Wäre ein Elternführerschein sinnvoll?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

Führerschein NEIN 52%
Führerschein JA 48%

18 Antworten

Führerschein NEIN
das in der jetzigen Zeit, zur Zeit der Kuschelpädagogik, ein NEIN schon als Autoritär bezeichnet wird.

Das mögen andere bezeichnen wie sie möchte. Jeder hat die Freiheit innerhalb gewisser Grenzen ein Kind zu erziehen. Zur Erziehung gehört auch mal ein Nein und es gehört auch dazu, dass Kinder Konsequenzen zu spüren bekommen. Ich bekomme ja kein Kind um es dann zur Lebensunfähigkeit zu formen. Für mich heißt der Schlüssel: liebevoll und konsequent.

Ich sehe es schon so, dass sich der Erziehungsstil über die Jahre sehr verändert hat aber es hat sich, nicht in allen Bereichen, aber auch zum Positiven hin verändert. Du redest von Erziehung der letzten 70 Jahre. Ich möchte mein Kind nicht so erziehen wie ich in den 80igern aufgewachsen bin, wie meine Eltern und Großeltern aufgewachsen sind. Das kann sich ja heutzutage von den jungen Leuten keiner mehr vorstellen, was zur damaligen Zeit alles so "normal" war.

Es gibt in meinen Augen mehr als nur schwarz oder weiß, als harte Strafen oder Kuschelpädagogik und dieses Mittelmaß ist sicherlich noch weiter verbreitet.

Im Endeffekt steht es niemandem zu, andere familiäre Verhältnisse zu moralisieren und Eltern zu erklären wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Das ist ein unangemessener Eingriff in die Privatsphäre.

Einen Führerschein im Sinn einer "Erlaubnis, ein Kind erziehen zu dürfen", lehne ich ab, denn dafür müsste man zum einen entweder den Sex regulieren, also Zwangsverhütung durchsetzen, oder den Staat in die Lage versetzen, dass er ohne Führerschein aufgezogenene Kinder in Obhut nimmt, also den Eltern wegnimmt. Damit wären wir tief im totalitären Staat.

Was ich allerdings befürworte, wäre ein umfassendes niederschwelliges Angebot an Elternkursen, die man entweder schon in der Schwangerschaft oder auch später in Anspruch nehmen kann, sowie ein breitgefächertes Angebot an Erziehungsberatungsstellen. Beides würde aber eine Menge Geld verschlingen.

Im Übrigen halte ich deine Ausführungen für ein sehr schwarzes Gemälde der deutschen Familienlandschaft, weil es sich nach Abermillionen inkompetenter Elternstümper anhört. Die Mehrzahl verrichtet ihren Job ganz anständig - natürlich nie ganz fehlerfrei - und bietet ihren Kindern das Rüstzeug für ein selbstständiges Leben in der Welt von morgen.

Dass es natürlich auch unter den Eltern Versager, Egoisten, Faulenzer und andere ziemlich ungeeignete Personen gibt, ist unbestritten. Aber die gab es früher auch schon. Ich habe vor 50 Jahre in meiner Erziehung noch Ohrfeigen oder mal den Hintern versohlt bekommen. Das war normal. Aber andere Kinder damals wurden von den Eltern grün und blau geprügelt. Das waren die, die Erziehung nicht konnten.

Heute allerdings besteht - und da gebe ich dir Recht - die größte Fehlleistung darin, seine Kinder gar nicht mehr zu erziehen. Weil es halt Mühe macht. Damals wie heute auch.

Es gibt den Ansatz auf die Beziehung zu einem Kind zu setzen, statt auf die Erziehung. Und ich kenne durchaus einige Menschen, die von sich sagen, dass sie von ihren Eltern nicht erzogen worden sind und trotzdem ein durchaus anständiges Leben führen mit Respekt anderen gegenüber.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass man sein Kind bei -10 Grad im Shirt rum laufen lässt (was auch kein Kind mitmachen würde, wenn es die Wahl hat) oder das man ihm jedes Mal Süßigkeiten gibt, wenn es welche haben will.

Ich glaube, diese Stile (wie antiautoritär oder autoritär) spielen dann keine Rolle mehr, weil man es dann eben über die Beziehung miteinander agiert. Und ich würde meinen, eine gute Beziehung zum Kind zu haben ist nochmal anstrengender als es "lediglich" zu erziehen.

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@JackySmith

Erziehung hat immer was mit "Ziehen" zu tun, oder besser gesagt: "leiten" oder anleiten. Das macht man am besten durch ein gutes Beispiel oder dadurch, dass man das Kind seine eigene Erfahrungen machen lässt.

Es geht aber nicht ohne Grenzen, die man dabei auch setzen muss. Diese setzt man nach seinen eigenen Erfahrungen und nach bestem Wissen und Gewissen. Das ist bei manchen Kindern mitunter sehr anstrengend. Bei manchen Kindern hingegen fast überhaupt nicht.

Aber man muss den Willen dazu haben und auch die Bereitschaft, sich mit seinem Kind auseinanderzusetzen. Ein Kind merkt sehr genau, ob die Eltern die Grenzen mit Liebe, aber Bestimmtheit setzen oder aus Sturheit. Oder eben gar nicht.

Natürlich braucht man Beziehung zu seinem Kind. Wir haben das aber bei aller Liebe immer so gehalten, dass wir für unsere Kinder keine Kumpels oder Freunde waren, sondern Vater und Mutter.

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Führerschein JA

In der Theorie wäre so ein Führerschein zu begrüßen, in der Praxis ist das jedoch nicht umsetzbar und würde auch nichts ändern. Sobald die Prüfungen und Kontrollen abgeschlossen wären, würden die Eltern sowieso wieder machen was sie wollen.

Siehe hierzu den Autoführerschein. Wie oft fragt man sich im Verkehr wie der eine oder andere Fahrer die Führerscheinprüfung geschafft hat und wie viele (tödliche) Unfälle gibt es jährlich?

Und was die Erziehung betrifft, so getötet es auch dazu dass die Kinder selbst lernen das man sich an Feuer verbrennt. In Bezug auf dem Wetter nicht angepasste Kleidung zum Beispiel.

Führerschein NEIN

Nein. natürlich sind Elternkurse relativ sinnvoll, die gibt es ja nicht selten in Kitas. Wobei die Kurse am eifrigsten von den Eltern frequentiert werden, die sie nicht unbedingt brauchen.

Der Führerschein richtet sich ja immer nur an das kognitive Wissen, wie man etwas macht und wie nicht. Aber Erziehung ist im überwiegenden Sinne emotional gesteuert und die Emitionen erreicht man über kognitives Ansprechen kaum.

Ich habe viele Seminare für Eltern in Trennung und Scheidung geleitet. Die Teilnehmer waren durch das JA und/oder Familiengericht geschicht worden, weil sie so hochstrittig waren und die Kinder fleißig miteinbezogen. Klar, habe ich denen erzählt, wieso und warum ihr Handeln schädlich ist und was das in den Kindern auslöst. Hat es was gebracht? WENIG.
Ich habe Elternkurse geleitet für Eltern von ADHS Kindern. Sie sollten lernen, wie man mit den Kindern umgehen soll: Konsequent!!!. Hat es was gebracht? Nein. Gegen die Inkonsequenz, Bequemlichkeit, ja Faulheit der Eltern war kein Kraut gewachsen.

Und dann. Was wären die Konsequenzen, wenn der Elternführerschein nicht bestanden wird? Kommt das Kind dann weg? Und was ist mit jungen Leuten, die noch keinen Elternführerschein gemacht haben. Werden sie bestraft, wenn sie trotzdem schwanger werden? Müssen sie sozusagen zwangsweise Keuschheitsgürtel tragen, etc...

Also Nein.

Führerschein JA

Ich halte verpfllichtende Elternkurse bei werdenden Eltern für sinnvoll. Aber ohne Bewertung am Ende. Einfach nur, damit Eltern gewisse Tipps und Tricks mit auf den Weg bekommen.

Einen Führerschein in der Art wie beschrieben halte ich zwar in der Theorie für gut, allerdings ist das kaum Umsetzbar.

Zumindestens bei den größten und schwersten Fehlern werden die Kinder danach geschützt und nicht mehr den schädlichen Eltern ausgesetzt. Allerdings meistens nur vor physischer Gewalt und nicht vor emotionaler Gewalt.

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