Findet ihr es schade, dass Dialekte aussterben?

Das Ergebnis basiert auf 40 Abstimmungen

Ja 63%
Nein 25%
Sonstiges 13%

22 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Ja

Hallo,

ich persönlich finde es schade, dass die Dialekte immer mehr ins Hintertreffen geraten, und hoffe, dass sie erhalten bleiben, denn mit dem Aussterben der Dialekte ginge auch die Vielfältigkeit verloren. Sprache - und damit auch Dialekte - ist nämlich viel mehr als nur Verständigung!

Nur dumme Menschen diskriminieren andere, andersdenkende und anderssprechende Menschen!

Ganz davon ab ist das Beherrschen eines Dialektes von Vorteil beim Erlernen einer Fremdsprache.

Wer neben Hochdeutsch Dialekt spricht, findet auch zu Fremdsprachen einen leichteren Zugang.

(Quelle: zeit.de/wissen/2013-05/leserartikel-dialekt-sprachkompetenz)

AstridDerPu

Ja

Ich lebe im nördlichen Deutschland und freue mich immer sehr, wenn ich Dialekte aus dem Süden (Bairische Dialekte, Schwäbisch usw.) höre. Zum Glück gibt es das in meiner Gegend noch sehr häufig, hier leben Menschen aus allen Ecken der Republik.

Ich empfinde das als Bereicherung, und es hat auch schon zu manch lustigen Situationen im Gespräch geführt, wenn man plötzlich Worte oder Flüche hört, die man aus dem Hochdeutschen garnicht kennt :)

Ja

Ist sehr schade, denn es ist ein Ausdruck unserer vielfältigen deutschen Sprache.

Und es wird ja wieder unterstützt. In vielen ländlichen Gebieten können Kinder und Jugendliche sowohl in der Schule als auch in ihrer Freizeit Dialekte von den "Alten" erlernen. Es ist Mode geworden, endlich eine, die zu begrüßen ist.

Leider war es damals als ich Kind war verpönt ein oder zwei verschiedene Akzente vom hessischen Dialekt zu sprechen, daher lernte ich es nie. Gelegenheit wäre da gewesen. Und auch eine Auswahl: Nord-Kassel, Marburg, Kreis Bad Hersfeld/Rotenburg, dazu noch Spangenberg und Oberaula.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Wenn Du Dir in Fulda schnell viele Feinde machen willst, dann spreche in Fulda hessisch. 😂

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@Hessen001

DAS Hessisch gibt es ja gar nicht. Was uns da im TV seit Jahrzehnten als Hessischer Dialekt verkauft wird ist ein Konglomerat aus verschiedenen Akzenten der Gebiete Nord-, Mittel- Süd- und Osthessen.

Fulda ist Osthessen und hat auch seine vielen Akzente, sowohl auf den Dörfern als auch in der Domstadt, die man auch heutzutage hören kann. Insofern stimmt dein Einwand nicht.

Das Verbreitungsgebiet der hessischen Mundart nimmt den flächenmäßig größten Teil des Bundeslandes  Hessen und einen Teil von  Rheinland-Pfalz (Westerwald,  Rheinhessen, Taunus), Nordrhein-Westfalen ( Wittgensteiner Land) und Bayern ( Bayerischer Untermain) ein.
Man unterscheidet
Südhessisch ( Frankfurterisch sowie die Mundarten um Wiesbaden, Darmstadt und im nördlichen Kreis Groß-Gerau,  Rheinhessisch um Mainz,  Untermainländisch um Aschaffenburg)
Zentral- oder  Mittelhessisch ( Rheingauer Platt, Taunus, an der Lahn ( Hinterländer Platt), im Vogelsberg, Wetterau bis zum Spessart)
Wittgensteiner Platt (Wittgensteiner Land; Übergang zwischen Zentral- und Nordhessisch)
Nordhessisch ( Nordhessen südlich der  Benrather Linie und ohne das Werratal)
Osthessisch (um Fulda)

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hessische_Dialekte

Schaut man sich mal das sogenannte "Hessisch" an, das uns wie schon erwähnt eben als solches aufgetischt wird, beinhaltet es zu einem Großteil das südliche "Frankfurterisch" das eine eigene Entwicklung zum "Neuhessisch" erfahren hat und mittlerweile als das typische Hessisch empfunden wird.

https://merkurist.de/frankfurt/hessisch-das-solltet-ihr-ueber-den-hessischen-dialekt-wissen_Zeg

Dieses Neuhessisch stellt einen starken Gegensatz zum Fuldaer Osthessisch dar, da letzteres folgendes Alleinstellungsmerkmal hat:

Strukturell gehört das Osthessische im Fuldaer Land – wie in der älteren  Dialektforschung richtig behauptet – zum  Rheinfränkischen, es schließt sich an seine nördlichen, östlichen und südöstlichen Nachbarn an.  Heinrich J. Dingeldein vom Forschungsinstitut für deutsche Sprache an der  Universität Marburg und Herausgeber des hessischen  Sprachatlas stellte fest, dass das Osthessische „im Vergleich zu den anderen hessischen Dialekten eine recht altertümliche Struktur“ aufweist und „gemeinsam mit dem Alemannischen und den Mundarten der Eifel als beharrsam innerhalb der hochdeutschen Dialekte“ gelte. Er stellte eine Ähnlichkeit des Fuldaer Dialekts mit dem  Alemannischen fest, da im Gegensatz zum Mittelhessischen und Rheinfränkischen die mittelhochdeutschen Langvokale i, ü (mhd. iu) und u (Monophthongierung wie im Niederdt.) nicht zu ei, eu und au durch  Diphthongierung verändert wurden (niederdt.: „min nüwes Hus“/fuld.: "mi nei Huis" statt „mein neues Haus“).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Osthessisch

Kommt also jemand, der meint er spräche "Hessisch" nach Fulda und redet dort Neuhessisch, fällt er natürlich stark auf. Sie werden ihn vielleicht "überhören", aber bestimmt nicht aus der Stadt jagen. Das machen sie nur mit Atheisten und Evangelisten. Fulda ist nämlich rappel-katholisch ;-)

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@Thirteeen

Ich weiß schon, wie die in Fulda reden. Schließlich wohne ich da 😅 Aber danke für Dein ausführliches Referat.

Fulda ist nämlich rappel-katholisch 

Das war vielleicht mal so. Die Zeiten haben sich geändert. Die Zeiten, in denen ein Johannes Dyba mehrere tausend Menschen auf dem Domplatz stehen hatte sind vorbei. Natürlich ist Fulda katholisch geprägt. Aber es macht jetzt keinen Unterschied, ob Du in Würzburg, Bamberg oder Fulda wohnst. Inzwischen werden auch in Fulda die Kirchen leerer. Das Eichsfeld hält noch wacker durch; mal schauen, wie lange noch.

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@Hessen001

Ok, das letzte mal in Fulda war ich so 1995. Da sagte man das noch durchaus in Bad Hersfeld (das ja zum Großteil evangelisch ist). Ich weiß leider nicht mehr die Namen, aber die evangelisch-katholische Grenze verlief zwischen zwei kleinen Dörfern, das eine noch evangelisch, das andere schon katholisch. Nach diesem waren alle Dörfer bis Fulda katholisch.

Über 20 Jahre sind viel Zeit, kann sich durchaus geändert haben.

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@Thirteeen

Katholisch sind die Dörfer immer noch. Ob die Kirche auch voll ist, ist eine andere Frage. Faustregel: Umso näher die Kirche am Dom steht, desto voller ist sie am Sonntag.

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Nein

Ich finde es NICHT schade. Sprache ist in erster Linie ein Mittel zur Kommunikation und das erfüllt sie am besten, wenn man in einer überregionalen Kultur auch überregional miteinander reden kann.

Sicherlich hat Dialekt für manche Heimatbezug und Identifikation, aber ich finde es eigentlich schade, sich so engstirnig mit einem so kleinen Bereich zu identifizieren, wie es Dialekte abbilden. Das schürt eigentlich nur das Denken "wir gegen andere" und Vorurteile darüber, wie Bayern, Preußen, Rheinländer oder dergleichen angeblich sind.

Dialekte mögen innerhalb der Dialektregion etwas verbinden, aber ganz gewiss trennen sie drastisch mehr nach außen ab, als sie nach innen kitten. Das ist schade und nicht mehr zeitgemäß.

Ich mag Dialekte nicht so gern, sondern bevorzuge einen hohen Standard im Hochdeutschen mit guter Aussprache, großem Wortschatz, feinen Nuancen und überregionaler Akzeptanz.

Ja

Ja, das finde ich auch schade.

Ob man Dialekte in der Schule gezielt unterrichten sollte, ist eine Frage, zu der ich keine dezidierte Meinung habe. Natürlich muss man auch Hochdeutsch lehren (und auch da gibt es mitunter Defizite). Ob es darüber hinaus noch Zeit gibt, ist etwas, was ich nicht entscheiden kann.

In Deutschland sind Dialekte auf dem Rückzug, das liegt an der gestiegenen Mobilität (viele wohnen nicht mehr dort, wo sie geboren wurden) und am geringen Anteil der Landwirtschaft in der heutigen Wirtschaft. Manche Dialekte haben kein hohes Prestige (man fällt damit abseits der Heimat mitunter etwas negativ auf, zumindest als ländlich-rustikal, was aber im Grunde nicht schlecht ist).

Dennoch mag ich Dialekte. In der Generation meiner Großeltern waren diese noch stark vertreten, in meiner Generation sind sie im Rückgang begriffen. Zwei meiner Großeltern sprachen Kölsch, die anderen beiden eine Variante des Moselfränkischen (entfernt mit dem Luxemburgischen verwandt).  

In der Eifel war ich bei der Bundeswehr. In Saarbrücken habe ich studiert. Primär kam ich also mit Kölsch/Eifeldialekt/Nordsaarländisch/Südsaarländisch in Kontakt, und manchmal muss ich überlegen, aus welcher Quelle ein dialektales Wort stammt, das ich aufgeschnappt hatte.

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