War Adam (vor der Erschaffung der Eva schon) ein Mann?

25 Antworten

in der Torah, im 1. Buch Bereschit, ist ha Adam kein Eigenname, sondern heisst schlicht und ergreifend Mensch. "Gott der Herr schuf den Menschen (ha Adam), als Mann (isch) und Frau (ischah) schuf er ihn."

Da es in alten Tagen nicht weit her war mit der Kenntnis von Althebräisch, Aramäisch und Textkritik bei den Übersetzern, haben sich die Übelsetzer eben beholfen, und ihre Kenntnislücken mit dichterischen Freiheiten aufgefüllt.

Luther, der Hebräisch lernte, übersetzt: Daher soll sie Männin (ischah) heissen, denn vom Mann (isch) ist sie genommen.

Aber auch bei ihm ist Adam eben nur 'Mensch'.

Wenn "Adam" nur ganz allgemein "Mensch" heisst und kein Eigenname ist:  ein paar Absätze später lesen wir:

"Und Adam war hundertunddreißig Jahre alt und zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war und hieß ihn Seth und lebte darnach achthundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter; daß sein ganzes Alter ward neunhundertunddreißig Jahre, und starb."

woher wissen wir nun, dass dieser Mensch oder Adam nun derselbe ist, von dem Gott die Rippe genommen hat für Eva - wenn es kein Eigenname ist ?

Oder sagt dieser Satz nur, dass später - vielleicht viel später - irgendein Mensch einen Sohn namens Seth hatte und alt wurde und starb ?

Dieser "Adam/Mensch" ist der Ursprung der biblischen Stammbäume - wo steht (wenn es kein Eigenname ist) dass dieser Mensch anfangs im Garten Eden lebte ?

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@rr1957

die Torah, insbesondere das Buch Bereschit, ist kein in sich schlüssiges Werk, sondern ist eine aus mindestens vier verschiedenen Textquellen ziemlich sorglos zusammengestückelte Dichtung, die unseren heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, die wir an glaubwürdige Zeugnisse oder Romanwerke stellen würden.

Eine dieser Versatzstücke nennt man Jahwistenquelle, eine andere Elohistenquelle, analog zu der Benennung der Hochgottheit. Auch befinden sich im Buch Bereschit mindestens zwei völlig unterschiedliche, miteinander nicht kompatible Schöpfungsgeschichten. Die Stelle, die du korrekt zitierst, wird von der Textkritik einer jüngeren Quelle zugeordnet.

Was dem aber nicht widerspricht, dass ha Adam althebräisch eben nicht Mann heisst, sondern Mensch, und in dem Zusammenhang verwendet wird im Sinn von erster Mensch (Urmensch), und das ganz deutlich kontrastiert zu ha Ish  und ha Isha (Mann, Frau)

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@eleteroj

Was mich eigentlich an der Stelle interessiert:

Heisst Adam tatsächlich "Mensch" in dem Sinne, wie wir es heute verstehen, also "species homo sapiens" (inklusive aller Rassen weltweit)

 - oder -

bedeutet "Adam heisst Mensch" grade umgekehrt, dass nur die Nachkommen von Adam in der Bibel als Menschen anerkannt werden, dagegen die Nachkommen von Kain, oder die Nefilim, oder eventuell fremde Rassen die offenbar(?) nicht von Adam abstammen,  keine Adamiten sind, also keine "Menschen im biblischen Sinn".

Man kann das z.B. bei der Sintflut betrachten:  in der Arche überleben eine Handvoll, deren genaue Abstammung von Adam in der Bibel überliefert ist. Es gibt durchaus auch andere Überlebende, z.B. Kainiten - aber die Aussage steht, dass die Arche-Insassen die einzigen überlebenden Adamiten sind, also die einzigen, die nachweislich von Adam abstammen und darum im biblischen Sinn nur als Menschen gelten.

Ich frage hier nicht, ob das eine oder andere stimmt - ich meine nur, dass sich hier ein sehr bedenkliches Menschbild in der Bibel aufzeigen lässt ...

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auch bei den alten Germanen hieß "mann" Mensch- Um diese zu unterschieden war der eine ein human der andere ein wifman. Heute noch zu erkennen im englischen "woman".

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Genesis 1: 27 "Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie."

Es gab keinen Grund, dass Adam vor der Erschaffung Evas geschlechtslos gewesen sein sollte, um dann in einen Mann umgewandelt zu werden! Gott hatte einen Plan und wusste ganz genau, wie Er ihn verwirklichen wollte.

Adam war von Anfang an männlich und Eva weiblich, so wie auch jedes Kind männlich oder weiblich auf die Welt kommt. Das bedeutet natürlich nicht, dass unbefangene Kinder von Anfang an selbst Kinder zeugen können, und auch Adam und Eva wurden erst als sterbliche Menschen dazu fähig.

Du möchtest darauf hinaus, ob die "Trennung der Geschlechter" von vornherein 'geplant' war. (?) 

Ich glaube jein. Die Individualität des Menschen hatte in seiner früheren perfekten Entstehungsphase noch keine (negativen) Auswirkungen, nichts unvorhersehbares, kein Chaos. Dieses kam erst mit dem Erschaffen des vermeintlich (ebenfalls) perfekten Partners, der nur wegen dem Konzept des Lebens (das sich durch die Welt zieht) erschaffen wurde ('aus Adam's Seite'-für Adam's Seite, die männlich-egozentrische Sichtweise dieses Konzepts ist wichtig).

Es heißt auch 'Entstehungsgeschichte', ich glaube an die 'experimentelle Sicht der Dinge', betrachten wir den Menschen als etwas "geschaffenes" und könnte mir daher tatsächlich vorstellen, dass 'Ursprungsadam Version 0.01' tatsächlich noch geschlechterlos war.

Auf der anderen Seite impliziert die Tatsache des 'männlichen Namens', dass die Planung auch zu dem Zeitpunkt schon klarer war. 

Sehr interessante Frage :) 

Liebe Grüße 

Da gibt es eine "perfekte Entstehungsphase"?

Aha.

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@earnest

Perfekt, vollkommen, 'göttlich' (als extrem zu 'menschlich') -》ohne 'Fehler'.

Auch hier wieder, meine eigenen Worte, häng dich an Phrasen auf und mach dir gar nicht erst die Mühe verstehen zu wollen.

Witzig, es gab wohl einen 'Ursprungsadam' mit Versionsnummer...

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@SamOthy

Dein mittlerer Absatz ist eine Unterstellung.

Hier geht es im Übrigen nicht um eine "Phrase", sondern um Grundsätzliches - perfekte Schöpfung oder allmähliche Evolution?

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@earnest

Ja ist sie. 

Je nach Blickwinkel, hier war dieser gefragt und ich finde das hypothetische Konstrukt recht interessant.

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Adam und Eva sind z u s a nm m e n erschaffen worden und nicht erst er und dann sie.

Und wenn es so wäre, dann erst sie und dann er

Du liegst mit Deiner Frage schon falsch:   Adam und auch Eva waren im Paradies prä-pubertäre Kinder, und eben grade nicht erwachsen!

 

Die Geschichte mit dem Apfel, ist doch grade die Allegorie der Pubertät - das ist die Darstellung, wie die beiden langsam erwachsen werden - Eva zuerst - und nun erst sexuelle Aktivitäten entwickeln und zeugungsfähig werden.

Es ist ja kein Zufall dass kleine Kinder oft auch als "Engelchen" gezeichnet werden, d.h. ja:  Adam war - vor dem Zwischenfall mit dem Apfel - ein "geschlechtsloser Mensch" in dem Sinne, wie ein Kleinkind noch "geschlechtslos" ist, also ohne genitalsexuelles Verhalten und Interesse.

Und klar, die Elohim (Götter) und auch Nachash (Schlange) waren die Erwachsenen. Erwachsene erschaffen Kinder, auch im Paradies.

 

Ein häufig gemachter Fehler mit dieser Geschichte ist, dass man sich diese Erzählung als zügig fortlaufende Handlung wie ein Theaterstück vorstellt.  Das ist sehr irreführend - es ist in Wirklichkeit eine Art Chronik, die auf die allerallerwichtigsten Punkte eingedampft ist und sehr viel ist weggelassen worden. Man sollte sich klarmachen, dass die Apfelgeschichte einen Entwicklungsverlauf über mehrere Jahre hin beschreibt, allerdings ohne ausdrückliche Zeitangaben.



Die klassische weiterführende Frage an dieser Stelle ist:  Hatte Adam eigentlich einen Nabel ?  Hatte Eva einen ?



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