Wieso ist es ein großer Verlust für einen Menschen, wenn er seinen Glauben an Gott verloren hat?

 - (Psychologie, Menschen, Angst)

Das Ergebnis basiert auf 47 Abstimmungen

Das ist kein Verlust, das ist die Realität! 60%
Anderes... 19%
Weil er den Sinn des Lebens nicht finden kann. 13%
Weil ihm die Ewigkeit entgehen könnte. 4%
Weil er mit seinen Ängsten und Befürchtungen alleine wäre. 2%
Weil er keine richtige Moral finden könnte. 2%
Weil die gläubige Gemeinschaft fehlen würde. 0%

30 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Das ist kein Verlust, das ist die Realität!

Wenn ich so auf mein Leben zurückblicke - und da kommen schon ein paar Jahrzehnte zusammen - dann kann ich durchaus sagen, dass ich ein wirklich tolles und erfülltes Leben leben durfte.

Eine Ehe, die bis heute glücklich ist, vier inzwischen erwachsene Kinder, Enkelkinder, freunde und weitere Familie, einen wundervollen Beruf, herausfordernde ehrenamtliche Tätigkeiten, Sport, Hunde, Pferde, ..... ja, ich kann mich glücklich schätzen. Schon immer.

Und doch war der Tag - dieses Jahr im Sommer - an dem ich den Islam endgültig verließ, ein ganz besonderer Tag voller Erleichterung und schier unendlichem Glück. Denn auch bei mir hatte sie gewirkt .... diese viel besagte Indoktrination durch Familie, Umfeld und meine alevitisch-islamische Gemeinschaft. Und obwohl mein Glaubenskonflikt schon mit ungefähr 10 begann, als ich nämlich zum ersten Mal den Quran las und diesen meiner Mutter nach einigen Seiten des Lesens voller Entrüstung mit den Worten zurückgab, sie möge mir bitte den "richtigen" Quran geben, weil dieser hier (den ich in Händen hielt) sei ja voll mit Hass und Gewalt.

Sie konnte mir keinen anderen geben, und ich war ziemlich verstört. Wie konnte dieses hetzerische Machwerk DER Quran sein, in dem doch angeblich alles von Liebe durchflutet war und der ja auch - zumindest zum Teil - die Quelle all der Liebe in unserer Familie war?! Das passte nicht zusammen, weshalb ich den Quran erstmal weglegte, um ihn erst einige Jahre später, während meiner Pubertät, zum ersten Mal komplett durchzulesen.

Schreibe nachher weiter ....

In den letzten rund 35 Jahren habe ich den Quran sicherlich weit öfter als 100 Mal gelesen - auf Arabisch, Farsi, Türkisch, Englisch und mindestens 5 Deutsche Übersetzungen. Ich kann wohl sagen, ich kenne ihn ganz gut, ja, zu guten Teilen auswendig. Trotzdem hat sich mir diese allumfängliche Liebe nicht offenbart, gleich gar keine bedingungslose Liebe.

Ja, wo der Islam über alles gestellt wird, da ist der Islam durchaus fürsorglich, liebevoll oder gnädig. Aber WEHE wenn nicht. Diesen Aspekt konnte ich mir Zeit Lebens nur damit schön reden, dass wir Aleviten den Quran nicht als wortwörtlich anzuwendende Anleitung für das Leben verstehen, sondern mehr als Sammlung von Geschichten und Metaphern, die man bitteschön mit Verstand lesen möge, um die darin enthaltene Weisheit erkennen zu können und diese dann ins Leben einfließen lässt. Und trotzdem nagt in mir seit je her der Nachklang meines ersten Erlebens und die nicht wegzudiskutierenden Hässlichkeiten im Quran.

Ist das Liebe, wenn sie nicht bedingungslos ist? Nein, das ist keine Liebe, das ist Egozentrik, Selbstherrlichkeit und Egoismus. Dazu Dutzende Fehler, Widersprüche, Ungereimtheiten und unnötige Wiederholungen im Quran ....... Nein, das kann nicht göttlichen Ursprungs sein .... ODER .... wenn DAS göttlich sein soll, will ich damit nichts zu tun haben. Wahrscheinlich tausende Diskussionen mit Muslimen der unterschiedlichsten Richtungen haben es leider nur immer deutlicher werden lassen; kritisches Hinterfragen des Islam ist TABU. Der Grund ist indes auch klar; es gibt da jede menge zu kritisieren.

Ich hab eine Weile gebraucht, um den Schritt der Apostasie zu vollziehen, aber sie war das einzig Richtige. Ich habe das lange vor mir hergeschoben, weil ich das Richtige tun wollte - und eben die Indoktrination noch gewirkt hat - aber schlussendlich haben der Verstand und die bedingungslose Liebe gesiegt.

Großer Verlust? Nein, unendliche Freiheit!

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@DottorePsycho

Das, was ich unbewusst immer schon beim Islam vermutet habe, wird hier in ausgezeichneter Deutlichkeit von einem ehemaligen Insider kompetent dargestellt. Danke für diesen hochaktuellen Artikel. ***** Dafür vergebe ich 5 Sterne.

4
@DottorePsycho

"Ich habe das lange vor mir hergeschoben, weil ich das Richtige tun wollte - und eben die Indoktrination noch gewirkt hat - aber schlussendlich haben der Verstand und die bedingungslose Liebe gesiegt." Dem braucht man nichts mehr hinzuzufügen. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank!

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Weil er keine richtige Moral finden könnte.

Das ist von Mensch zu Mensch natürlich unterschiedlich. Je nach dem, was einem der Glaube gegeben hat und was man für ein Mensch ist, wird man es entweder als Verlust betrachten oder als Befreiung. Ich könnte mir vorstellen, dass jemand der aus irgendeinem Grund nicht mehr Glauben kann, es wegen deinen aufgezählten Punkten als großen Verlust betrachtet. Wie z.B.

- Weil er mit seinen Ängsten und Befürchtungen alleine wäre

-Weil er den Sinn des Lebens nicht finden kann

- Weil ihm die Ewigkeit entgehen könnte.

Jemand der geistige Bedürfnisse hat, wird eine riesen Leere in sich fühlen. Dann wird er sich wieder auf die Suche nach der Wahrheit begeben. Spiritualität ist eben ein Grundbedürfnis des Menschen.

Für einen richtig gläubigen Menschen, ist der glaube mit Abstand das Wichtigste im Leben.

Ich habe den Punkt mit der Moral gar nicht angeklickt. Ungläubige sind oft ihr eigener Gott. Und sie entscheiden für sich selbst, was richtig und was falsch ist.

Mhh kommt mir irgendwie bekannt vor... hust...Baum der Erkenntnis... hust

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@Bannanenesser

Denn das Sinnen des Fleisches bedeutet Tod, das Sinnen des Geistes aber bedeutet Leben und Frieden (Römer 8:6)

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Danke, das Du das mit der Moral richtiggestellt hast. :-)

Zum Thema Spiritualität: Für mich geht Spiritualität komplett ohne Religion und auch ohne Glaube an einen Schöpfergott.

"(...) Für einen richtig gläubigen Menschen, ist der glaube mit Abstand das Wichtigste im Leben."

Ich glaube nicht, dass man das so pauschal über alle Gläubigen behaupten darf.

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Das ist kein Verlust, das ist die Realität!

Die Frage ist so falsch gestellt. Aus der Perspektive des Gläubigen, ist die Vorstellung seinen Glaube zu verlieren natürlich etwas, was melancholisch bis sehr traurig macht. Der Gläubige sieht den Glauben als wervoll an und etwas wertvolles zu verlieren schmerzt. Wer seinen Glauben ablegt (verliert wertet das als Verlust, deswegen vermeide ich das Wort) entwertet allerdings als erstes die Vorstellung des Glaubens als falsch und somit hat er auch nichts verloren ( die sozialen Aspekte, dass er Kontakte verliert an dieser Stelle ausgenommen).Was Falsch ist, ist nicht wertvoll un somit hat er nichts verloren. Folglich empfinet er es auch nicht als Verlust und somit ist ihm seelisch nichts genommen.

Aus Gläubiger Perspektive lauern natürlich diverse Konsequenzen (Nicht Paradies, Höle etc.), aber Götter sind nur mächtig, solange man an sie glaubt und existeren ohne den Glauben an sie nicht (Sehr schön in Ralf König "Prototyp" dargestellt), insofern drohen auch keine Konsequenzen.

Anderes...

Ich fühle mich tatsächlich besser, seit ich den Glauben endgültig hinter mir gelassen habe. Weil ich nicht mehr Angst haben muss, das jemand ständig hinter mir steht. Weil nicht jeder Fehltritt böse ist. Weil ich gute Dinge für andere tue, nicht egoistisch für mein eigenes Wohl im "Leben nach dem Tod". Das macht mich glücklicher und erfüllter, als es ein imaginärer Freund im Himmel je könnte.

Das ist kein Verlust, das ist die Realität!

Die von denen ich weiss das sie mal gläubig waren scheinen keinen großen verlust erlitten zu haben. Daher schein deine prämisse falsch zu sein.

Dennoch ist es oft ersteinmal ein verlust. Denn Ein Glaube ist meist mit einem weltbild verbunden welches mann ohne den Glauben nicht weiter aufrecht erhalten kann und dann natürlich in sich zusammen fällt.

Daraus erfolgt eine Phase der neu orientierung und der Aufbau eines neuen Weltbildes ohne diesen Glauben. z.b. asu Humanistischer Sicht.

sobald das aber abgeschlossen ist sind diese leute oft zufriedener als vorher.

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