Warum ist Suizid eigentlich generell falsch?

Support

Hallo Aramos99,

dass Du über Selbstmord nachdenkst, klingt für mich sehr besorgniserregend. Sprich bitte unbedingt mit einem Menschen darüber, dem Du vertraust! Das kann ein guter Freund, ein Verwandter oder zeine andere Vertrauensperson sein.

Du kannst Dich zudem jederzeit an die Telefonseelsorge wenden. Dort ist rund um die Uhr jemand erreichbar und Du hast die Möglichkeit, ein anonymes und vertrauliches Gespräch zu führen: 0800/1110111 oder 0800/1110222 (gebührenfrei aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz).

Auf der Webseite der Seelsorge kannst Du auch chatten, falls Du das lieber möchtest: http://www.telefonseelsorge.de/

Das Wichtigste ist jetzt: Überstürze nichts! Tu nichts, was  Dich in Gefahr bringt und was Du nicht rückgängig machen kannst!

An den Beiträgen anderer beobachten wir, dass es vielen Menschen sehr ähnlich wie Dir geht. Du bist nicht alleine; es gibt immer einen Weg in eine bessere Situation. Oft braucht man nur jemanden, der einem hilft, ihn zu finden. Rede deshalb schnell mit jemandem über Deine Gedanken und gib niemals auf!

Auf dieser Seite https://www.gutefrage.net/aktionen/suizid-hilfe-bei-selbstmordgedanken/ haben wir für Dich weitere wichtige Hotlines, Links und Tipps zusammengestellt.

Zögere im Notfall bitte auch nicht, den Notruf 112 zu wählen!

Viele Grüße

Jenny vom gutefrage Support

42 Antworten

Die Gesellschaft schafft sich ihre eigene (sozial konstruierte) Wirklichkeit, in der das Thema Suizid tabuisiert, verteufelt oder pathologisiert wird, weil es der allgemein verbreiteten Meinung über das Leben widerspricht. Diese wird aber benötigt, damit die Gesellschaft in ihrer jetzigen Form, so, wie sie momentan strukturiert ist, weiter existieren kann. Die Gesellschaft wird von Faktoren bestimmt, die irrational sind oder eigene Interessen verfolgen. Das sind die Religionen, die Ideologien (auch die des Staates), die diversen Moralismen und die Psychiatrie, die immer noch nicht die Angst vor dem Tod überwunden hat. Auf der anderen Seite kann es sehr gut sein, dass jemand (wissenschaftlich gesehen) momentan unzurechnungsfähig oder geistig so beeinträchtigt ist, dass angezweifelt werden muss, ob er bei klarem Verstand Suizid als Option betrachten würde.

Es gibt keine Lebenspflicht. Das Leben ist weder gut noch schlecht. Wir entscheiden über unser Leben und manchmal wollen wir eben auch über unseren Tod entscheiden. Mit dieser selbstbestimmten und sehr klaren Ansicht können viele nicht umgehen, wie sie auch mit ihrer eigenen Endlichkeit nicht umgehen können, weil sie sich verzweifelt an ihrem Ich festklammern und diesem eine Bedeutung zumessen, die meines Erachtens maßlos ist.

Der Suizid geht zunächst nur den Betreffenden an. Dann auch seine Familie, seine Freunde, wenn er welche hat. Die Suizidierten hatten in der Regel sehr gute Gründe für ihre Entscheidung. Diese können im Nachhinein von einfältigen oder sentimentalen Gemütern als egoistisch, falsch oder unmoralisch interpretiert werden, aber diese Interpretationen betreffen im Grunde weder die Toten noch ihren Suizid, sondern legen bloß Zeugnis von der Denkqualität und den Überzeugungen des Deuters ab. Einen Menschen, der sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt und über diese Möglichkeit nachdenkt, erreichen solche Gedanken nicht. Nicht aufgrund ihrer Nichtigkeit, sondern weil sie nicht dazu angetan sind, aufzufallen oder ins Gewicht zu fallen.

Jeder, der darüber nachdenkt, sein Leben zu beenden, sollte sich, gerade aus Respekt vor dem eigenen Leben und seinen Möglichkeiten, mindestens ein Jahr Zeit geben, um sich, seine Gedanken und das Thema Suizid aus allen Richtungen zu durchleuchten. Damit meine ich nicht nur die Psychologie oder Biologie, sondern auch aus philosophischen Blickwinkeln. Er sollte versuchen, rational über seine Sehnsucht zu reflektieren und ihr auf den Grund gehen. Was verbirgt sich dahinter? Er sollte seine eigenen Gedanken hinterfragen und sogar seine Wahrnehmung. Ist diese echt oder durch eine Erkrankung mitbedingt? Außerdem sollte er meiner Meinung nach seinen Suizid genau planen, damit er nicht aus dem Affekt heraus, sondern aus einer rationalen Überlegung zu einer Tat schreitet, die so durchgeführt werden muss, dass sie anderen nicht schadet. Das schließt meiner Meinung die Art des Suizids aus, wo der Suizidierte vor einem Zug springt, denn damit traumatisiert er den Fahrer und alle, die um ihn herum stehen, besonders Kinder und Jugendliche.

Insofern muss der Suizid sorgsam überdacht, achtsam geplant und umsichtig vollzogen werden, damit das eigene Leben bedacht und auf eine angenehme Art beendet werden kann, anderen kein unnötiger Schaden entsteht und die eigene Selbstachtung nicht unter dieser Tat leidet.

Das setzt voraus, dass wir alles hinter uns lassen, was uns über den Suizid beigebracht wird und wir unsere Erfahrung oder die Eindrücke, die wir in diesem Prozess machen, nicht durch die Filter fremder Meinungen oder Urteile aufgenommen werden und wir tatsächlich selbstbestimmt, so gut es eben als Menschen geht, diese Entscheidung fällen und anschließend tragen können.

So gesehen, kann der Suizid sogar eine Bejahung des Lebens sein.

Ich denke, du begehst einen Fehler, wenn du dich rechtfertigst oder die Urteile einer moralistischen anonymen Masse widerlegen möchtest, um dir auf diese Weise quasi die Erlaubnis auszustellen, dir das Leben nehmen zu dürfen. Ich sage nicht, dass das tust, sondern bloß, dass es falsch wäre, weil du dann ganz bei den anderen und nicht bei dir wärst.

Natürlich hast du recht, wenn du sagt, warum soll man weiter leben, wenn es keinen Sinn mehr macht. Nur müssen wir, meine ich, auch diesen Gedanken weiter spinnen, den Sinn weiter verfassen, als dieser gemeinhin verstanden wird. Auch das meine ich, wenn ich sage, alles hinter sich zu lassen; wir müssen uns eine eigene Meinung, eine Idee vom Leben bilden, mit unseren eigenen Händen, Ohren, Augen, unseren Körpern. Vielleicht wirst du den Sinn des Lebens, falls es einen solchen gibt, oder einen Sinn im Leben findet, der nicht auf der Liste der Gesellschaft steht. Wenn wir falsch leben, bedeutet das nicht unbedingt, dass unser Leben falsch ist oder wertlos, sondern lediglich, dass unsere derzeitige Lebensweise einen Sinn entbehrt. Tatsächlich brauchen wir aber einen Sinn, um nicht an der Existenz zu zerbrechen. Der Psychoanalytiker und Psychiater C. G. Jung hatte einmal gesagt, dass der Mensch ein sinnloses Leben nicht ertragen könne. Vielleicht müssen wir das Pferd von hinten aufzäumen, um eine rationale Antwort auf die simple wie auch lebenswichtige Frage zu bekommen: Warum soll ich leben?

Ich denke, wenn die Notwendigkeit dieser Frage im Leben eines Menschen auftaucht, kann dies den Beginn eines sinnvollen Lebens markieren oder das Ende einer leidvollen Zeit.

Die meisten Menschen sind heutzutage irrational und unreif, weil sie dazu erzogen werden, vom Staat, seinen Schulen, den Behörden. Kinder sind in der Regel rationaler, weil noch nicht im Sinne einer staatstragenden Ideologie bearbeitet. Schau dir die Menschen an, deren Behauptungen du zu recht hinterfragst. Es sind Menschen, die keine eigene Meinung haben, sondern den Satz formulieren, der in solchen Situationen gegeben werden soll. Sie urteilen ohne jegliche Vorkenntnis auf der Grundlage ihrer eigenen Ängste und Stereotype, dabei verkennen sie oft die Bedürfnisse des anderen, der sich das Leben nehmen will und projizieren ihren Egozentrismus auf diese Menschen. Oft können wir mit Menschen, die an Vorurteilen leiden, nicht unbefangen und zwanglos sprechen, weil wir uns vorher durch einen Dschungel aus Klischees und undifferenzierten Urteilen kämpfen müssen. Außerdem lassen sich Menschen, die den Suizid ausnahmslos verdammen oder verurteilen, von Gefühlen leiten, weshalb sie viel behaupten, aber wenig argumentieren. Und jetzt frage ich dich: Ist es rational, die Fragen oder Urteile dieser Menschen beantworten zu wollen? Wäre es nicht besser, dir eigene Fragen zu stellen und deine eigenen Vorurteile oder Wahrnehmungen zu hinterfragen? Schon an diesem Punkt beginnt die Suche nach dem Sinn, die Suche nach einer Antwort, die unsere Intelligenz nicht beleidigt und vielleicht sogar zufrieden stellt.

Ich habe oft erlebt, dass sogar Psychiater auf die Frage nach dem Sinn keine Antwort geben konnten. Eine hatte es am Ende der Debatte sogar mit der Bibel versucht. Es war schon deprimierend mitanzuschauen, wie die betreffende Psychiaterin im Laufe der Debatte emotional wurde, am Ende gar verzweifelt nach dem letzten Strohhalm griff, der ihr übrig geblieben ist. Wenn du psychiatrisch argumentieren kannst, stehen auch Fachleute oft nackt vor dir, werden sogar wütend, weil sie unsicher sind, mit Widerspruch nicht klar kommen oder weil sie sich vielleicht bloßgestellt fühlen. Es sind eben auch nur Menschen, die mit dem Tod keinen Frieden geschlossen haben. Dabei ist jeder Tag im Leben eine kleine Prise Tod. Daher kann die Antwort auf die Fragen, die aufwirft, die Frage nach dem Sinn, befreiend sein und das Leben bewusst machen, egal, wie man sich am Ende entscheidet.

Im Grunde stehen wir mit dieser Frage nach dem Sinn alleine dar. Wir können uns Anregungen und frische Gedanken von anderen holen, aber ich denke, wir müssen authentisch uns auf dieses Problem einlassen und als ganzer Mensch eine eigene Antwort darauf geben, die den rationalen Anteil unserer Psyche ehrt.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Das ist wohl die beste Antwort die ich bei GF je gelesen habe. 👍

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Der Urinstinkt des Menschen und auch bei Tieren gegeben, ist darauf festgelegt das man ums überleben kämpft. Auch wenn ich ehrlich nicht wirklich glaube das dies immer das beste sein soll, ist es dadurch dass seit anhin der Existenz der menschlichen Rasse diese Überzeugung von Generation zur nächsten weitergegeben denn Sie sichert das diese Spezi nicht ausstirbt. Von daher müssen diese Menschen wie du und auch ich neben der Minderheit welche gleich denkt dies annehmen was von der Mehrheit voraus gegeben wird. Zudem gibt es inzwischen auch in mindestens ein paar wenigen Ländern wo wenn bei eben eh schweren Erkrankungen die innerhalb einer eh nicht allzu langer Zeitspanne tödlich wobei ich alles was nicht unter 1 Jahr zum Tode führt noch nicht als kurze Zeit zum vegetieren bis zum Tod benannt werden kann. Natürlich ist es sobald es für einen klar menschenunwürdigen Zeitraum zum Tode zu überbrücken kommt, kann es fraglich sein ob das abwarten bis zum natürlichen versterben nicht würdevoller und ethisch zu verantworten wäre künstlich dem Leben früher das Licht auszumachen. In Ländern wie der Schweiz, Belgien, Niederlande, Luxemburg und meines Wissens paar Staaten in den Vereinigten Staaten oder auch in Kanada, wobei da ich die Namen dieser nicht weiss. Aber hier gibts bei jedem Land seine eigenen Vorschriften wann die Sterbehilfe je nach Land nur passive oder aktive erst durch deren verschiedenen Gemeinschaften unterstützt wird. Aber eine Depression welche der Betroffene als dahin vegetieren vorbringen würde, wäre nicht genug was eine Sterbehilfe als Möglichkeit in Betracht zu ziehen als Grund zur Hilfe ausreichen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Betroffene, Hilfeleistung gestellt, persönliche Erfahrungen

Suizid wird dabei dann immer als "Lösung" für Probleme in Erwägung gezogen. Ich denke der Fehler an der Ansicht sollte klar sein ;)

Abgesehen davon, dass viele persönliche Probleme der eigenen Subjektivität unterworfen sind, hast du ein weiteres Problem schon in deiner Formulierung getroffen: "sehe ich keinen Sinn weiterzuleben", "sehe ich den Sinn dahinter", etc.

Die Formulierung geht natürlich auch nicht anders. Wenn man über Suzid nachdenkt, geht es dabei immer nur um nichts anders, als um einen Selbst: Selbstmitleid, Egozentrik, eigene Unzufriedenheit aus der Hybris heraus, dass man den Eindruck hat, es müsse für einen selbst doch eigentlich alles viel besser sein, als es momentan der Fall ist.

Dabei kann Suizid nach als "Problemlösung" dienen, da man sich dadurch jede Chance nimmt, die eigene Situation tatsächlich zu verbessern/ zu verändern. Außerdem wird dadurch häufig nur seelischer Leid auf andere Mitmenschen übertragen/abgewälzt.

Es gibt ja Kulturen, in denen Suizid gesellschaftlich anerkannt ist, wie bspw. Japan, wo es völlig normal ist sich selbst zu töten, wenn man Betriebszahlen seiner Firmen-Vorgabe für das laufende Geschäftsjahr nicht erreichen konnte... ;)

Häufig ist Suizid in anderen Gesellschaften aber verpönt, weil damit - abgesehen von der religiösen Prägung - eine Art "sich feige aus der Verantwortung stehlen" - assoziiert wird.

Suizid ist ein Schritt, den man nicht rückgängig machen kann. Ob er falsch oder richtig ist, kann kein Außenstehender beurteilen.

Ob das Leben angesichts einer schweren Krankheit oder einer Behinderung einen Sinn hat, kann der Betreffende nur selbst entscheiden. Es ist eine Frage der inneren Einstellung.

Ich würde mir niemals anmaßen, einen solchen Schritt zu verurteilen. Ich finde es legitim, seinem Leben ein Ende zu bereiten, solange man keinem anderen damit schadet. Aber für die Angehörigen, Freunde und Bekannte ist es ein Schock.

Es gibt die sterbehilfe bei todkranken.

Aber psychisches leid ist in den meisten Fällen zu beheben oder zumindest drastisch zu reduzieren. Und da ist Suizid nicht sinnvoll. Eher ne Therapie oder ne Änderung der lebensumstände. Das ist der Unterschied. Für einen krebskranken im Endstadium gibt es keine Chance mehr. Für einen depressiven Menschen meistens schon. Sterben ist halt nur leichter als der lange Weg aus dem Loch heraus.

Suizid wird als falsch angesehen, weil es in den meisten Fällen andere Optionen gegeben hätte. Und weil der betreffende sein Leid zu dem Leid anderer gemacht hat. Irgendwer steht eigentlich immer am Grab und hat nun ne seelische Wunde fürs Leben.

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