Sind Großeltern die besseren Eltern?

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Hmm, das kann man nicht pauschalisieren.

In manchen Fällen sind die Großeltern prima Ersatzeltern. In manchen Fällen genau das Gegenteil.

Es gibt Großeltern die, bedingt durch ihr Alter/ ihre gewonnene Ruhe plus dem Fakt das es sich da um ihr Enkelkind handelt, entspannter reagieren und "mehr erlauben" oder nachsichtiger sind.

Es gibt aber auch Großeltern die an alten Gewohnheiten festhalten, sich genauso verhalten wie einst bei den eigenen Kindern. Oder Großeltern die aufgrund des Alters langsam starrsinnig werden, Fakten verdrehen. Oder Großeltern die "im Gestern" stecken bleiben und es somit dem Enkel eher schwer machen.

Die Antwort auf deine Frage hängt stark davon ab wie man die eigenen Eltern und Großeltern erlebt/e bzw. in Erinnerung hat.

Überwiegen die positiven Erfahrungen, dann neigt man eher zu einer positiven Antwort a la "Ja, das ist eine wirklich gute Idee".

Überwiegen die negativen Erfahrungen, dann neigt man eher dazu zu sagen "Bloß nicht, das würde ich dem Kind nicht antun wollen".

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Großeltern sind nicht die besseren Eltern. Sie können den Eltern Tipps zur Erziehung geben, die diese aber ncht befolgen müssen.

Selbstverständlich sind Großeltern entspannter. Sie haben ihre Erziehungsaufgabe ja schon hinter sich.

Wenn Kinder bei ihnen aufwachsen (müssen), sollten die Großeltern sich immer mit den Eltern kurzschließen.

Ich bin selbst 6 Jahre bei meiner Großmutter aufgewachsen. Sie war keinesfalls nachsichtig.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – mehrfache Mutter und Oma

Ich würde es weder bestätigen noch wiederlegen. Klar, sie haben ja schonmal wen großgezogen also können sie aus ihren eigenen Fehlern lernen. Andererseits sind manche Großeltern noch vom "alten schlag" und haben demnach andere Moralvorstellungen aber das sagt natürlich nichts über den Einzelnen.

Zu der Sache mit streng und entspannter: Großeltern gellten deshalb als nachgibiger weil der Erziehungsauftrag nicht bei ihnen liegt sondern den Eltern. Deine Mutter will nicht dass du das 3. Stück Kuchen isst weil sie meint du wirst dick. Deine Oma sagt "Auch wegen einmal.". Das ist auch okay so finde ich. Die Eltern machen die Regeln, nicht die Großeltern. Wird jemand jetzt aber von den Großeltern großgezogen, verändert sich die Rolle und die Großeltern nehmen die Rolle der Eltern ein. Heißt, jetzt sind sie dafür verantwortlich dem Kind Regeln und Morale beizubringen.

Kurz: Ich glaube dass man gute Eltern nicht an ihrem Alter oder "Titel" me3ssen kann, sondern nur an ihrem Charakter. :)

In gewisser Weise sind sie die besseren "Eltern", weil sie eben wahrhaftig entspannter sind, aber das Kind / die Kinder auch nicht ständig um sich haben. Besser ist es jedoch zu sagen, es sind super Großeltern. So wie es auch sein sollte.

Hallo!

Dazu kann ich was aus eigener Erfahrung beisteuern, ich bin nämlich beim Opa aufgewachsen. Da kam ich noch vor meinem ersten Geburtstag hin, er hatte dann das Sorgerecht und hat Mutter und Vater in einer Person ersetzt so gut er konnte, teilweise von meinem Onkel unterstützt, und mir eine tolle Kindheit und Jugendzeit gegeben in der er echt alles in seiner Macht stehende getan hat.

Es war eine tolle Zeit und vor allem war mein Opa total unverkrampft. Er war streng, aber gerecht und wurde nie böse oder beleidigend, es gab keine körperliche Gewalt und er ließ immer mit sich reden ------> das war kein Vergleich zu "hibbeligen jungen Supermüttern" von Mitschülern, die keinerlei Geduld im Umgang mit ihren Kindern hatten und ihrem Nachwuchs mit einer dauernd aufgekratzten und fahrigen Art sicher keinen Gefallen getan haben. Mir jedoch hat mein Opa mit seiner ruhigen und aufrechten Art einen großen Gefallen getan und das hat sich aus meiner Sicht nur gut ausgewirkt. 

Wenn irgendwelche Mütter sich im Kreis zu drehen begannen, hat mein Opa gelacht, noch eine eiskalte Apfelschorle getrunken, gesagt dass man das irgendwie auch grad noch hinkriegen wird und es dann ohne Geschrei und Terz gelöst. Als langjähriger Handelsvertreter - manche seiner früheren Stammkunden hat er aus Hobby noch bedient, bis er über 80 war - hatte er eine unglaubliche Menschenkenntnis & ein unerschöpfliches Allgemeinwissen, Empathie und innere Ruhe. Diese tiefe innere Ruhe hat er mir weiter gegeben.

Alles was verboten ist macht bekanntlich Spaß, bei uns gab es kaum Verbote. Aber mein Opa hat mir stets ganz klar gesagt was er gut findet und was nicht. So sagte er etwa als ich 14/15 war zu mir, wenn ich rauchen wolle von ihm aus, aber es ist gesundheitsschädlich und kostet viel Geld. Er zählte mir sofort einige stichhaltige Nachteile auf & damit war das Thema "Rauchen" für mich erledigt. Ich habe zwar gelegentlich gequalmt, war aber nie ein echter Raucher. Die Ausgehzeiten waren ähnlich geregelt... es war während der Schulzeit meist 22 Uhr ausgemacht und als ich mal später heimkam, war er nicht böse, sondern er fragte nur: "Na, hat's so viel Spaß gemacht?" und lachte. Ich merkte genau, was er damit sagen wollte und beim nächsten Mal kam ich mit dem Kirchenuhrschlag zehn Uhr heim.

Gut, es war insofern manchmal schwer, weil er aus einer anderen Generation stammte & durch seine Erziehung es tatsächlich Situationen gab, in denen ich als "opageprägter Jugendlicher", der geistig altmodischer/konservativer oder bedächtiger war als andere Jungs, angeeckt bin oder Meinungen hatte, die die anderen damals noch nicht verstanden haben oder nicht nachvollziehen konnten, so sagte mal eine junge Lehrerin zu mir, ich wäre nur optisch ein Jugendlicher, aber im Geist eigentlich ein "vernünftiger älterer Herr um die 60". Eine andere Lehrerin, die ich einige Schuljahre lang in Folge hatte, meinte mal Jahre nach dem Abschluss zu mir, ich hätte den Geist der "älteren Generation" ins Klassenzimmer und Schulhaus gebracht, was aber kein Nachteil gewesen wäre. Echte Nachteile entstanden auch mir sowohl in Kindergarten, Grund- oder Realschule sowie in meinen Beziehungen, in meiner Ausbildung und dann im Berufsleben nicht. Und kleinere Missverständnisse gibt's immer :)

Ich wurde als Kind nicht ständig geknuddelt, geküsst und umarmt oder mit Geschenken überhäuft, aber ich habe es trotzdem gelernt wie man Liebe gibt und aufnimmt. Mein Opa war darin sehr eigenwillig: Er konnte einen nicht küssen oder ständig herzen, aber ich habe durch seine ganze Art, Gesten, seine Sprachweise und einfach alles immer gewusst, wie sehr er mich liebt und wie wichtig ich ihm bin. Ich habe vielleicht eine ganz andere Form von Liebe genossen wie die meisten aus meinem Alter, aber es war gut. 

Der einzige Nachteil war, dass ich mir ab Opas 80. Geburtstag (da war ich 15) immer wieder Gedanken machte was passiert wenn er eines Tages krank wird oder eventuell sogar stirbt. Das war tatsächlich mitunter quälend. Mein Opa hat dann noch fast zehn Jahre gesund und gut gelebt, aber es war tatsächlich eine extreme Situation, in der ich mir Sorgen gemacht habe was dann aus mir werden sollte, wenn er stirbt, ins Heim muss usw. -----> und das dürfte jemand, der bei seinen Eltern aufwächst, nur in Härtefällen wie einer alleinerziehenden und schwer kranken Mutter ohne Verwandte haben.

Allgemein kann ich aus tiefstem Herzen sagen -----> ich hatte dank meinem Opa eine verdammt tolle Kindheit und Jugendzeit. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin. 

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Danke dir für diesen Herz erwärmenden Bericht. Du hast es genau auf den Kopf getroffen, das Grundproblem ist tatsächlich die schlimme Angst einmal allein da zu sein, wenn man dem Leben noch nicht selber gewachsen ist.

Du hattest das Glück bei einem sehr starken und einfühlsamen Grossvater aufwachsen zu dürfen. Was dein Opa geleistet hat, bringen viele Eltern leider nicht hin.

Solche Grosseltern würde ich jedem Kind wünschen, zumal unsere Kinder liebevolle Grosseltern sehr vermisst haben.

Ich wünsche dir von Herzen einen schönen Sonntag :-)

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Ich möchte mich dem Kommentar von "Goodnight" anschließen. Danke für Deine interessanten Ausführungen!

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