Wieso ist das selbstbefriedigen verboten (Islam)?

16 Antworten

Moin,

dieses "Verbot" gibt's nicht nur im Islam. Auch bei den Katholiken hieß es seeehr lange, dass man sich nicht selbst befriedigen dürfe (vielleicht gilt das auch heute noch?!). Die Gründe dafür sind eigentlich immer dieselben: Mit der Selbstbefriedigung gehen praktisch immer "sündige" Gedanken einher (wer denkt dabei schon an Kindermachen mit dem Ehepartner?). Außerdem vergeudest du als Mann den lebensbringenden Samen; als Frau bist du unkeusch! Dabei lässt man sich von zwei Prinzipien leiten: 1. Sexuelle Handlungen dienen (ausschließlich) der Schaffung von Nachwuchs. 2. Andere Motive führen zu unreinen Gedanken, zur Sünde und sind deshalb Unzucht.

Die Religionen waren (und sind) sehr erfinderisch, wenn es darum geht, die vermeintliche Unzucht zu bekämpfen. Sprüche wie "2.000 Schuss, dann ist Schluss!" oder Gerüchte wie "Wer sich selbst befriedigt riskiert eine Rückenmarkserweichung!" (was immer das konkret bedeuten soll) bauen darauf, dass man Angst bekommt. Und Angst ist eine starke Säule, wenn es darum geht, im Sinne der Religion zu handeln und - vor allem - ein Anhänger der Religion zu bleiben (oder zu werden), denn gleichzeitig werden auch immer Versprechen gemacht, die Heil und Erlösung verheißen. Wer kennt nicht die unverhohlene Drohung "Gott sieht alles!" Wer bekommt nicht zu hören, dass nur die Religion XYZ die einzig wahre sei und dass alle anderen, die den falschen Glauben haben, unwiderruflich ins Verderben gehen?

Und wenn die Angst nicht zum Tragen kommt oder nicht stark genug wirkt, werden andere Geschütze aufgefahren. Dann wird einem ein schlechtes Gewissen gemacht, und das nur mit dem Ziel, dass du dich möglichst schlecht fühlst und deshalb Trost bei deiner Religion suchst.

Ich bin seit Jahren Atheist. Ich glaube weder an liebenden Gott noch an sonst etwas in der Art. Die Alternative, dass es einen Gott gibt, strapaziert zu sehr meine Phantasie oder meinen Glauben. Es sei denn, ich würde mir Gott als Sadisten vorstellen. Dann könnte ich an ihn glauben, denn dann wären nicht nur die ganzen Gräueltaten, die auf unserer Erde passieren, erklärlich (Gott sieht uns halt gerne leiden), sondern es würde mir auch einleuchten, dass Gott mir einen Verstand gegeben hat, mit dem ich anzweifle, mit dem ich nach Erkenntnis suche, mit dem ich letztlich erkenne, was für ein Jammertal diese Welt sein kann. Denn ist es nicht wahrhaft sadistisch, mich nicht nur in das Jammertal zu stecken, sondern auch noch die Fähigkeit zu geben, das zu erkennen? Aber die Vorstellung, Gott sei ein Sadist, finde ich irgendwie noch schlimmer, als gar nicht an ihn zu glauben.

Nein, nein, es ist alles viel einleuchtender, wenn ich annehme, dass es so etwas wie Gott nicht gibt. Aber wenn es keinen Gott gibt, dann sind auch alle Gebote, Verbote und Regeln der Religionen ohne Schrecken. Versteh mich bitte nicht falsch. Ich finde es durchaus sehr richtig, dass sich Menschengesellschaften Regeln und Gesetze schaffen und danach leben, weil Anarchie oder das (uneingeschränkte) Recht des Stärkeren nicht das sind, was uns helfen würde. Aber müssen die Gesetze und Regeln religiös untermauert sein? Nein, das finde ich nicht. Aussagen, dass es ohne Religionen noch schlimmer auf der Welt wäre, müssten doch erst einmal überprüft werden. So liefert die Biologie durchaus Beispiele und Erklärungen dafür, dass und wann sich altruistisches Verhalten (also zum Beispiel der Einsatz für andere Mitmenschen) auszahlt. Und unterschätze dabei nicht die Gefühlswelt. Empathie oder Mitleid würden nicht aufhören zu existieren, auch wenn es die Religionen nicht gäbe.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich vor Menschen, die einen reinen Glauben an Gott haben, die fromm und mildtätig an ihren Mitmenschen handeln, einen großen Respekt habe. Ich bin froh, dass es solche Menschen gibt und dass sie viele soziale Dienste am Menschen mehr oder weniger unentgeldlich verrichten. Ich lehne eben nur Glaubensgemeinschaften ab, die unter dem Deckmantel von Nächstenliebe mit Angst und Gewissensbissen und einem vagen Versprechen auf Erlösung die Hilfsbereitschaft von solch edelmütigen Menschen ausnutzen. Aber wenn diese Menschen ihre Hilfsbereitschaft nur zeigen, WEIL sie glauben, dadurch gottgefällig zu sein, dann werden diese Menschen wegen ihrer Heuchelei und Berechnung laut ihres eigenen Glaubens ein böses Erwachen erleben, wenn sie dereinst vor ihrem Schöpfer stehen.

Ich will dich also nicht davon überzeugen, dass du auch Atheist werden sollst. Darum schlage ich dir vielmehr vor, nur die Gebote deiner Religion (oder auch anderer Religionen) anzunehmen und zu ehren, die dich nicht belasten oder durch die du zu einem glücklichen Menschen wirst. Und wenn dazu die Selbstbefriedigung gehört, so gebe diesem Wunsch nach. Denn wenn es doch einen liebenden Gott geben sollte, so wird er auch wissen, dass wir Menschen schwach sind, und er wird dich auch dann als "sein" Kind in Liebe aufnehmen, wenn du an dieser Stelle versagt hast. Und sollte diesen Gott nicht geben, brauchst du auch seinen Unwillen nicht zu fürchten...

LG von der Waterkant.

wenn du das selber geschrieben hast finde ich das sehr gut von dir 👍

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@Aktzeptieren

Danke, aber wer sollte es sonst geschrieben haben? Fabians Gott? Ich hoffe nicht - ach so, nein, geht ja gar nicht... Der hätte ja wohl kaum einen Text gegen sich selbst formuliert :o).
Nein, im Ernst, solche Texte sind tatsächlich von mir, da ich ja (auch) über meine Einstellung zum Thema Gott schreibe...

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@DedeM

ich bin Christ und glaube an Gott. Wenn Sie einige Gründe/Argumente wissen wollen, um an Gott und das Christentum zu glauben, dann können Sie mich hier fragen oder auf mein Profil gehen, dort findet man Argumente.

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@comhb3mpqy

Moin,

danke, aber nein danke. Versteh mich bitte nicht falsch. Ich finde es schön für dich, dass du ein gläubiger Christ bist. Wenn es dich glücklich macht, ist das auch gut so. Mich macht das Christentum (vor allem seine Geschichte oder die katholische Kirche heute noch) krank. Auch die Überlieferungen in der Bibel (vor allem im Alten Testament) zeichnen in vielen Fällen ein Gottesbild, das fürchterlich ist: Gott verlangt, dass Abraham seinen einzigen Sohn opfern soll; er vernichtet scharenweise Völker (sind das nicht auch "seine" Kinder??); er vernichtet fast alles Leben in einer großen Sintflut; er vernichtet grausamst Sodom und Gomorrha und eine ganz schlimme Geschichte widerfährt Hiob: aus menschlicher Sicht ist der Verlust eigener Kinder nicht durch die Geburt anderer neuer eigener Kinder aufzuwiegen - alles nur wegen einer "Wette" zwischen Gott und dem Teufel? - auf so einen "lieben Gott" verzichte ich dankend - dann werde ich lieber Satanist, das ist genauso dumm, aber immerhin nicht verlogen, weil ich da von vornherein weiß, dass ich belogen und betrogen werden soll...
Was deine "Argumente" und "Gründe" angeht, die du auf deinem Profil anpreist, so kann ich nur sagen, das mag so gewesen sein, aber es gibt auch völlig andere mögliche Erklärungen, die es zu prüfen gäbe. Geldgier oder Publicity-Sucht der Familie, religiöser Fanatismus oder - weniger negativ ausgelegt - ein biologischer Prozess. Gene werden zu verschiedenen Zeiten und durch verschiedene (externe oder interne) Signale an- und abgeschaltet. Die allermeisten dieser Regelkreise verstehen wir noch gar nicht, aber das heißt ja nicht, dass es sie nicht gibt. Es könnte doch sein, dass das Trauma des Sturzes in dem Mädchen bis dahin genetisch blockierte Prozesse (endlich) in Gang gebracht hat, welche die Stoffwechselstörungen beseitigten. Ist das nicht auch denkbar? Ich will nicht behaupten, dass das so war. Ich will nur aufzeigen, dass es sehr wohl Erklärungen gibt, die locker ohne Begriffe wie "Wunder" oder "Gott" auskommen. Und was die übereinstimmenden Berichte von Leuten mit Nahtoderfahrungen angeht, warum sollten in einer solchen Extremsituation nicht "letzte" elektrische Zuckungen zwischen Nervenzellen ganz bestimmte (gleiche) Wahrnehmungen auslösen, zum Beispiel um den Körper über den Kopf zu beruhigen und somit zu schützen? Ich meine, wenn Jemandem bei einem schweren Unfall der Arm abgerissen wird, und derjenige dann unter Schock wenig blutet, dann sehe ich darin doch auch nicht gleich einen Beweis für Gott, nur weil bei vielen Menschen deren Körper in ähnlichen Situationen genauso reagieren.

Ich jedenfalls kenne Jemanden, der, ehemals gottesgläubig, eine Nahtoderfahrung machen musste, aber nun nicht mehr an Gott, sondern eine Art Rat der Weisen (das "Universum") glaubt. Das kommt daher, weil diese Person schwört, dass sie, kurz bevor sie dachte, dass es nun aus sei, Stimmen gehört zu haben, die deutlich wahrnehmbar miteinander sprachen und dabei sagten, die verunglückte Person sei noch nicht an der Reihe. Kurz darauf wurde sie dann auch gerettet. Was beweist nun diese (wirklich wahre) Geschichte? Waren das Gottes Engel? Gott selbst war es offenbar nicht, es sei denn er redet in vielen Stimmen mit sich selbst. War es ein "Rat der Weisen"? War es das "Universum? Oder waren es elektrische Signale im Gehirn der verunglückten Person und ein glücklicher Zufall? Ich weiß es nicht, aber ich sehe darin keinerlei Beweise allein für Gott. Jemand wie du mag Gott darin als (einzige?) Erklärung sehen, ich sehe viele Möglichkeiten und kann deshalb so einen Gottesbeweis nicht akzeptieren...

Ich möchte noch einmal betonen, dass ich dir deinen Glauben nicht absprechen will und ihn dir sogar (ohne Ironie oder Sarkasmus) gönne. Aber deine Argumente und Gründe dafür entstehen meiner Meinung nach doch eher aus deinem Wunsch heraus, es möge so sein. Und dann beweist du damit nur dir allein, was du sowieso schon immer geglaubt hast...

LG von der Waterkant.

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Hallo Unknown622,

es gibt ausnahmen, aber die sind auch nicht unbedingt einheitlich. Für die Meisten Gelehrten ist es verboten. Aber nicht für alle siehe Zitat:

17. Islam und Selbstbefriedigung?

Zum Thema Selbstbefriedigung wollen wir aus dem Buch "Erlaubtes und Verbotenes im Islam" von Jusuf al-Qaradawi zitieren:Über Selbstbefriedigung Der starke Drang, sich von sexueller Spannung zu befreien, kann einen jungen Mann zur Selbstbefriedigung führen. Die Mehrheit der Gelehrten betrachtet sie als haram. Imam Malik stützt sein Urteil darüber auf den Koranvers:
"Und die sich den Frauen enthalten, es sei denn ihren Gattinnen oder deren, die ihre rechte besitzt, denn hierin sind sie nicht zu tadeln. Wer aber über dies hinaus begehrt, das sind die Übertreter..." (23:5-7) Er hält den, der sich selbst befriedigt, für einen, der "über dies hinaus begehrt". Andererseits wird berichtet, dass Imam Ahmad ibn Hanbal die Samenflüssigkeit als eine Körperausscheidung wie andere auch ansah und es erlaubte, sie auszustoßen, wie auch der Aderlaß erlaubt ist. Ibn Hazm vertritt ebenfalls diese Ansicht. Die hanbalitischen Rechtsgelehrten erlauben die Selbstbefriedigung aber nur unter zwei Voraussetzungen:
1. bei Furcht davor, Ehebruch zu begehen und
2. nicht in der Lage zum Heiraten zu sein.
Wir neigen dazu, die Ansicht von Imam Ahmad in einer Lage anzunehmen, in der sexuelle Erregung und die Gefahr besteht, etwas Verbotenes zu begehen. Beispielsweise mag ein junger Mann ins Ausland gegangen sein, um zu studieren oder zu arbeiten ist dort vielen Versuchungen ausgesetzt, denen er fürchtet, nicht widerstehen zu können. Dann darf er sich dieser Art der Befreiung von sexueller Spannung bedienen, wenn er es nicht übermäßig oder gewohnheitsmäßig tut. Noch besser ist der Rat des Propheten (s) an den jungen Muslim, der nicht heiraten kann, nämlich dass er Hilfe durch häufiges Fasten sucht, denn das Fasten stärkt die Willenkraft, lehrt Beherrschung der Wünsche und stärkt die Gottesfurcht. Der Prophet (s) hat gesagt: "Ihr jungen Männer, wer von euch eine Frau ernähren kann, soll heiraten, weil das den Blick (von Frauen) abwendet und die Keuschheit bewahrt, aber wer das nicht kann, soll fasten, denn das beruhigt die Erregung." Wir halten dies für einen vernünftigen Umgang mit dem Thema. Dies soll jedoch nicht als "Freibrief" für ungehemmte Selbstbefriedigung verstanden werden.

Quelle: Islam.de/FAQ

Gruß Plüsch Tiger

Ich verstehe das ehrlich gesagt auch nicht.

Nach meinem Verständnis hat eine Religion in erster Linie die Aufgabe, den menschen Halt und Unterstützung zu geben und sie bei der Bewältigung von schwierigen Situationen im Leben beizustehen.

Das es Religionen gibt, die ihre Anhänger durch Regeln dazu treibt, dass Fragen und Gewissenbisse entstehen weil die zum Teil wenig verständlichen Regeln und Vorschriften eigentlich nicht einzuhalten sind, ist in meinen Augen unverständlich.

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