War Adam (vor der Erschaffung der Eva schon) ein Mann?

37 Antworten

in der Torah, im 1. Buch Bereschit, ist ha Adam kein Eigenname, sondern heisst schlicht und ergreifend Mensch. "Gott der Herr schuf den Menschen (ha Adam), als Mann (isch) und Frau (ischah) schuf er ihn."

Da es in alten Tagen nicht weit her war mit der Kenntnis von Althebräisch, Aramäisch und Textkritik bei den Übersetzern, haben sich die Übelsetzer eben beholfen, und ihre Kenntnislücken mit dichterischen Freiheiten aufgefüllt.

Luther, der Hebräisch lernte, übersetzt: Daher soll sie Männin (ischah) heissen, denn vom Mann (isch) ist sie genommen.

Aber auch bei ihm ist Adam eben nur 'Mensch'.

Wenn "Adam" nur ganz allgemein "Mensch" heisst und kein Eigenname ist:  ein paar Absätze später lesen wir:

"Und Adam war hundertunddreißig Jahre alt und zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war und hieß ihn Seth und lebte darnach achthundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter; daß sein ganzes Alter ward neunhundertunddreißig Jahre, und starb."

woher wissen wir nun, dass dieser Mensch oder Adam nun derselbe ist, von dem Gott die Rippe genommen hat für Eva - wenn es kein Eigenname ist ?

Oder sagt dieser Satz nur, dass später - vielleicht viel später - irgendein Mensch einen Sohn namens Seth hatte und alt wurde und starb ?

Dieser "Adam/Mensch" ist der Ursprung der biblischen Stammbäume - wo steht (wenn es kein Eigenname ist) dass dieser Mensch anfangs im Garten Eden lebte ?

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@rr1957

die Torah, insbesondere das Buch Bereschit, ist kein in sich schlüssiges Werk, sondern ist eine aus mindestens vier verschiedenen Textquellen ziemlich sorglos zusammengestückelte Dichtung, die unseren heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, die wir an glaubwürdige Zeugnisse oder Romanwerke stellen würden.

Eine dieser Versatzstücke nennt man Jahwistenquelle, eine andere Elohistenquelle, analog zu der Benennung der Hochgottheit. Auch befinden sich im Buch Bereschit mindestens zwei völlig unterschiedliche, miteinander nicht kompatible Schöpfungsgeschichten. Die Stelle, die du korrekt zitierst, wird von der Textkritik einer jüngeren Quelle zugeordnet.

Was dem aber nicht widerspricht, dass ha Adam althebräisch eben nicht Mann heisst, sondern Mensch, und in dem Zusammenhang verwendet wird im Sinn von erster Mensch (Urmensch), und das ganz deutlich kontrastiert zu ha Ish  und ha Isha (Mann, Frau)

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@eleteroj

Was mich eigentlich an der Stelle interessiert:

Heisst Adam tatsächlich "Mensch" in dem Sinne, wie wir es heute verstehen, also "species homo sapiens" (inklusive aller Rassen weltweit)

 - oder -

bedeutet "Adam heisst Mensch" grade umgekehrt, dass nur die Nachkommen von Adam in der Bibel als Menschen anerkannt werden, dagegen die Nachkommen von Kain, oder die Nefilim, oder eventuell fremde Rassen die offenbar(?) nicht von Adam abstammen,  keine Adamiten sind, also keine "Menschen im biblischen Sinn".

Man kann das z.B. bei der Sintflut betrachten:  in der Arche überleben eine Handvoll, deren genaue Abstammung von Adam in der Bibel überliefert ist. Es gibt durchaus auch andere Überlebende, z.B. Kainiten - aber die Aussage steht, dass die Arche-Insassen die einzigen überlebenden Adamiten sind, also die einzigen, die nachweislich von Adam abstammen und darum im biblischen Sinn nur als Menschen gelten.

Ich frage hier nicht, ob das eine oder andere stimmt - ich meine nur, dass sich hier ein sehr bedenkliches Menschbild in der Bibel aufzeigen lässt ...

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Die Bildung der Genesis war Ausdruck der Unwissenheit der Bibelschreiber über die Evolution in der Natur, ist daher interessanter als Allegorie, in Sachen Paradies. Und genau da hat sie (Genesis) schon wieder ihren speziellen Reiz im Sinne einer Überlegung, inwieweit es denn paradiessische Zustäne mal gab. Es mu sie gegeben haben, verblieb im kollektiven Gedächtnis der Völker, die sie wie ein fernes Wetterleuchten in ihrer mentalen Schatzkammer bewahrten. Die Alten Griechen sprachen vom Goldenen Zeitalter, das Gilgamesch-Epos nahm darauf Bezug, das Popul Vuh der Mayas sowie die Taoisten hoben gleichfalls diese Zeit als unbeschwerter gegenüber der Gegenwart hervor und nannten als Referenzgröße den sogenannten Gelben Kaiser.

Gemeint ist hierbei die Zeit der Jäger und Sammler, also einen klassenlosen Gesellschaft, wie man sie auch bei diversen indigenen Ethnien einst vorfand und jetzt noch rudimentär vorfindet. Es gab noch keinen langen Arbeitstag, wie er mit der neolithischen Revolution einsetzte, es gab noch keine Zivilisationskrankheiten, wie sie durch die Unverträglichkeit von Mildhprodukten und z.T. auch Getreide entstanden. Erst langsam stellte sich der menschliche Körper auf diese ungewohnte Kost ein.

Es gab noch keine Stadtstaaten, aus denen sich später die unappetitlichen Staaten entwickelten, es gab noch keine Monogamie, keine Familie und Ehe, kein Patriarchat, so wie wir sie seit Beginn der Kultur kennen, kein Geld und auch keine Kriege, sowie kein Privateigentum an Produktionsmitteln. 

Es wundert nicht, dass sich zahlreiche Menschen von dieser Zeit träumten, ihr nachtrauerten. diese Zeit war mit der Jungsteinzeit unwiderruflich hin, so dass man sie nur noch schriftlich "einfangen" konnte.

Adam gestand man noch eine Geliebte namens Lilith zu, Evas Geliebter wurde von den patriarchalischen Bibelsschreibern ausgeblendet, so dass ansonsten nur noch der Zustand der Unschuld als weitere Essenz in der Genesis auftauchte.

In der tribalistischen Gesellschaft war das Wissen der Mwenschen noch recht begrenzt, der "Baum der Erkenntnis", das waren die Stadtstaaten, die Arbeitsteilung, die entstehende Priesterkaste usw., der zwar mehr Wissen bescherte, das aber ungleich in den Köpfen der Menschen verteilt war. Somit verlor die Gesellschaft ihre vorherige "Unschuld", denn nun war es nicht mehr so, dass Alle Alles konnten, es trast vielmehr die Zeit der Spezialisten ein und mit ihr auch die so entstehende Unzufriedenheit, der Neid, die Mißgunst sowie devotes Verhalten.

Als Adam grub und Eva spann, da gab`s noch keinen Edelmann, wie es in einem alten Bauernlied heißt, das leider von den Hitler Faschisten instrumentalisiert wurde.

Fazit: Es ist regelrwecht absurd, die Genesis wörtlich auffassen zu wollen, dies tun nur Kinder und Kreationisten, doch hat sie ihren Reiz, wenn man sie als Gleichnis, als Chiffre ansieht, die es zu deuten gilt. So betrachtet, ist der biblische Mythos eine nicht zu unterschätzende Quelle über eine dramatische Umbruchzeit, wie sie mit der neolithischen Revolution einsetzte und stetig sich fortsetzt mit all ihrem Fluch und partiellem Segen.


Zu diesem wahrhaft lesenswerten Beitrag habe ich nur EINE Anmerkung:

Das neolithische Fast-Paradies war ein Paradies, in dem es zum Beispiel Zahnschmerzen gab und in dem man an einer simplen Schürfwunde verrecken konnte.

Die "Traumzeit" - zum Beispiel die "Dreamtime" der australischen Ureinwohner - gab es nur im Mythos.

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@earnest

Es gab auch schon in der Steinzeit Wissen um Heilkräuter, die man verwendete. Das beherzigen sogar schon Schimpansen und andere Menschenaffen. Notfalls wurde dann eben der Zahn gezogen.

Warum sollten Menschen an einer Schürfwunde sterben. Umschläge und desinfiziende Heilerde kannten die mit Sicherheit. Es kommt hinzu, dass die Abwehrkräfte wohl um Einiges stärker waren als die der Jetztmenschen. Und nochmals die sonstigen Menschenaffen, wer von denen stirbt da schon an einer Schürfwunde? Doch wohl fast niemand, die Altersschwachen mal ausgenommen.

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@voayager

Hier noch ein Nachtrag: mir ist nicht bekannt, dass Khois, Sams, Aboriginals, Yanomamis, Mbias, Ache usw. wegen einer Schürfwunde sterben, vielmehr wissen die sich sehr gut zu helfen.

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@voayager

Ich weiß nicht, ob man die Khoi von heute mit den Steinzeitmenschen von damals vergleichen kann, und ich weiß auch genausowenig wie du, welche Heilkräuter der Neandertaler oder der Homo Sapiens verwendete. Auch nicht, wie wirksam sie waren.

Du kannst ja meine symbolhaften Beispiele realistisch erweitern: Blinddarm, Keule auf Kopf, Lungenentzündung, Kindbettfieber usw. usw. usw.

Worum es mir ging: Deine in meinen Augen hervorragende Darstellung mit ein wenig Realismus ergänzen, damit nicht der Eindruck entstehen kann, die "edlen Wilden" hätten einen lauen Lenz gehabt und in rundherum paradiesischen Zuständen gelebt.

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@earnest

einen lauen Lenz gab es nie in der Geschichte der Menschheit, wer wollte das bezweifeln. Etliche Menschen wurden von wilden Tieren zerrissen oder stürzten im Gebirge, in den Schluchten ab, wieder andere wurden durch Steinschlag getötet oder von Lawinen begraben, vom Hochwasser mitgerissen usw. Doch all das stand im Einklang mit der Natur, wurde nicht als große Belastung angesehen, sondern als Art Schicksalsschlag. Vergleiche es mit Bergsteigern, die auch ihr Leben aufs Spiel setzen, etliche kommen dabei um, wieder andere werden verletzt. Doch isses fast nie so, dass sich Bergsteiger über diese Widrigkeiten beklagen, sie nehmen sie vielmehr in Kauf und gut iss. So dürfte es auch bei den Steinzeitmenschen gewesen sein. Das Mammut, der Höhlenbär hatte wie die sonstige Natur auch wieder zugeschlagen, "das iss halt so," das düfte man damals wohl gesagt haben.

Keule auf dem Kopf, das war eher selten, denn wer im Kampf mit der Natur steht kann sich den Luxus einer innerartlichen Bekämpfung schwerlich leisten, kommt hinzu, dass es noch keinen Privatbesitz gab, von persönlichem Hab und Gut mal abgesehen, so dass es da nichts groß zu ergattern gab. Außerdem gab es nur wenige Menschen, so dass eine Nahrungsnot in voller Wucht seltenst auftrat. Lungenentzündung mußte nicht umbedingt bei Jugendlichen und ansonsten rüstigen Erwachsenen zum Tode führen, Kindbettfieber war sicherlich tödlich.

Niemand weiss welche Heilkräuter man damals kannte, doch kann man davon ausgehen, dass es recht viele waren. Der Orang Utan kennt ca. 300 oderv 400 Pflanzenarten, warum sollte der Steinzeitmensch da weniger auf Zack gewesen sein, mal davon abgesehen, dass in den Tropen natürlich die Pflanzenvielfalt  sehr viel größer ist als in der gemäßigten Zone.

Mir ist zudem bekannt, dass z.B. die Khois und etliche Indios Amazoniens erstaunliche Kenntnisse in Sachen Naturmedizin haben, wozu auch eine beachtliche Anzahl von Heilkräutern und Mineralien gehört.

Der sogenannte Wilde ist nicht edel, auch nicht grausam, sondern einfach ein "Mensch-Mensch". Einige namhafte Taoisten beschrieben dies ähnlich. Sie erwähnten, dass die Menschen noch kein Gut und kein Böse kannten, sondern einfach sie selbst waren.

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@voayager

Ich denke, es ist wenig sinnvoll, hier um den "Bart des Propheten" zu streiten.

Du magst da anderer Ansicht sein, aber ich bleibe bei meiner kleinen Anmerkung, die den Wert des von Dir Geschriebenen in keiner Weise schmälern soll oder schmälert.

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@earnest

Eine wohl häufig vorkommende Todesursache lag wohl u.a. in der mangelnden Hygiene. Vor den Höhleneingängen und auch innen lagen alle möglichen Essensreste rum, die zwangsläufig dann Infektionen auslösten. Da man bis in die Barockzeit nix von Bakterien und anderen Mikroorganismen wußte, wappnete man sich auch nicht dagegen, sah wohl Seuchen und sonstige Infektionskrankheiten als ein Schicksal an, gegen das man machtlos war und es sehr wahrscheinlich fatalistisch hinnahm, sei es ängstlich, sei es gleichmütig.

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@voayager

Und wenn er nicht verloren ging vertextet er sich heute noch.Wie dieJehovas .Die nehmen auch aus zusammengewürfelten Geschichten was heraus und bilden neue Erkenntnissen

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Natürlich ist das eine ähnliche Frage, als wenn ich hier fragen würde,
wie ein Wolf, der höchstens 80kg schwer werden kann (und dann ist es ein
schlichtweg gigantischer Wolf!) gleichzeitig ein Mädchen und ihre
Großmutter verspeist haben soll. Oder als ob ich fragen würde, ob der
Jäger dem Wolf beim Öffnen und Zunähen des Bauches ein Anästhetikum
gespritzt hat, weil er dabei ja nicht aufgewacht ist.

Verstehst du den Punkt? Es handelt sich um eine Geschichte. Geschichten können auf die unterschiedlichsten Weisen interpretiert werden, und gerade religiöse Geschichten WERDEN ständig neu interpretiert. Alles, was die Bibel nicht an Informationen direkt liefert, kannst du also deiner eigenen Interpretation unterwerfen.

Übrigens, vielleicht ist der Wolf auch einfach als eine Allegorie auf das deutsche Rechtssystem zu verstehen, weil gerade heute vor allem Kinder und Senioren mehr denn je von Armut bedroht sind und von diesem System gerne mal verschlungen werden.

Alles kann auf verschiedene Weise interpretiert werden, besonders solch hypotethische Fragen. Beteilige dich doch an den 'aberwitzigen' Metaphern und bring deine Gedanken dazu hier unter, anstatt solche Fragen fast nur auf ihrem 'realistischen Wahrheitsgehalt' hin zu beurteilen. Mit dem Wolf und dem Rechtssystem hast du ja immerhin bewiesen dass du dazu gut in der Lage bist.

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@SamOthy

Das war ja eben mein Punkt: meine Gedanken sind meine Gedanken. Deine sind deine, und die von jemand anderem eben die dieses anderen. Darüber zu debattieren ist unsinnig, weil jeder eine eigene Interpretation anführen kann - weil die Bibel eben nur in Metaphern spricht und viel Raum dafür lässt, eigene Meinungen zu entwickeln. Und weil jeder davon überzeugt ist, dass seine Interpretation die richtige ist, führen solche Debatten nicht selten zu Streit.

Abgesehen davon, dass Adam und Eva niemals wirklich existiert haben. 

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