Welchen Dialekt sprechen Kinder, wenn die Eltern zwei ganz verschiedene deutsche Dialekte sprechen?

11 Antworten

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Hallo!

Wenn Menschen mit zwei verschiedenen Dialekte zusammentreffen, werden sie sich automatisch bemühen, möglichst deutlich zu sprechen, um einander zu verstehen. Im Laufe der Jahre verschwindet der Dialekt für Hinzugezogene immer mehr, wenn man auch immer hören kann, aus welcher Region derjenige stammt bzw. Ortsansässige merken, dass jemand nicht aus der Region ist. Kinder lernen ihre Eltern immer verstehen; egal in welcher Sprache oder in welchem Dialekt sie zu ihnen sprechen - auch wenn es unterschiedliche sind. Wenn nun ein bayerische Mutter konsequent mit ihrem Kind bayerisch sprechen würde, könnte das Kind diesen Dialekt übernehmen, würde ihn aber nur anwenden, wenn er mit seiner Mutter spricht. Mit dem Vater wäre es dasselbe. Würde er z.B. immer nur Plattdeutsch mit dem Kind sprechen, könnte das Kind auch dies übernehmen und mit dem Vater in seinem Dialekt sprechen. Beim gemeinsamen Gespräch mit den Eltern könnte es sich vermischen. Oder das Kind greift dann im Laufe der Zeit auf die heimische Sprache zurück. Lebt die Famile in Bayern, wird das Kind das bayerisch komplett übernehmen, könnte aber im Gespräch mit seinem Vater auf´s Plattdeutsch überwechseln. Das Ganze funktioniert aber nur bei konsequenter Anwendung des jeweiligen Dialekts.

Aber im Allgmeinen wird es nicht so gehandhabt. So kommt es automatisch, dass das Kind den ortsüblichen Dialekt übernimmt und die Eltern sich diesem immer mehr anpassen. Dadurch kann es auch passieren, dass ein Kind die Dialekte seiner Eltern nicht versteht. Das ist zu beobachten, wenn die Eltern mit Verwandten aus der Heimat reden und die Kinder dann das Gefühl bekommen, ihre Eltern sprechen eine andere Sprache.

PS: Falls es interessiert - es handelt sich um Erfahrungswerte aus der eigenen großen Herkunftsfamilie, deren Nachkömmlinge überall verstreut leben. Familienfeste sind dementsprechend sprachlich recht lustig!

Schöne Grüße

Prudentia

So kommt es automatisch, dass das Kind den  ortsüblichen Dialektübernimmt und die Eltern sich diesem immer mehr anpassen. Dadurch  kann es auch passieren, dass ein Kind die Dialekte seiner Eltern nicht versteht

Genau 👍

Um ein prominentes Beispiel zu geben: Die Eltern von Harald Schmidt haben einen böhmischen Dialekt gesprochen und Harald Schmidt spricht bekanntlich schwäbisch.

https://youtu.be/N2XWfeknNtE

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@Hessen001

doch, den verstehen die Kinder, doch sprechen sie ihn nicht, weil sie es nicht wollen. Sie wollen so sein wie die anderen Kinder, somit passen sie sich der Gegend an.

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Kommt darauf an: Wenn beide Eltern wirklich ständig ihren Dialekt reden, dann können die Kinder auch beide - ähnlich wie wenn sie zweisprachig aufwachsen.

Das wird aber eher nicht die Regel sein. Ansonsten übernehmen sie eher den Dialekt der gesprochen wird wo sie wohnen.

Ich selber verstehe viele Dialekte, aber ich habe schon früh Hochdeutsch gesprochen. Meine Mutter spricht Dialekt, aber dieser ist kaum mehr eindeutig zuzuordnen, es ist eine eigentümliche Mischung aus Kölsch und Moselfränkisch-Saarländisch (im Rheinland geboren, aber seit ca. fast 50 Jahren im Saarland wohnend).

Ich kenne viele dialektale Ausdrucksweisen, aber ich muss manchmal überlegen, aus welchem Dialekt dies nun kommt. Durch meinen jetzigen Wohnort kommt nun bei mir auch ein leichtes "Schwäbeln" dazu, obwohl auch andere dialektale Elemente bei mir noch überlebt haben, obwohl ich "eigentlich" Hochdeutsch spreche.

Da meine Frau aus Niedersachsen kommt, habe ich nun Einflüsse aus 4 verschiedenen Dialekten abbekommen.

Im Normalfall werden sie die Dialekte der Eltern zwar verstehen, aber nicht selber sprechen. Das Kind wird das sprechen, was sein Umfeld spricht, unabhängig von den Eltern. Spricht also der Vater sächsisch, die Mutter berlinerisch und die Familie wohnt in Köln, dann wird das Kind den Kölner Dialekt sprechen.

Das sieht man auch schön bei Einwandererfamilien, wo beide Eltern Deutsch mit Akzent sprechen, das Kind diesen aber nicht übernimmt, sondern akzentfreies Deutsch mit dem jeweiligen Dialekt des Wohnortes spricht.

Bei Einwandererfamilien kann man auch sehr gut beobachten, wie sie Mundart mit ausländischem Akzent vermischen.

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Meine Eltern reden Badisch, ich aber Hochdeutsch. Verstehe sie aber natürlich immer.

Mein papa redet immer Dialekt und ich habe ihn mal gefragt, ob er auf Dialekt oder hochdeutsch denkt. Er meinte auf Hochdeutsch. Das hat mich sehr verwundert, da er ja zwar immer mit Hochdeutsch konfrontiert ist, es ja auch einwandfrei versteht, aber selbst nie spricht und wenn muss er sich Mühe geben. Kommt das dann daher, dass er immer auf hochdeutsch denkt, weil er rund um die Uhr von den Medien etc mit Hochdeutsch konfrontiert wird? Aber warum spricht er es dann nicht perfekt, wenn er es ja so denken kann? Vlt ist es dann im Kopf auch nicht perfekt? Finde es einfach sehr spannend, weil ich von einigen Leuten, die Dialekt sprechen gehört habe, dass sie immer auf hochdeutsch denken. Meine Mutter hingegen denkt auf Dialekt.

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Ich bin mit dem Ostdeutschen Dialekt aufgewachsen, als wir 1996 aber nach Salzgitter gezogen sind, um mich und meine Mutter vor dem bösen Ex-Mann (meinem Stiefvater) zu schützen, obwohl mein leiblicher Vater auch nicht viel besser war, musste ich mir das Hochdeutsch angewöhnen und von meinem Vater jedes Mal verbessert werden. Wenn meine Großeltern uns jedoch besuchten, hatte die älteren Leute keiner korrigiert. Ich habe es versucht, weiter zu geben, aber sie ließen es nicht mit sich machen, so wie es mein Vater mit mir machte, dieses ständige korrigieren.

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