Warum spricht in Düsseldorf keiner mehr Platt?

7 Antworten

Ähm, die meisten gebürtigen Düsseldorfer sprechen kein Hochdeutsch. Die Aussprache hat schon eine klare dialektale Einfärbung. Natürlich ist es kein Platt, wo zum Teil auch die Lexik abweicht, aber es ist definitiv kein Hochdeutsch (oder auch Standarddeutsch), was in D'dorf gesprochen wird! Der Dialekt mag nicht so auffällig sein wie beispielsweise Sächsisch, aber wenn man zugewandert ist, so wie ich, dann hört man ganz klar den Unterschied zum Standarddeutschen.

Es gibt durchaus noch Leute (auch junge Leute), die Düsseldorfer Platt sprechen. Richtig ist aber, dass es leider immer weniger werden, wie bei vielen anderen deutschen Dialekten auch.
Meist ist es so, dass sich Dialekte eher in ländlichen Gegenden halten, in Großstädten eher weniger; Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ich persönlich finde es schade, dass immer weniger Menschen Dialekt sprechen. Man sollte zweigleisig fahren, und Dialekt privat sprechen, in der Schule und im Beruf usw. möglichst Hochdeutsch/dialektfrei bzw. angepasst an die jeweilige Situation und den jeweiligen Gesprächspartner.

Die Mundartfreunde Düsseldorf 1969 e.V. haben sich dem Erhalt des Düsseldorfer Platts verschrieben und bieten auch Kurse an, in denen man Düsseldorfer Platt lernen kann.

(https://www.google.de/?gws_rd=ssl#newwindow=1&q=d%C3%BCsseldorfer+platt)

AstridDerPu

Mit Aufkommen der Buchdruckkunst gab es ein wirtschaftliches Interesse, Bücher in einem normierten Deutsch zu verfassen, damit der Verbreitungsgrad gesteigert werden konnte.

Auch Luther wurde mit seiner Bibelübersetzung wortschöpferisch und normierend tätig, damit jeder die gleiche Bibel in der Standardsprache lesen konnte.

Ein dritter Impuls kam aus den Rechtskanzleien, in denen man Verträge in einer normierten Sprache brauchte, damit jeder sie verstand und möglichst wenig verschieden interpretieren konnte.

Aus all diesen Strömungen hat sich also vom Schriftlichen her das Hochdeutsche auch mündlich ausgebreitet und damit die regionalen Dialekte verdrängt. Die Ausbreitung wurde vor allem dadurch gefördert, dass das Hochdeutsche die Sprache in den Schulen, also der Bildung wurde. Damit galten die Dialekte als minderwertig und nur noch für Ungebildete geeignet.

Sobald Eltern aus Furcht, dass ihre Kinder im Schuluntericht Nachteile hätten, ihre Kinder nicht mehr (in Norddeutschland) mit Plattdeutsch erzogen, sondern lieber gleich in Hochdeutsch, war das Todesurteil für Plattdeutsch gesprochen.

Dieser Prozess läuft nun schon seit 500 Jahren, und es ist ein Wunder, dass in einigen Rückzugsgebieten überhaupt noch Plattdeutsch gesprochen wird. Allgemein geht es aber zurück und wird irgendwann nur noch ein Kuriosum sein.

Pessimisten glauben, dass ähnlich irgendwann Englisch das Deutsche in Deutschland verdrängen wird, da Englisch ja als Bildungssprache auf den Universitäten längst weit auf dem Vormarsch ist und "progressive" Eltern ihre Kinder auch schon in englischsprachige Schulen schicken. Deutsch könne man ja "auf der Straße" lernen. Mit diesem Ausspruch hat man auch die Parallele, dass Deutsch bereits als Sprache der Ungebildeten angesehen wird. Es ist schwer vorauszusagen, ob sich dieser Trend fortsetzen wird.

Einerseits ist es schade, wenn Sprachen oder Dialekte aussterben. Andererseits ist es aber auch gut, wenn sich alle Menschen verstehen können :o)

Früher waren die Leute fest in ihrer Umgebung verankert. Da blieb jeder im Dorf, jeder kannte jeden, und alle sprachen dieselbe Mundart. Es gab wenige Einflüsse von außen.

Heute fahren die Menschen täglich ihre 30 Kilometer oder mehr zur Arbeit, wechseln Arbeitstellen und Wohnsitz. Im Kindergarten und in der Schule wird Hochdeutsch gesprochen, im Fernsehen auch. Und in den Zeitungen steht es so geschrieben. Und alle Sprecher unserer Sprache sind mit Medien und Telefonen quasi miteinander verbunden.

Sprachen entstehen durch Isolation. So ist aus Latein Portugiesisch, Spanisch, Italienisch und Rumänisch entstanden. Ähnlich haben sich unsere Dialekte entwickelt. Aber heute gibt es eben keine Isolation mehr. Wir sind alle miteinander verbunden :o)

Bei Düsseldorf geht die Verhochdeutschung schneller, da nach dem Weltkrieg viele Ostdeutsche zugewandert sind und extrem viele Auswärtige hier arbeiten.

"So ist aus Latein Portugiesisch, Spanisch, Italienisch und Rumänisch entstanden. Ähnlich haben sich unsere Dialekte entwickelt."

Ja, aber nicht aus dem Hochdeutschen, das ist jünger.

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@RudolfFischer

Das ist klar, und eigentlich ist das Hochdeutsche ja auch mehr ein weiterentwickelter Dialekt^^

Mir ging es nur um die Prozesse, die Sprachvariabilität entstehen und auch wieder einschmelzen lassen :)

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Das stimmt nicht. Geh mal in den alten Teil des Stadtteils Urdenbach oder einige Bereiche Benraths /beides im Sueden Duesseldorfs) da hoerst du Platt ohne Ende. Dafuer braucht es nicht einmal einen Verein. Die Leute koennen zum Teil gar kein Hochdeutsch sprechen.

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