Was ist der Unterschied zwischen "richtig" und "wahr"?

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Richtig:

Dieses Wort wird im Grunde immer nur dann benützt, wenn es um eine Feststellung geht. Das heißt, es ist in diesem Moment überprüfbar, diskutierbar, nachvollziehbar. Es ist die Antwort auf eine Aussage, sei es eine mathematische Rechnung, ein gesprochener Satz. Ich kann also hier feststellen, ob etwas in diesem Moment „richtig“ oder „falsch“ ist.

Wahrheit:

Ich könnte auch sagen „Wahr(-nehmungs-ein-)heit“. Hier zeigt sich schon, dass die Wahrheit im Zusammenhang steht mit dem Wahrnehmenden. Und da der Wahrnehmende aus seiner ganz persönlichen Brille schaut, ist es für ihn die Wahrheit, das was er wahr nimmt, was aber nicht der absoluten Wahrheit entsprechen muss. Während bei „richtig oder falsch“ ein Gedankenkonstrukt beurteilt wird, gehört zur Wahrnehmung mehr. Da sind Sinneseindrücke, Gefühle, persönliche Sichtweisen, also Vieles, das nicht direkt überprüfbar ist.

Damit stimme ich dem Satz von Hegel zu.

Die Rose ist rot. Das ist hier und jetzt direkt überprüfbar. Ist sie gelb, ist die Aussage falsch. Ist sie rot, ist die Aussage richtig.

Ob sie wahr ist, lässt sich nicht überprüfen, da wir sehen, was wir glauben und nicht umgekehrt.

:-)

Noch etwas ist mir dazu eingefallen…

Der Beurteilung „richtig oder falsch“ liegen allgemeingültige Kriterien zugrunde (ob sie wahr sind, ist eine andere Frage ;-)). Die Farbe rot ist auf der ganzen Welt die Farbe rot, wenn auch in verschiedenen Sprachen. 1+1=2 ist ebenso allgemeingültig.

Zur Wahrheit ein Beispiel, das ich gestern erlebte:

Ich war mit meinem Partner und Freunden Essen. Bei der Heimfahrt unterhielten sie sich darüber, wie betrunken der Koch gewesen wäre, wie unmöglich er sich verhalten hat und dass am Gesichtsausdruck der Bedienung klar abzulesen war, wie sie darüber dachte. Die Wahrheit? Ich konnte nicht ein Wort beisteuern, denn seltsamer Weise hab ich als einzige absolut nichts davon mitbekommen. Was ist also wahr?

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Von wahr kann man nur im Kontext von Logik sprechen,

das Wort richtig aber kann auch im Kontext von Ethik Sinn machen.

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Schau Dir die Gegenpositionen an. Das Gegenteil von "richtig" ist "falsch". Das Gegenteil von "wahr" ist "gelogen". Man kann auch "falsch" sagen, doch dann eher im übertragenen Sinn von "hinterhältig". Umgangssprachlich sagt man auch "Es ist wahr, dass die Vase im rechten Fenster steht." Es müsste jedoch exakt heißen, "Es ist richtig, dass die Vase im rechten Fenster steht." Diese synnonyme Verwendung kommt davon, dass "wahr" auch im Sinne von "zutreffend" verwendet wird, z. B. besonders in Bezug auf testbare, komplexe Theorien. Man sagt dann z.B.: "Es ist wahr, dass ein Stab, der ins Wasser gehalten wird, nur geknickt erscheint, doch in Wirklichkeit gerade bleibt." Diesen Satz kann man auch mit "Es ist richtig..." sagen und meint dann die dahinter stehende Theorie. Umgangssprachlich fließt das dann ineinander.

In der Logik wird zwischen "wahr" und "falsch" unterschieden. Genausogut kann man von "richtig" und "falsch" reden; macht keinen Unterschied.

Meines Wissens kann man aber das Wort "wahr" auch für "real" verwenden; also für etwas, was tatsächlich existiert, und nicht eingebildet ist.

Wenn dem so ist, dann muss man sagen, dass "wahr" in dem ersten Gebrauch synonym für "richtig" ist, aber im zweiten Fall nicht.

Einige Beiträge hier unterscheiden zwischen der Realität und dem Wahrgenommenen; andere setzen diese beiden Dinge gleich, was ein Fehler ist.

Die Realität ist von unserer Wahrnehmung unabhängig. Wenn wir sie anders oder gar nicht wahrnehmen, als sie ist, bleibt sie immer noch real. Die Existenz hängt nicht von unserer Wahrnehmung ab; aber umgekehrt schon. Das Problem ist, dass unsere Wahrnehmung eine mehr oder weniger verzerrte Projektion (Abbildung) des real Existierenden ist. Aber wir haben das eine oder andere Mittelchen, die Verzerrung zu reduzieren; ein Mittelchen ist die Logik.

Wenn man aber den Fehler begeht, dass man Wahrnehmung mit Realität gleich setzt, läuft man Gefahr, die Realität als subjektiv aufzufassen. Pech?

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