An der Uni mit Dialekt sprechen?

15 Antworten

Leider meinen in Deutschland viele, Dialekt und Intellekt würden sich ausschließen. In deinem eigenen Interesse solltest du dich darum bemühen, deinen Dialekt so gut wie möglich im Zaum zu halten, da es leider auch genug Dozenten gibt, die das denken.

Ich habe seinerzeit alle Extreme erlebt, vom Dozenten mit breitem Dialekt bis hin zum Dozenten, der einen dialektsprechenden Studenten runtergeputzt hat. Leider gehört Deutschland nicht zu den Ländern, in denen Dialekte akzeptiert werden, das wirst du auch nicht ändern können. Du kannst nur versuchen, dich selbst möglichst gut zu platzieren. Bemüh dich, deinen Akzent auf eine lokale Färbung zu beschränken und Ton dich sprachlich lieber im Privatleben aus. Werde zweisprachig.

(Nebenbei bemerkt habe ich im Leben nach der Uni immer davon profitiert, wissenschaftliche Sachverhalte auch im breitesten Dialekt an Laien vermitteln zu können. Aber an der Uni wird dir das nicht helfen.)

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Generell gilt, dass du mit einem perfektem Hochdeutsch einen besseren Eindruck hinterlässt, als mit einer Mundart, die immer etwas ländlich-zurückgebliebenes ausstrahlt.

Sollte man sich aber den Dialekt slecht abgewöhnen können, ist es noch immer einen Unterschied, ob man mit einem feinen Hamburger spitzes "S" spricht, wie der verstorbenen Helmut Schmidt, oder "a weng schwäbisch daherkommet". Sehr unangenehm hören sich aber Hessisch und Sächsisch an (die kämpferische Sachsen unter euch mögen mir diese Wertung verzeihen, ist nicht persönlich gemeint), die man lieber nicht sprechen sollte.

Hochdeutsch ist für mich total anstrengend zu sprechen; Hessisch geht viel leichter über die Lippen. Wenn ich 30 Minuten Hochdeutsch reden würde, würde ich mehr Energie verbrauchen, als wenn ich 50 Kilometer mit dem Fahrrad fahren würde. Außerdem finde ich Hochdeutsch extrem unsympathisch.

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@chris981716

Vielleicht hilft es dann wenn du in Frankfurt oder Darmstadt studierst, wo vermutlich mehr Studenten sind die so reden. Du solltest die Frage aber nicht danach beurteilen, wie sehr es sich anstrengt, sondern nach der Zielsetzung. Du möchtest ja verstanden werden, und du möchtest, dass deine Umwelt dich als sympatisch und nett wahrnimmt. Beides wird erschwert wenn du Hessisch sprichst.

Ich weiß wie sich das anfühlt. Ich habe mein Französich im Laufe der Jahren halb vergessen, und muss es jetzt wieder auffrischen, da ich es künftig öfter sprechen muss. Ich suche nach Wörter, ich merke, dass meine Grammatik nicht 100% ist, und ich fühle mich unwohl. Wenn ich zwei Stunden Französich sprechen muss, bin ich KO. So ungefähr wird es dir mit Hochdeutsch vergehen, aber glaube mir, es lohnt sich, zu üben.

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Wenn das etwas zurückgebliebenes ausstrahlt, dann wären ja was alle Menschen in Südbaden und der Schweiz zurückgeblieben, weil da hört man den Dialekt ziemlich stark Raus.

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@Mrtin

Ja, die kommen so rüber. Ich habe einen Schwäbischen Freund der als Firmenchef sehr erfolgreich war, und auch rundum vorzeigbar ist. Kommt immer mit einem Porsche Panamera angefahren, hat zwei tolle Yachten, verkehrt in den teuersten Restaurants. Macht er aber den Mund auf, ohne das man ihm sieht, assoziert man die Sprache sofort mit einem der auf einen Trecker durch die Gegend fährt (Entschuldigung, liebe Landwirte, das war kein Seitenhieb auf die Bauern, denn die mag ich sehr).

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Also an der Uni, auf die ich gegangen bin, haben teils sogar die Dozenten in Dialekten gesprochen und zwar nicht nur ansatzweise. Und es gab bei den Dozenten unterschiedliche Dialekte. Aber immerhin noch! verständlich . Bei den Studenten soundso. Kommt vermutlich auf die Uni und auch auf das Studienfach an

normalerweise kriegst du das Dialektsprechen schon am Gymnasium abgewöhnt, in Bayern ebenso wie in Berlin. An der Uni wird es als Zeichen der Unbildung und Unterschichtzugehörigkeit empfunden, sowohl bei der Aussprache als auch bei der Wahl von reinen Dialektwörtern.

Ein leichter Akzent, der die regionale Herkunft andeutet, wird toleriert, es gibt aber auch anspruchsvollere Milieus, wo man diskret den Rat zu hören kriegt, mal beim Logopäden sich bühnendeutsche Aussprache einüben zu lassen.

Wo liegt denn deiner Meinung nach die Grenze? Ist zum Beispiel "de" anstatt "du" oder "gelandt" anstatt "gelandet" schon zu viel? Ich mein so "reine Dialektwörter" wie "Babbsack" oder "Lumbeseckel" kann ich versuchen zu vermeiden, aber die "Vereinfachungen" werd ich mir nie abgewöhnen können. Geht einfach viel schneller/einfacher als ohne.

normalerweise kriegst du das Dialektsprechen schon am Gymnasium abgewöhnt

Mag sein, dass die des bei mir versucht haben, aber es geht einfach nicht (siehe oben).

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@chris981716

Wo liegt denn deiner Meinung nach die Grenze? Ist zum Beispiel "de" anstatt "du" oder "gelandt" anstatt "gelandet" schon zu viel?

Ja. DAs ist Zuviel. Ich habe den Professor, den ich vielleicht akkustisch nicht verstanden habe, auch nicht gefragt: "Wat han se jesaht? Sondern ich habe gefragt: "Was haben Sie gesagt. "Ich habe durchaus einen kölschen Akzent. Ich sage isch und nischt, wahrscheinlisch.Ich fürchte, wenn du ein Referat hältst, hält man dich eher für einen Teilnehmer im "Blauen Bock" und du musst damit rechnen, dass man dir einen Äppelwoi im Bempel serviert.

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@Dahika

Es geht NICHT. Und um meinen alten Mathelehrer zu zitieren: "Man muss nur sterben".

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Wenn ich Hochdeutsch rede hört man den Dialekt auch raus, aber es sollte halt Nahe am Hochdeutschem sein.

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Hochdeutsch ist die offizielle Sprache, auch die Bildungssprache. Mit breitem Dialekt wirst du nicht akzeptiert werden.

Hinnehmbar ist in DE, anders als in FR, ein leichter Akzent, den viele Bayern, Schwaben, Sachsen, Hessen gar nicht verbergen können, siehe Seehofer, Schäuble etc.

Warum ist das in Frankreich nicht erwünscht?

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