Findet ihr es ok, anderen Mensch selbstgewählte Labels abzusprechen?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

Nein. Das ist grundsätzlich nicht ok 48%
Ja. Das ist grundsätzlich ok 30%
Jein / Kommt drauf an. 15%
Andere Meinung 7%

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Jein / Kommt drauf an.

Diese "Grundsätzlich"-Antworten halte ich beide für falsch, weil es grundsätzlich darauf ankommt, warum einer anderen Person ihr Label abgesprochen wird. Pauschalisierungen sind hier unangebracht.

Verwerflich ist es zunächst zwar durchaus, anderen Menschen ihre Empfindungen infrage zu stellen, wenn man diese Menschen nicht besser kennt bzw. ihre Empfindungen gar nicht teilt bzw. noch nicht mal richtig verstanden hat, was das jeweilige Label konkret bedeutet. Es ist aber nicht "grundsätzlich", sondern nur dann nicht in Ordnung, wenn das gewählte Label auch wirklich dem jeweiligen Sexual-, Geschlechts- oder Gendererleben entspricht. Sofern das nicht der Fall ist, finde ich es durchaus legitim, "die Identität" bzw. das Label einer anderen Person in Zweifel zu ziehen, wenn es zu sehr von der konkreteren Beschreibung ihrer Gefühle abweicht.

Ein eklatantes Beispiel ist hier die Asexualität. Wenn sich jemand in Ermangelung eines passenderen Begriffes als asexuell bezeichnet, weil diese Person zwar sexuelle Lust an sich, jedoch einfach keine sexuelle Anziehung wahrnimmt, kann ich das ja noch halbwegs nachvollziehen. Zudem kann man selbstverständlich trotz der Hingabe zu sexuellen Interaktionen, etwa dem Herzensmenschen zuliebe, asexuell sein (wir reden hier schließlich eben von Gefühlen, nicht von Taten!). Wer aber generell zum Empfinden sexueller Anziehung imstande ist - egal wie oft oder selten, egal ob gegenüber Menschen und/oder nichtmenschlichen Objekten (siehe etwa demisexuell, lithosexuell, autosexuell, objektsexuell, zoosexuell etc.), ist meines Erachtens einfach nicht asexuell!

Die Auslegung der Asexualität als "Spektrum" bzw. Bezeichnungen wie "asexuelles Spektrum" lehne ich deshalb ab, weil ich sie als zutiefst asexuellenfeindlich empfinde. Insbesondere gegenüber Asexuellen wie meine Wenigkeit, die wir - ohne medizinisch relevante Ursachen - der Vorsilbe a- im eigentlichen Sinne von nichtsexuell (a... = nicht.../un...) wirklich voll gerecht werden; also grundsätzlich gar keine sexuelle Anziehung sowie gar kein Bedürfnis nach sexuellen Aktivitäten jedweder Art verspüren. Durch die immer überladener, inklusiver und schwammiger werdende Definition des Wortes asexuell werden wir in der eigenen Community nämlich komplett an den Rand bzw. in die Unsichtbarkeit gedrängt. Selbst in jener asexuellen Community sind nur noch sexuell aktive Leute sichtbar, die damit genau genommen eigentlich das exakte Gegenteil von asexuell sind. In diesen ganzen Spektrums-Definitionen sehe ich außerdem die Gefahr der Irreführung, weil Menschen dazu verleitet werden können, vor allem ihr Sexualerleben falsch einzuschätzen. Auch oder gerade Personen, die wichtige LGBTQ+ Aufklärungsarbeit leisten wollen, sollten vor allem gegenüber Ratsuchenden nicht irgendwelche verallgemeinernde Definitionen rauskloppen, sondern explizit auf die Einzelperson sowie ihre Gefühle eingehen. Sowas Oberflächliches wie "Asexuell ist man, wenn man kein sexuelles Interesse an anderen Menschen hat." ist völliger Quark!

Entgegen der Mehrheitsmeinung lasse ich mir das Recht, gegebenenfalls selbstgewählte Labels anderer Leute infrage zu stellen, aus diesen Gründen nicht streitig machen. Ob sowas wirklich respektlos ist, kommt wie gesagt auf die Umstände an.

Liebe Grüße.

Von Experte Adomox bestätigt
Nein. Das ist grundsätzlich nicht ok

Nein, das ist nicht okay. Und ich sage dir auch sehr gerne, wieso das nicht okay ist.

Non-binary oder nicht-binär bezieht sich auf die Geschlechtsidentität eines Menschen. Diese ist Teil der; Achtung: Selbstwahrnehmung eines Menschen und dessen Identität.

Das heißt also: es geht einzig und alleine darum, wie man selbst empfindet und wie man sich selbst wahrnimmt. Es geht nicht darum, wie andere einen wahrnehmen. Du kannst nicht wissen, wie eine andere Person empfindet. Ergo hast du da nicht reinzureden.

Wenn also jemand zu dir kommt und sagt, er/sie ist nicht-binär, geht es dabei nicht darum, wie du die Person wahrnimmst, sondern einzig und allein darum, wie sich die Person selbst wahrnimmt. Das heißt, wenn sie sagt, sie ist nicht-binär, hast du als außenstehende Person das genau so hinzunehmen, ohne wenn und aber.

Denn als jemand, der nicht betroffen ist, also als außenstehende Person, hast du nicht das Recht dazu, das in irgendeiner Weise anzuzweifeln.

Du gehst ja auch nicht zu einer blonden Person hin und sagst "du hast keine blonden Haare, du hast schwarze Haare!". Weil es eben eine Tatsache ist, dass die Person blonde Haare hat, dementsprechend würde das genau so wenig Sinn ergeben.

Die Geschlechtsidentität, also auch die nicht-binäre Geschlechtsidentität eines Menschen ist ebenso wie Hautfarbe, Haarfarbe oder Körpergröße eine Tatsache. Sie entsteht bereits im Mutterleib, dementsprechend ist sie angeboren.

Übrigens ist es nachegwiesen, dass nicht-binäre Menschen existieren und das auch nicht erst seit gestern. Da kannst du noch so wenig dran glauben, wie du willst, denn es ist keine Glaubensfrage. Genau das selbe würde, nur nebenbei, auch Jahre lang über Homosexualität gesagt, so ein Zufall.

Davon abgesehen ist es extrem frech, sowas zu einem anderen Menschen zu sagen, denn damit sprichst du ihm die Identität ab, etwas, was dir überhaupt nicht zusteht. Zumal es nicht stimmt, denn nicht-binäre Menschen existieren sehr wohl.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Teil der LGBTQ+ Community
Inkognito-Nutzer   10.12.2023, 17:23

naja, ich finde, mit so Offensichtlichkeiten wie Hautfarbe, Haarfarbe oder Körpergröße kann man die Geschlechtsidentität jetzt nicht wirklich vergleichen.

Du gehst ja auch nicht zu einer blonden Person hin und sagst "du hast keine blonden Haare, du hast schwarze Haare!"

natürlich nicht. da würde man mich auch zurecht schief angucken. Wenn zB jemand aber sagt "ich bin nonbinär", weil man es für einen Trend hält und daran mit machen will, finde ich ein "nein, bist du nicht" durchaus vertretbar. mit grundsätzlich ja oder nein kann man meine Frage also nicht wirklich beantworten.

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@Inkognito-Fragesteller

Und woher willst du bitte wissen, ob jemand das "für einen Trend hält"? Das kannst du nicht wissen, und ich erzähle dir Mal was sehr interessantes: die meisten sind tatsächlich nicht-binär. Die, die es für Aufmerksamkeit machen, gibt's sicherlich, aber das ist im Vergleich eine Minderheit.

Und nein. Es ist nicht legitim zu sagen, jemand ist nicht nicht-binär, nur, weil man selbst das nicht glaubt. Das kann man als außenstehende Person nämlich nicht beurteilen.

Du sagst das ja auch nicht zu einer schwulen Person.

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Nein. Das ist grundsätzlich nicht ok

Nein, das ist nicht in Ordnung.
Ich bin selbst Nicht Binär und kann dazu ja meine Meinung mal äußern.

Jeder Mensch kennt sich selbst immer noch am besten, und ich weiß besser als jeder andere Mensch was ich fühle und wie ich es fühle.
Es würde mir auch keinen Mehrwert bringen meine Gefühle mir auszudenken um "Wichtig" zu wirken oder sonstiges, da man bei sehr vielen Menschen sowieso nur auf Ablehnung stößt.
Von mir aus müssen mich andere nicht akzeptieren, aber tut mich immerhin respektieren.
Und aus Respekt vor einer Person, gehört es sich nicht die Identität der Person zu leugnen oder es ausreden zu wollen.

Ja. Das ist grundsätzlich ok

Der Ton macht die Musik finde ich. Ich würde nicht sagen "Nein, das bist du nicht". Ich würde eher sagen "Wenn du das so empfindest ist das OK. Ich sehe das aber anders".

Bei dem Label Non-Binary würde ich mich nicht so schwer tun, aber es gibt Labels, da ziehe ich schon eine Grenze. Wenn mir eine sagt, dass sie eine Elbin aus Bruchtal ist, dann mag sie das tatsächlich so empfinden, aber ich täte mir sehr schwer nicht zu sagen "Du weißt aber schon, dass es das nur in einem, zugegeben sehr guten, Fantasy Roman gibt, oder?"

Man muss seine Meinung schon noch sagen dürfen, ohne auf die Befindlichkeiten jeder Einzelpersonen achten zu müsse. Man sollte nur vermeiden dabei respektlos zu sein.

Nein. Das ist grundsätzlich nicht ok

Erlebtes Beispiel. 2 Transjugendliche (FTM) sagen sie sind transsexuell. Der eine wirkt durch und durch wie ein Junge und sieht auch so aus, der andere sieht sehr weiblich aus und zeigt auch das Verhalten weiblicher Jugendlicher.

Beim ersten habe ich keine Zweifel, beim anderen würde ich denken, da stecken psychische Probleme dahinter. Es steht mir aber nicht zu zu sagen, du bist nicht transsexuell. Wäre ich ein Elternteil, dann würde ich ausführliche Gespräche führen, damit möglichst es nicht am Ende zu einer falschen Entscheidung für eine irreversible geschlechtsangleichende Operation kommt. Denn diese Fälle gibt es auch.