Schränkt Religion einen Menschen ein?

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Hallo,

Religiöse Menschen schränken ihr Leben durchaus ein, indem sie sich von einer vermeintlich höheren Macht, einem Buch oder dergleichen vorschreiben lassen, was erlaubt und was verboten ist. Ein selbstbestimmtes Leben ist dadurch nur bedingt möglich.

Allerdings denke ich, dass Religion für viele Menschen auch eine Bereicherung sein kann, wenn sie denn wirklich daran glauben. Für jemanden, der sich gerne nach einer Religion richtet, handelt es sich dabei sicherlich nicht um eine Einschränkung, solange man diese Religion freiwillig verfolgt. Es kommt auch immer darauf an, wie sehr man sich nach der jeweiligen Religion richtet.

Letztendlich gibt es viele Menschen, die sich und ihr Leben aus den verschiedensten Gründen einschränken - unabhängig von Religion oder ähnlichem.

Für mich ist Religion jedoch nichts. Ich akzeptiere und toleriere Menschen, die sich einer bestimmten Religion zugehörig fühlen, aber mit diesem Konzept kann ich nichts anfangen. Ich möchte selbst über mein Leben bestimmen - wobei Menschen, die einer Religion beitreten, das auch irgendwie tun, schließlich bestimmen sie selbst, ob sie das tun oder nicht.

Vermutlich ist es von Person zu Person unterschiedlich, ob man Religion als Einschränkung, als Bereicherung oder als etwas ganz anderes empfindet oder nicht.

Liebe Grüße

Gut geantwortet, denn du beschreibst den von Gott gegebenen freien Willen ausführlich. Und genau deshalb ist Religion im allgemeinen nicht einschränkend.

Sich an biblische Grundsätze zu halten ist sogar ein Schutz vor Enteuschung und so machen Krankheiten. Ich selbst bin ein gläubiger Christ. Doch ich respektiere auch, dass jeder den freien Willen hat, sich anders zu entscheiden.

Leider missbrauchen manche ihren freien Willen und stehlen, rauben und morden. Diese vergessen, dass ihr freier Wille da aufhört, wo die Freiheit anderer eingeschränkt wird. Grenzen müssen sein, sie dienen zum eigenen Schutz und zum Schutz anderer.

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solange man diese Religion freiwillig verfolgt.

Nur ist das seltenst wirklich der Fall.

Üblich ist eine mehr oder weniger starke Indoktrination von klein auf.

Wer die nicht durchgemacht hat, bleibt der Religion als Erwachsener eher fern. Zuwächse verzeichnen Religionen ansonsten eher durch Wechsel aus anderen Glaubensrichtungen.

"Glaube, ohne zu hinterfragen, was immer erwachsene Bezugspersonen dir sagen. Religionsführer sind sich der Verletzbarkeit der kindlichen Gehirne voll bewusst und der Wichtigkeit, sie möglichst früh zu indoktrinieren. Unsere psychischen Dispositionen machen uns für Religion anfällig wie der Lichtkompass Motten für ihren Todesflug." (Prof. Dr. Richard Dawkins, Evolutionsbiologe)

"Wenn ich den Glauben eines Menschen mit 8 oder 9 Jahren habe, habe ich ihn für den Rest seines Lebens.

Je früher ich damit anfange, jemandem einzuimpfen, was er glauben soll, umso eher bleibt er dem für den Rest seines Lebens treu.

Auch wenn er mal abgleitet, irgendwann kehrt er zurück.

Und wenn es zu emotionalen Entscheidungen kommt, wie: wen heirate ich, wen wähle ich, dann wird religöser Glaube mächtig." (Dr. Michael Persinger, Neurologe)

Man könnte auch sagen: Religion ist ein gesellschaftlich akzeptiertes, bzw. gar gefördertes Stockholm-Syndrom.

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Jetzt stellt sich mir als Atheist natürlich die Frage, ob es auch vorkommt, daß jemand eigentlich ganz anders leben möchte - aber leider nunmal an diesen Gott glaubt.

"Ich will das nicht, aber Gott will es so"

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@Sturmtaucher2

Da muss man wohl bloß einen jüdisch- oder christlich-orthodoxen/katholischen/evangelikalen/mormonischen/muslimischen/... Homosexuellen fragen.

Die Natur nimmt auf die Religion der Eltern ja keine Rücksicht.

Sonst würde der "liebe Gott" nur evangelisch-lutherische/anglikanische Christen damit konfrontieren, bei denen (mittlerweile) Homosexuelle ja problemlos sogar Bischof bzw. Bischöfin werden können.

Von "gottlosen Gesumms" wie Buddhisten ganz zu schweigen ... >;-)

Für einen schwulen Evangelikalen ist das halt eine "Prüfung Gottes", die er mit Hilfe von Gebeten und "Konversionstherapien" bestehen muss - sofern er dadurch nicht in den todsündigen Selbstmord getrieben wird.

Endet "optimalerweise" dann in einer "glücklichen" Ehe ohne Aussicht auf Scheidung.

"Christliche Nächstenliebe" ist schon toll! :-/

PS: Bei denen mit Restverstand ist es aber eher so, dass man ja auch in eine Religion wechseln kann, die der eigenen Lebensweise positiv gegenübersteht. Halt nur blöd, wenn darauf die familiäre/gesellschaftliche Ächtung steht - von Todesstrafe ganz zu schweigen.

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Ja, religiöse Menschen lassen sich ihr Leben durch die Religion einschränken. Dafür gibt es mehrere Beispiele.

Du sollst nicht töteten.

Du soll nicht begehren deins Nächsten Haus, Geld, Gut...

Du sollst nicht ehebrechen., lügen, stehlen usw.

Ja, ich muss es zugeben: die Religion schränkt mich schon deutlich ein. :-)

Sämtliche Moralvorstellungen basieren zum großen Teil auf religiösen Geboten.

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Die meisten Religionen erlegen ihren Anhängern entweder religiöse Gebote auf, oder geben ihnen zumindest moralische Maßstäbe.

Wie stark eine Religion tatsächlich einschränkt, hängt vor allem davon ab, wie konservativ man die jeweiligen Regeln für sich auslegt und interpretiert und wie streng man in deren Einhaltung/Befolgung ist.

Letztlich kann also der Mensch selbst entscheiden, wie stark er sich einschränken will bzw. ob er sich möglicherweise dem sozialen Gruppendruck und den Erwartungen seiner Glaubensgemeinschaft beugen will.

Wenn man in einer sehr konservativen Gemeinde ist, kann es durchaus sein, dass man kritisch beäugt wird, wenn man zB deren Vorstellung von "korrekter Kleidung" nicht entspricht und womöglich lassen sie einen diese Ablehnung auch spüren.

Ich bin Buddhist und bei uns ist weder Sex vor der Ehe, noch Homosexualität pauschal verboten - insbesondere einige asiatische Lehrer haben sich aber, aufgrund ihrer kulturellen Prägung negativ zur Homosexualität geäußert.

Damit kommen wir meiner Meinung nach zu einem wichtigen Punkt, den man bei Religionsgemeinschaften grundsätzlich beachten sollte:

Welche Dinge sind tatsächlich Teil der eigentlichen Lehre/Offenbarung und welche Dinge sind durch die Autoren/Kirche/Gemeinschaft hinzugefügt worden?

Beispielsweise könnte Prophet X vor allem rosa Kleidung getragen haben und seine Anhänger leiteten daraus die Regel ab, alle seine Anhänger sollten das gleiche machen. Das ist also keine Lehre des Propheten, sondern eine Gemeinschaftsregel.

Es gibt also für einen Anhänger dieses Propheten X kein Gebot, rosa Kleidung zu tragen - es ist nur eine Regel die von dieser Gruppe eingehalten und auf verschiedene weisen ideologisch gerechtfertigt wird.

So heißt es zB im 1. Korintherbrief (14:34-37) von Paulus, dass die Frau bei der Gemeindezusammenkunft schweigen und sich dem Mann unterordnen soll.

Nun könnte man diese Regel einfach widerspruchslos sklavisch befolgen, versuchen sie kreativ zu interpretieren, oder einfach feststellen, das hier nicht "Gott" oder Jesus, sondern womöglich ein sexistischer Macho seine Meinung kundtut.

Jemand könnte also für sich zu dem Schluss kommen, dass Paulus hier keineswegs göttlich inspiriert war, sondern einfach seine persönliche Meinung von Frauen in die Belehrung einfließen ließ. Man könnte diese Aufforderung also ignorieren.

Abhängig davon, wie bewusst man mit seiner Religion umgeht, lässt man sich also mehr oder weniger stark dominieren und einschränken.

Ich persönlich bin der Ansicht, dass man Lehren immer zunächst im Kontext von Zeit und Kultur in der sie verfasst wurden, beurteilen sollte. Manche Aussagen müssen womöglich in unserer heutigen Zeit anders interpretiert werden.

Beim Thema Sexualität ist zB die damalige Gesellschaft zu berücksichtigen. Wurden damals zB ehelose Mütter diskriminiert und gesellschäftlich geächtet, ist der Ratschlage nur Sex in der Ehe zu haben, durchaus vernünftig.

Ohne Mann hatte sie damals keinen "Ernährer" und müsste gleichzeitig Mutter und Arbeitskraft sein. Da Frauen damals nicht in vielen Berufen tätig waren, wäre eine solche Mutterschaft womöglich ein existenzielles Problem gewesen.

Der Ratschlag "warte mit dem Sex bis zur Ehe" war also nicht unklug - ob man es gleich als religiöse Regel, oder gar göttliches Gebot formulieren musste, sei einmal dahingestellt.

Heute, im 21. Jahrhundert leben wir nicht nur in einer gänzlich anderen Gesellschaft, sondern haben auch Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern können.

Jetzt kann man also Fragen, ob es womöglich andere gute Gründe gibt, weshalb "Sex vor der Ehe" kritisch betrachtet werden sollte - oder ob die Bedenken der religiösen Autoren heutzutage bedeutungslos geworden sind.

Gerade konservative Gemeinschaften verbieten jedoch geradezu eine solche moderne, zeitgemäßere Auslegung der Schriften.

Dann kann man sich fragen, ob man in dieser Gemeinschaft/Kirche/Gruppe tatsächlich richtig ist, oder ob ihr Verständnis zu sehr vom eigenen abweicht.

Letztlich können religiöse Regeln und Gruppen nur jene "versklaven" die sich tatsächlich auch versklaven lassen und völlig kompromisslos an einer einzigen Auslegung der Schriften festhalten.

Letztlich kann also der Mensch selbst entscheiden, wie stark er sich einschränken will bzw. ob er sich möglicherweise dem sozialen Gruppendruck und den Erwartungen seiner Glaubensgemeinschaft beugen will.

Ja, so wie Giordano Bruno und Galileo Galilei z.B.

Ersterer blieb stur und landete auf dem Scheiterhaufen, letzterer entschied sich selbst zu widerrufen. ^^

Auch z.B. im Iran gehängte homosexuelle Jugendliche haben sich einfach nur falsch entschieden.

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@Libertinaer

Ich habe ganz bewusst keine moralische Bewertung von "richtiger" und "falscher" Entscheidung benutzt - und wie dein Beispiel ja zeigt, gibt es durchaus Entscheidungsfreiheit des Einzelnen - wenn auch manchmal mit grausigen Konsequenzen.

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@Enzylexikon

Damit ist zur Wertigkeit dieser undemokratischen Konstrukte auch schon alles gesagt.

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Schränkt der deutsche Staat einen Menschen ein? Jede Gemeinschaft schränkt ein und hat Regeln, die ihr besonders wichtig sind, natürlich.

Es kommt halt darauf an, welche Zielsetzung der Mensch mit seinem Leben hat. Dementsprechend wird er Regeln akzeptieren, sie sogar als befreiend sehen können, oder sie als (unzulässige) Einschränkung betrachten und sie übertreten.

Manche Gemeinschaft wehrt sich dagegen mit Geldbußen oder Freiheitsstrafen, andere hat keine Möglichkeit für solche Ordnungsmaßnahmen und muss es einfach hinnehmen, dass Regeln gebrochen werden. Das aber sagt etwas über den Menschen aus und wie er sein Leben sieht.

Wenn jemand zum Beispiel die von dir genannte Regel "Sex vor der Ehe" nicht achtet, dann ist er entweder einfach nicht in der Lage, sich zu kontrollieren oder er sieht Sex als höchstmögliches Glück, über das er mehr nicht erreichen kann. Wer aber eben doch ein höheres (womöglich ein überirdisches) Glück kennt, das er erreichen möchte, dann wird er es schaffen, zur Verwirklichung des höheren Zieles die Regel zu achten.

Oder: wenn jemand Besitz nicht achtet, dann ist er entweder einfach nicht in der Lage, sich zu kontrollieren oder er sieht Besitz als höchstmögliches Glück, über das er mehr nicht erreichen kann. Wer aber eben doch ein höheres Glück kennt, Freiheit etwa, die er haben möchte, dann wird er es schaffen, zur Verwirklichung der Freiheit auf einen Banküberfall zu verzichten.

Religionen, die vor allem als Liste von Verboten verstanden werden, sind tatsächlich einschränkend und hemmen die menschliche Entwicklung. Das war so im vormodernen Christentum und ist heute noch so in den kleinen Gruppen des fundamentalistischen Christentums und im Islam.

Auf z. B. Sex vor der Ehe sollte man nur verzichten, wenn man das von innen heraus so will und wenn es Ergebnis einer inneren Entwicklung, einer Abwägung, einer freien Entscheidung ist. Ein Verbot von außen, z. B. durch eine Religion bewirkt Unheil, weil das zu Heuchelei, Schuldgefühlen und Frust/Wut führt. Die grenzenlose Wut der jungen Männer des IS ist weitgehend Folge einer religiös verkrüppelten Sexualität.

Hallo Tauchjunge,

natürlich kann eine Religion einschränkend sein. Zumindest natürlich dann, wenn man sich streng an die Regeln der Religion hält, und danach lebt.

Bei Christen ist es oftmals nicht so, dass man streng nach den Regeln lebt. Zumindest ist es heutzutage bei den meisten Menschen nicht mehr so der Fall.

Im Islam sieht das ganze wohl schon etwas anders aus. Ich bin kein Religionswissenschaftler oder ähnliches, aber soviel ich weiß, leben die meisten Moslems ihren Glauben doch sehr streng. Und das ist natürlich dann sehr einschränkend. Sieht man ja alleine daran, wie oft hier auf der Seite gefragt wird, was man als Moslem darf, und was nicht.

Im Endeffekt ist es aber nicht die Religion, die einen Menschen einschränkt, sondern der Mensch selbst bzw. die Art, wie er seine Religion lebt.

Ich selbst bin Christ, aber lasse mich dadurch in keiner Weise einschränken.

LG Sascha

Du lässt dich auf keine Weise einschränken und bist Christ. Lebst du auch als Christ? Dann solltest du dich allerdings an christliche Regeln halten, die in der Bibel zu finden sind.

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@stefanbluemchen

Ich wurde getauft, und auch konfirmiert. Daher bin ich wohl Christ.

Ob ich als Christ lebe, ist wohl eine Sache der Definition.

Die Bibel ist ein ca. 2000 Jahre altes Buch. Ob und in wie weit man sich an die dort niedergeschriebenen Regeln halten sollte/muss, ist doch eher fraglich.

Mich würde gerade mal interessieren, wie viele Christen es auf der Welt gibt, und wie viele davon wirklich nach der Bibel leben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nur ein recht geringer Prozentsatz sein dürfte.

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@SaschaL1980

Ich wurde getauft, und auch konfirmiert. Daher bin ich wohl Christ.

Nein, Christ bist du, wenn du Jesus Christus annimmst und die Bibel als das Wort Gottes ansiehst. Nur durch Jesus wirst du gerettet, nicht durch die Kindertaufe oder die Konfirmation.

Natürlich darfst du glauben, was du willst. Aber Christ sollte man sich wirklich nur dann nennen, wenn man es ist.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nur ein recht geringer Prozentsatz sein dürfte.

Ja, das glaube ich auch. Ihr sollt das Salz dieser Welt sein. Salz = nur wenig.

Viele verbreiten aber leider ein Wohlfühlevangelium: "Ach egal, wer Jesus ist. Hauptsache du bist irgendwie ein guter Mensch. Gott liebt doch eh alle Menschen."

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soviel ich weiß, leben die meisten Moslems ihren Glauben doch sehr streng.

Bei den Christen tun das rund 10-15% (also nicht Blümchen-Sex, sondern Blümchen-Glaube ;-)). Bei den Moslems sind es rund 20-25%.

Zumindest in Europa. In Theokratien mag das anders aussehen.

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