Warum gibt es immer noch Affen auf der Welt?

22 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Diese "affige" Frage taucht hier ja inzwischen beinahe schon regelmäßig auf, also versuche ich mich auch mal an einer Antwort.

Zuerst einmal direkt an die Fragestellerin: Du bist reingelegt worden. Diese Frage ist völlig hanebüchen, sie zielt direkt auf das Unwissen des Zuhörers ab und konstruiert ein künstliches Problem in seinem Kopf. Dadurch klingt die Abstammungslehre zunächst absurd, das "Opfer" wird durch eine scheinbare Unlogik zu einem Zweifel verleitet. Viele Leute haben nämlich ein völlig falsches Verständnis von der Evolution, das heißt, sie wissen gar nicht, was die Evolutionstheorie aussagt und wie Evolution eigentlich funktioniert. Und das machen sich "Evolutionsgegner" (oft aus dem lager religiöser Fundamentalisten) zunutze, um Leute aufs Glatteis zu führen. Dein Begleittext macht dies mehr als deutlich, dass es bei dir bereits gelungen ist. Ich zerpflücke jetzt mal diesen Text und versuche, dir deine Fehler zu erklären.

Es wird ja gesagt das wir von den Affen abstammen. Also von den Trockennasenaffen.

Ja, das wird so gesagt, aber nur selten von einem Evolutionsbiologen. Denn dieser Satz ist stark vereinfacht und unpräzise. Er suggeriert, dass wir Menschen von heute lebenden Affen, wie Schimpansen oder Gorillas abstammen würden. Das ist aber nicht der Fall! Schimpansen und Gorillas sind Tiere der Gegenwart. Sie hat es zu der Zeit, als man auch die Vorfahren des Menschen noch als "Affen" bezeichnen würde, aber noch gar nicht gegeben. Denn diese Vorfahren des heutigen Menschen waren gleichzeitig auch die Vorfahren der heutigen Affen. Die heutigen Affen sind in unserem großen Familienstammbaum also unsere Cousins, aber nicht unsere Großeltern.

Wir sind Primaten.

Genau! Alle Affen, wie die Meerkatzen, Paviane, Makis, Gibbons, Totenkopfäffchen, aber auch die Menschenaffen und schließlich auch der Mensch gehören zur großen Ordnung der Primaten. Dabei ist aber keines der eben genannten Tiere aus einem der anderen hervorgegangen. Sie teilen sich nur gemeinsame Vorfahren, die heute allerdings alle ausgestorben sind.

Ich Frage mich warum das die Evolutionstheorie, wie auch andere Wissenschaftler behaupten ?

Du merkst schon, was ich sagen will? NIEMAND behauptet das so, wie du es hier parapharasierst.

Woher gibt es genaue beweise dafür ? Und warum gerade von den Affen ? nur weil wir Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit denen haben ist das kein Beweis dafür das wir von ihnen abstammen.

Die Beweise, in der biologischen bzw. paläoanthropologischen Forschung nennt man sie konkreter "Belege" dafür wurden vor allem durch Fossilfunde in Asien und Afrika vorgelegt. Die Menschenaffen entwickelten sich wahrscheinlich in Indien, kurz nachdem der Subkontinent mit der asiatischen Platte kollidierte und eine Landbrücke dort entstand. Eine der frühesten Menschenaffengattungen war Sivapithecus, der vor 14 Millionen Jahren lebte und dessen Schädel die Merkmale von Orang Utans, Gorillas, Schimpansen und auch des Menschen in sich vereint. Sivapithecus könnte also der letzte gemeinsame Vorfahre aller heutigen Menschenaffen sein. Sivapithecus war wie alle damaligen Menschenaffen ein reiner Waldbewohner.

Während sich eine Population der indischen Menschenaffen in ihrer Heimat weiter entfaltete, stießen andere Vertreter Richtung Ostasien und eine weitere Linie auch nach Afrika vor. In Afrika kam es in den folgenden Jahrmillionen zu einer relativ schnellen Radiation der Menschenaffen. Vor 10 - 9 Millionen Jahren spaltete sich die Gattung Chororapithecus im heutigen Äthiopien von der Linie ab und sollte schließlich zu den Gorillas führen, während weiter nördlich auf dem Gebiet des heutigen Tschads eine Population mit dem Namen Sahelantropus lebte. Diese Tiere lebten vor etwa 7 Millionen Jahren und waren durch die Klimaveränderung, die sich zu jener Zeit ereignete und einen Großteil der afikanischen Waldflächen verschwinden ließ gezwungen, ihr Stammgebiet zu verlassen. Eine Population zog südwärts ins Gebiet des Kongobeckens, wo sie sich zu den Schimpansen weiterentwickelte, während eine weitere Population sich im Gebiet des heutigen Kenia, Tansania und Äthiopien niederließ.

Die Nachfahren des Sahelantrhopus wie Orrorin waren immer noch sehr affenähnlich, aber da sich ihre Umwelt vor 6 Millionen Jahren auch stetig veränderte, waren sie durch den Druck der Selektion gezwungen, Wege der Anpassung zu finden. In Äthiopien wurden sie durch den Großen Grabenbruch nun komplett vom Rest Afrikas abgeschnitten. Als sich ihre neue Heimat veränderte, sich die Wälder zurückzogen und nur noch kleine bewaldete "Inseln" zurückließen, mussten die Menschenvorfahren immer mehr Zeit auf dem grasbewachsenen Boden zubringen und dort auch auf Wanderschaft gehen. Dabei bevorzugte die natürliche Auslese nun die Individuen, die sich auf ihre Hinterbeine aufrichten, nach Feinden spähen und im Notfall schnell davonsprinten konnten. So wurde die Fähigkeit, aufrecht auf zwei Beinen zu gehen, immer mehr verstärkt. Spätere Hominiden wie der etwa 4,1 Millionen Jahre alte Australopithecus, liefen dann bereits ausschließlich aufrecht und brachten sehr viel weniger Zeit in den Bäumen zu.

Wie wir wissen ist die Natur einfallsreich und kreativ. Und das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.

Tja, als Philosoph würde ich diese Aussage nach alldem, was du bisher gelesen hast, sicher unterschreiben. Nüchtern betrachtet war es aber kein Einfallsreichtum der Natur, sondern eine ganz natürliche Form von Ursache und Wirkung, die den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine brachte. Und die Geschichte ist hier ja nun auch noch lange nicht zuende: Durch das aufrechte gehen veränderte sich die Struktur unseres Beckengürtels, was den Frauen ermöglichte, Kinder mit einem größeren Schädelvolumen auf die Welt zu bringen. Durch den vermehrten Konsum von Fleisch und tierischen Eiweißen (unsere Vorfahren waren begeisterte Aasfresser!) entwickelte sich das Gehirn zu ungeahnten Größen. Der Werkzeuggebrauch verfeinerte sich, unsere Hände waren ja nun frei und wurden nicht mehr zur Fortbewegung genutzt. Und durch die aufrechte Körperhaltung wurde auch unser Fell zu einem Hindernis in der afrikanischen Savannenhitze, sodass unsere Haut zusehends kahler und dunkler wurde.

Bis man die ersten unserer Vorfahren als "Mensch" bezeichnen und in die gleiche Gattung Homo stellen kann, mussten noch weitere zwei Millionen Jahre vergehen - eine Zeit, in welcher die Natur übrigens sehr viele verschiedene Vormenschenarten hervorbrachte. Einige davon waren erfolgreicher als andere, die wiederum ausstarben. Heute ist der Homo sapiens, auch wenn er in vielen verschiedenen Völkern und Ethnien auf der Erde auftritt, die einzige noch lebende Menschenart. Alle unsere engen Verwandten sind entweder auf natürlichem Wege ausgestorben oder in unserer eigenen Population aufgegangen.

Ich Frage mich warum uns oder besser gesagt, mir das eingeredet werden will.

Hier möchte dir niemand etwas einreden. Diese ganzen Gattungen, von denen ich schrieb, existierten tatsächlich! Ihre Überreste kannst du in Naturkundemuseen bestaunen, und immer wieder werden neue Funde gemacht, die unseren Werdegang immer deutlicher beschreiben. Die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist inzwischen hervorragend dokumentiert.

Derjenige, der dir etwas einredet, ist also der, der dich zum Zweifeln bringt - und das tut er aus ideologischen oder religiösen Motiven.

Fakt ist doch : Wir haben uns weiter entwickelt. Wir haben Verstand, Intelligenz, Sprache, und wir werden uns immer weiterentwickeln.

Richtig. Und all das passierte nicht über Nacht, sondern in fließenden Übergängen von Generation zu Generation zu Generation. Es hat viele Millionen Jahre gedauert, bis wir Menschen auf den Plan der Erdgeschichte traten.

Und jetzt Frage ich euch : Was ist mit den Affen die noch auf der Welt leben ? Haben die die Entwicklung verpasst ??? Sind die Entwicklungsmäßig " hängen " geblieben ? Wo liegt der Fehler bei denen laut Evolutionstheorie und Wissenschaftler ???

Die Affen, die heute noch leben, hatten die Entwicklungsschritte, die der Mensch tat, einfach nicht nötig. Ihre Umwelt veränderte sich nicht so grundlegend, dort wo sie lebten, blieben die Waldgebiete erhalten und haben sich nicht in Savanne verwandelt. Es gab für sie also keinen Grund, das Leben in und unter den Bäumen aufzugeben. Sie haben sich einfach nur an diese Lebensweise angepasst und sind auf ihre Weise zu Spezialisten geworden. Ein Schimpanse ist demnach genauso weit entwickelt wie wir, nur das ihre Entwicklungsgeschichte in eine andere Richtung verlief.

Wir wissen, das alle Lebewesen sich (weiter) entwickeln .......

Genau genommen muss man sogar sagen, dass der Schimpanse das evolutionsbiologisch weiterentwickeltere Tier ist, denn Schimpansen werden bereits im Alter von 8-9 Jahren geschlechtsreif und haben demnach bis heute eine längere Strecke an Generationen hervorgebracht, weshalb sie rein biologisch gesehen "weiter" sind als wir.

Oder ist es eher der Fall das die Evolution und die Wissenschaftler ein Affiges Problem haben und die ihr glauben uns aufdrücken wollen ???

Den "Glauben" aufdrücken kann dir ein Wissenschaftler nicht, denn Wissenschaft ist kein Glaube, sondern der Versuch, durch empirische Belegforschung einem tatsächlichen Ist-Zustand (im philosophischen Sinne also der "Wahrheit") auf die Spur zu kommen und bestehende Naturphänomene zu erklären. Mehr nicht. Wenn du also das Gefühl hast, dir wird etwas aufgedrückt, dann kommt dieser Druck definitiv von der anderen Seite, also von hinten: Nur eine Ideologie, und dazu zählen auch alle fundamentalistischen Religionen, "drücken" mit vermeintlichen "Wahrheiten". Nur sie erheben (natürlich immer ungerechtfertigt!) den Anspruch auf allumfassende Wahrheit.

Also warum wird das denn behauptet ????

Diese Frage würde ich gern an dich zurückgeben: Warum behaupten Evolutionsleugner, dass es die Evolution nicht gibt? Aus dem gleichen Grund, warum die Holocausleugner den Holocaust leugnen: Der passt nicht zu ihrer Ideologie, der macht die ganze schöne (falsche) Welt kaputt, also darf er nicht wahr sein. Das nennt man auch Vogel-Strauß-Taktik: Der Kopf wird einfach in den Sand gesteckt, um der Realität nicht ins Auge sehen zu müssen.

Woher ich das weiß:Hobby – Jahrelange Begeisterung für die Natur und ihre Bewohner.
 - (Tiere, Menschen, Religion)  - (Tiere, Menschen, Religion)  - (Tiere, Menschen, Religion)

Herzlichen Dank für deine Hilfe und die Mühe. 😘 Gilt auch für allen anderen.

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Schön, auf gf mal einen wirklich kompetenten Beitrag zu dem Thema zu lesen! Viel Arbeit, toll gelungen!

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Stimmt, wir stammen von einer Art Affen ab, aber nicht von den heutigen. Das sind gewissermaßen unsere Cousins und mit denen zusammen hatten wir einen affenartigen Vorfahren - vor einigen Mio. Jahren.

Die heutigen Affen haben sich seit damals durchaus weiterentwickelt, aber in eine andere Richtung als wir.

Bei unsere frühen Vorfahren, sogar noch beim Cro Magnon, deutete nichts darauf hin, daß der sich zu Menschen entwickeln würde - das waren viele Zufälle.

Wir hatten aber eine echte Geschwister-Spezies, nämlich die Neandertaler. Die hatten nue einen klein wenig anderen Körperbau (gedrungener), aber ihre Intelligenz dürfte hinter der ihrer Sapiens-Geschwister nicht zurückgeblieben gewesen sein. Es gab sogar Vermischungen mit fortpflanzungsfähigen Nachkommen.

Wo hast du bezüglich "Weiterentwicklung" eigentlich ein Problem?

Auch andere Tiere entwickeln sich weiter, aber die Richtungen unterscheiden sich. Eine Spezies strebt in eine Niesche, in der manche Eigenschaften nicht nötig sind. Übrigens haben die Schimpansen sich in 2 Arten gespalten: Schimpansen und Bonobos.

Was uns Menschen betrifft, so war der frühe Homo Sapiens weitgehend mit uns identisch, aber sein Gehirn hat er nur lokal genutzt. Also nur für jene Dinge, die zum unmittelbaren Überleben notwendig waren.

Das ging auch garnicht anders, denn in Clans von 20 bis 50 Personen läßt sich keine zielgerichtete Forschung betreiben. Wir bauen heute auf dem auf, was hunderte Generationen gedacht haben - konkret, seit Erfindung der Schrift. Ohne Schrift kann man nämlich nichts an seine Nachkommen weitergeben, bzw. verlieren mündliche Überlieferungen ihre Präzision.

Und zum Schluß: bist du tatsächlich der Ansicht, daß die Menschen sich vollständig entwickelt haben? Das wäre tragisch, denn ohne Weiterentwicklung beginnt zwangsläufig der Abstieg, die Degeneration (biologisch und psychisch).

Die Evolution wird es kaum fertig bringen, den Menschen so zu entwickeln, wie er sein koennte?

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Meiner Ansicht nach sind keineswegs alle heute lebenden Menschen "weiter entwickelt" als die heute (noch) lebenden Affen.

Und an dem großen Aussterben der Affen (in den letzten paar Jahrzehnten) ist vor allem der Mensch schuld - und viele derjenigen, die heute noch den Affen ihre Lebensbereiche rauben und z.B. sogar Affenfleisch essen, merken nicht einmal, dass sie damit gewissermaßen unsere engsten Verwandten ausrotten, was ein unwiederbringlicher und niemals entschuldbarer Verlust sein wird.

Da kann ich Dir nur zustimmen. Und es gibt noch etliche weitere Beispiele, warum man daran zweifeln könnte - und sollte - dass wir die "Krone der Schöpfung" seien.

Vielleicht sind es eher die Delfine?

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@Wapiti201264

Ach ... Aber du kennst offenbar nicht Douglas Adams' Bücher, daher habe ich das zitiert, denn dort sind Delfine die Herrscher der Erde gewesen, die sich bei den Menschen für das Futter bedankt haben :D

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Mal ein paar grundsätzliche Worte zur Evolution: Evolution bedeutet nicht, dass sich eine Art als Ganzes weiterentwickelt. Die Grundlage der Evolution sind zufällige Genveränderungen (Mutationen), die bei der Zeugung von Nachkommen vorkommen können.

Wenn eine solche Mutation nun einen Vorteil bringt, kann das dazu führen, dass sich dieser Nachkomme etwas besser vermehrt (zb, weil er etwas länger lebt, fruchtbarer ist,...). Dieses Gen hat also größere Chancen, auch in der nächsten Generation weitervererbt zu werden, kann durch die nächste Mutation vielleicht noch verstärkt werden etc.

Das alles ist aber kein zielgerichteter Prozess. Eine Mutation kann auch dazu führen, dass ein Nachkomme nicht lebensfähig ist (das passiert sogar recht oft), und natürlich können Nachkommen, die theoretisch einen Vorteil hätten, an "Kinderkrankheiten" sterben, vom Wolf gefressen werden etc. Da ist viel Zufall im Spiel, und daher dauert es auch einige Generationen, bis so eine Mutation "stabil" in einer Gruppe ist.

Allerdings vermehren sich natürlich auch die Artgenossen, die diese Genmutation nicht haben, munter weiter. Warum denn auch nicht? (Macht ja Spaß)

Es ist also durchaus möglich und üblich, dass sich aus dem selben Vorfahren unterschiedliche Arten entwickeln und auch die Vorfahren-Art weiterhin existiert.

Ich find deinen Namen witzig 😃

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Da verwechselst du etwas.
Man sagt zwar das wir von Affen abstammen allerdings sind es nicht die Affen die wir heute kennen.
Es war quasi ein "Uraffe" um es mal einfach zu erklären.
Einige nachkommen dieses Affen haben sich in Richtung Mensch entwickelt und andere nicht, da sie sich zb. auf eine andere Umgebung spezialisiert haben.
Der heutige Affe ist also auch eine Weiterentwicklung wie der Mensch nur auf andere Dinge spezialisiert.

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