Braucht man das Latinum heutzutage überhaupt noch?

17 Antworten

Latein zu lernen ist ein liebenswertes Hobby. Nötig ist es für nur wenige geisteswissenschaftliche und theologische Studiengänge.

Aber als Hobby konkurriert es mit anderen Hobbies, die es heute gibt und die es vor 100 Jahren noch nicht gab. Beispielsweise das Hobby, bei GF Antworten zu geben oder sich mit Musik zu befassen und ein Instrument spielen zu lernen oder sich mit Politik zu beschäftigen.

Außerhalb Deutschlands und Österreichs ist Latein kein Thema. Es wird z.B. in Britannien und den USA praktisch nicht an Schulen gelehrt - in Britannien glaubt man ohne Fremdsprachen auszukommen und in den USA ist Spanisch die zweite Umgangssprache.

.... aber Nivea kaufen und richtig ausprechen geht bei vielen trotzdem, gelernt ist eben gelernt.

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Ich finde auch dass Latein überbewertet wird. Als sinnlos sehe ich es nicht, aber es ist nicht zwingend nötig um z.B. Spanisch zu lernen. Millionen Muttersprachler lernen auch nicht erst Latein. Genauso gut könnte man Portugiesisch zur zwingenden Voraussetzung machen um endlich das machen zu dürfen was man eigentlich will, nämlich in diesem Fall Spanisch. Slawische Sprachen haben ein ähnlich komplexes Deklinations- und Konjugationssystem wie Latein. Auch dort wird das geschult was man dem Latein nachsagt, nämlich Schulung logischen Denkens und obendrein hat man die reale Chance im täglichen Leben irgendwann mal eine Situation damit zu meistern. Ich hatte selbst Latein als 3. Fremdsprache. Meine Motivation war, mich davon zu überzeugen ob Latein wirklich soooo schwer ist wie immer behauptet. Da ich so und so Sprachenfreak bin, ist mir diese Sprache auch nicht besonders schwer gefallen. Nur war es doch recht eintönig. Es wird ja nur übersetzen von Latein ins Deutsche geochst. Kein mündliches oder schriftliches Verfassen von Texten, kein Training täglicher Situationen und was man sonst noch so macht im Fremdsprachunterricht macht. Für Geschichte halte ich Latein nutzbringend, es gibt ja in historischen Aufzeichnungen genug lateinisch abgefasste Unterlagen. Für Medizin würden meine zwei Jahre Latein die ohne Latinum endeten völlig reichen. Man kennt die Basics der Deklination von Substantiven und Pronomen sowie wichtigstsen Verbenstämme und ihre Anwendung, das reicht. Syntax und auseinanderpflücken von ganzen Sätzen wäre eher für den Medizinhistoriker von Interesse.

Ein Mediziner braucht weder Deklinationen noch andere Bereiche lateinischer Grammatik. Die Begriffe muss man ohnehin auswendiglernen.

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Er muss nicht nur Begrffe pauken wenn er wenigstens solche Dinge wie Genitive und Partizipien erkennt, z.B. "aberatio retinae" kann ich stumpf mir in den Kopf prügeln oder mit Latein-Basics sehe ich Zusammenhänge und es merkt sich doch besser. Oder wenn man weiß dass Substantive auf -um den Plural mit -a bilden passieren solche Ausrutscher wie "Antibiotikas" nicht. Darum, Lateingrundlagen sind sehr nützlich für Mediziner aber ein volles Lat(r)inum braucht man ncht.

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Das Latinum ist für die wenigsten Fächer eine zwingende Eingangsvoraussetzung. Aber die über das Lateinische erworbenen Kenntnisse helfen schon im Alltag weiter. Portugiesisch und Spanisch sind romanische Sprachen, die auf das Lateinische aufbauen. Auch im Englischen und mehr noch im Deutschen finden sich viele Fremdwörter lateinischen Ursprungs.

An vielen Universitäten wird ein Lateinkurs angeboten, wenn Latein für das Studium erforderlich ist.

Latein erfodert im Vergleich zu Englisch einen höheren aktiven Lernaufwand, da im Alltag eben nirgends mehr (ausgenommen Vatikan-Stadt) Latein gesprochen ist und viele auf Latein abgefasste Texte in die Antike oder bis ca. 18XX datieren. Andererseits habe ich keine Sprache gelernt bisher, die eine so klare Grammatik und Wortstruktur aufweist wie Latein. Ich fand Latein bis zum Latinum (=10. Klasse) eine tolle Sprache, die wirklich viel Spaß machen kann.

In der Oberstufe habe ich aus pragmatischen Überlegungen dann Englisch weiter genommen, was mir jetzt zusammen mit Latein viel hilft - gerade wenn ich Texte auf Spanisch o.ä. lesen muss.

VG

dongodongo

Das Einzige, was Latein und Spanisch verbindet, ist das Vokabular, wobei es selbst da enorme Unterschiede gibt.

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.... Latein ist ja eine reine kleine Kopfarbeit und die Damen und Herren mit sind deshalb den mit ohne mit großen Vorteilen vorweg.

Man braucht in deutschen Hochschulen für manche Fächer einen Fähigkeitennachweis in Latein. Aber den kann man alternativ durch das Latinum aus dem Gymnasium nachweisen ODER durch Belegung eines Kurses an der Hochschule.

Der Umfang der nötigen Lateinkenntnisse ist ja auch sehr schwankend. In alter europäischer Geschichte muss man die Sprache verstehen, um lateinische Texte zu lesen. Schon in neuer Geschichte entfällt dieses mit der Einführung der Nationalsprachen in den europäischen Staaten. In aussereuropäischer zählen sowieso andere Sprachen.

Um in Jura oder Medizin mitzukommen, muss man nur ein paar Substantive auswendig lernen, keinesfalls die Sprachstruktur. Ärzte reden doch nicht Latein! Und die Vokabeln, die man in Medizin lernt, hat man zu 90 Prozent in der Schule sowieso nicht gelernt.

Die frühere Versessenheit auf Latein (und Griechisch) hatte eher etwas mit einem elitären Gehabe und dem Ausschluss anderer sozialer Schichten von der Bildung als mit tatsächlichen Erfordernissen des Hochschullernens zu tun.

Die meisten anderen Länder sind ohnehin liberaler und haben nicht ein Schulsystem, das so sehr soziale Auslese betreibt wie das deutsche (und österreichische und schweizerische, die da in derselben Tradition stehen).

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