Weil Israel im Gaza-Streifen Kriegsverbrechen begeht, wird es von vielen Ländern kritisiert und sanktioniert, Waffenlieferungen wurden deswegen sogar von Deutschland eingestellt, der Internationale Strafgerichtshof ermittelt wegen Genozid.
Zehntausende Zivilisten starben bereits bei den Militäraktionen, Hunderttausende wurden vertrieben, viele hungern, das Land ist eine einzige Trümmerwüste. Hilfslieferungen werden blockiert, Menschen an Essensausgaben erschossen, ständig Journalisten, Ärzte, Rettungskräfte gezielt getötet. Israelische Politiker machen keinen Hehl daraus das Gebiet vollständig ethnisch säubern zu wollen. Soziale Medien sind voll von Bildern von toten, schwer verletzten und halb verhungerten Kindern.
Abgesehen von Protesten in Berlin und ein paar anderen Großstädten (an denen jedoch oft Radikale teilnehmen) gibt es jedoch in Deutschland kaum öffentliche Solidarität mit den Palästinensern. In meiner Stadt (viele Studenten, 150.000 Einwohner, Grüne stärkste politische Kraft) sehe ich zwar Informationsstände in der Fußgängerzone, aber fast Niemand bleibt dort stehen. An den wenigen Demos beteiligt sich allenfalls eine Handvoll Menschen, fast alle Migranten.
Warum ist das Interesse und der Aktivismus für Gaza in Deutschland so gering? Selbst wenn die Mehrheit der Bevölkerung das Thema nicht interessiert, gibt es doch Millionen Muslime in Deutschland und mindestens ebenso viele linksorientierte Menschen, denen Menschenrechte am Herzen liegen sollten?
Bei Protesten gegen die AfD und ihre Deportationfantasien gingen letztes Jahr deutschlandweit Millionen auf die Straße, in meiner Stadt Zehntausende. Warum nicht für Gaza?