen.

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