Gefühle, therapie?
Ich tue mich schwer damit, diese Frage zu stellen, aber ich brauche Rat. Vor ein paar Monaten begann ich eine Therapie bei einem männlichen Therapeuten. Ich selbst bin weiblich, er Mitte 30, ich Mitte 20. Er war hübsch, wenn ich ehrlich bin... ich hatte mich schnell in ihn verliebt. Dahin bin ich hauptsächlich wegen meiner Schüchternheit gegangen. Wir verstanden uns sehr gut, er war mir sehr sympathisch... ich achte viel auf Sympathie und er brachte es einfach mit. Sitzungen vergingen und die Sitzungen begannen irgendwie intensiver zu werden (meiner Wahrnehmung nach). Ich habe ihm eigentlich sofort von meinen Gefühlen erzählt. Da gab es absolut nichts zu verstecken und absolut nichts, was ich ihm nicht gesagt habe. Irgendwie nach ein paar Sitzungen hatte ich das Gefühl, dass er mich auch mag... Ich bat ihn, mir zu sagen, was er für mich empfindet, ob er das Gleiche empfindet wie ich. Er sagte mir dann bei unserer Sitzung, dass er keine Gefühle für mich habe... aber dass er sich auch nicht so schnell verlieben würde, zweimal. Wir redeten noch ein wenig und ich sagte ihm, dass ich die Therapie beenden würde. Ich sagte ihm, dass er sich um mich keine Sorgen machen müsse, dass ich schon klarkomme und dass er sich wegen seiner Antwort nicht schlecht fühlen müsse. Da sagte er mir eiskalt, dass er das nicht tue. Dass es sein Job sei. Ich dachte mir nur: 'Ehm, okay...' Irgendwie war das gemein. Dann fragte er mich, was ich denn getan hätte, wenn er gesagt hätte, dass er Gefühle hat. Ich sagte, ich hätte nichts getan, dass es mich gefreut hätte, aber dass ich schon wusste, dass es so ist. Dann redeten wir noch kurz und dann begannen die Komplimente: Dass ich eine Frau sei, von der er gerne Komplimente annehme, und dass wir uns unter anderen Umständen schon längst umarmt hätten und dass er mich nie zurückgewiesen hätte. Das war aber nicht das einzige Mal. Einmal hielt ich seine Hand fest beim Abschied, er sagte nichts und nahm sie auch nicht weg, bis ich losließ. Es gab so viele intensive Momente. Aber vor allem war es ein Hin und Her. Mal war er kalt, mal nett, dann wieder kalt und verabschiedete sich gar nicht. Kein Auf Wiedersehen, gar nichts. Komplett ignoriert. Und ich fragte mich immer, was ich falsch gemacht habe... immer wieder und wieder. Nach dieser einen Sitzung, als ich die Therapie beenden wollte, schrieb er mir nach ungefähr 20 Minuten eine E-Mail, dass er mir noch Zeit geben würde bis nächste Woche, um definitiv zu entscheiden, und dass er mich nicht einfach so ohne Weiteres gehen lassen wolle. Das verstand ich anscheinend auch falsch. Dieses Hin und Her machte mich extrem frustriert und es verletzte mich. Ich zählte ihm dann all seine Fehler auf... und jetzt tut er so, als wäre nie etwas passiert. Er kommentierte nicht ein einziges Mal die Fehler, die ich kritisiert habe. Nur dass er seiner Meinung nach eben nichts falsch gemacht hat. In anderen Worten: Ich habe mir das höchstwahrscheinlich alles nur eingebildet. Und das stimmt tatsächlich... ich hinterfrage jetzt meine eigene Realität... aber ich war live dabei, ich bin nicht dumm, noch bin ich taub. Das Ganze macht mich einfach nur extrem wütend und es gibt keinen Mensch, mit dem ich darüber reden könnte: wie ich nur so falsch liegen konnte mit meinen Gefühlen.