Umfrage: Denkt ihr das Arbeitslose einfach nur faul sind?

13 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Es möge viele geben die mit der Arbeitslosigkeit zufrieden sind, da sie denken, warum soll ich mich abstrampeln, wenn ich von Staat auch bezahlt werde.

Andere wiederum suchen und suchen und finden wirklich nichts, sei es wegen fehlender Bildung ecetera.

Und dann gibt es welche wie ich z.B. die nehmen auch Putzjobs an um nicht von Staat abhängig zu sein.

Wenn man mal von einem Job als Zeitungsausträger absieht, der mir im Monat etwa 100 Euro einbrachte, wenn es hoch kam, war ich selbst über so einige Jahre arbeitslos, bis ich anfangs über einen Callcenterjob, dann als Hermes-Paketlieferant und schließlich als Sicherungsposten bei der Bahn endlich aus diesem elenden Teufelskreis heraus kam.

Ich sehe das also aus eigenen Erfahrungen und damit aus einem persönlich sehr guten Grund nicht so, dass man dahingehend verallgemeinern kann. Es mag sicher sein, dass manche Langzeitarbeitslose vermutlich einfach nur faul sind, aber andere, egal ob länger oder kürzer arbeitslos haben dahingehend einfach nur Pech mit der Arbeitssuche. Ich selbst habe mich immer wieder unermüdlich um verschiedene Arbeitsplätze beworben, aber es hat eben lange Zeit einfach nicht klappen wollen.

Ich bin seit dem Ende meiner Ausbildung arbeitslos (3Jahre). Habe Abi und bin ausgebildete PTA, leider ohne Berufserlaubnis, weil sich während der Ausbildung bei mir ein Lip-Lymphödem endgültig manifestiert hat bzw diagnostiziert wurde. Mein Arzt kann mir also kein Gesundheitszeugnis ausstellen, welches ich für die Berufserlaubnis brauche. War dann beim Amtsarzt, der aber die gleiche Diagnose stellte und mich zusätzlich als vermindert berufsfähig eingestuft hat wegen dem Lip-Lymphödem und dem Übergewicht  (darf maximal 6 Stunden arbeiten und davon auch nicht mehr als 2 Stunden stehend). Hatte dann 2015 auch eine Kur, bei der mir vermittelt wurde, wie ich trotz der Krankheit abnehmen kann und mit den Schmerzen und anderen Symptomen umgehe. 

In Apotheken darf ich ohne die Berufserlaubnis nicht offiziell als PTA arbeiten und bin damit nicht mehr Wert als ein Praktikant und davon gibts hier genug, weil die PTA Schule hier ist, und zur Ausbildung viele Praktika dazugehören. Die wenigen pharmazeutischen Unternehmen hier bieten kaum Teilzeit an und auch nur stehend/gehende Tätigkeiten. Also fällt mein Ausbildungsberuf schon mal weg... 

Hab mich in den Centern hier in der Stadt schon bei diversen Geschäften vorgestellt als Aushilfe, aber durch die Auflage, dass ich nicht länger als 2 Stunden stehen darf, hatte keiner Interesse. 

Ich hab mich aktuell mit meiner Beraterin beim Amt darauf festgelegt, dass mein primäres Ziel die Verbesserung der Gesundheit sein soll, nur wird das voraussichtlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Sie hat mir dazu geraten, dass ich mich an die Auflagen vom Amtsarzt halten soll, um mir meine Gesundheit nicht noch weiter kaputt zu machen, weil es das nicht Wert wäre. Hab aber natürlich trotzdem hier und da geschaut, dass ich ein bezahltes Praktikum machen oder anderweitig einen Nebenverdienst finden kann, aber bisher nur mit mäßigem Erfolg. Ab April hab ich erstmal für ein halbes Jahr nen 1€ Job, aber ist ja nu auch nicht die Lösung schlechthin... 

Hey Winterdrache

Das ist ein hartes Schicksal. 

War dann beim Amtsarzt, der aber die gleiche Diagnose stellte und mich zusätzlich als vermindert berufsfähig eingestuft hat..

Hast du denn hier keinen Anspruch auf eine vom Amt geförderte Neu-Orientierung,also eine Ausbildung,die dir ermöglicht trotz deiner labilen Gesundheit einen Job zu finden der dir Spaß macht? 

Ich rate dir dich an eine entsprechende Beratungsstelle zu wenden.  Aushilfsjobs können und dürfen hier nicht die Lösung sein. 

Alles Gute. 

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@LouPing

Ich würde gern im Bereich Apotheke oder Textil arbeiten. Da ersteres ja vorerst wegfällt, hat mir meine Beraterin den Platz beim 1€ Job besorgt, das ist eine Nähwerkstatt, bei der Grundkenntnisse mit Nähmaschine und Handarbeiten vermittelt werden. Mit etwas Glück kann ich da Kontakte knüpfen, die mich in der Richtung weiter bringen bzw herausfinden, ob die Richtung was für mich ist. Ich bin nach wie vor sehr optimistisch und nutze jede Gelegenheit :) 

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weil sich während der Ausbildung bei mir ein Lip-Lymphödem endgültig manifestiert hat

Dann hat das ja schon VOR der Ausbildung begonnen. Dann frage ich mich ernsthaft, wie man so einen Beruf wählen kann, von dem man weiß, dass man viel steht. Es dauert Jahre, ehe sich so eine Krankheit manifestiert. Daher hättest du bei deiner Berufswahl diese Krankheit schon berücksichtigen können. Und wenn du noch so jung bist, hättest du schon längst umschulen können. 

Irgendwie klingt deine Story absolut unglaubwürdig.

By the way: Warum lässt du dich nicht operieren, wenn du noch so jung bist?

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@perledersuedsee

Erst während meiner ersten Praktika, als ich schon mitten in der Ausbildung war, fingen die Beine an, Probleme zu bereiten. Seit ich 14 bin hab ich permanent zugenommen und war bei einigen Ärzten, von denen nie jemand ein Lipödem festgestellt hat und den Beinen ging es gut, bis ich eben während der Praktika so viel stehen musste. Vorher hab ich derartige Schmerzen und Schwellungen nie gehabt und ich dachte zu dem Zeitpunkt, dass sich das gibt und ich mich nur ans Stehen gewöhnen muss, bzw ist die Arbeit in einigen Apotheken ja auch in der Heimversorgung überwiegend sitzend. Dann hatte ich die Ausbildung halt fertig und dann kam die Diagnose und seitdem wird behandelt. Dann noch ne Kur dazwischen und zack war die Zeit um, weil ich halt die Priorität in Sachen Gesundheit und nicht Arbeit setze. 

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@Winterdrache

dann suchst du dir eben eine andere ausbildung oder willst du den rest deines lebens in der sozialen hängematte liegen?

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@markusher

Als ob das mit meinen Erkrankungen so einfach wäre. Ich glaube du hast keine Ahnung, was ein Lip-Lymphödem in Stadium 3 für Schmerzen bedeuten, zu dem erschwerend (im wahrsten Sinne des Wortes) noch ein massives Übergewicht hinzu kommt. Erst wenn das merklich besser geworden ist und ich nicht jeden Tag Schmerzen habe, kann ich mich um solche Dinge kümmern. Nur ist das halt keine Sache von Monaten, das dauert Jahre und die muss ich wohl oder übel mit Aushilfsarbeiten (die ich grad noch so schaffe) oder dergleichen überbrücken. Denkste mir gefällt das? Ich hab nur keine andere Wahl und mein Haus-, sowie auch der Amtsarzt haben mir dringlichst zu diesem Weg geraten, da es sonst noch zu bleibenden Schäden kommt. 

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@markusher

Leichter gesagt als getan. Der Staat soll den Leuten Arbeit verschaffen.

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Ich gehe mal von mir selbst aus:

2005 abgeschlossene Ausbildung als Bürokaufmann. Aufgrund "fehlender" Qualifikationen, nur Absagen. Sinnlose Maßnahmen, vom Amt, brachten mir gar nichts. EDV Lehrgänge, Verkauf etc. Alles Quatsch, da es Inhalt der Ausbildung war. 

Kurze Zeit, nachdem ich arbeitslos wurde, arbeitete ich ehrenamtlich, nur um wieder eine Aufgabe zu haben. Natürlich suchte ich nebenbei weiter nach Arbeit. Immer mal wieder hatte ich ein Vorstellungsgespräch. Probearbeit wurde mir angeboten, was ich auch annahm. Doch schon nach dem ersten Minuten merkte ich, dass die Firmen nicht wirklich suchen. "Koche mal Kaffee, bring den Müll raus, sortiere die alten Unterlagen aus..." Dann durfte ich gehen.

Während den ganzen Maßnahmen, lernte ich viele Leute kennen, die es wie mir ergeht. Dabei war vielleicht einer, der keine Lust hatte. Die Anderen wollten arbeiten. 

Leider leben wir in einer Zeit, in dem man, wenn man keinen Job hat, als "faul" abgestempelt wird. Das Problem liegt nicht bei den Arbeitslosen, sondern bei den Angeboten. Es gibt kaum noch ausgeschriebene Stellen, die nicht von Zeitarbeitsfirmen sind. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass diese Firmen, ohne Ausnahme, nur ausbeuten. 

Beispiel: Ich bekam ein Angebot im Callcenter. Festvertrag, 40 Stunden. Zunächst war das auch ok. Doch schon wenige Tage nach der Schulung, schoben wir alle, unbezahlte Überstunden. 8 Uhr Arbeitsbeginn. Vor 20 Uhr, kam ich aber nicht raus. Urlaubsanspruch erst nach 6 Monaten. Ich war nicht der erste, der gegangen ist. Mittlerweile gibt es das Projekt, für das ich arbeitete nicht mehr. 

Also: Von 100 Arbeitslosen sind, wenn überhaupt, vielleicht zwei dabei, die keine Lust haben. Die anderen 98 werden abgestempelt, zu Minijobs oder Maßnahmen verdonnert. Für Vater Staat ist das auch gut. Denn alle, die vom Amt "gefördert" werden, fallen aus der Statistik. 

Man sitzt in einer Maßnahme, hat keinen Job, taucht aber in der Arbeitslosenstatistik nicht auf.  

Jeder hat einen anderen Grund für seine Arbeitslosigkeit. Es gibt Gründe, die sind mir zuwider und erschließen sich mir nicht, es gibt jedoch auch zahlreiche Gründe, die menschlicher Natur sind oder einfach nur ganz großes Pech.

Wichtig in meinen Augen ist jedoch, sich nicht auf Sozialleistungen auszuruhen und immer nach vorne zu blicken, um schnell wieder "auf eigenen Beinen" zu stehen.

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