Hätten die Menschen im mittelalter mehr Muskeln als die jetztmenschen?

8 Antworten

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Der Mensch im Mittelalter war nicht deutlich kleiner als ein Mensch des beginnenden 20. Jahrhundert. Den großen Schub nach oben gab es erst in den letzten 100 Jahren. Niedrigere Türen ergeben sich aus dem Versuch, weniger Wärmeverlust zu haben, die klein wirkenden Rüstungen sind quasi zusammengesackt, weil keiner in ihnen drinsteckt.

Die Zahl der Muskeln im Körper hat sich nicht geändert, die meisten Menschen waren - ihren Skeletten nach zu urteilen - keine größeren Kraftmeier als heutige Menschen. Je nach Beruf waren eben spezielle Muskelgruppen besser ausgebildet, wie heute auch, wo ein Bauarbeiter besser trainiert ist als ein Buchhalter, überspitzt formuliert.

Auch das durchschnittliche Sterbealter wird oft falsch verstanden, denn im Durchschnittswert steckt die hohe Kindersterblichkeit. Wer erstmal seine Kindheit überstand und an Krankheiten vorbei kam, wurde in der Regel auch knapp 70.

Damit sollten alle Märchen erklärt sein. ;)

Quelle: Archäologiestudium und jahrelange praktische Ausübung des Faches

Eine sehr gute Antwort! DH!

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@Melanie19880203

Da muss ich dir aber in einem Punkt deutlich widersprechen. Eigentlich alle, die ich so im Laufe meiner Archäologenkarriere wieder aus der Erde geholt habe - und das dürften so einige tausend gewesen sein, waren deutlich kleiner als heutige Menschen. Natürlich, so richtig "gewachsen" ist die Bevölkerung erst, seit die Ernährung das ganze Jahr über sicher gestellt ist. Dennoch habe ich kaum je ein Grab über 1,50 m Länge gehabt. ;-)

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@Kristall08

Was hattest du denn für Gräber?! Waren das alles Hockergräber? ;)

Alles, was ich kenne ist zwischen 1,50 und 1,80, eben je nachdem, ob Männlein oder Weiblein. Nicht anders findest du es in allen Statikstiken aus Gräberfeldern, Frauen durchschnittlich pi x Daumen 1,55m, Männer 1,65m. Und das bis ins 19. Jh. mit gerade mal ein 1-2cm Zuwachs. Der größte Schub kam in den letzten 100 Jahren. Und auch davor hast du die "Großen", z.B. die Jungs in den reich ausgestatteten Gräbern in Baden-Württemberg.

Auch persönlich muss ich sagen: Bis jetzt hab ich kaum mal Knochen vermessen unterhalb 1,55m. Stellt sich die Frage: Wie fit bist du in der Vermessung und Berechnung von Körpergrößen?

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@Jerne79

@ Kristall: Bitte versteh mich nicht falsch, ich will dir nicht auf die Füße treten, aber ich bin doch sehr irritiert, wenn sogar Archäologie-Kollegen an der Verbreitung dieser "die Leute waren so klein"-Geschichten mitarbeiten. Es beißt sich nunmal mit jeder Statistik, meine eigene Erfahrung mal ganz außer Acht gelassen.

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@Jerne79

Verzeiht, wenn sich hier mal einer in Eure interessante Dialogik einklinkt: was meint Ihr zwei denn zum Proteinmangel? Hat sich nicht eine weniger Protein-haltige Ernährung vor der Fleischflut des 20. Jhdts. ausgewirkt?

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@derdorfbengel

Ich seh bei einer durchschnittlichen Ernährung auch vor dem 20. Jahrhundert keinen großen Proteinmangel. Klar, bei den ärmsten der Armen ist der sicherlich vorhanden, auch mal in Jahren mit schlechten Ernten etc. Aber generell ist Eiweiß/ Protein ja nicht nur im Fleisch enthalten, auch in Fisch, Hülsenfrüchten, Milchprodukten,... Insofern hast du meines Erachtens bei den Proteinen eine besser sichergestellte ganzjährige Versorgung als bei vielen Vitaminen.

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@Jerne79

Größe: Die waren wirklich klein, beweisen nicht nur die Skelette. In vielen Museen sind originale Ritterrüstungen ausgestellt - danach waren die um 1,60.

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@kami1a

Und nochmal: Nein! Eine zusammengesackte Rüstung ohne Inhalt gibt nicht die Größe ihres Trägers wieder. Es gibt genug vernünftige wissenschaftliche Methoden, Langknochen zu vermessen und die Größe ihres Besitzers zu berechnen. Bei Männern im Mittelalter sind das nunmal im Schnitt über 166 cm. Klar, es gibt kleinere und größere, aber die Ausnahmen sind nicht die Regel.

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Deine Annahme, dass bei den alltäglichen körperlichen Anforderungen im Mittelalter die Muskulatur der Leute sich üppiger ausprägte, ist nahe liegend. Die geringere Körpergröße dürfte hauptsächlich eine Folge des Ernährungsmangels gewesen sein.

So klein: die Ernährung war wesentlich schlechter, es gab mehr Krankheiten, auch im Kindesalter, die das Wachstum beeinflussten.. Muskulatur: kann man pauschal sicher nicht so sagen, aber klar haben Menschen, die körperlich arbeiten müssen, viel ausgeprägtere Muskeln als Leute, die sich nicht bewegen.

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